Wann ist es ein Rückfall?

Die Angst vor einem Rückfall ist für trockene Alkoholiker sehr groß. Deshalb wird dieses Thema auch sehr oft in unserer Online Selbsthilfegruppe diskutiert. Dann kommen Fragen auf:

  • Wann spricht man von einem Rückfall?
    Ist jeder erneute Alkoholkonsum ein Rückfall?
    Kann ich einen Rückfall sofort wieder stoppen?
    Kann unbewusster Alkoholkonsum zum Rückfall führen?
    Sind alkoholhaltige Lebensmittel gefährlich?

Viele solcher und ähnlicher Fragen kommen sehr oft von neuen Forenteilnehmern, die gerade erst ein paar Tage ohne Alkohol leben. Es ist auch sehr wichtig, sich Antworten auf Fragen zu suchen, die einen beschäftigen.

Ein Rückfall in den Alkoholkonsum ist eine sehr schreckliche Vorstellung, denn er kann sehr schnell wieder zu dem gleichen Alkoholkonsumverhalten zurück führen, wie vor dem Tag, als man aufgehört hat, Alkohol zu trinken. Es gibt nicht unbedingt eine sich wieder einschleichende Steigerung der Alkoholmenge, sondern es geht da weiter, wo man aufgehört hat.


Um es aber mal ganz platt zu sagen, um einen Rückfall erleiden zu können, muss man ja erst mal trocken gewesen sein. Aus meiner Sicht gehört da nicht nur der physische Alkoholentzug dazu, sondern auch eine psychische Alkoholentwöhnung, also ein geistiges Umdenken, was den Alkoholkonsum betrifft. Ich selbst habe damals einige Trinkpausen von jeweils über einen Jahr gemacht, wo ich zwar körperlich keinen Alkohol mehr zu mir nahm, aber von einer geistigen Loslösung keine Rede sein konnte.

Um in jeder Richtung trocken zu sein, braucht es oft sehr viele Jahre, denn es stehen viele Lebensveränderungen an, ein neues Denken muss erlernt werden, was in paar Monaten nicht geschafft werden kann.

Ein Rückfall setzt somit aus meiner Sicht erst mal eine gewisse Distanz zum Alkohol voraus, wo das nicht trinken nicht ausreicht.
Oft wirkt die Anfangseuphorie von alkoholkranken Menschen sehr stark, denn durch den körperlichen Entzug geht es einem nach sehr kurzer Zeit sehr gut, man fühlt sich gesundheitlich besser und ist frohen Mutes, es geschafft zu haben, den Alkoholkonsum ein Ende bereitet zu haben. Leider bringt diese Euphorie auch einige Gefahren mit sich und die ersten Kompromisse schleichen sich auch schon wieder ein. Sehr oft lesen wir von:

  • Alkoholtrinkende Menschen in meinem Umfeld machen mir nichts aus
    Ich möchte meine Freunde nicht aufgeben, denn ich habe ja das Alkoholproblem und nicht meine Freunde
    Erstmal alles nachholen, wie Urlaub, obwohl das sehr gefährlich sein kann

Um diese Aufzählung nicht ins Endlose zu treiben, könnte man es auch so zusammen fassen, man möchte einfach sein Leben so weiter führen wie bisher, nur eben ohne Alkohol.


Das kann vom Grundgedanken schon gar nicht funktionieren, denn bei wirklich alkoholabhängigen Menschen, hat sich während der trinkenden Zeit, das Leben nach der Möglichkeit verändert, immer Alkohol trinken zu können. Da sollte man einfach mal logisch überlegen, wie in Lebensumständen, die auf den Alkoholkonsum ausgerichtet sind, ein Leben ohne Alkohol möglich sein kann.

Um sich seine Gedanken vor sich selbst zu rechtfertigen, werden Ausnahmen herangezogen, wo man über drei Ecken erfahren hat, dass irgend jemand auch trocken lebt, der so lebt, wie man es sich selbst gerne wünscht. Sicherlich wird es diese Ausnahmen vielleicht sogar geben, aber weiß man es wirklich, ob es bei einem selbst funktioniert?
Theoretisch ist vieles möglich und nur reden oder seinem Wunsch hinterher zu laufen, ist nicht wirklich geeignet, um dauerhaft nüchtern leben zu können. Gerade am Anfang sind viele Handlungen erforderlich, um die kurze Nüchternheit zu stabilisieren. Seine Träume kann man dann in einer stabilen Trockenheit immer noch realisieren. Schließlich hat man ja auch viele Jahre seines Lebens beim saufen verschwendet. Da sollte man sich auch ein paar Jahre Zeit nehmen, um sein neues Leben zu erlernen.

Um auf die Ursprungsfrage zurück zu kommen, wann es ein Rückfall ist.
Ein Rückfall beginnt nicht erst mit dem ersten Schluck Alkohol, sondern wird schon oft sehr viel früher in den Gedanken vorbereitet. Ist ein Rückfall gedanklich gefestigt, ist es meistens schon zu spät.

Fragen, wie:

  • Kann ich Essen mit Alkohol kochen?
    Ist alkoholhaltiges Eis gefährlich?
    Muss ich jetzt meine trinkenden Freunde meiden?

Oder ähnliche Fragen, zeigen er, wie nah der Alkohol noch in seinen eigenen Gedanken ist. Wenn jemand eingesehen hat, dass er oder sie alkoholkrank ist und die Droge Alkohol sein ganzes Leben und seine Gesundheit zerstört hat, der wird dem Alkohol nicht hinterher laufen, sondern ihn soweit wie möglich meiden, wie es in unserer Gesellschaft möglich ist. Das ist schon sehr schwer.

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