| Wenn man dauerhaft nüchtern
leben möchte, ist es wichtig, dass man dem näherem Umfeld von
seiner Alkoholkrankheit erzählt und sich outet. Dazu zählen
meiner Meinung, die Familie, die Arbeitskollegen und auch die
Menschen, die ich weiterhin zu meinen Kontakten zählen möchte.
Dadurch kann man viele Gefahren aus den
Weg gehen und Risiken für einer Rückfall minimieren. Jede
Situation, wo ich mich erneut erklären muß, warum ich keinen
Alkohol trinke, wird jedes mal eine neue Herausforderung, wo ich
mich entscheiden muß, ob ich die Wahrheit sage oder ob ich mir
eine Ausrede einfallen lassen muß. Die Anstrengung, immer zu
wissen, wen ich was gesagt habe, macht es mir auch nicht
leichter. Verwicklungen und Widersprüche bedeuten für mein
Gegenüber Zweifel und Misstrauen.
Wenn ich ehrlich und offen mit meiner
Alkoholkrankheit umgehe, gehe ich nicht nur diese Situationen
aus den Weg, sondern bekomme auch Unterstützung, wenn ich mich
Gefahren aussetze. Menschen, die ständig Alkohol trinken, mein Alkoholproblem
nicht verstehen können oder wollen, werden sich
von mir und ich mich von ihnen, früher oder später
distanzieren.
Ich habe noch niemanden getroffen, der
mich wegen meiner Offenheit schief angeschaut hat. Im Gegenteil,
viele aufmunternde Worte und eben so viele gesenkte Blicke von
Menschen, denen ihr eigener Alkoholkonsum eben bewusst wurde.
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