Welche Wege zur Trockenheit?

Das Hilfsangebot für Betroffene der Alkoholabhängigkeit ist sehr groß. So könnte auch jeder seinen Weg finden, der ihm oder ihr eine dauerhafte Trockenheit ermöglichtet.
Nur welcher Weg ist für jeden einzelnen Alkoholkranken der richtige Weg?

In der Regel haben viele alkoholkranke Menschen schon viele Versuche hinter sich, die in einem Rückfall endeten. Dabei vergehen oft viele Jahre, die auch die Motivation, es jemals schaffen zu können, sinken lassen. Ob mit einer Alkoholtherapie in einer Therapieeinrichtung oder auf ambulanten Wege, vielen Entgiftungen ambulant oder stationär, Gesprächen beim Psychologen, viele Hilfen werden in Anspruch genommen, aber eine dauerhafte Trockenheit wird nicht erreicht.


Der Alkohol wird ja oft als Hilfe bei Problemen angesehen und wenn es nicht gleich so funktioniert, wie man sich ein trockenes Leben vorstellt, wird sehr schnell wieder zum Alkohol gegriffen. Dieser Kreislauf verschlimmert nicht nur die Situation, sondern kann auch zur endgültigen Selbstaufgabe führen.


Woran liegt es, dass es nur sehr wenige Betroffene der Alkoholabhängigkeit schaffen, sich dauerhaft vom Alkoholkonsum zu lösen und sich ein zufriedenes alkoholfreies Leben aufzubauen? Gibt es zu viele Hilfsangebote, die sich vielleicht in ihren Programmen widersprechen, so dass man dann nicht wirklich weiß, welche Dinge einem nützen und hilfreich sind?

Jeder Alkoholiker ist individuell und es sollte immer auf seine persönlichen Bedürfnisse eingegangen werden. Das ist eines der Hauptmerkmale der Suchthilfe. Nur was, wenn die eigenen Vorstellungen ganz anders sind, als die angebotene Hilfe?
Als Beispiel eine vom Arzt empfohlene stationäre Alkoholentgiftung, weil es aus seiner Sicht zu gravierenden Entzugserscheinungen kommen kann, die besser im Krankenhaus behandelt werden sollten. Der oder die Betroffene möchte aber lieber ambulant entgiften. Steht hier nun der Wunsch des Alkoholikers im Vordergrund oder die Notwendigkeit, die empfohlene Hilfe auch in Anspruch nehmen zu wollen?

Auch in der Selbsthilfe, wo es ja um die Vermittlung von eigenen und persönlichen Erfahrungen geht, kommen sehr oft Widersprüche auf. Viele lange schon trockene Alkoholiker/innen haben für sich einen Weg gefunden, ihre Alkoholabhängigkeit zum Stillstand bringen zu können. Dieser Weg ist oft mit Lebensveränderungen verbunden, die neue Hilfesuchende für sich aber ablehnen, weil sie den Sinn nicht erkennen. Obwohl sie schon viele Jahre vergeblich eine dauerhafte Nüchternheit anstreben, können sie die Erfahrungen von anderen trockenen Alkoholikern oft nicht annehmen.

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