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Mein Vater trinkt

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Karina1982
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2007
Beiträge: 72
Wohnort: Bonn

BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 12:56    Titel: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich fange einfach mal ganz vorne an zu schreiben, wie mein Vater in die Alkoholsucht reingerutscht ist und welche Rolle ich in dieser Situation spiele. Ich habe noch zwei Geschwister, die allerdings beide viel älter sind als ich. Die eine ist 14 Jahre älter, die andere 11.

Meine Mutter ist an Krebs (Lungenkrebs) erkrankt, als ich 9 Jahre alt war. (Meine beiden Geschwister waren schon beide ausgezogen.) Sie wurde nach der Diagnose relativ schnell operiert und ich lebte zu dieser Zeit bei meiner Tante, da sie meinten, ich solle mich auf die Schule konzentrieren.
Nach drei Monaten wurde meine Mutter wieder entlassen und auch ich durfte wieder nach Hause. Es folgten Jahre mit Chemotherapie, Bestrahlung, Hoffnung und Entäuschung. In der ganzen Zeit kümmerte sich mein Vater aufopferungsvoll um meine Mutter. Das letzte Jahr verließ sie das Bett nicht mehr und hatte so große Schmerzen, dass sie auf Betäubungsmittel eingestellt war und nichts mehr mitbekam. Sie hat auch keinen mehr erkannt. Mein Vater hatte zu dieser Zeit Hilfe von meiner Patentante (die Schwester meiner Mutter), von seiner mittleren Tochter und von einer guten Freundin meiner Mutter. Sie baute von Tag zu Tag ab und starb, als ich 13 Jahre alt war.
Er stand also alleine da mit seiner jüngsten Tochter und verdrängte viel.
Wir versuchten uns soweit es ging zu arrangieren. Mein Vater ging arbeiten, wusch die Wäsche und kochte Sonntags für die ganze Woche (was mit ein Grund war, warum ich in die Essstörung gerutscht bin). Im Gegenzug dazu putzte ich das Haus und bügelte die Wäsche, was anfangs sehr abenteuerlich war, da ich das vorher ja noch nie gemacht hatte.
Abends trank mein Vater dann immer mal ein, zwei oder auch mal drei Flaschen Bier. Anfangs noch nicht so regelmäßig, aber das schlich sich dann immer mehr ein. Wenn Besuch da war, wurde dann auch immer noch der Schnaps ausgepackt, wodurch das irgendwie (auch von den anderen) ein wenig für ihn legitimiert wurde.
In solchen Situationen kam es immer wieder mal zu einem großen Streit. In Verbindung mit Alkohol, vor allen Dingen mit Schnaps wurde er immer wieder aggressiv. Aber nicht aggressiv in dem Sinne, dass er mich geschlagen hätte (das hat er nie getan), sondern eher mit Worten.
Am Wochenende bin ich nicht, wie andere in meinem Alter, weggegangen, sondern ich habe mit ihm vor dem Fernseher gesessen. Wodurch er sich total auf mich fixiert hat.
Mit 19 bin ich dann ausgezogen und zwar 200 km weit weg. Für mich war es das Beste, was ich machen konnte. Ich habe erst einmal eine Therapie gemacht, um eine gewisse Distanz zwischen meinen Vater und mich zu bringen, da ich mich verantwortlich für ihn gefühlt habe (auch heute habe ich dieses Verantwortungsgefühl noch nicht abgelegt, aber es ist ein wenig kontrollierter). Und ich habe damit meine Essstörung (Bulimie) in den Griff bekommen. Außerdem hab ich meine Jugend nachgeholt. Bin mit Freunden weggegangen so oft und so lange ich wollte.
Mein Vater nach meinem Auszug schon regelmäßiger und als er dann einige Zeit danach in Rente ging, rutsche er immer weiter in diese Sucht.
Er pflegt sich äußerlich nicht mehr wirklich und lässt sein Haus verkommen. Er putzt nicht mehr und isst kaum noch was.
Er trinkt sehr viel Bier (zwischen 4 und 6 Liter am Tag) und zusätzlich noch Vodka (nach seiner Aussage riecht man den ja nicht, wenn man den trinkt). Vorletztes Wochenende habe ich ihn besucht und 100 leere Flaschen Vodka in seinem Keller gefunden. Ich habe mich so erschrocken, auch weil er meiner Meinung nach gesundheitlich immer mehr aubbaut. Er hat sich morgens um 10 Uhr wieder ins Bett gelegt und bis um 15 Uhr geschlafen. Abends fingen dann einige Diskussionen statt, zu denen man am Besten nichts sagt, da sie zum einen mit der Realität wenig zu tun haben und zum anderen wird er sehr böse, wenn man seine Meinung nicht vertritt.
Dieses Wochenende fahre ich wieder zu ihm. Es ist nie einfach, da man nie weiß, ist er einigermaßen gut drauf, ist er aggressiv oder oder...
Eva
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Karina1982 hat zum Thema: Mein Vater trinkt geschrieben
Nelly81
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.06.2007
Beiträge: 288

BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 16:37    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Eva,

herzlich Willkommen hier bei den Kindern von Alkoholikern.

Deine Geschichte hat mich getroffen. Es ist schlimm, das mit Deiner Mutter, das mit Deinem Vater, ach, es ist ja meist so, dass auf ein Unglück noch weitere folgen, eine Vermischung aus persönlicher Neigung und einer Verkettung von unglücklichen Umständen, so wie bei Dir. Das Unglück: Die Krankheit und der Tod Deiner Mutter. Die darauf folgende Verkettung, basierend auf der Neigung Deines Vaters zum Alkohol, dass er Alkoholiker wurde.

Dann Du mittendrin. Allein mit Deinem Vater leben, viel zu früh soviel Verantwortung übernommen und Dich auch für Deinen Vater verantwortlich fühlen. Angst haben, ihn allein zu lassen.

Ich finde es gut, dass Du ausgezogen bist, und noch besser, dass nun 200 km zwischen Euch liegen. So konnte die Beziehung wieder gesünder werden in dem Sinne, dass ihr die Fixierung zwischen Euch ein wenig auflockern konntet.

Und doch, die Probleme, die Du in Deiner Kindheit erfahren und verinnerlicht hast, bleiben und „wollen“ - im Sinne von müssen – verarbeitet werden. Doch Du hast schon den richtigen Weg eingeschlagen durch den Umzug und das Nachholen einer „unbeschwerten“ Phase. Nun kannst Du einigermaßen selbst entscheiden, wann Du Deinen Vater siehst und wann Du wieder in Deine eigenen vier Wände zurückkehrst. Es gehört viel Arbeit und Kraft dazu, diese ganzen Probleme in den Griff zu bekommen, doch ich finde, Du hast schon viel getan, auch damit, dass Du nun hier bei uns bist!

Lies Dich ein wenig hier durch, es geht vielen hier ähnlich wie Dir. Diese Erkenntnis hat mir sehr geholfen, ich dachte immer, ich stehe allein da mit meinen Problemen, die ich anfangs nicht mal als Probleme anerkannt habe. Dann habe ich angefangen, hier zu schreiben, und ganz automatisch habe ich nahezu meine ganze Lebensgeschichte hier erzählt, es kam während des Schreibens ganz automatisch. Und es tut gut, weil man sich selbst über viele Dinge klar wird.

Was hat Dein Vater eigentlich dazu gesagt, dass Du ausgezogen bist? Findet er es gut oder kommt er damit nicht so klar?

Soweit erstmal liebe Grüße von Nelly
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Nelly81 hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben
Niccolina
Gast






BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 18:08    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Eva!

Ich bin zwar selber noch nicht so lange in diesem Forum, möchte dir aber, falls es geht, etwas helfen.

Mein Vater trinkt seit 7 Jahren nachdem er über 15 Jahre trocken war, wieder. Ich weiß das seit 4 Wochen.

Mein Vater trank bis zu meinem 6 Lebensjahr, machte eine Entziehung und war dann viele, viele Jahre trocken. Dass er wieder angefangen hat, hat sicherlich damit zu tun, dass er seinen Job aufgeben musste (er lebte nur für seinen Job); kürzlich musste das Haus versteigert werden, dass er selbst gebaut hat (auch dafür lebte er mehr als für irgendetwas sonst). Mein Vater hat sich an beiden Dingen, Job und Haus, festgehalten, alles andere, auch die Familie, war nicht so wichtig. Körperlich schwach und seines "Lebenstraums" beraut, begann er zu trinken, es hat ihm den Boden unter den Füßen weggerissen.

Der Verlust des Ehepartners reißt einem Menschen den Boden unter den Füßen weg, Alkohol kann da ein "wunderbares" Polster des Vergessens und der Schmerzlinderung sein.

Was ihr beide, du und dein Vater (falls du zu ihm durchdringen kannst) dringend braucht ist eine Trauerbewältigungstherapie. Dein Vater braucht sie ganz sicher, ob er das einsieht, ist eine andere Frage.

