| Wie viel Erfahrung haben Ärtze? • Warum bin ich Alkoholiker oder alkoholkrank? |
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32811 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 05.10.2007, 10:34 Titel: Re: Meine Frage an das Forum |
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Hallo Blizzard,
als ich getrunken habe, habe ich jegliche Hilfsorganisationen solange ausgenutzt, bis sie irgendwann auch nicht mehr mitmachten. Es gibt ja genug und irgendwo bekam ich immer etwas, was mir weiter half. Mal dort ein paar Tage zum fitt werden, mal dort eine Sozialarbeiter, der mir meine Papiere wieder in Ordnung brachte und beim Sozialamt ein gutes Wort für mich einlegte und andere Dinge, die ich alle nur in Anspruch nahm, mit dem Hintergedanken, weiter zu trinken.
Ein bisschen Selbstmitleid und den geheuchelten Wunsch, ja nicht mehr trinken zu wollen, öffneten mir viele Türen.
Aus heutiger Sich denke ich, es gibt zu viele Hilfsangebote, die keine Forderungen stellen.
Bei einer Suchtberatung eines Krankenhauses mußte ich mal die Erfahrung machen, dass die Sozialarbeiterin mir "nur" Wege aufzeichnete, die ich gehen sollte, aber nichts für mich unternahm.
Da ich damals dringend einen neuen Personalausweiss brauchte, habe ich es sogar geschafft, meine letzten 15 DM nicht zu versaufen und sie für die Ausweissbeantragung zu verwenden.
Ich denke, der richtige Weg ist, wenn man nicht nur Hilfe anbietet, sondern auch Dinge fordert. |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
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terwara neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 02.10.2007 Beiträge: 21
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Verfasst am: 06.10.2007, 02:52 Titel: Re: Meine Frage an das Forum |
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Hallo Blizzard, hallo Karsten,
ja, Ihr beide habt völlig recht mir Euren Aussagen.
Auch, wenn ich Euch völlig desillusionieren werde, muß ich Euch sagen: Ja, die meisten Heime sind Aufbewahrungsstellen geworden. DAS ist es, was mir persönlich so sehr mißfällt. Wir werden es nicht ändern können, da, wie schon erwähnt, Stellenabbau, fehlende Gelder, etc., die Ursachen sind.
Eigeninitiative ist mehr als sonst gefragt. Oftmals frage ich mich, vorher diese bitte sehr kommen soll, ist der Klient doch häufig mehr als psychisch und physisch am Ende.
Jemand schrieb in diesem thread, dass Langeweile ein Rückfallgrund sein kann. Dies sehe ich ähnlich, denn tägliche Seidenmalerei kann es eigentlich auch nicht sein.
Dann kommt, wie Karsten beschrieb, ein bissel Heuchelei und (meine Worte !) Honig für den Therapeuten dazu und...... der nächste bitte.
NEIN, so darf es eigentlich nicht sein!
Ich habe einmal festgestellt, dass ich einen Rückfall verhindern konnte durch eine ganz simple Angelegenheit:
Eine Klientin, rief mich an. ( ich habe bereits davon ezählt) Es ging ihr sehr schlecht. Ich habe aus einem Bauchgefühl heraus gehandelt. Sie wollte nicht reden, deshalb habe ich sie einfach eingepackt. Wir zwei sind dann, bis zur totalen Erschöpfung, stundenlang, bei knallheissem Wetter, durch den Zoo gepilgert. Wir hatten anschließend runde Füsse, einen literweisen Verschleiß an Wasser, waren alle beide kaputt ohne Ende und sind zu hause in den Sessel gefallen. Ich habe gefragt, mußt Du nun noch trinken, sie schüttelte den Kopf, wir haben gelacht und hatten es geschafft. Es war ein toller Tag.
EIN TAG aber wir haben ihn gemeistert.
Nein, ich war nicht stolz auf mich, ich habe mich nur gefreut, anscheinend die richtige Idee gehabt zu haben..... in diesem Falle, - für diesen Tag.
Übrigens waren wir später noch hin und wieder mal im Zoo. Allerdings brauchten wir niemals mehr einen derartigen Marathonlauf, sondern guckten gemeinsam nur nach den Elefanten. (Wir mögen nämlich beide "Viecher" und uns gegenseitig ganz gerne)
Die Zeit für derartige Experimente ist sonst nicht vorhanden. Immer kann und darf ich meine Freizeit nicht dafür verwenden, sonst bleibe ich selbst auf der Strecke.
