| Warum hat er keinen Kater??? • Schlimmer Saufdruck |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Freund Gast
|
Verfasst am: 10.12.2007, 10:18 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
Hallo Herrmann,
Micha hat es schon auf den Punkt gebracht.
Allerdings unterscheiden wir auch nasses und trockenes Denken.
Gruß, Freund. |
|
| Nach oben |
|
| Freund hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
Freund Gast
|
Verfasst am: 10.12.2007, 10:31 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
Hallo panther,
| panther hat Folgendes geschrieben: | | ... erst dachte ich das kann ja gar nicht. glückliche zufriedene trockenheit. gibs das überhaupt oder ist das nur mich vorgaugeldes aufpuschen mit schönen worten. |
Da warst du nicht alleine. Es entzieht sich nun einmal jeden nassen Vorstellungsvermögens. Auch damals bei mir.
Weil die Sucht und alten Verhaltensmuster in einem tief eingebrannt waren. Kein eigenständiges Denken möglich war, der Alkohol sich allmächtig und "bakteriell" ausgebreitet hatte.
Und eine glückliche, zufriedene Trockenheit kann man auch nie erleben, nie nachempfinden, wenn man z.B. NUR nicht trinkt, sonst alles in seinem Leben so belässt, wie es war.
Aber alles braucht seine Zeit.
Gruß, Freund. |
|
| Nach oben |
|
| Freund hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
JoeDoe aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.08.2007 Beiträge: 612 Alter: 37 Wohnort: Köln
|
Verfasst am: 10.12.2007, 10:48 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
Hallo zusammen,
diese doch manchmal auftretetende Differenz in der Bedeutung mancher Begriffe (z.B. 'nüchtern' und 'trocken') ist mir auch schon aufgefallen.
Da wäre auch die Frage: Reden wir hier eigentlich über das Erreichen einer zufriedenen Trockenheit, oder über eine trockene Zufriedenheit?
Ich glaube, da liegt ein wesentlicher Unterschied verborgen, wenn man über die Frage sinniert, ob man sich in einer Trinkpause oder auf dem Weg in die erfolgreiche und verzichtsfreie Abstinenz befindet. Sicher ist die Trockenheit im ersten Schritt das primäre Ziel. Diese auch noch 'zufrieden' zu gestalten ist dabei ein Bonbon oben drauf. Auf Lange Sicht jedoch sollte die Zufriedenheit mit sich selbst und die daraus gewonnene Lebensfreude das Ziel des eigenen Strebens werden und das Attribut 'trocken' diesen Zustand in voller Selbstverständlichkeit näher beschreiben.
Also von der zufriedenen Trockenheit hin zur trockenen Zufriedenheit. Das sind so meine (zugegebenermaßen noch unerfahrenen) Gedanken zum Thema.
Liebe Grüße
J. |
|
| Nach oben |
|
| JoeDoe hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32811 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 10.12.2007, 11:11 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
Hallo,
jeder legt die Worte oder versteht die Worte anders.
Wichtig ist, dass man sich bewußt wird, dass es nicht reicht, nur nichts mehr zu trinken.
Für mich bedeutet das, dass ich meine Gedanken soweit verändern müssen, dass es mir in Fleisch und Blut übergeht, mein Schutzverhalten in jeder Situation ohne Nachzudenken anwenden kann.
Es hat bei mir Jahre gedauert, bis ich mein Leben soweit aufgebaut habe, dass bei jeder Situation, bei jedem Vorhaben und bei jeder Frage, immer erst der Gedanke kam, wie vereinbarst du das mit dem erforderlichen Alkoholkonsum, ohne den ich ja nicht leben konnte.
Heute ist es andersrum und ich habe meine Nüchternheit so verinnerlicht, dass ich unbewußt handle. Ich schaue wie andere nach dem Preis beim einkaufen, auf die Inhaltsstoffe.
Mein Unterbewußtsein "tastet" mein Gegenüber ab, ob dessen Gesellschaft mir gut tut oder nicht.
Das sind jetzt nur zwei Beispiele.
Der Punkt Zufriedenheit definiert sich für mich so, dass es von ersten Zag für mich eine Lebensbereicherung bedeutete, dass ich ohne Alkohol leben konnte.
Sicherlich war nicht alles vom ersten Tag an Sonnenschein. Da ich aber das Glück hatte, keine richtige Wohnung, keine Arbeit, keine Freunde und auch kein Geld zu haben, war jede Minute, die ich nicht an Alkohol dachte, eine glückliche Minute.
Heute bin mehr als zufrieden, ich bin glücklich, weil ich akzeptiert habe, dass ich nicht immer gewinnen muß. Solange ich gegen den Alkohol gekämpft habe, war ich der Verlierer.
