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rückfall nach über einem jahr...

 
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Ich dachte es würde leichter   •    Mein Vater ist alkoholkrank und meine Mutter coabhängig  
Autor Nachricht
svea_1978
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.12.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 01.12.2007, 23:24    Titel: rückfall nach über einem jahr... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

ich bin so wütend... wie konnte sie das tun?!

meine mutter war 7 jahre lang alkoholikerin, eine darmkrebs-diagnose hat sie vor einem guten jahr schlagartig in die realität zurückgeholt. sie hörte von einem tag auf den anderen auf zu trinken, ließ untersuchungen über sich ergehen, wurde operiert und zog die chemo durch. der alkohol war kein thema mehr und gesundheitlich ging es ihr nun auch wieder ganz gut.

unser verhältnis war durch die trinkerei auf ein mindestmaß abgekühlt. mit der zeit konnten wir uns nun wieder ein ganz klein wenig annähern. es ist eben nicht leicht, jemandem zu vertrauen, der einen so oft belogen und verletzt hat. jemandem, der nicht zur familie gehört, würde man wahrscheinlich nie mehr eine chance geben.

irgendwie dachte ich, meine mutter hätte sich im letzten jahr mal ein paar gedanken über ihre gesundheit gemacht. sie hat erfahren, wie schnell das leben vorbei sein kann und meine hoffnung war, dass sie dadurch ein gesünderes verhältnis zu ihrer gesundheit bekäme. es sah alles so gut aus...

und jetzt? wie kann sie, nur weil sie gerade ein paar probleme in ihrem leben zu bewältigen hat, wieder zur flasche greifen? wie kann sie alles, was gerade dabei war, ansatzweise zu heilen, wieder zunichte machen? und sorry, nach einem jahr greift man bewusst wieder zur flasche. das hat ja wohl mit sucht nichts mehr zu tun!

ich hasse sie dafür. vor allem deshalb, weil sie wieder mein leben beeinflussen wird. jeden verdammten tag. und das sogar, obwohl ich den kontakt mit sofortiger wirkung wieder abgebrochen habe. ich denke jede freie minute darüber nach, was da nun auf uns zukommt. ob das der letzte rückfall war, ob wohl ihr freund das nochmal mitmacht, wohin das alles führt.... und alte bilder kommen auch wieder hoch. das ist doch wirklich zum kotzen.

ich hab mein leben einigermaßen im griff. ich bin es gewohnt, verantwortung zu tragen, habe einen guten job, hobbies, die mich ausfüllen, freunde.... und jetzt kommt sie und schmeisst alles in mir wieder durcheinander. ich spule mein programm ab und das lächeln ist aus meinem gesicht verschwunden. gestern war ich mit freundinnen unterwegs und bin nach 2 stunden wieder heim gefahren, weil ich nicht entspannen konnte...

wie macht man das? ich weiss, dass meine mutter alleine da durch muss. ich muss egoistisch sein und halte mich von diesem elned fern, weil ich ihr eh nicht helfen kann. und trotzdem werde ich diese bösen gedanken nicht los...

