| Kalte Welt ...... • Alte Muster und nie ein Ende......?? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Sonnenlicht2007 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.11.2007 Beiträge: 6 Wohnort: Erfurt
|
Verfasst am: 05.11.2007, 21:19 Titel: Von Anfang an... |
|
|
Hallo!
Ich habe schon ein bisschen dieses Forum gelesen aber erst jetzt entscheide ich mich in diesem Bereich etwas zu schreiben.
Ich bin das erwachsene Kind vom Alkoholiker. Mein Vater ist seit 20 Jahren alkoholsüchtig. Er hatte verschiedene Therapien gemacht aber jetzt, als er sich wieder gesund zu fühlen beginnt, versucht er kontrollierbar zu trinken. Ich habe nur die Hoffnung, dass er irgendwann dauerhafte Abstinenz hat.
Sein Trinken hat mein Leben wirklich stark beeinflusst, obwohl er immer für mich sehr freundlich und hilfsbereit war (so ist es auch bis zu dieser Zeit).
Aber sowieso war die Atmosphäre in meinem Haus nie in Ordnung und seine Krankheit hat die ganze Familie zerstört. Die Streite zwischen meinen Eltern, gespannte Atmosphäre, das Trinken, manchmal die psychische und auch physische Gewalt...immer Stress und Stress.
Meine Mutter war von Anfang an sehr nervös und sie beschäftigte sich fast immer damit, dass er nicht weiter trinkt.
Und ich...
Ich habe erste ernste Entscheidung in meinem Leben getroffen, nämlich ich habe mich nach Deutschland umgezogen auch wegen weiteres Studiums. Ich habe in meinem Heimatland Germanistikstudium absolviert und jetzt beginne ich einen Masterstudiengang aber in Deutschland. Natürlich konnte ich diese Richtung auch in meinem Heimatland studieren, aber die Entschediung war desto leichter, dass das nicht nur meine Sprache verbessert sondern auch deswegen, weil nach meinem Psychologen Meinung dieser Umzug mir nur helfen sollte. Ich sollte mich von meiner Familie und vom ständigen Stress befreien.
Natürlich ist es sehr schwer solch eine Entscheidung zu treffen, und auch jetzt mache ich mir Gedanken, ob ich gut gemacht habe, dass ich meine
Mutter alleine geblieben habe (ich war ihre eigene Unterstützung und Hilfe, wenn sie mit meinem Vater Probleme hatte, jetzt denke ich, dass ich mich zu stark auf die Hilfe konzentriert habe) und ich habe jetzt manchmal Gewissensbisse, dass ich sie verlassen hat. Ich habe sie immer unterstützt als sie geweint hat, als Vater gertunken hat und tagelang nicht zu Hause war. Vielleicht sollte ich dieses Wort: verlassen: nicht benutzen aber so fühle ich mich ein bisschen. Immer habe ich zu Hause einen Einfluss auf die Situation, es geht natürlich um eine Kontrolle die ich jetzt nicht habe...
Leider würde ich alles gerne unter Kontrolle haben, dann fühle ich mich sicherer, aber ich weiss, dass solch ein Verhalten und solch eine Denkenweise nicht gut ist.
Jetzt versuche ich es eigentlich zu verstehen, dass es besser ist, wenn ich schon keinen Einfluss auf das Leben von meinen Eltern habe und kann eigenes Leben beginnen aber immer habe ich noch kleine Gewissensbisse.
Wegen des Alkoholismus in meiner Familie habe ich eine Magenneurose, was nur mein Leben erschwert. Ich habe wirklich Probleme damit, fast jeden Tag fühle ich mich schlecht, es ist mir übel und manchmal übergebe ich mich auch. Der ständige Stress hat mein Leben wirklich schlecht beeinflusst.
Aber ich habe noch die Hoffnung, dass ich mich irgendwann noch besser fühlen werde. Ich trinke oft Melissentee, mache Entspannungsübungen, ich arbeite auch mit einem Buch für die erwachsenen Kinder von Aloholikern und versuche mein Leben zu ändern. Ich hoffe, dass es in diesem Forum ein paar Personen gibt, die wirklich damit fertig werden (, die Qualität seines Lebens zum Beispiel mit der Hilfe von Therapien oder Selbsthilfegruppen verbessert haben)
Ich bin fast immer ein bisschen psychisch unterdrückt und fühle mich so, als ob ich nicht wirklich leben würde. Als es neben mir so etwas gibt, dass ich meine Gefühle nicht befreien könnte. Das ist ganz merkwürdig und belastend... Ich fühle mich so, als ob ich an meinem Leben nicht so richtig teilnehmen würde. Ich möchte mich wirklich über das Leben freuen, sogar über Kleinigkeiten, aber das ist ganz schwer...
