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Psychischer Entzug-Was passiert da?

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Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 08:07    Titel: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ihr Lieben,

Nach der Trennung von meinem Partner gehts mir immer noch sehr schlecht. Diese ambivalenten Gefühle von Reue,Einsicht und totaler Trauer machen mir immer noch sehr zu schaffen. Kann schon nicht mehr weinen, weil ich über die Entwicklung dieser Beziehung noch sehr schockiert bin.

Ich beobachte ihn aus der Ferne und sehe auch seine Ambivalenz. Auf der einen Seite will er trocken werden, aber seine*Wahl*, mich und die Kinder zu *opfern*, um weiter trinken zu können, ist wohl immer noch an erster Stelle.

Schritte von ihm, abstinent zu werden, scheinen von seiner psychischen Abhängigkeit immer wieder gestört zu werden.
Was passiert in einem Alkoholiker, der trocken wird? Was passiert mit seiner Psyche? Eine gewisse Boshaftigkeit und die Bereitschaft zur Ungerechtigkeit gegenüber den Partnern, ist das normal oder was ist es? Kann mir das mal jemand erklären?

Bin über einige Informationen sehr dankbar, um verstehen zu können...
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Susanne hat zum Thema: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
speedy53
Gast






BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 08:42    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melina,

was hat Dein Partner denn konkret getan, gegen seine Sucht?

Hat er eine Entgiftung gemacht, geht er in eine SHG oder macht er eine Threapie?

Du schreibst, er will trocken werden, doch ich habe noch nicht gelesen, was er unternommen hat.

Dir vorzuwerfen, Du seist schuld an seinem verkorksten Leben, ist typisch "nasses" Denken. Und Du solltest Dir diesen Schuh wirklich nicht anziehen.

Natürlich bist Du in seinen Augen schuld, möchtest Du ihm doch seinen besten Freund, den Alkohol nehmen.

Aber er hat es ja in der Hand, etwas zu ändern!

Kümmere Du Dich mal nicht um ihn, sondern ausschließlich um Dich und Deine Kinder.

Was hast Du zum Beispiel gegen Deine Depressionen gemacht? Bist Du in Behandling?

Wie kannst Du Deinen Kindern vermitteln, dass es gut ist, wie es jetzt ist, wenn es Dir selbst so schlecht geht!

Es tut mir leid, Dich immer noch so leiden zu sehen.

Aber tue ihm und Dir den Gefallen und versuche "loszulassen".

Das ist die einzige Hilfe, die Du ihm geben kannst!

Ich hoffe, Du verstehst, was ich Dir mit diesen Zeilen sagen wollte, denn ich möchte Dir auf keinen Fall weh tun.

Ich weiss selber, wie schwer es ist, seinen Partner und sein bisheriges Leben zu verlassen, leider gibt es oftmals aber keine andere Möglichkeit!

Alles Liebe für Dich Melina
Speedy
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speedy53 hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 09:00    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke Speedy,

was er getan hat? Leider nicht viel....Gespräche mit seinem Arzt, Anmeldung zum Entzug in der Klinik- den Termin hat er *natürlich* nicht wahrgenommen.Erste Kontakte zur Beratungsstelle, die er dann auch wieder abgebrochen hat.

Alles Zeichen für mich, daß er nicht bereit ist. Der Gedanke, trocken werden zu wollen, ist da, aber die Umsetzung....? Na ja, egal, ist sein Ding.Ich habe ihn ja genau dehalb verlassen.

Ja Speedy, ich bin momentan für meine Kinder nicht so wirklich der gute Umgang. Sie sehen mich leiden, weil mich der Trennungsschmerz fast umbringt. Nein, vielmehr die Enttäuschung, daß er sich für den Alkohol entschieden hat.
Es gibt Tage, an denen es mir leicht fällt, an denen die Hoffnung siegt, endlich wieder nach vorne zu sehen, aber dann kommen wieder diese Einbrüche.

Ich bin seit geraumer Zeit in Psychotherapie, habe schon viel über meinen Grundbaustein meiner Co-Abhängigkeit erfahren, erkannt.Ich weiß, daß es ein langer Weg für MICH wird, dies aufzuarbeiten. Aber ich bin auch ein bißchen stolz darauf, daß ich diesen Weg bis hier hin geschafft habe.

Weitere Kontakte zur Beratungsstelle habe ich auch geknüpft. Freue mich einerseits schon auf das erste Treffen der realen SHG, aber habe auch unsagbar Angst davor, noch mehr über ihn und mich zu erfahren.

Was mir am meisten zu schaffen macht, ist, daß er seine Wut auf sich selbst und auf seine *Unfähigkeit* mir anlasten will.
Es ist schon in einer *normalen*Beziehung schwer, mit Vorwürfen klarzukommen, aber diese Boshaftigkeit seinerseits richtig einzuordnen, fällt mir derzeit noch sehr schwer.

Ich versuche mich, auf mich und die Kinder zu konzentrieren, neue Wege für uns zu finden. Nur, was bleibt, ist der Frust, die Kapitulation gegenüber dieser Krankheit Weinen Die Kapitulation ihm gegenüber....Etwas, was mir sehr schwerfällt, da ich ein Mensch bin, der seinen Partner lieben kann und durch *dick und dünn*gehen möchte. Aber in diesem Fall hoffnungslos.

Ich weiß, ich habe noch viel zu lernen und loszulassen.