Auch für dich ist es wichtig. Du bist ausgezogen, hast, entschuldige, wenn ich das so sage, deinen "Vater allein gelassen" (den Vorwurf: ich bin keine gute Tochter, ich bin Schuld, dass mein Vater trinkt, denn ich war mal ungehorsam, mache ich mir ständig) - Vorwürfe, die du dir nicht machen brauchst. Um dem Vorzubeugen und deine eigene Trauer um deine Mutter zu verarbeiten und sie nicht zu Schuldgefühlen gegenüber deinem Vater werden zu lassen, brauchstu du einen kompetenten Gesprächspartner - und wenn's nur zur Sicherheit ist.

Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: du kannst einen Alkoholiker, so schlimm es ist, nicht zu seinem Glück zwingen. Dein Vater muss einsehen, dass er ein Problem hat und Hilfe wollen. Und wenn er so weit ist, ist er vielleicht auch zugänglich für eine Psychotherapie, die ihm hilft, nach dem Tod deiner Mutter das Leben wieder anzunehmen - ohne alkoholischen "Weichspüler".

Ich wünsche Dir ganz, ganz viel Kraft und alles Gute!

Nicole
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Niccolina hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben
Karina1982
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2007
Beiträge: 72
Wohnort: Bonn

BeitragVerfasst am: 30.08.2007, 23:58    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nelly,

der Auszug aus meinem Elternhaus hat mir wirklich sehr geholfen, mich zu distanzieren. Problematischer ist es bei meinem Vater, er sieht mich immer noch als seine Hauptbezugsperson an. Das ist sehr schwierig für mich, aber auch für meinen Partner. Er ist sehr behütet aufgewachsen und kann viele Dinge nicht wirklich verstehen, was manchmal zu Konflikten führt.
Zu deiner Frage, wie mein Vater auf meinen Auszug reagiert hat, kann ich nur sagen, dass er sich sehr schwer damit tut. Er hat mir zwar keine Vowürfe gemacht, da ich zum Studium ausgezogen bin und Bildung geht seiner Meinung nach vor. Aber er sagt immer wieder, dass er ja so einsam ohne mich ist.
Außerdem würde er gerne mit mir in Urlaub fahren, was ich aber aus Eigenschutz nicht mache.
Du hast Recht, es tut so gut, sich einfach mal alles von der Seele zu schreiben. Vielen Dank für deine Liebe Antwort.


Liebe Niccolina,

das Schlimmste ist,
(wie auch in deiner Sache, dass dein Vater wieder trinkt, nachdem er schon trocken war)
diese Hilflosigkeit. Die Hilflosigkeit zu sehen, dass sich jemand den man liebt so zugrunde richtet und man nichts dagegen tun kann.
Du hast geschrieben, dass mein Vater und ich eine Therapie brauchen. Da hast du Recht. Ich habe eine Therapie abgeschlossen und es hat mir geholfen, aber ich muss trotzdem noch sehr viel lernen. Ich hoffe, dass die Beiträge von Euch mir dabei helfen können.
Meinen Vater kann ich leider nicht dazu bringen. Seine Meinung ist nur, dass alle Psychologen ja eh alle selber gestört sind. Ich kann ihn ja leider nicht dazu zwingen.
Häufig habe ich versucht, mit ihm über seine Sucht zu sprechen, aber er spielt das immer runter.
Auch dir vielen Dank für deinen lieben Beitrag.

Viele liebe Grüße,
Eva
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Karina1982 hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6713

BeitragVerfasst am: 31.08.2007, 02:10    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo eva

auch von mir noch ein herzliches willkommen hier.

da hast du scho einiges mitmachen müssen. der tod deiner mutter und irgendwie hört sich das für mich an, als hättest du danach keine bezugsperson diesbezüglich gehabt. dein vater war arbeiten und du? warst du tagsüber allein zuhause oder gab es noch andere personen die für dich in dieser schweren zeit da waren?