Manchmal mache ich mir Gedanken, ob ich mich irgendwann überhaupt von diesen merkwürdigen Gefühlen befreie aber Hoffnung habe ich noch. Ich habe in meinem Land die Selbsthilfegruppe besucht und jetzt möchte ich sehr hier eine finden und sie beusuchen.
Jetzt fühle ich vor allem eine mekrwürdige Leere...
Ich möchte nur eine innere Ruhe noch erreichen und diese Belastung in sich nicht weiter tragen.
Ich muss auch mit meinem Ärger und Leid fertigwerden... Ich hoffe, dass mir die Teilnahme an diesem Forum auch bisschen hilft.
Es ist mir nicht leicht in einem fremden Land ohne meine Familie und Freunde aber ich hoffe, dass mit der Zeit nur leichter wird! Das war meine Entscheidung, dabei denke ich auch, dass das eine gute Form von Therapie ist... Ich kann auch nicht so super in einer fremden Sprache meine Gefühle auszudrücken, aber ich hoffe, dass alle mich gut verstanden haben
Viele Grüsse für euch!
Und danke für die Möglichkeit sich auszusprechen! |
|
| Nach oben |
|
 |
autumn.07 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2007 Beiträge: 3
|
Verfasst am: 05.11.2007, 23:46 Titel: Re: Von Anfang an... |
|
|
Hallo Sonnenlicht, Danke für Deinen Beitrag.
Ich finde, dass Du sehr stolz auf Dich sein kannst.
Darüber, dass Du weggezogen bist, um Dein eigenes Leben zu leben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht einfach ist, sich hier in Deutschland neu einzufinden.
Als ich Deinen Text gelesen habe, konnte ich vorallem Deine Stärke spüren, Deinen Willen Dein Leben zu genießen.
Ich kann Dir wirklich Mut machen, es gab Zeiten in meinem Leben, da dachte ich, es ist aussichtslos und ich werde mich nie "normal" fühlen, ich selbst war psychisch schwer krank geworden durch den psychischen Mißbrauch durch meine Mutter und Ihre Alkoholkrankheit.
Ich hatte auch 2Jahre lang schwere Magenschmerzen und Kopf und Nackenschmerzen, dass ich kaum klar denken konnte.
Es geht mir viel besser, seit 3Jahren, ich erlebe oft ein Gefühl von Freiheit und Vertrauen in meinem Leben. Natürlich rebelliert mein Magen manchmal immernoch bei Streß, aber ich bin wieder fähig normal zu leben.(jeder hat ja seine Schwachstelle am Körper)
Am meisten hat mir meine Psychotherapie geholfen, weil ich dort jede Woche eine Stunde ganz für mich hatte, das habe ich 6Jahre lang gemacht. Du schreibst ja auch, dass Du beim Psychologen warst.
Ich kann Dir wirklich Mut machen, es ist möglich, dass sich Dein Leben verändert und dass Dir Heilung zu teil wird.
Ich spüre Deinen Glauben daran und dieser wird Dich weiterbringen.
Friede und innere Ruhe sind für alle Menschen, die sich dies aus tiefstem Herzen wünschen, erreichbar. Nicht 24 Stunden am Tag, aber immer wieder, wie kleine Inseln...die dann mehr und mehr zu Deinem eigenen Leben werden.
Gute Nacht und liebe Grüße, autumn |
|
| Nach oben |
|
| autumn.07 hat zum Thema: Re: Von Anfang an... geschrieben
|
|
 |
bambue neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.11.2007 Beiträge: 28 Wohnort: Baden Württemberg
|
Verfasst am: 05.11.2007, 23:51 Titel: Re: Von Anfang an... |
|
|
hallo Sonnenlicht2007,
ich kann dich wirklich gut verstehen, bin auch noch nicht lange hier in diesem Forum, aber es tut schon gut von den anderen zu lesen.
Meine Mutter war Alkoholikerin, ist gestorben, Eltern geschieden, mein Vater lebt nicht in Deutschland. Bin mit 18 von zuhause weg, mein Gewissen hat mich auch fast aufgefressen.
