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Meine Frage an das Forum

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Autor Nachricht
terwara
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 21

BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 22:20    Titel: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich möchte heute abend gern meine erste Frage starten und würde mich sehr über Eure Antworten freuen:

Nach Rückfällen besuche ich natürlich, die von mir betreuten Klienten, während der Entgiftungsbehandlungen in der Klinik.
Hier erlebe ich eigentlich immer die selbe Situation. Der/die Betroffene fragt mich, ob ich denn nun sehr böse und enttäuscht sei. Es geht ihm sehr schlecht, er/sie ist neben den Entzugserscheinungen, (trotz D****[bitte keine Medikamentennamen, Tabletten reicht im allgemeinen]),
auch psychisch, in einer fürchterlichen Verfassung.
Ich erkläre zum x-ten Male, dass ich selbstverständlich weder böse noch enttäuscht bin, da es nicht um mich geht und ich die Entscheidung zu trinken sowie die Eigenverantwortung, eines anderen Menschen, nicht übernehmen kann.
Dann stelle ich meine Frage, die mir immer mit "ich weiß es nicht", beantwortet wird:

Warum, hast Du, als Du merktest, dass Du den Suchtdruck nicht mehr aushalten konntest, keine Hilfe bei mir, einem Sozialarbeiterkollegen, usw. gesucht und angefordert? Warum quälst Du Dich allein, mit dem Ergebnis, das Du nun erleben mußt? Ein einziges Telefonat, eine einzige Meldung hätte gereicht.
Meine Frage ist nie als Vorwurf gemeint, ich denke lediglich, sehr viel
Quälerei könnte vermieden werden, würde der Betroffene sich beizeiten melden.

Bislang hat es nur eine einzige meiner Damen wirklich geschafft, mich VORHER zu benachrichtigen. Hinterher haben wir uns gemeinsam, riesig gefreut, eine gefährliche Klippe umschifft zu haben.

Wenn ich wüßte, was in einem solchen Falle wirklich abläuft, könnte ich vielleicht effektiver im VORFELD helfen und der eine oder andere Rückfall würde nicht stattfinden.

Gruß Terwara
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terwara hat zum Thema: Meine Frage an das Forum geschrieben
Andi
Gast






BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 22:38    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo terwara,

Zitat:
Warum, hast Du, als Du merktest, dass Du den Suchtdruck nicht mehr aushalten konntest, keine Hilfe bei mir, einem Sozialarbeiterkollegen, usw. gesucht und angefordert? Warum quälst Du Dich allein, mit dem Ergebnis, das Du nun erleben mußt? Ein einziges Telefonat, eine einzige Meldung hätte gereicht.


Diese Fragen,stellst Du Alkoholabhängigen Menschen,in deiner Funktion,deiner Tätigkeit.

Jedoch,kannst Du dich nicht in die Lage von Alkoholabhängigen hineinversetzen,denn sie sind süchtig,und müssen Trinken,sofern Sie für sich,noch nicht ihren eigenen Tiefpunkt erreicht haben,und gänzlich vor Ihrem Suchtmittel kapituliert haben!

Viel einfacher,ist es für Sie,wieder zur Flasche zu greifen,als wie zum Telefonhörer,weil sie weitertrinken wollen,weitertrinken müssen,bishin zum Point of no return,waß ist für dich,denn daran so unverständlich?

Wir reden hier von einer Suchtmittelabhängigkeit,und nicht von einer Grippe,wo jeder Nichtabhängige,zum Arzt geht,und sich ein Medikament verschreiben lässt!

Hier geht es darum,vor dem Suchtmittel zu kapitulieren,und vor sich selbst,und diese Einsicht,muss von jedem selbst ausgehen,da helfen auch keine Fragen,so wie Du,und deine Kollegen,den(Klienten)stellst!