Jeder Tag einen neuen Kampf...MEINEN Kampf
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Susanne hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
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BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 09:02    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melina,

die psychische Abhängigkeit zu besiegen, ist wesentlich schwieriger als die körperliche. Die körperliche Abhängigkeit besiegt man einfach dadurch, dass man eine Zeit lang nichts trinkt (am besten natürlich unter ärztlicher Aufsicht). Die psychische Abhängigkeit hingegen muss man wesentlich länger "bekämpfen", bzw. wie ich es gerne sage man muss sie "lösen". "Lösen" insofern, indem man das Vakuum was sich nach Absetzen der Droge ergibt, beginnt sinnvoll zu füllen. Und das fordert die ganze Person, die ganze Kraft des Alkoholikers - und den festen eigenen Willen, es zu schaffen - ohne eigenen Willen läuft da gar nichts.

Dieser Prozess kann wie gesagt sehr lange dauern - nur was lange währt wird endlich gut - ich glaube nicht an "Instant-Erfolge", die sich durch die so oft vorkommende "Anfangs-Euphorie" einstellen.

Viele Grüße einstweilen!

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 09:11    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey Blizzard,

danke Dir.
Ich binja gerade selbst in der *Ablösephase*.Wie ich selbst spüre, ist es wahnsinnig schwer, diese Leere aufzufüllen, aber was gibt einem Alkoholiker die Kraft, die alte Persönlichkeit, die sich durch den *Stoff*entwickelt hat, zu erneuern?

Ich verstehe im Kopf schon zum Teil die Boshaftigkeit, die projeziert wird, aber läßt dies bei jemanden, der es geschafft hat auch wieder nach?

Es ist so bitter, wie sich ein Mensch so verändert, ein Mensch, der gütig und herzlich ist, zu einem verletzendem um sich schlagenden Partner wird und dabei noch aus der Entfernung seinen Schaden anrichtet......

Ich hoffe nur, mir und auch anderen Betroffenen gelingt es, nicht selbst so verbittert zu werden und ungerecht zu werden.
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Susanne hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 09:42    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melina,

jeder Mensch ist neben seiner körperlichen und psychischen (oder seelischen) Person auch v.a. geistiges Wesen. Das heißt, er kann sich Kraft seines Verstandes immer für oder gegen eine Möglichkeit entscheiden. Oder anders ausgedrückt: Jeder kann es schaffen. Es kommt darauf an, was man für eine Entscheidung trifft. Dein Ex-Partner hat nicht auf sein "Sinnorgan" namens Gewissen gehört, sondern sich gegen das entschieden, was sein Gewissen ihm geraten hat. Dadurch wird er innerlich auch verbittert und immer feindseliger - und es entwickelt sich ein Kreislauf nach unten. Er ist mit sich - und seiner Umwelt - zutiefst im Unreinen. Trotzdem ist er, solange er lebt, immer noch auch geistiges Wesen - und kann sich daher noch umentscheiden. Jedoch wird bei fortschreitendem Alkoholismus der Geist, der Verstand des Menschen immer irreparabler eingetrübt - und es wird immer schwieriger sich noch auf den richtigen Weg zu begeben.

Ein Phänomen beim Alkoholismus ist es jedoch, das ein ansehnlicher Teil der Alkoholiker es schafft, am tiefsten Tiefpunkt angelangt, quasi noch die "letzte Abzweigung", die "letzte Ausfahrt" Richtung LEBEN zu erwischen. Am tiefsten Punkt in ihrem Leben angelangt entscheiden sich viele dann Kraft Geistes doch noch, etwas an ihrer Situation zu ändern. Und weil es dann ums nackte Überleben geht, kriegt der eine oder andere diese Kurve dann doch noch. Komisch nur, das viele von uns bis zu dieser letzten Ausfahrt haben fahren müssen.

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
Susanne
Gast






BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 09:53    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Blizzard,

diese Worte berühren mich sehr.

Wir stehen alle im Leben immer wieder vor so einer *Wegkreuzung*.

Ich wünsche nicht nur allen hier, die vor dieser Kreuzung stehen oder jeden Tag darum kämpfen auf diesem Weg zu bleiben, alle Kraft. Aber natürlich (Winken) wünsche ich dies vor allem meiner großen Liebe, daß er noch die Kurve bekommt.

Ich versuche, zu verstehen, zu verzeihen, daß es sein krankes Wesen ist, die ihn so hat werden lassen.

Ich hoffe, diese Ohnmacht hört irgendwann auf und meine Wut auch...

Ich möchte noch so viel verstehen, wie es dazu kommen kann...

Danke Dir sehr für diese für mich sehr verständnisbringenden Worte
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Susanne hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben
Nicole
Gast






BeitragVerfasst am: 17.11.2007, 10:39    Titel: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melina,

auch ich melde mich mal wieder bei dir.

Ich kann dich gut verstehen das du dir Gedanken um ihn machst bzw. nach dem Warum suchst.

So ging es mir auch sehr sehr lange aber es bringt nichts. denn wenn ich in dieser Zeit an mich gedacht hätte wär ich weiter gekommen.

Mein noch liegt zur Zeit im KH und es sieht nicht wirklich gut aus. Alles wegen dem Alkohol. Er versucht wieder mich ein zu lullen und wird fies und gemein da er merkt das da nichts mehr geht. Er ist jetzt über eine Woche ohne Alkohol aber kapiert hat er nichts.

Zum Psychischen Entzug meine ich,schau dich an, was machst du grad durch,den psychischen Entzug von deiner Droge den Partner. Und das ist hart aber zu schaffen. Schreibe hier wie speedy schon sagt auch wenn es dir schlecht geht, du musst dann ja nicht lesen sondern nur schreiben auch wenn es wirrwar ist oder es sich wiederholt. Es tut gut.

LG
Elocin
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Nicole hat zum Thema: Re: Psychischer Entzug-Was passiert da? geschrieben

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