vielleicht braucht es auch einfach erstmal ein paar tage, diesen rückschlag zu verdauen?
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svea_1978 hat zum Thema: rückfall nach über einem jahr... geschrieben
Danni
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.09.2007
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 01.12.2007, 23:50    Titel: Re: rückfall nach über einem jahr... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo svea,
willkommen bei uns im forum, ich hoffe, wir können dir hier helfen.
es ist okay, wenn du sauer und wütend bist, aber vielleicht solltest du ein paar sachen bedenken, bevor du dein hass auf deine mutter größer wird.
du schreibst " meine mutter war alkoholikerin.." dies ist schonmal falsch, deine mutter IST alkoholikerin. sie wird es auch ihr lebenlang bleiben!!
sie ist krank, daß muss man akzeptieren, damit einen die wut nicht auffrisst.
in deinem post klingt es so, daß seine mutter keine therapie gemacht hat, sondern nur aufgehört hat zu trinken um den krebs behandeln zu lassen. insofern war deine mutter wohl auch niemals trocken, sondern hat nur eine trinkpause gemacht und nun ist das passiert, was passieren musste. ich finde es gut, daß du nun den kontakt wieder abgebrochen hast, um dich zu schützen, aber du solltest dich auch von der wut nicht auffressen lassen. zu einem großen teil kannst du selber bestimmen inwiefern die krankheit deiner mutter dein leben beeinflusst. sicherlich ist man manchmal nicht in stimmung und will nicht ausgehen und fröhlich sein, dann muss man das für den moment akzeptieren und erstmal sacken lassen. geht uns bestimmt allen so, aber wie sehr man sich hineinsteigert, daß kann man kontrollieren und sich bewusst machen, damit man dann auch wieder fröhlich sein kann.
schreib hier, wann immer dir danach ist, auch das kann viel helfen, damit man sich nicht selber verliert.
ich wünsche dir viel kraft und alles liebe,
danni
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Danni hat zum Thema: Re: rückfall nach über einem jahr... geschrieben
svea_1978
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.12.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 02.12.2007, 00:11    Titel: Re: rückfall nach über einem jahr... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

liebe danni,

danke für deinen kommi. natürlich weiss ich, dass die suchtgefährdung immer bleibt. meine enttäuschung ist so groß, weil ich dachte, sie hätte sich in der zeit der abstinenz auch mal ein paar gedanken darüber gemacht, was die trinkerei alles kaputt gemacht hat. und ich dachte, durch die krebsdiagnose wären ihr die augen geöffnet worden. wie kann man sich schritt für schritt richtung tod saufen, aber durch eine krebsdiagnose am boden zerstört sein?! läuft beides nicht auf das gleiche ende hinaus?

dass alkoholiker sich solche gedanken nicht machen, wenn sie ständig betrunken sind, ist klar, aber ist ihr in diesem jahr überhaupt nichts klar geworden? das sind dinge, die ich einfach nicht verstehen kann... es muss einen moment gegeben haben, da war ihr einfach alles wieder egal Traurig
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svea_1978 hat zum Thema: Re: rückfall nach über einem jahr... geschrieben
Danni
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.09.2007
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 02.12.2007, 00:22    Titel: Re: rückfall nach über einem jahr... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

gäbs auf deine frage eine antwort, dann hätten wir die lösung für alle suchtproblme. diese fragen kann aber keiner beantworten , sie sind, denke ich, auch für jeden verschieden. was uns bleibt, ist das akzeptieren, daß es so ist, wie es ist....
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Danni hat zum Thema: Re: rückfall nach über einem jahr... geschrieben
Skye
Gast






BeitragVerfasst am: 02.12.2007, 01:27    Titel: Re: rückfall nach über einem jahr... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Svea,

willkommen hier im Forum. Ich wünsche mir, dass meine Mutter den Absprung schafft. Mir vorzustellen, sie wäre 1 Jahr trocken und würde rückfällig, würde mir wohl auch erstmal den Boden unter den Füssen wegziehen.

Du schreibst Deine Mutter war Alkoholikerin, dem ist nicht so. Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker, einmal süchtig, immer süchtig. Der Unterschied liegt nur darin ob trocken oder nass. Selbst Alkoholiker die 20 Jahre trocken waren, können rückfällig werden, auch das ist dann immer noch Sucht.

Ob das, was Deine Mutter wieder zur Flasche hat greifen lassen, nur ein paar Probleme waren oder ein für sie unüberwindlicher Berg liegt in ihrer Entscheidung. Warum sie geglaubt hat, Alkohol ist die Lösung, wird auch nur sie selbst wissen. Genauso wie nur sie weiß, warum sie keinen anderen Weg gesucht hat. Es ist schade, dass sie rückfällig geworden ist, aber Du weist nicht was in ihrem Kopf abgegangen ist, was für sie nach ihrer Meinung ohne Betäubung nicht mehr zu ertragen war. Alkohol ist keine Lösung, verstandesmäßig gesehen, wird sie das auch wissen, doch Sucht lässt sich nicht mit dem Verstand erklären.