Gefragt wären hier sicherlich ehrenamtliche Leute, die gern etwas Produktives täten und sich trauen, etwas zu tun und zu versuchen, ---glaube ich.
Liege ich da verkehrt? IHR seid diejenigen, die etwas dazu sagen können!!!!
Nachdenkliche Nachtgrüsse von Terwara |
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| terwara hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
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terwara neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 02.10.2007 Beiträge: 21
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Verfasst am: 06.10.2007, 03:24 Titel: Re: Meine Frage an das Forum |
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Blizzard,
noch schnell meine Meinung zu dem, von Dir beschriebenen Projekt.
Ja, ich persönliche finde "nasse" Häuser sinnvoll.
Was sollte sonst mit Klienten geschehen, die nicht in der Lage sind, abstinent leben zu können.
Wir dürfen auch diese Kranken nicht abschreiben und ihnen jede Hilfe verwehren. Wo und wie sollen sie, nach zig erfolglosen Entgiftungen, leben?
Einer meiner Klienten lebt in einem solchen Heim. Das Taschengeld und der Alkohol werden eingeteilt. Es ist sehr deprimierend den Gesundheitszustand des Einzelnen zu erleben.
Die Hoffnung auf ein eigenständiges Leben ist gleich null.
Auch dies ist ein Teil meiner Arbeit.
OOps, wie spät ist es geworden, ich habe heute sooo lange gelesen, jetzt aber ab ins Bett.
Gruß Terwara |
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| terwara hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
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Brigitte aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.02.2007 Beiträge: 509
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Verfasst am: 07.10.2007, 12:39 Titel: Re: Meine Frage an das Forum |
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Das ist ein verdammt schwieriges Thema, was du da aufwirfst. Irgendwie begreifst du schon, dass Alkoholiker einfach anders ticken. Du kannst versuchen, dich in sie hineinzuversetzen, aber ich denke nicht, dass du es letztendlich verstehen kannst, weil du kein Alkoholiker bist. Aber ich finde deine Fragen gut, weil du sie in deinem Beruf verwerten willst.
Wie schon vor erwähnt, kommt ein Rückfall nicht so mir nichts, dir nichts, sondern er baut sich langsam auf. Das ist einer der Gründe, warum ich zu einer realen SHG gehe. Alkoholiker sind ganz sensibel in diesem Bereich und sie kriegen es mit, wenn mein Denken eine schiefe Bahn einnimmt und machen mich darauf aufmerksam.
Ich glaube nicht, dass ein Nichtalkoholiker das im Vorfeld mitkriegt. Geht, glaube ich nicht, weil die Sauferfahrung fehlt. Hinzu kommt, dass Alkoholiker 3 mal chemisch gereinigt sind. Das heißt, sie kennen alle Tücken und Schleichwege um es vor der Außenwelt zu kaschieren. Alles was mit der Sucht zusammenhängt und gelebt werden will, wird sehr gekonnt verschleiert. Da ist es für einen Außenstehenden ganz schwer so richtig dahinter zu blicken.
Wenn ich wieder Saufen möchte, hat sich in mir schon sehr viel abgespielt, ist eine Entwicklung (zum Negativen) abgelaufen. Wenn ich dann mein erstes Glas nehme, würde ich mich an niemanden mehr wenden. Es ist deshalb wichtig, diesen Prozess im Vorfeld zu erkennen.
Ich habe gesoffen, weil meine Gefühle nicht stimmten, weil ich Langeweile hatte oder weil ich mich belohnen wollte. Es gibt 1000 Gründe zum Saufen und es kommen mit der Zeit immer mehr dazu.
Aber ursächlich denke ich, dass es Gefühle waren, die ich nicht aushalten konnte oder wollte.
Hilfe würde ich mir insofern wünschen, dass ich mit diesen Grundgefühlen arbeiten kann, also eigentlich Psychotherapie. Aber nicht jeder bekommt sowas. Also versuche ich selber damit zu arbeiten und natürlich ist es schön, wenn Menschen da sind, die einen auf diesem Weg unterstützen. Dies ist mein Weg und ich weiß nicht wie er für andere aussieht.
In meiner SHG heißt es zum einen, nicht jeder wird genesen. Habe ich selber oft genug erlebt, die sogenannten Drehtürpatienten. Solche die mittlerweile jahrzehnte rumkrebsen und doch nicht die Kurve kriegen.
auch heißt es, ich kann niemanden trocken legen. Vll. kann ich unterstützend wirken, aber ich spüre auch ganz schnell als Alkoholiker, wo jemand noch nicht die Kurve kriegt. |
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| Brigitte hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
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