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Emptiness neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.10.2007 Beiträge: 10 Wohnort: Nähe Wasserburg am Inn
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Verfasst am: 15.10.2007, 23:21 Titel: Die anderen Jahre |
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Hallo zusammen,
ich heiße Barbara, bin 40 Jahre alt. Im Vorstellungsbereich habe ich schon ein wenig über mich geschrieben und ich denke ich bin soweit, es auch hier zu versuchen. Und wie ich grad im Nachhinein feststelle: ein Roman . Ihr möget mir verzeihen.
Eigentlich ist mein Mann die Liebe meines Lebens. Ich nenne ihn mal Uwe.
Wir haben uns vor 20 Jahren kennen gelernt.
Ich arbeitete tagsüber in einer Taxizentrale und er nachts. Eigentlich habe ich ihn nie so richtig wahrgenommen, wenn er zum Schichtwechsel mal da war. Erst als ich längere Zeit ausgefallen war, weil mein 1.Mann mir ein paar Knochen gebrochen hatte, näherte Uwe sich unglaublich behutsam an.
Ich war ja nun alleine und habe oft meinen Sohn mit zu Arbeit bringen müssen, und Uwe hat sich rührend um uns gekümmert. Nach einigen Monaten hatte ich so viel Vertrauen zu ihm gefasst, dass wir es mit einer Beziehung versuchten.
Uwe war eigentlich der Traummann: der perfekte Koch, rücksichtsvoll, Hausarbeit wurde geteilt, er war ein vorbildlicher Vater für meinen Sohn, wir führten tolle Gespräche, haben nachts in Kornfeldern gelegen und Sternschnuppen beobachtet. Aber: er war die Eifersucht in Person. Es war der goldene Käfig. So lange ich bei ihm war, war alles wie es sein sollte. Kaum war ich aus dem Haus, wurde ich permanent verdächtigt. Ich konnte mich noch nicht mal von männlichen Kollegen heimbringen lassen, ohne das er mir eine Szene machte.
Bald fiel das erste Mal das Wort heiraten. Ich war starr vor Schreck, wie gelähmt. Ich dachte: wie kann er nur? Ich bin von dem Schläger noch nicht mal geschieden und soll mich neu binden? Niemals!
Er hatte kein Verständnis für mich. Er hätte doch so gern weitere Kinder mit mir gehabt und eine tolle Familie. Wir stritten immer häufiger, er engte mich weiter ein und ich ergriff die Flucht. Erstmal bin ich nur für 2 Nächte zu meiner Schwester gegangen. Aber als ich danach heim kam… mein Gott, die ganze Wohnung war Kleinholz. Kein Stuhl war heile, kein Teller, kein Blumentopf. Und im Schlafzimmer ein unglaublicher Berg aus leeren Jägermeisterflaschen. Damals hätte ich schon hellhörig werden müssen. Ein Normalsterblicher hätte diese Massen nicht trinken können, ohne in tiefes Koma zu fallen (denke ich). Aber alles was ich denken konnte war: raus hier! Schnapp dein Kind und deine Sachen und raus hier!
Die folgenden Jahre sahen wir uns nur sporadisch. Die Erinnerungen an seine Szenen und den Flaschenberg verblassten und ich habe seine Gutmütigkeit, die guten Gespräche, die Vertrautheit oft vermisst. Oft habe ich gedacht: ach wärst du doch bei ihm geblieben. Er heiratete, bekam 2 Töchter und lebte für die Kinder. Seine Frau hat er nie wirklich geliebt, aber es war einfach für ihn. So wie er es damals ausdrückte: „wenn ich sie nicht in mein Herz lasse, kann sie mir nicht weh tun. So wie du!“
Wir hatten jahrelang keinen Kontakt, ich war in der Zwischenzeit nach Bayern gezogen. Durch die große Entfernung zu meiner Heimat hatte ich mir angewöhnt, alle paar Monate nach Namen von Bekannten im Internet zu suchen und so entdeckte ich eines Tages 2 Einträge mit seinem Nachnamen im Telefonbuch. Seinen und den seiner Frau. Sie waren also getrennt.
Angerufen, Nachricht hinterlassen, Herzklopfen ohne Ende: „Hi Uwe, hier ist Babs. Kannst du dich noch an mich erinnern?“. Am selben Abend telefonierten wir 6 Stunden bis in den Morgen, am Wochenende fuhr ich rauf und vom Tag des Wiedersehens an waren wir wieder ein Paar.
Er hatte sich sehr zu seinem Vorteil verändert: er war selbstbewusst und insofern auch nicht mehr eifersüchtig, die beiden Mädchen lebten bei ihm und er war ein fürsorglicher Vater wie eh und je.