Gruß Andi
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Andi hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
Freund
Gast






BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 22:39    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Terwara,

der Rückfall entwickelt sich schon lange vor dem Akt des Trinkens im Kopf.
Da heißt es bereits, solche Rückfallgedanken selbst zu erkennen und gegenzusteuern.
Aber das ist auch ein Lernprozess, mit sich selbst um- und in sich gehen zu können.

Und man muss es auch selbst wollen, den Rückfall zu vermeiden, so unverständlich das sich jetzt anhört,
... sonst kann man sich als Außenstehender Fusseln an den Mund reden. Das Trinken des Betroffenen ist entschieden.

Gruß, Freund.
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Freund hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
terwara
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 21

BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 22:53    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Andi,

ja, ich bin hier um "solche" Fragen zu stellen. Welcher Mensch könnte mir sonst erklären was abläuft, wenn nicht ein Betroffener? Ich bin auch hier, weil ich nicht an den durchschlagenden Erfolg von Teamgesprächen, in großer Runde, mit Kollegen glaube. Vor dem Beginn eines solchen Arbeitskreises, weiß ich bereits, was erörtert wird.
Ich denke, in einem anonymen Forum Betroffener, bekomme ich vielleicht ehrlichere Antworten um bessere Arbeit leisten zu können.

Lieber Freund,
danke für Deine Antwort. Heißt das, dass der Betroffene selbst, den Rückfallgedanken nicht immer gleich erkennen kann?

Gruß von Terwara
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terwara hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
Scrooge
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.01.2007
Beiträge: 343

BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 22:59    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Terwara,

was nützt es mir als Alkoholiker, der trinken will, mich vorher bei dir als meinen Betreuer zu melden, dass du vielleicht mein Trinken doch vereiteln kannst.

Du bist doch sicher auch nach meinem Rückfall noch für mich da, Du bist nicht böse oder enttäuscht und wirst mich wieder aufbauen, bis ich mich so gut fühle, dass ich wieder trinke, denn dann bist du ja wieder für mich da...

Bei einem Rüchfall bin ich allein es der entscheidet zu trinken. Ich habe zwar auch schon Geschichten gehört, in denen von einer Art blackout einem Filmriss berichtet wird, doch nach meinen Trinkpausen habe immer ich selbst entschieden wieder zu trinken.

Der Aufbau einer stabilen Trockenheit ist mir erst möglich, seit dem ich meine alkoholkrankheit für mich akzeptiert habe und vor dem Alkohol kapituliert habe.

Die Verantwortung für mich trage ich und niemand sonst.
Inzwischen bin ich mir viel zu viel wert und ist mir mein Leben viel zu wertvoll, als dass ich bewusst meinen Körper und meine Seele schädigen würde.

Gruß
Scrooge
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Scrooge hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
phoenix75
Gast






BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 23:05    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

terwara hat Folgendes geschrieben:
Heißt das, dass der Betroffene selbst, den Rückfallgedanken nicht immer gleich erkennen kann?


Hallo Terwara!
Schön, daß du dich so für die Leute, die du betreust, einsetzt.

Rückfallgedanken...hat wohl jeder mal.
Und deshalb ist die Trockenarbeit so wichtig. Wer sich nicht nach vorne bewegt, bleibt stehen..bzw. geht zurück.
Der ständige GEdankenaustausch macht einem "gefährliche" Strömungen bewußt.

Es ist wie mit allem...vor der Tat...und schon lange vor der Tat, kommt der GEdanke. Also muß man hart mit sich und seinen Gedanken sein und eben ehrlich zu sich selbst.

Für dich würde das bedeuten, die Rückfallgedanken schon zu erkennen und da ganz hart und klar Grenzen zu ziehen...nicht erst NACH dem Rückfall.

alles gute für deine Arbeit
lydia
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phoenix75 hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 23:09    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo terwara,

ich habe zwar nicht beruflich mit Alkoholikern zu tun, bin jedoch selber Sozialarbeiter und obendrein Betroffener. Ausserdem bin ich in einer Suchtberatung in therapeutischer Betreuung, kenne daher auch ein wenig die Klientel ausserhalb meiner eigenen Person.

