| 2008 • Meine Eltern Alkoholiker? |
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kampfgeisterin neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.12.2007 Beiträge: 8 Wohnort: Ruhrgebiet
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Verfasst am: 30.12.2007, 13:53 Titel: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? |
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Ich, w, Anfang 30, Tochter eines alkoholabhängigen Vaters , dachte bis vorgestern eigentlich über dem Thema "Coabhängigkeit und Akzeptieren der Krankheit" längst souverän zu stehen. Bin seit 10 Jahren von zu Hause ausgezogen und stehe fest im Leben. Das das gar nicht so selbstverständlich ist wird mir immer dann klar, wenn ich meine Family besuche und der Situation zu Hause begegne. Ich hab eine eigene Suchtgeschichte hinter mir und war acht Jahre aktiv magersüchtig ( was ein anderes Thema wäre), daher sind mir die Mechanismen von Sucht vertraut- auch aus eigener Erfahrung. Aber bei stofflichen Süchten wie Alk scheint es irgendwie anders zu funktionieren.
Deshalb fehlt mir grad das Verständnis für die aktuelle Situation: Weihnachten war die Katastrophe. Mein Dad liegt nach ein paar Tagen Familienfeier ( = schlechte Ernährung, zuviel Trinken) im Krankenhaus auf Intensiv- die letzten 45 Jahre Trinken haben ihn fertig gemacht und jetzt rächt sich sein Körper mit Herzproblemen und Diabetes. Dazu kommt eine Phase intensiven Suchtverhaltens ( da er nie trocken war eben auch kein Rückfall), die er jetzt mit dem unfreiwilligen Entzug im Krankenhaus nicht so weiterleben kann ( zumindest nicht die nächsten zehn Tage).
Und ich mach mir Sorgen... nee, eigentlich weniger. Mir fehlt das MItleid und Da sein Wollen ( macht man das nicht als erwachsene Tochter- sich um Eltern kümmern, falls sie ein Pflegefall werden..) irgendwie finde ich, ist er selbst schuld und sollte da jetzt alleine durch, jetzt wäre der Moment einen Schlußstrich zu ziehen und sich dem Leben zu stellen. Ich glaube er könnte es- den Dickkopf sich durchzusetzen und Widerstände zu überwinden habe ich von ihm, beruflich hat er das immer zu nutzen gewusst und privat soll er das jetzt gefälligst auch mal anwenden.
Bin ich da zu hart? Ich mag meine Eltern- bin mittlerweile stolz auf dass was sie mir trotz aller Krisen mitgegeben habe und wo ich ihnen ähnlich bin ( naja... manches auch gegen meinen Willen, gell?) Aber meinen Dad pflegen, da sein, ohne dass er Einsicht hat, würde heißen dass wieder mal ich die Konsequenzen trage für seine Sucht - mehrn noch als bisher durch eine anstrengende Kindheit ( das reicht schon als Rucksack für den Alltag). Vielleicht habe ich doch nicht akzeptiert dass Alkoholismus SElbstmord auf Raten ist- und er genau den scheinbar will. Grade frage ich mich, wann die Auseinandersetzung irgendwann mal ein Ende hat und ich diese Endlostraurigkeit mal besiegen kann- oder das Aushalten nicht mehr so weh tut. Merke dass ich vom Kopf her das ganze sehr abgeklärt sehen kann- und emotional dennoch überfordert bin.
Meine Frage an euch andre Kinder- wieviel/ wie wenig Hilfe bietet ihr euren altgewordenen süchtigen Eltern an/ wie ist das mit dem " Generationenvertrag" im Fall Alkoholabhängigkeit zu sehen?
Und wie sehen dass die Suchtkranken unter euch? Danke für eure posts- allein das Herumstöbern hier hilft mir schon, merk ich, weiter. |
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| kampfgeisterin hat zum Thema: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? geschrieben
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Mouna neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.12.2007 Beiträge: 3 Wohnort: Saarbrücken
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Verfasst am: 31.12.2007, 00:02 Titel: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? |
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Hallo,
ich mache mir die selben Gedanken über meinen Vater.
Er hat mich all die Jahre ignoriert, mich nervlich wie seelisch tyrannisiert.