Aber auc wenn ich nur bei einem Elternteil war(dem Kranken)kann ich mir vorstellen wie du dich deiner Mutter gegenüber fühlst, weil du sie dort gelassen hast. Aber in solch einer Situation wie wir uns befinden oder befunden haben muss man egoistisch sein, sonst bleibt man komplett auf der Strecke.Du siehst ja was es mit dir schon gemacht hat.
Es ist natürlich nicht einfach, da wir es gewohnt sind uns immer um die anderen zu kümmern, vorallem um den Alkoholkranken Elternteil.
Uns selbst vergessen wir darüber hinnaus aber leider viel zu oft.
Meine Mutter hat auch mal versucht kontrolliert zu trinken, aber das ist leider trotz allem trinken und wenn es funktionieren soll, muss derjenige ganz aufhören und leider haben wir keinen Einfluss darauf, denn di Sucht verändert den Menschen der da eigentlich mal war und alles ausser der "Stoff" wird eher unwichtig für ihn.
Die innere leere von der du sprichst kenne ich sehr gut, bei mir wurde das nach dem Tod meiner Mutter richtig schlimm, man weiß nicht mal woher und warum!
Wobei es die komplett neue Umgebung wohl nicht einfacher für dich macht!
Ich wünsche dir hier viele neue Erkenntnisse und ganz tolle Gespräche, natürlich auch mit mir!!!
Ganz viele liebe Grüße Bambue |
|
| Nach oben |
|
| bambue hat zum Thema: Re: Von Anfang an... geschrieben
|
|
 |
Sonnenlicht2007 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.11.2007 Beiträge: 6 Wohnort: Erfurt
|
Verfasst am: 07.11.2007, 21:43 Titel: Re: Von Anfang an... |
|
|
| autumn.07 hat Folgendes geschrieben: | Ich finde, dass Du sehr stolz auf Dich sein kannst.
Darüber, dass Du weggezogen bist, um Dein eigenes Leben zu leben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht einfach ist, sich hier in Deutschland neu einzufinden. |
Leider es ist nicht leicht, vielleicht deswegen, dass ich so weit von meinem Familienhaus bin und dass ich das ganze Leben alles unter Kontrolle zu Hasue hatte. Und jetzt ist es mir eigentlich ein bisschen merkwürdig, dass ich schon keinen Einfluss auf die nicht einfache Situation hatte.
Ich würde immer gerne heflen, ich weiss es, dass meine Haltung zu dieser Situation nicht richtig ist, aber dass ist ein Gefühl, dass mir so schrecklich leid ist, dass mein Vater alkoholsüchtig ist, und dass meine Mutter nicht glücklich ist und so weiter...
Ich habe auch ein Leid, dass meine Kindheit gerade so ausgesehen hat, und nicht anders... Einzige Lösung scheint mir hier, wenn ich einen Psychologen nicht besuchen kann, mit meinem Buch für Erwachsene Kinder von Alkoholikern zu arbeiten. Dort gibt es sehr verschiedene Übungen, man muss seine Gefühle immer beschreiben, auf verschiedene Frage zu antworten. Das Buch ist meiner Meinung nach toll, und in dem sehe ich meine grundsätzliche Hoffnung...
| autumn.07 hat Folgendes geschrieben: | | Friede und innere Ruhe sind für alle Menschen, die sich dies aus tiefstem Herzen wünschen, erreichbar. Nicht 24 Stunden am Tag, aber immer wieder, wie kleine Inseln...die dann mehr und mehr zu Deinem eigenen Leben werden. |
Ich danke für diese Worte. Sie sind wirklich beruhigend. Es ist auch gut zu wissen, dass auf dieser Welt die Menschen sind, die sich auch so gefühlt haben und jetzt fühlen sie sich schon besser...
| bambue hat Folgendes geschrieben: | | Aber in solch einer Situation wie wir uns befinden oder befunden haben muss man egoistisch sein, sonst bleibt man komplett auf der Strecke.Du siehst ja was es mit dir schon gemacht hat. |
Und das muss ich unbedingt lernen. Egoistisch zu sein. Aber nicht in diesem schlechten Sinne, in dem dieses Wort sehr oft gebraucht ist, aber in diesem für mich und euch guten Sinne. Einfach um sich selbst kümmern. Ich kann noch eigentlicht nicht vor allem an mich selbst denken und meine Bedürfnisse zu beachten. Aber ich weiss davon, dass egoistisch zu sein, ein sehr wichtigter Schritt zum besseren Leben ist!
