Für viele Menschen, die zwar für sich erkannt haben, dass sie ein Alkoholproblem haben, sind
Handlungen und
Lebensveränderungen, die aus den
Erfahrungen der schon lange trocken lebenden Alkoholikern beruhen, schwer umsetzbar und auch oft werden diese Handlungen auch nicht eingesehen. Die Betroffenen möchten im Grunde genommen ihr Leben so weiterführen, wie bisher, ohne Alkohol zu
trinken.
Dieses Risikoverhalten wird dann oft durch einen Kreislauf begleitet, der von
Trinkpausen und wieder Trinken geprägt ist.
Weil sie sich zum Beispiel kein neues und vor allem alkoholfreies Umfeld aufbauen können oder wollen, sich aber auch im alten Umfeld, wo oft sehr viel
Alkohol getrunken wird, nicht mehr dazugehörig fühlen, isolieren sie sich oft, so dass sie lieber wieder Alkohol trinken, um ihre alten
Freunde und Bekannte nicht zu verlieren.
Das Leben eines alkoholkranken Menschen ist über Jahre und oft über Jahrzehnte vom Alkohol geprägt. Die
Freizeitgestaltung, die Freunde wurden so gewählt, dass sie ungestört ihrem
Alkoholkonsum nachgehen konnten und deswegen nicht angesprochen wurden. Um sich nun aber ein Leben ohne Alkohol zu stellen, ist es wichtig, das bisherige Leben so zu verändern, dass keine soziale oder gesellschaftliche
Isolation aufkommt, denn ein Leben ohne Freunde kann ganz schnell zur
Unzufriedenheit führen.
Oft kommt das Argument auf, überall wird Alkohol getrunken und es gibt keine Menschen, die wirklich
alkoholfrei leben. Da sich das bisherige Leben eben nach dem Alkohol ausgerichtet hat, nichttrinkende Menschen bisher nicht zu dem Umfeld gehört haben, heißt es aber nicht, dass es diese Menschen nicht gibt.
In unserem Land leben zwar mehrere Millionen alkoholkranke- und alkoholgefährdete
Menschen, aber wir haben ca. 80 Millionen Einwohner.
Sich ein neues trockenes Umfeld aufzubauen ist sicherlich nicht leicht, aber wie das Leben von vielen trockenen Alkoholikern zeigt, ist dies möglich.
Bei der Risikominimierung spielen viele
Faktoren, wie eben auch neue
Interessen, neue Freizeitgestaltungen und neue Freunde, eine Rolle. Jeder
Kompromiss zur eigenen
Nüchternheit ist ein Risiko, denn Kompromisse haben
Grenzen und irgendwann wird dann mal eine Grenze überschritten.
Für eine dauerhafte Nüchternheit ist eine geistige und körperliche Distanz zum Alkohol sehr wichtig. Fehlt diese Distanz werden sich Gedanken nicht verändern können, die für ein Leben ohne Alkohol wichtig sind.
Begebe ich mich in Gefahr, also ständig unter Menschen, die Alkohol trinken, werden oft Verzichtsgedanken aufkommen, weil man sich nicht mehr dazugehörig fühlt. Baue ich mir ein Leben ohne direkten Kontakt zum Alkohol auf, werde ich erkennen, dass mir der Alkohol nicht fehlt und ich ihn zum glücklichen Leben nicht brauche.