Die Wut über ihn ist so groß das ich heute denke, " Mach ruhig so weiter und du wirst sehen was du später davon hast, wenn du alt bist, und unser Hilfe brauchst"
Doch ich weiß nicht wie ich reagiere wenn es wirklich soweit kommt, wenn er wirklich meine Hilfe braucht. Er ist mein Vater, aber anderseits ein Mensch der mir bis heute das Leben schwer macht. |
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| Mouna hat zum Thema: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? geschrieben
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kampfgeisterin neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.12.2007 Beiträge: 8 Wohnort: Ruhrgebiet
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Verfasst am: 02.01.2008, 17:49 Titel: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? |
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Danke Mouna, für dein posting.
Mein Denken in die Richtung geht weiter.Was mich ganz praktisch interessiert- kannst du mit deinem Vater darüber reden? bzw. wie könnte so ein Gespräch aussehen?
" hey,Papa, wenn du aufhörst zu trinken, wäre ich bereit dich zu pflegen oder wieder in die Nähe von zu Hause zu ziehen, um ein Auge auf dich zu haben. wenn du das mit der Sucht nicht in Griff kriegst, muss ich dich leider ins Heim abschieben.."
Mal ganz hart und unbarmherzig formuliert läuft es doch auf diese Kernaussage hinaus. Klingt irgendwie erpresserisch. Trotzdem: Irgendwie scheint dass der einzige Weg zu sein, bei dem ich nicht drauf gehe und mich ständig konfrontieren muß- mein TRAUM WÄRE EIN ANDERER; in der Nähe wohnen können, entspannter Kontakt, irgendwann ein Opa der mit meinen zukünftigen
Kindern spielt, im Fall von Krankheit die letzte Strecke Weg auf dieser Erde gemeinsam gehen und sich in Würde für beide Seiten verabschieden.
P.S. Mein Vater ist von Intensiv runter- und wird um eine Herz- op nicht drumrum kommen. Dann wird das Thema Entzug/ Reha etc von der Klinik wohl angeschnitten. Ich hoffe er nimmts ernst..ist nochmal was andres von offizieller Stelle als wenn die Tochter nervt.
Für heute tschöö von der Kampfgeisterin |
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| kampfgeisterin hat zum Thema: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? geschrieben
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Mouna neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.12.2007 Beiträge: 3 Wohnort: Saarbrücken
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Verfasst am: 03.01.2008, 00:50 Titel: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? |
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Hallo Kämpferin,
ich weiß nicht was ich zu meinem Vater sagen würde, im Moment ist es so, das ich seid Weihnachten keinen Kontakt mehr gibt. Ich bin seid 1 Woche bei meinen Eltern, aber ich werde völlig ignoriert.
Was ich sehr oft hier lese ist, das man den Vater oder die Person loslassen soll. Der Betroffene hat sich sein Leben so ausgesucht, und man muss als Tochter diesen Weg akzeptieren. Ich bin ein Mensch der nicht loslassen kann,
schon gar nicht wenn mich so eine Sache emotional auffrisst.
Ich habe mir überlegt meinem Vater einen Brief zu schreiben, ihm erklären welche Ängste ich habe, welche Wünsche ich für eine gemeinsame Zukunft als Familie habe, ob es was bringt, ich denke nicht. Aber es ist ein weiterer Versuch. Vielleicht solltest du es mal probieren!
Ich kann keinen Freund nach Hause bringen, ich schäme mich zu sehr. Und spätere Enkelkinder? Er hat zu mir schon keine Beziehung, wie sollte er zu ihnen dann einen haben? Und ich möchte meinen Kindern das alles ersparen.
Vielleicht hat diese Zeit auf Intensiv deinem Vater ein anderes Denken verschafft, manchmal hilft es wenn sie mit Sachen konfrontiert werden, die abschrecken, wie schnell ein Leben vorbei sein kann.
Ich weiß nicht ob du dieses Denken auch hattest, aber ich habe Angst das meine Mutter früher von mir gehen wird, und ich dann meinen Vater habe, der eigentlich nicht wirklich ein Vater ist, nicht so wie er ist, und vor allem die Beziehung zwischen uns.
Ist dieses Denken krank?
Ich hoffe ich höre von dir bald wieder, tut schon gut mit einer Person darüber zu "sprechen"
lg |
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| Mouna hat zum Thema: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? geschrieben
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kampfgeisterin neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.12.2007 Beiträge: 8 Wohnort: Ruhrgebiet
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Verfasst am: 03.01.2008, 17:43 Titel: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? |
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Hi mal wieder,
Danke für deine Offenheit. ja es tut gut, zu schreiben und zu denken.