Der perfekte Hausmann und Vater. Wären da nicht diese kleinen Dinge gewesen, die mich stutzig gemacht haben.
Haben wir z.B. abends ein 1 Glas Wein getrunken (ich vertrage Alkohol nicht gut), war die Flasche morgens dann plötzlich doch leer. Kochte er Mittagessen, stand schon um 11 Uhr ein Glas Bier auf der Arbeitsplatte (Sterneköche trinken Wein zum kochen, ich halt Bier…haha). Damals habe ich keinen Verdacht geschöpft. Bis mich ein Wochenende seine Schwester anrief, sie müsse mir nun reinen Wein einschenken (welch passendes Wortspiel) Uwe sei in der Entgiftung, nachdem er einen höchst missglückten kalten Entzug gewagt hätte. Sein Hausarzt hatte ihm Distra mit nach Hause gegeben.
Schlecht für einen Süchtigen! In dem Glauben, viel helfe viel, hat er sich mit den Distras in eine Psychose geschossen. Halluzinationen, Paranoia, die Mädchen haben mir später erzählt er habe regelrecht gegen Windmühlen gekämpft, hat nachts im Garten mit dem Spaten auf Unsichtbare eingeschlagen, hat seinen Lieblingsteddy, den er noch aus Kindertagen hatte, im Wald begraben, weil angeblich Mäuse darin lebten. Am Morgen ist er im Delirium schwer gestürzt und seine Schwester hat die Bewusstlosigkeit genutzt ihn einliefern zu lassen.
Das war 2002, die erste Entgiftung.
Danach folgten 3 trockene Jahre. Er zog mit den Mädchen zu mir und 2004 haben wir geheiratet.
…dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich.
Tut mir Leid, dass ich hier die elendslange Story schreibe, aber ich habe das Gefühl, dass die Vergangenheit wichtig ist, wenn man die Zukunft betrachten will. Zwar unwiederbringlich vergangen, aber doch wichtig.
Und morgen mach ich mich an Teil 2 der Geschichte: die schlimmen Jahre.
7 Rückfälle in nur 2 Jahren. Ich hab ja Zeit zum schreiben, Uwe ist in der Entgiftung und kommt direkt von dort für 2 Wochen in die Psychiatrie.
Gute Nacht zusammen… |
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| Emptiness hat zum Thema: Die anderen Jahre geschrieben
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Nicole Gast
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Verfasst am: 15.10.2007, 23:33 Titel: Re: Die anderen Jahre |
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Hallo Emptiness,
ich freu mich das du so schnell hierher gefunden hast.
Irgendwie hab ich gewusst das ich dich heut hier noch lesen werde.
Ja, Eifersucht und Aggression kenn ich zu genüge.
Ich kann dich sehr gut verstehen was du schreibst.
Es freut mich sehr das du dich davon befreien möchtest. Da du ja auch schreibst das dein 1. Mann gewaltätig war, ist es immer wieder erstaunlich das man sich unterbewußt immer wieder gleiche oder ähnliche Partner sucht bzw. findet.
Ich hoffe wir können dich auf deinem Weg begleiten.
Ich bin sehr gespannt auf deine Fortsetzung obwohl ich leider weiß das sie nicht schön sein wird.
Ich wünsch dir viel Kraft auf deinem Weg.
LG
Elocin |
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| Nicole hat zum Thema: Re: Die anderen Jahre geschrieben
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Emptiness neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.10.2007 Beiträge: 10 Wohnort: Nähe Wasserburg am Inn
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Verfasst am: 15.10.2007, 23:46 Titel: Re: Die anderen Jahre |
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Danke Elocin!
Vorsichtshalber, falls ich mich missverständlich ausgedrückt habe, möchte eines heute noch kurz hinzufügen.
Mein jetziger Mann hat zwar damals die Bude kurz und klein geschlagen,
aber er würde mir niemals etwas antun. Unser Haushalt ist gewaltfrei (wenn man vom kratzen und beißen der beiden minderjährigen Zicklein untereinander mal absieht )
Bis auf das eine Mal vor nunmehr fast 20 Jahren hat er nie wieder gegen etwas oder jemanden die Hand erhoben, auch wenn er trinkt ist er nicht aggressiv, eher das Gegenteil: kleinlaut, schuldbewußt, beschämt.
Aber zum Teil stimme ich dir zu: ich bin im Elternhaus geprügelt worden und bin mit meinem ersten Mann vom Regen in die Traufe gekommen.
Oft habe ich gedacht, ich ziehe das irgendwie an und ein Stück weit ist das wohl auch so. Ich glaube, dass Männer mit ich nenn es mal Unzulänglichkeiten sich zu mir hingezogen fühlen, weil ich so viel Stärke ausstrahle. Und ich Depp merk's nie, immer erst, wenn's zu spät ist.