Versuche nicht zu verstehen, was in einem Süchtigen vorgeht, dass wirst Du als Nichtsüchtiger nicht begreifen. Ich habe es lange versucht, ich kann vieles nachvollziehen, manches begreifen, aber wirklich verstehen, warum nach dem Verständnis meiner Mutter das Leben nur im Suff zu ertragen ist, kann ich nicht und will ich auch nicht mehr. Es hat mich nur vollkommen kirre gemacht und mich Kraft gekostet, die ich besser für mich eingesetzt hätte. Es ist ihre Entscheidung zu trinken, so schwer es mir manchmal fällt, ich habe das zu akzeptieren.

Akzeptiere, dass für Deine Mutter die Flasche die Lösung war. Das heißt nicht, dass Du verstehen sollst, sondern „einfach“ akzeptieren, dass es ihre Entscheidung war, dass es ist wie es leider ist. Ihre Entscheidung, an der Du nicht beteiligt bist. Alles andere wie wütend werden, auch wenn ich das sehr gut verstehen und nachvollziehen kann, wie auf sie einreden, wie versuchen sie auf welche Art auch immer zur „Vernunft“ zu bringen, bringt nichts, außer Kummer und Frust für Dich.

Zitat:
ich hasse sie dafür.


Hass ist ein sehr starkes Gefühl, genau wie Liebe und beide liegen oft sehr nah beieinander. Wenn ich in meinem Leben schon mal jemanden gehasst habe, dann jemanden der mir gefühlsmäßig sehr nahe stand. Es war dann ein Schutz, weil ich sehr verletzt worden bin. Ich kann mich nicht erinnern, einen Menschen gehasst zu haben der mir egal war.

Zitat:
vor allem deshalb, weil sie wieder mein leben beeinflussen wird. jeden verdammten tag. und das sogar, obwohl ich den kontakt mit sofortiger wirkung wieder abgebrochen habe. ich denke jede freie minute darüber nach, was da nun auf uns zukommt. ob das der letzte rückfall war, ob wohl ihr freund das nochmal mitmacht, wohin das alles führt....


In wie weit sie Dein Leben beeinflusst, liegt ganz allein bei Dir, nicht bei Ihr. Sie trinkt nicht um Dir das Leben schwer zu machen, sie trinkt weil sie es will. Wie weit Du das in Dein Leben lässt liegt bei Dir. Was auf Dich zu kommt und ob überhaupt etwas auf Dich zukommt, wird die Zeit zeigen. Du bist nicht verantwortlich für Deine Mutter, sie ist eine erwachsene Frau und fähig, sich um sich selbst zu kümmern, soweit sie denn will. Ob ihr Freund das mitmacht, ist auch nicht Dein Problem, sondern ihres. Wenn er geht, geht er, das heißt jedoch nicht, dass Du seinen Platz einnehmen und Dich um sie kümmern musst. Das kann sie selbst, sie ist erwachsen.

Und wohin das führt, liegt irgendwo in der Zukunft, nicht hier und heute, Du weist nicht was kommt. Mach Dir keine Gedanken um ungelegte Eier. Ich weiß wie schwer das ist, ich weiß wir sehr wir Alkoholikerkinder dazu neigen zu planen, vorauszuschauen und versuchen uns abzusichern. War das doch in unsicheren Zeiten, das was uns zumindest ein wenig Sicherheit gegeben hat. Doch letztendlich bringt es nichts, es kommt wie es kommt und alles planen und abwägen war dann doch sinnlos, es hat nur Kraft gekostet. Kraft die man viel besser für sich selbst einsetzen kann und Kraft die dann fehlt, wenn man sie wirklich braucht.

