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Elena
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 07.11.2007
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 20.11.2007, 10:02    Titel: Feierabendtrinker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich bin neu hier und ich glaube meine Geschichte hat mit vielen anderen hier im Forum Ähnlichkeiten.
Ich lebe seit 16 jahren in 2. Beziehung (nicht verheiratet) mit einem Mann zusammen, habe 3 inzwischen erwachsene Kinder aus 1. Ehe und eine 12-jährige Tochter aus der jetzigen Beziehung.
Mein erster Mann war "spielsüchtig" und ich habs jahrelang mitgemacht. Mein jetziger Mann war drogenabhängig als ich ihn kennenlernte und ich glaubte, ihn aus dem "Sumpf" retten zu müssen was mir (und ihm) auch teilweise gelungen ist. Inzwischen ist er seit Jahren absolut drogenfrei, lediglich das Trinken ist immer noch ein Problem. Jemand erzählte mir mal, bei Ex-Drogenabhängigen wäre das eine Suchtverlagerung, die können einfach nicht ohne was und da ist der Alkohol doch das kleinere Übel. Es wurde zwar mit den Jahren immer weniger, es gibt so gut wie keine "Vollräusche" mehr, aber mein Mann ist (behaupte ich zumindest) ein Pegeltrinker. Er geht zuverlässig in seine Arbeit, aber wenn er Feierabend hat, werden erstmal ein paar "Bierchen" gekauft am Bahnhof und zuhause will er auch noch sine 2 Biere und zum Nachtessen 1/4-1/2 l Wein. Er siehts als "Entspannung" und die hat er sich ja verdient nach einem anstrengenden Tag. Jahrelang hab ichs unterstützt, bzw. ihm sein Bier gekauft (des lieben Friedens Willen und damit er "gut" drauf ist), doch inzwischen weiss ich nicht wie lange ich es noch mitmachen kann, es ekelt und wiedert mich einfach nur noch an. Dazu kommt noch das Problem, dass mein Mann von früher eine chronische Hepatitis C hat und nicht das geringste dagegen unternimmt. Ich hab ihm schon öfters gesagt, dass er sich behandeln lassen soll, aber er argumentiert dann nur so, dass er dann unter der starken Medikamenteneinwirkung mit den starken Nebenwirkungen nicht mehr arbeiten gehen kann. Das regelmässige Trinken ist natürlich sehr schädlich für seine Leber, aber irgendwie verdrängt er das alles. Bloss nicht drüber reden und wenn ich was sage, bin ich die Böse die immer nur an ihm rumkritisiert. Ich habs immerhin fertiggebracht ihm neulich zu sagen, dass ich ab sofort kein Bier mehr kaufe, ist sein Problem wo er es herbekommt wenn er eins will (er hat natürlich auch keinen Führerschein). Jetzt sitzt er nach der Arbeit da, hat kein Bier zum Trinken und redet nichts. Er macht Kreuzworträtsel, glotzt fernsehen, ist einfach total wortkarg. Er siehts einfach nicht ein, er ist "stinkig" weil ich es ihm verboten hab und wenn ich sag ich trenne mich von ihm wenn er so weitertrinkt, dann redet er von Erpressung! Ich hab alles so satt, ich glaube ich will gar nicht mehr kämpfen, es ist hoffnungslos. Ich hab die Wahl: entweder einen Mann der "gut drauf" ist und gesprächig ist wenn er seinen Alkohol bekommt oder einen "nüchternen" unfreundlichen schweigsamen Mann der einfach neben mir und seiner Tochter her lebt. Er hat so massive Probleme mit seinem Selbstwertgefühl, mit seinen Gefühlen und darüber zu reden, hat auch immer das Problem "nichts zu taugen" dass er dringend eine Therapie bräuchte, aber er sieht es nicht ein. Und ich bin hochgradig Co-abhängig und schaffe den Absprung nicht, denn man hat sich ja schliesslich auch mal geliebt, hat ein Kind zusammen und mein Gewissen bringt mich fast um wenn ich ihn einfach verlasse weil er das sicher nicht verkraften würde. Er hat keine Freunde, keine Verwandten, nur mich. Ich kann und will auf alle Fälle so nicht mehr weitermachen, es geht mir total an meine Substanz, ich merke wie ich mich gefühlsmässig immer mehr von ihm entferne und selbst jetzt, wo er es ja zumindest ein kleines bisschen "versucht" ohne sein Feierabendbier auszukommen empfinde ich nichts mehr und habe keine Hoffnung auf Besserung, denn ich weiss dass es nur eine Frage der Zeit ist bis er wieder in seinen alten Trott verfällt.