Als ich akzeptiert habe, dass ich nicht gewinnen kann, war ich der Gewinner. |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
Freund Gast
|
Verfasst am: 10.12.2007, 11:12 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
… und ich möchte noch einmal meine Gedanken einbringen, auch wenn ich es an anderer Stelle schon einmal geschrieben habe, aber doch jedes Mal mit anderen Worten:
Ich beziehe mich auf eine meiner vielen Trinkpausen, die einmal ca. 2 Monate war, so entsinne ich mich. Und wenn sie länger hätte sein müssen, hätte ich es auch geschafft. Grund: meine damalige, bevorstehende MPU.
Was war passiert ? Meinen Tiefpunkt hatte ich damals nicht.
Mein größter Wunsch war, meinen Lappen zurück zu bekommen, Handicap war eben vorweg die med. psychol. Untersuchung, ugs. Idiotentest.
Für mich zählten nur die Leber- und Blutwerte, die ich regelmäßig mir bei meinem Hausarzt habe attestieren lassen, so dachte ich, wollte damit bei der Prüfungsinstitution glänzen.
Mit ungeheurem Willen diesem Tage x entgegen sehend, wandelte ich aber weiter durch mein alkoholdurchtränktes Leben, saß bei „Freunden“ in der Gastronomie bei einem Glas Wasser, sie selbst bei meinem geliebten Bier. All mein Denken und Fühlen war ja noch auf diese Welt gerichtet und fixiert, in der nun einmal Alkohol als Spaß- und Haupternährungsmittel galt.
Das war als wenn ich einen Schalter in meinem Kopf umgelegt hatte, auf dem allerdings unterbewußt einige Spannung saß.
Ich möchte sogar aus meiner Erinnerung behaupten, dass ich jene Wasser oder Colagetränke mit Genuß getrunken habe, obwohl eben neben mir manches Mal Leute meinem Suchtgetränk fröhnten. Ich habe da also wahrscheinlich nur mein Suchtgehirn manipuliert, es getäuscht, den großen Preis des Lappens ihm vorgegaukelt.
Ich konnte mich aber, postum gesehen, nie vom Alkohol in dieser Zeit lösen. Auch habe ich paradoxerweise diese Zeit mit relativ klarem Verstand genossen. So müsste/hätte doch jeder gesunde Mensch mir die Frage stellen können, wieso ich denn dann wieder angefangen habe zu trinken.
Weil ich nur nicht getrunken habe, aber fern von trockenem Denken und Leben war.
Mein Belohnungssystem schlug gnadenlos am Tage x zu, der der MPU.
Meine Blutwerte waren mittlerweile hervorragend, das M war geschafft, aber der Psychologe erkannte vorgegaukeltes, trockenes Denken, ich habe mich nie mit dem Kern meiner Krankheit und dem Weg heraus befasst. Durchgefallen !
Stunden später, Blutalkoholgehalt schon in erhöhtem Maße, sinnierte ich über den eventuellen Tagesverlauf, hätte ich die MPU bestanden.
Der Rückfall hätte so oder so stattgefunden. Kein Unterschied. Die Belohnung war überfällig.
Der auf Spannung stehende Schalter war zurück geknallt.
Eben eine Trinkpause.
Gruß, Freund. |
|
| Nach oben |
|
| Freund hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
panther sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.01.2007 Beiträge: 2328 Wohnort: ich wohne in mir, mein zuhause ist meine seele
|
Verfasst am: 10.12.2007, 14:43 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
| Zitat: | Heute ist es andersrum und ich habe meine Nüchternheit so verinnerlicht, dass ich unbewußt handle. Ich schaue wie andere nach dem Preis beim einkaufen, auf die Inhaltsstoffe.
Mein Unterbewußtsein "tastet" mein Gegenüber ab, ob dessen Gesellschaft mir gut tut oder nicht. |
hm, da fehlt mir was. so wie du das schreibst karsten wäre das wie fahrrad fahren lernen. irgendwann denkt man nicht mehr drüber nach und fährt einfach fahrrad. aber hier bei der alkoholkrankheit muß sich dieses prinziep unterscheiden, sonst bräuchte ich ja nicht mehr auf mich zu achten und keine shg mehr beiwohnen/besuchen. kannst das noch besser erklären?
ach und freund bei dieser mpu geschichte. hattest du von anfang an im kopf: wenn ich die mpu hab, dann kann ich ja mal wieder was trinken oder hattest du ernsthaft gedacht aufzuhören und hast nicht gemerkt, daß du in rückfall reinschlitterst? und damit eine trinkpause hattest.
gruß panther |
|
| Nach oben |
|
| panther hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
Nicole Gast
|
Verfasst am: 10.12.2007, 14:55 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
Hallo,
| Zitat: | Es hat bei mir Jahre gedauert, bis ich mein Leben soweit aufgebaut habe, dass bei jeder Situation, bei jedem Vorhaben und bei jeder Frage, immer erst der Gedanke kam, wie vereinbarst du das mit dem erforderlichen Alkoholkonsum, ohne den ich ja nicht leben konnte.