Zitat:
ich hab mein leben einigermaßen im griff. ich bin es gewohnt, verantwortung zu tragen, habe einen guten job, hobbies, die mich ausfüllen, freunde.... und jetzt kommt sie und schmeisst alles in mir wieder durcheinander.


Dann kümmere Dich um Deine Hobbies, Deine Freunde. Kümmere Dich um Dein Leben, trage für Dein Leben Verantwortung. Ordne es nicht etwas unter, das Du ohnehin nicht beeinflussen kannst. Nicht Deine Mutter schmeißt Dein Leben durcheinander, sondern Du selbst machst es. Du machst Dein Wohlbefinden davon abhängig, ob Deine Mutter trinkt oder nicht. Wenn Deine Mutter ihr Leben zerstört, hast Du trotzdem das Recht glücklich zu sein, Du musst nicht solidarisch mit untergehen und Dein Leben auf Eis legen.

Natürlich ist es nicht schön zuzuschauen, wenn die eigene Mutter sich ihr Leben und die Gesundheit ruiniert, aber Du kannst es nicht ändern. Ich habe Angst, dass meine Mutter sich totsäuft, Angst das der große Knall irgendwann kommt, ich möchte sie nicht verlieren, doch ich kann nichts für sie tun. Ich bin machtlos, wenn sie saufen will, säuft sie. Doch in Erwartung eines Knalls mit hochgezogenen Schultern rumzulaufen und auf etwas zu warten von dem nicht weiß wann es kommt oder ob es überhaupt kommt, bringt mich nicht weiter. Es vergällt mir mein Leben und kostet mich unnötig Kraft. Es hilft weder ihr noch mir, wenn ich mir jede Lebensfreude nehme. Es würde nur ein weiteres Leben ruinieren, nämlich meines. Das wäre dann meine Schuld und nicht ihre, denn es ist schließlich mein Leben. Diese Einsichten hatte ich nicht immer, es hat Zeit, Geduld mit mir selbst und auch Kraft erfordert. Heute bin ich froh etwas für mich getan zu haben.

Zitat:
wie macht man das? ich weiss, dass meine mutter alleine da durch muss. ich muss egoistisch sein und halte mich von diesem elned fern, weil ich ihr eh nicht helfen kann. und trotzdem werde ich diese bösen gedanken nicht los...


Das ist eine Übungssache, so banal wie sich das vielleicht anhört. Doch man muss es üben, diese Gedanken loszuwerden, irgendwann wird es sich dann normal anfühlen. Vielleicht liest Du Dich mal ein bisschen hier durch, damit Du siehst wie andere es gemacht haben, was ihnen hilft, was sie für sich getan haben. Jeder geht für sich anders damit um. Vielleicht findest Du dann leichter den richtigen Weg für Dich. Loslassen ist nicht einfach, aber der einzige Weg um dauerhaft gut für sich selbst zu sorgen und nicht mit drauf zu gehen. Mir hat es sehr geholfen zu akzeptieren, dass meine Mutter trinkt, danach ist mir vieles leichter gefallen. Zu akzeptieren, dass ich nichts tun oder auch lassen kann, damit sie aufhört, sondern zu sehen dass es ihre Entscheidung ist, die sie getroffen hat und jeden Tag aufs neue trifft. So wie ich auch Entscheidungen für mich treffe bei denen ich mir nicht reinreden lasse. Ganz egal ob andere meinen es ist nicht gut für mich. Ich entscheide, ich trage die Konsequenzen. Das hat allerdings auch Übung, Geduld und eine Menge Überzeugungsarbeit an mir selbst erfordert und ging nicht von heute auf morgen.

Schau, dass Du an Dich denkst, für Dich sorgst und Dir selbst etwas Gutes tust.

Gruß und gute Nacht
Skye
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Skye hat zum Thema: Re: rückfall nach über einem jahr... geschrieben

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