Was sowas angeht habe ich mit Uwe wirklich den Traummann, wenn nicht der Alkohol alles kaputt machen würde. |
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| Emptiness hat zum Thema: Re: Die anderen Jahre geschrieben
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summerdream Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.02.2007 Beiträge: 6713
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Verfasst am: 16.10.2007, 01:46 Titel: Re: Die anderen Jahre |
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hi babs (darf dich doch so nennen?)
freut mich, das du hier deinen eigenen thread aufgemacht hast!
irgendwie liest man hier oft, dass alkoholiker nüchtern ganz liebenswerte menschen sind, über meine mutter kann ich eigentlich auch das gleiche sagen, auch wenn sie manchmal auch da für mich verrückte ansichten hat
ich wünsche dir viel kraft beim nexten teil deiner geschichte, wir hören dir gerne zu!
liebe grüße |
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| summerdream hat zum Thema: Re: Die anderen Jahre geschrieben
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Tihaso sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.07.2007 Beiträge: 1169 Alter: 46 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 16.10.2007, 06:26 Titel: Re: Die anderen Jahre |
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Hi, schön, dass du den weg hierher gefunden hast.. Ich sehe, auch du hast einen langen Weg hinter dich gebracht.. Machts du denn nun auch eine Therapie für dich?? Ich denke, es wäre super wichtig, dies alles mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten..
Hier wirst du auf jeden Fall viele offene und helfende worte finden..
LG Tihaso |
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| Tihaso hat zum Thema: Re: Die anderen Jahre geschrieben
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Emptiness neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.10.2007 Beiträge: 10 Wohnort: Nähe Wasserburg am Inn
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Verfasst am: 17.10.2007, 22:54 Titel: Re: Die anderen Jahre |
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Guten Abend zusammen,
zum 2.Teil der Geschichte komme ich heute nicht, aber ich wollte mich zumindest mal gemeldet haben und Bericht erstatten.
@summerdream: natürlich darfst du mich Babs nennen!
Also mein Gatte ist nüchtern wirklich mein Traummann, aber betrunken ist er ein widerborstiger Jammerlappen. Das ist jetzt absichtlich ein bisschen bös geschrieben und soll aber nicht seine Depressionen anzweifeln.
@Tihaso: tja, eigentlich sollte ich Therapie machen, ich weiß. Aber ich kann mich so schlecht durchringen. Ich hatte vor ein paar Monaten eine angefangen, da hat die Therapeutin mir solche Hämmer an den Kopf geworfen (dazu vielleicht später mal mehr), dass ich erst mal abgeschreckt bin. Aber da ich auch Angststörungen hab müsste ich dringend was tun, stimmt schon. Und auch nach Uwes Rückfällen, wenn ich dann nur noch heulend da sitze, hat mein Doc letztens gesagt: Frau S., ich weiß ja, ich hatte ihnen gesagt, sie sollen ihn nicht voreilig verlassen und noch mal drüber nachdenken, aber merken sie nicht, dass sie auf einen ausgewachsenen Burn-out zusegeln? Zeit die Notbremse zu ziehen!" Ich hab die Notbremse noch nicht gefunden
Tja, was gibt's neues?
Uwe ist am Montag sofort aus der Entgiftung entlassen worden. Er hatte seit Freitag eh keine Medikamente für den Entzug bekommen, der Arzt meinte, es sei kein Entzug da. Von dort ist er aber direkt in die Psychiatrie verlegt worden. Erst mal für 2 Wochen. Minimum. Er ist jetzt in einer Gruppe von 22 Menschen, die alle wegen Depressionen behandelt werden. Ich war heute da und er fühlt sich dort für seine Verhältnisse recht wohl (ich erwähnte glaub ich, dass er sich sehr vor dem Zusammenleben mit Fremden ekelt). Er war von dem Gruppengespräch regelrecht begeistert, weil die ihn sofort verstanden haben, als er seine Gefühle beschreiben sollte. Übrigens ganz interessant: 50% seiner Mitbewohner haben Alkoholprobleme.
Scheint wohl doch die Depression im Vordergrund zu stehen.
Ich war ganz fasziniert, als wir dort auf der Terrasse saßen: die Menschen um uns 'rum, wie in einem Café, alle ganz normal und doch... stationär zur Behandlung. Uwe meinte, wenn man abends das Weinen aus den Zimmern hört, dann weiß man, wo man ist.
Ich hoffe, dass ihm das alles dort hilft. Und solange er fort ist, kann ich mir noch Gedanken machen, ob es zukünftig noch ein WIR gibt.
So ganz entschlossen hab ich mich noch nicht.
Gute Nacht Ihr Lieben. |
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| Emptiness hat zum Thema: Re: Die anderen Jahre geschrieben
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