Heute ist es andersrum und ich habe meine Nüchternheit so verinnerlicht, dass ich unbewußt handle. Ich schaue wie andere nach dem Preis beim einkaufen, auf die Inhaltsstoffe.
Mein Unterbewußtsein "tastet" mein Gegenüber ab, ob dessen Gesellschaft mir gut tut oder nicht. |
Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe Karsten, ist das die Automatisierung. Die mir ja wenn ich das Unterbewusstsein viele Jahre "umtrainiert" habe, einen Teil der Zufriedenheit bringt.
LG
Elocin |
|
| Nach oben |
|
| Nicole hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32811 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 10.12.2007, 15:47 Titel: Re: Trinkpause? |
|
|
Hallo,
Zufriedenheit kan man sich nicht aufzwingen, sie muß gelebt und gefühlt werden.
Ich weiß nicht, wie ich es besser erklären könnte.
Die Grundeinstellung ist mein persönlicher Tiefpunkt.
Ich habe ja schon öfter geschrieben, dass es für mich nicht weiter nach unten ging und ich mich durch die Nüchternheit für mein Leben entschieden habe.
Am Anfang war wir alles egal, was ich machen sollte. Ich habe es , ohne zu hinterfragen, gemacht.
Ich habe nicht gefragt, warum ich zum Arzt muß, sondern wann darf ich zum Arzt.
Mir war es auch egal, warum ich nicht alleine sein durfte und bestimte Gespräche, die ich mit anderen führte, unterbrochen wurden.
Ich habe mir nur gesagt, es muß wohl richtig sein, auch wenn ich es mir nicht erklären konnte.
Ich war einfach nur froh, dass mir andere Menschen zeigten, wie ich ohne Alkohol leben kann. Das war für mich Zufriedenheit genug.
Heute lebe ich diese Zufriedenheit bewußt. Ich kenne das Gefühl Saufdruck, was hier öfter hinterfragt wird, nicht. a ich mich für die Nüchternheit entschieden habe, gibt es keinen Druck, das alte Leben oder den Alkohol wiederzuerlangen.
Da ich keine Verzichtsgedanken habe, kenne ich also kein Saufdruck.
Saufdruck=Verlangen?
Das würde bedeuten, dass ich noch zu viele positive Dinge mit dem Alkohol verbinde. Eventuell den Alkohol als Hilfe zum vergessen oder zur Entspannung noch ansehe.
Die Verinnerlichung des nüchternen Lebens, die Automatisierung ergibt sich aus der Kapitulation.
In keinen meiner Gedanken gibt es die Altanative Alkohol. Ega was passiert, es gibt Lösungswege.
Den Austausch werde ich dennoch immer brauchen. Ich habe ihn hier im internen Forum, mit meinen Freunden und auch nähreren Bekannten.
Für mich ist der Austausch wichtig, weil ich selbst Veränderungen an mir, meinem Verhalten und meinen Gedanken nicht schnell genug erkenne. Wenn ich nach Wochen jemanden wiedersehe, bekomme ich Feedback über meine eventuellen Veränderungen.
Diese Menschen kennen mich und machen mich auf eventuelle Veränderungen, die zu einem falschen denken führen können, aufmerksam.
Am Anfang ist der Austausch sicherlich wichtig, um Risiken zu erkennen und sich aus den Erfahrumgen der anderen Lösungswege zu suchen.
Wenn man die Nüchternheit lebt und fühlt, gilt es diese zu erhalten. Darum wird ein Austausch immer wichtig sein.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Wichtigkeit, sich hier intensiv einzubringen, unterstreichen.
Wie will hier ein anderer Forenteilnehmer Veränderungen eines anderen erkennen, wenn nur alle paar Tage mal geschrieben wird, mir geht es gut.
Für mich ist es anstrengend, wenn ich erst viele Beiträge von lange zuvor nachlesen muß, bevor ich meine Erfahrung als Hilfe anbieten kann.
Wen jemand sehr aktiv ist, brauch man nur den Namen zu lesen und kann sich an den Werdegang und die Entwicklung erinnern.
Bei Dir panther war das vorige Woche auch so, als wir im Chat waren. Wenn ich jemanden "kenne", kann man auf die vergangenen "Gespräche " ( Beiträge ) eingehen.
Alles etwas durcheinander, aber ich hoffe dennoch, ein paar Fragen beantwortet zu haben? |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Re: Trinkpause? geschrieben
|
|
 |