Ich sehe die Sache so: Ein Rückfall sollte kein Weltuntergang sein, er ist aber sehr wohl eine sehr ernste Sache. Wenn jemand regelmäßig Rückfälle hat, ist er ehrlich gesagt für mich nie trocken gewesen. Die Leute, die ich kennengelernt habe in den letzen Monaten und die Rückfälle hatten, hatten zu einem großen Teil

a)die Ernsthaftigkeit ihrer Krankheit gar nicht verinnerlicht
b)wenig bis gar nicht an ihrer Trockenheit gearbeitet - und damit eigentlich nur "Trinkpausen" eingelegt
c)haben nicht selten immer noch den versteckten Wunsch, kontrolliert trinken zu können
d)ihren persönlichen Tiefpunkt noch nicht erreicht

Es ist eine Einstellungssache. Rückfälle werden nie 100 % vermeidbar sein - das ist einfach das Wesen unserer Krankheit. Jedoch lässt sich das Rückfallrisiko minimieren, und zwar durch die Standardmaßnahmen, die jeder Alkoholiker, der es mit dem Trockenwerden ernst meint, beherzigen MUSS:

1. Sich ein alkoholfreies Umfeld schaffen
2. Feste und sonstige Anlässe wo getrunken wird vermeiden
3. Die entstehende Leere durch sinnvolle Aufgaben, Hobbies und Arbeiten füllen.

Ich persönlich halte den 3. Punkt vielleicht sogar für am wichtigsten. Abstinent leben, ist keine Veränderung, sondern eine Revolution im Leben eines Alkoholikers.

Was bleibt mir noch zu sagen?

Wenn sich ein Rückfall anbahnt, dann hilft meist auch ein gutgemeintes Gesprächsangebot nicht mehr viel. Es ist für mich einfach ein Fakt, das man als Alkoholiker SELBST trocken werden muss und trocken WOLLEN werden muss. Wer das nicht 100 % will und es als einzige Alternative für sein weiteres Leben sieht, der wird immer und immer wieder Rückfälle erleiden. Und das können leider alle Sozialarbeiter dieser Welt nicht verhindern. So ist Sucht nunmal.

Ich hoffe, ich habe dir mit diesen Worten weitergeholfen.

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben
Freund
Gast






BeitragVerfasst am: 03.10.2007, 23:15    Titel: Re: Meine Frage an das Forum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Terwara, hallo @all …,

das kann heißen, dass man es etwa nicht erkannt hat oder auch nicht erkennen wollte. Meist nicht erkennen wollte.

In unserem Gehirn sind ja jene Suchtmechanismen noch tief verankert, unser Belohnungssystem, unsere Verhaltensmuster tief eingeprägt.

Ich kenne es ja selbst, dass Menschen in meiner damaligen Gruppe mit höchsten Euphoriegefühlen aus der Entgiftung kamen, aber außerhalb dieser Gruppe entscheidende Grundbausteine nicht befolgten und somit wieder in die Sucht fielen.

Da kann schon Tage vor dem Rückfall, als Belohnungsanlass im alten nassen Denken, ein bevorstehender Urlaub, ein freies Wochenende oder andere Assoziationen zur Belohnung Alkohol, sich im Kopf der Rückfall entwickeln. Hier heißt es eben, diese Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und auch bereit zu sein, das zu reflektieren, umzusetzen und gegenzusteuern, sich zu öffnen und mit anderen darüber zu sprechen.

Die Sucht ist aber stark. Auch kann es passieren, dass jene Menschen, selbst haben sie noch Gruppengespräche oder Erfahrungsaustausch vor dem Trinkrückfall, nichts mehr an sich ran lassen, Tag und Zeitpunkt des Trinkens beschlossene Sache ist.

Es liegt sehr viel an der Grundeinstellung zur Trockenheit, nur nichts trinken reicht nicht.

Das auch zur allgemeinen Reflektion aller.

Gruß, Freund.
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Freund hat zum Thema: Re: Meine Frage an das Forum geschrieben

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