| bambue hat Folgendes geschrieben: | | Die innere leere von der du sprichst kenne ich sehr gut, bei mir wurde das nach dem Tod meiner Mutter richtig schlimm, man weiß nicht mal woher und warum! |
Und ehrlich gesagt ist diese innere Leere für mich am schlimmsten. Obwohl ich seit Jahren einen lieben Freund habe und wir schon teilweise eine gemeinsame Zukunft zu bauen beginnen, dann fühle ich mich wirklich manchmal einsam und zurückgezogen. Das ist total unangenehmes und merkwürdiges Gefühl und weiss nicht, ob jemand von euch auch so etwas schon erlebt hat...
Bambue, ich habe deine Geschichte gelesen, es tut mir wirklich sehr leid wegen das, was du erlebt hast und wegen Todes von deiner Mutti und ich muss sagen, dass ich dich wirklich bewundre, dass du so viele Kräfte in sich selbst hast...
Viele liebe Grüsse .... |
|
| Nach oben |
|
 |
summerdream Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.02.2007 Beiträge: 6713
|
Verfasst am: 09.11.2007, 02:22 Titel: Re: Von Anfang an... |
|
|
hallo sonnenlicht (was für ein schöner name!)
auch von mir noch: herzlich willkommen hier im forum!
erstmal muss ich sagen, dass ich allergrößten respekt vor deinem mut habe. in ein fremdes land zu ziehn stell ich mir doch verdammt hart vor, auch wenn ich glaube, dass es unter den gegebenen umständen - eben deiner familie - besser für dich is!
| Zitat: | | Immer habe ich zu Hause einen Einfluss auf die Situation, es geht natürlich um eine Kontrolle die ich jetzt nicht habe... |
ganz ehrlich, hattest du wirklich einfluß auf die situation zu hause???
du hast wohl eher dafür gesorgt, dass die situation nicht eskaliert, aber mehr auch nicht oder? dein vater trinkt, deine mutter richtet ihr ganzes leben nur nach ihm (eben co-abhängig) und du letzten endes auch (auch co-abhängig).
du hast nur einfluß auf dein leben, wenn dein vater kontrolliert trinken möchte (was wohl nicht auf dauer gut gehn wird) und deine mutter weiter co. sein möchte, dann kannst du daran nichts, aber auch gar nichts ändern! sie sind beides erwachsene menschen, da können wir kinder uns den mund fusselig reden, uns auf den kopf stellen, rumbrüllen oder uns kümmern bis zum geht nicht mehr - das ist alles zwecklos!
und auch wenn deine mutter unter der situation leidet, sie kann sich ja auch von ihm trennen, das ist aber allein ihre entscheidung, da kannst du ihr nicht helfen!
ich glaube, du hast bessere chancen, dich von der co-abhängigkeit zu lösen, wenn du von deiner familie weg bist, dein studium hier in deutschland (oder wenns eben in nem anderen land wär) is dafür bestimmt ein guter schritt!
du hast ja scho einiges in angriff genommen, eben der umzug, bücher, psychologe, deine anmeldung hier im forum und die evtl. reale selbsthilfegruppe, alles dinge, wo du für DICH tust!
was liest du denn eigentlich für ein buch? das hört sich interessant an...
falls du noch mehr lesestoff "brauchst", die bücher "um die kindheit betrogen" und "familienkrankheit alkoholismus" sind tolle bücher, aber auch recht harte brocken, nichts für zwischendurch
mir hat das lesen hier im forum und in büchern viel geholfen, dadurch hab ich verstanden, dass meine mutter krank is und sie alleine zu der entscheidung kommen muss, dass sie nicht mehr trinken möchte!
die krankheit "alkoholismus" werde ich wohl nie ganz verstehn, aber viel wissen darüber läßt mich doch einiges davon verstehn und das macht es mir leichter auf mich zu schaun - meinen eigenen weg zu gehn, meine mutter soll ihren gehn - auch wenn unsere wege unterschiedlich sind!
liebe grüße |
|
| Nach oben |
|
| summerdream hat zum Thema: Re: Von Anfang an... geschrieben
|
|
 |