Elena
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Elena hat zum Thema: Feierabendtrinker geschrieben
Grazia
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 11.11.2007
Beiträge: 767
Alter: 46
Wohnort: By

BeitragVerfasst am: 20.11.2007, 10:30    Titel: Re: Feierabendtrinker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Elena
Herzlich willkommen hier.
Erschreckend wie sehr Deine Geschichte, die meine ist.
Ich bin auch neu hier, mittlerweile bin ich in Psychiatrischen Behandlung, mache Psychotherapie und möchte am Meeting für Co-Abhängige teil nehmen.
Ich wünsch Dir alles alles Gute, und starke Nerven

LG Grazia
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Grazia hat zum Thema: Re: Feierabendtrinker geschrieben
caro1969
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.09.2007
Beiträge: 5934

BeitragVerfasst am: 20.11.2007, 19:41    Titel: Re: Feierabendtrinker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo elena!

schön das du dich hier fürs forum entschlossen hast..herzlich willkommen..

mann mann mann..das ist ne ganze menge die dir das leben schwer macht..
komm doch erst mal hier richtig "an"..du bist nicht mehr allein mit deinen problemen..wir sind da für dich wenn du es möchtest..

allein das lesen der threads wird dir auf gewisse weise helfen..das erkennen..das ist ja nicht nur bei MIR so..tröstet schon..

du schreibst:ich kann und will so nicht mehr weiter machen..

weisst du was?
stückchenweise wirst du erkennen das DU "so"auch nicht mehr weiter machen musst..geb dir zeit..und habe geduld..mit DIR..

erzähl doch mal ein wenig mehr von DIR..wenn du möchtest..

liebe grüsse caro
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caro1969 hat zum Thema: Re: Feierabendtrinker geschrieben
Elena
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 07.11.2007
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 20.11.2007, 22:34    Titel: Re: Feierabendtrinker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Grazia, hallo Caro;

es ist wirklich erstaunlich wie sich die Lebens- bzw. Leidensgeschichten hier ähneln. Man denkt immer man ist alleine mit so einem Problem denn den "normalen" Freunden kann man seine Geschichte ja nicht erzählen, man schämt sich ja dafür!!
Ich will mal versuchen von mir was zu erzählen, aber wo soll ich anfangen? Also, ich bin in Bayern aufgewachsen und hab mit 17 meinen Vater durch einen Unfall verloren. Seitdem war ich immer auf der Suche nach einer Familie für mich und bin leider immer an die falschen Männer geraten. Wegen einem Mann habe ich dann meine geliebte Heimat Bayern verlassen und bin nach Baden Württemberg gezogen wo ich auch bald heiratete. Dieser Mann verspielte unser ganzes Geld an Spielautomaten und nach 8 jahren Ehe und 3 Kindern schaffte ich endlich den Absprung. Da stand ich nun mit 3 kleinen Kindern, wovon eines schwerbehindert ist und ich musste von Sozialhilfe leben, denn mein Exmann zahlte nie einen Pfennig Unterhalt oder kümmerte sich um die Kinder. Dann lernte ich meinen jetzigen Partner kennen. Wie schon gesagt war er damals drogensüchtig und ich konnte mein "Helfersyndrom" voll ausleben. Habs ja auch geschafft ihn auf den rechten Weg zu bringen, fast zumindest. Ich hab noch ein Kind von ihm bekommen (ist inzwischen 12), und wir haben ein Haus gebaut (von meinem Geld). Aber jetzt ist die Luft einfach raus. Die Jahre waren anstrengend und immer wieder gab es sehr verletzende Streiterein, die ich nicht vergessen kann. Irgendwann hab ich einfach meinen Mund gehalten und alles in mich reingefressen, aber wenn es dann mal aus mir rausplatzte verstand mein Mann die Welt nicht mehr. Klar, ich hätte eigentlich schon viel früher was sagen sollen und nicht immer alles mitmachen, aber ich wollte eigentlich immer nur ein friedliches Familienleben, auch der Kinder wegen. Dabei haben die auch genug mitbekommen. Nachdem mein Mann neulich wieder mal über einen Bekannten gelästert hatte, dass er ein Spiesser ist und ein totaler Langeweiler weil er keinen Alkohol trinkt und eigentlich ja nichts "drauf hat"... sagte meine Tochter später zu mir und was hat Papa drauf? Nichts außer Bier trinken und rauchen.... So denkt sie über ihren Vater! Und wie denkt sie über mich weil ich das jahrelang mitmache? Ich fühle mich als Versagerin, habe meinen Kindern ein Leben an der Seite eines Alkoholikers zugemutet. Ich fühle mich schlecht und mies weil ich so über meinen Mann rede, ich fühle mich schlecht weil ich zu feig bin was zu ändern und weil ich zu feig bin mein Leben in die Hand zu nehmen und zu gehen! Ich fühle mich noch schlechter weil ich meine behinderte Tochter in ein Heim geben muss weil ich es zuhause alleine nicht schaffe (von ihm kommt keine Unterstüzung, außer mal beim Tragen helfen). Ich möchte gerne wieder zurück nach Bayern, zu meiner Mutter zurück in meine alte Heimat und nochmal neu anfangen. Aber ich schaff es nicht, zuviel hängt dran, ich denk immer erst an alle anderen bevor ich an mich denke. Dabei müsste ich doch einfach nur mein Haus hier verkaufen, meine Tochter nehmen und gehen. Immerhin bin ich gerade dabei, mir ein paar Behinderteneinrichtungen in Bayern anzusehen, denn im jetzigen Heim ist es nicht so toll für meine behinderte große Tochter und ich will jetzt zuallererst mal an sie denken dass sie es gut hat, denn dann geht es mir auch gut.
Es tut so gut sich mal den ganzen Frust von der Seele zu schreiben, vorallem wenn man merkt, dass es anderen auch so geht und sie mich verstehen können.

LG

Elena
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Elena hat zum Thema: Re: Feierabendtrinker geschrieben

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