Dass mit dem Brief ist so ne Idee. hab ich schon früher mal gemacht.
Ich weiss noch in der siebten Klasse hatten wir das Thema Alk im Politikunterricht und da ist mir zum ersten Mal aufgeblitzt, dass die Fakten die wir da lernen meine Familie beschreiben. Da bin ich abends mal ins Wohnzimmer zu meinem Vater und hab geheult und gesagt er soll mit dem *** aufhören weil es sonst immer schlimmer wird. Ich hab ihm die Fotos von Alkoholikern und die Zahlen mit den Krankheitsstatistiken aus dem Politikbuch gezeigt und ihn angefleht nie mehr zu trinken. Und er hats versprochen und mich getröstet. Zwei Wochen später war alles vergessen und ich richtig heftig enttäuscht. Da hab ich ihm auch nen Brief geschrieben.Vielleicht ist es jetzt anders. Werd ihm eh ein Päckchen packen für ins Krankenhaus. Ein nettes Buch, ne Karte.. mal sehen, was ich ausser den Grüßen noch schreibe.
| Mouna hat Folgendes geschrieben: |
Ich kann keinen Freund nach Hause bringen, ich schäme mich zu sehr. U
Ich weiß nicht ob du dieses Denken auch hattest, aber ich habe Angst das meine Mutter früher von mir gehen wird, und ich dann meinen Vater habe, der eigentlich nicht wirklich ein Vater ist, nicht so wie er ist, und vor allem die Beziehung zwischen uns.Ist dieses Denken krank? l |
Nö, glaub ich nicht. Mir gehts auch so.. ich meine, natürlich sind diese Gedanken nicht sehr angenehm und mir zu überlegen, was wenn meine Mutter oder mein Dad als erste " gehen" und was mir lieber wäre.. seltsame Gedanken, denn aussuchen können wir uns das nicht. Mir zeigt es, wie sehr ich unter dercsituation leide und dass die Überforderung stärker zu sein scheint als die Fähigkeit bis zuletzt zu hoffen, zu lieben..
Aber mir geht das auch durch den Kopf, was wenn Er übrig bleibt und sein Leben nicht in den Griff bekommt. Ist er dann nicht auch lebendig tot? Und: Ist er nicht eigentlich schon längst gegangen... irgendwann vor 30 Jahren. ..Und immer dann, wenn er mal einige Tage trocken war, hat er den Kopf zur Tür hineingesteckt und wieder kurz in mein Leben hineingelugt. Ob er überrascht war, über die inzwischen erwachsen gewordene Tochter? Über die sich auflösenden Familienstrukturen? Und kurz bevor Beziehung zu dem totgeglaubten möglich wurde, ich mich traute, sowas wie Freude zu fühlen... verschwand er wieder...abgetaucht in die Sucht.
Dass mit den Freunden ist so ne Sache. Bis zum Studium mit 19 hatte ich quasi keine. Mittlerweile weiss ich, dass die Versteckspiele gegenüber den andren Kids auf dem Dorf nicht hätten sein müssen, weil eh alle Bescheid wissen. Und ich hab heldenhaft gedacht ich behüte ein Geheimnis. Meine Mum versucht es immer noch zu bewahren , dabei hat sich weder ihr Wohnort noch der Konsum geändert.
Mittlerweile habe ich Freunde und einen wundervollen Mann an meiner Seite, aber ich weiss auch, dass diese Beziehungen nie möglich geworden wäre, wenn ich nicht strikt auf räumliche Distanz zu meiner Familie gelebt hätte und es tlw immer noch tue. Manchmal müssen die sich ganz schön was anhören von mir oder mit einer sehr zurückgezogenen Gesprächspartnerin leben, die mit den Gedanken ganz woandersder ist. Schwierig genug, ich schäme mich immer noch und denk mir was wohl die Schwiegereltern denken... wenn dann mal die Familienzusammenführung ansteht. Menschen vor denen ich mich rechtfertigen müsste, gibts also immer, egal ob Freund oder nicht. Ich wünsch mir Frieden über der Sache und ein klares "Da komm ich her- und trotzdem ist was aus mir geworden und ich muss mich nicht verstecken vor der Welt und es niemandem recht machen oder beweisen."
Hmm- das Ziel ist klar. Weiter gehts. CU |
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| kampfgeisterin hat zum Thema: Re: Verantwortung übernehmen nein!- pflegen/ helfen im Alter? geschrieben
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