Zitat:
Meinen Vater kann ich leider nicht dazu bringen. Seine Meinung ist nur, dass alle Psychologen ja eh alle selber gestört sind. Ich kann ihn ja leider nicht dazu zwingen.
Häufig habe ich versucht, mit ihm über seine Sucht zu sprechen, aber er spielt das immer runter.

hui das mit den "gestörten psychologen" is mal ne neue ausrede. meine mutter sagt immer, die können ihr net helfen, das reden über alte geschichten wühlt sie nur noch mehr auf. runterspielen kann sie es wohl genauso gut wie dein vater oder halt der berühmte satz "ich schaff das allein!". jaja alles klar Traurig

ich bin mit 16 ausgezogen und verdammt froh drum. kann mir daher vorstellen, dass es auch dir geholfen hat bzw. hilft, dadurch gewinnt man einfach abstand.

warst du eigentlich scho mal in ner shg? ich nicht, gibt leider keine für kinder, nur eine wo partner sind und da kenn ich so viele, teils von arbeit, teils freunde von meiner mutter, da möchte ich einfach net hin. naja eigentlich is das forum hier ja auch ne shg und diese hilft mir ungemein, i wünsch dir das dir auch so geht.

wie is denn eigentli dein verhältnis zu deinen schwestern? kannst du mit ihnen darüber reden?

wünsch dir noch ne gute nacht & bis bald

liebe grüße
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summerdream hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben
Karina1982
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2007
Beiträge: 72
Wohnort: Bonn

BeitragVerfasst am: 31.08.2007, 11:35    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Summerdream,

hab gerade deine Geschichte gelesen.
Erst einmal Respekt, dass du den Mut und die Kraft aufgebracht hast, schon mit 16 auszuziehen. Das ist auf jeden Fall das Beste was du machen konntest.
Ist ja total heftig, dass deine Mutter dann 5 Wochen gar nichts trinkt und dann wieder 1-2 Wochen durchtrinkt. Wie verhält sich denn dann deine Mutter in den 5 Wochen, in denen sie einen Entzug macht?
Mein Vater hat das früher auch immer mal wieder gemacht. Da kamen dann so Sprüche, dass er jetzt mal eine Woche nichts trinkt oder auch mal 10 Tage. In denen hat er dann eine Entschlackungskur gemacht, das heißt er hat nur Tee getrunken und nichts gegessen. Das hat er wahrscheinlich gemacht, um sich zu beweisen, dass er ja doch ohne kann...
Mittlerweile macht er das allerdings nicht mehr. Jetzt gibt es nur noch die Unterteilung, dass er in manchen Phasen richtig viel trinkt und in manchen Phasen etwas „weniger“.
Ich finde es einfach schrecklich, dass man von außen einfach nur zuschauen kann und ihn nicht zwingen kann, eine Entgiftung zu machen.
Meine älteste Schwester war schon seit Jahren nicht mehr da. Vor kurzem ist die Schwester meiner Mutter gestorben (was auch wieder ein Grund war, warum mein Vater wieder mal eine Phase hat, in der er wieder sehr viel trinkt) und selbst da ist sie nicht zur Beerdigung gekommen. Es ist jetzt nicht so, dass sie Streit mit meinem Vater hätte, aber auch bei ihr ist in der Kindheit viel schief gelaufen. Sie hat keine Therapie gemacht und konnte sich dadurch überhaupt nicht distanzieren. Wenn sie zu unserem Vater fährt, ist sie danach noch psychischer fertig als ich.
Meine andere Schwester wohnt zwar um die Ecke, geht aber auch nicht zu ihm. Sie kommt maximal mal zu ihm, wenn ich auch da bin. Aber das auch eher selten.
Ich kann meine Geschwister zwar auf der einen Seite verstehen, aber auf der anderen Seite fühle ich mich dadurch noch verantwortlicher für ihn. Ich bin halt noch die einzige, die ihn regelmäßig besucht.
Er hat zwar sogenannte „Freunde“, aber wenn die zu ihm kommen, trinkt meine Vater noch mehr, weil sie mittrinken und das legitimiert die ganze Geschichte für meinen Vater noch mehr.
Wie ist denn dein Verhältnis zu deinen Geschwistern. Ich hab es jetzt nicht geschafft, alle deine Beiträge zu lesen (sorry). Hat dein kleiner Bruder es geschafft, sich ein wenig mehr von eurer Mutter zu distanzieren?

Viele Grüße
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Karina1982 hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben
Steffi1301
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.07.2007
Beiträge: 1109

BeitragVerfasst am: 31.08.2007, 13:51    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo erst mal!
Ich bin ja auch relativ neu hier und gucke mich gerade erst mal so um. Aber ich finde es immer wieder spannend, dass es so vielen Menschen geht wie mir. Das allein hilft schon.

Zitat:
Ich finde es einfach schrecklich, dass man von außen einfach nur zuschauen kann und ihn nicht zwingen kann, eine Entgiftung zu machen.


Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das leider auch nicht hilft. Mein Vater hat zwar nicht wegen uns, seiner Familie, eine Entziehung gemacht, aber er wurde von seinem Arbeitgeber dazu "gezwungen". Am Anfang hatte es auch den Anschein, als ob er all das wirklich wollte und ich glaube, irgendwo tief in ihm drin weiß er auch, dass es richtig war. Er hätte es wahrscheinlich nur nie von sich aus getan. Mittlerweile trinkt er allerdings wieder und an seinen Aussagen merkt man einfach, dass er rein gar nichts verstanden hat. "Niemand hat mir verboten zu trinken". Natürlich hat ihm das niemand verboten, er sollte es sich ja schließlich auch selbst "verbieten". Wie sollte man einem 54-jährigen Mann denn auch etwas verbieten? "Eine Dose Bier geht schon. Das heißt ja nicht, dass ich wieder anfange" und solche Sprüche kommen dann. Das ist Unsinn und vielleicht weiß er das auch, aber jedenfalls hat die Entziehung bei ihm nichts gebracht. Er weiß, dass es bei ihm fünf vor zwölf war, dass er gestorben wäre, wenn er noch etwas weiter getrunken hätte, aber er macht trotzdem weiter. Vielleicht solang, bis er wirklich stirbt. Alle sagen immer, dass ein Alkoholiker total am Boden sein muss, bevor er einsieht, dass er ein Problem hat und bevor die Therapie wirklich etwas bringen kann, und mittlerweile denke ich, dass das stimmt.
Ein trockener Alkoholiker hat mir mal eine Geschichte erzählt, ich weiß nicht mehr, ob er von sich selbst gesprochen hat, oder von jemand anderem, das tut auch nichts zur Sache. Aber ich finde diese Geschichte doch irgendwie sehr... wie soll ich sagen?... bezeichnend, irgendwie. Jedenfalls dieser Alkoholiker, von dem er erzählt hat, ist eines morgens aufgewacht und das einzige, was er sah, war die Flasche Schnaps und daneben das Telefon. Intuitiv wusste er, dass es seine letzte Flasche sein könnte und er hatte nun die Wahl zwischen Tod und Hilfe holen. Die Flasche hat er dann unabsichtlich umgestoßen, so dass ihm nur noch das Telefon blieb.

Die Einstellung deines Vaters gegenüber Psychologen kenne ich nur zu gut von meinem Vater. Psychologen sind doch alles Quacksalber, die haben selber einen an der Waffel. Das ist seine Einstellung. Er konnte nie Vertrauen zu seinen Therapeuten aufbauen, seinen Suchtberater bei der Diakonie belügt er von hinten bis vorne... Irgendwie glaube ich, dass Psychologen für ihn keine richtigen Menschen sind, keine gleichwertigen Gesprächspartner, denen man mit Respekt begegnen sollte. Das sind alles Dummschwätzer und fertig.
Ich weiß, wie hart es ist, nur zusehen zu können. Ich liebe meine Vater ja auch irgendwo und ich will auch nicht, dass er sich totsäuft. Aber ich kann nichts daran ändern. Ich bin in erster Linie verantwortlich für mich und für meine eigene Gesundheit. Sollte mein Vater irgendwann am Alkohol sterben, dann ist das schlimm, aber es war SEIN Leben, SEINE "Wahl". Daran bin ich nicht schuld, daran kann ich nichts ändern. Das kann doch immer nur er selbst. Also, denke ich für mich, dass es das Beste ist, zumindest emotional Abstand zum Alkoholiker aufzubauen, noch besser ist dabei der räumliche Abstand, weil das wahrscheinlich auch hilft, emotional loszukommen. Da ich momentan für mich keine Möglichkeit sehe, auszuziehen, versuche ich einfach, meinem Vater aus dem Weg zu gehen, ihm so selten wie möglich zu begegnen. Und das ist auch gar nicht so schwer, weil mein Vater eh immer "unterwegs" ist, "länger arbeitet" und so weiter. Ich mache es einfach so, wie die ganzen Jahre vorher auch. Und ich kann nur hoffen, dass ich aufhöre zu hoffen. Denn dann muss ich auch nicht mehr enttäuscht werden.
Ich habe jetzt ziemlich viel von mir selbst geschrieben, aber ich hoffe, dass es vielleicht trotzdem etwas hilft.
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Steffi1301 hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben
Karina1982
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2007
Beiträge: 72
Wohnort: Bonn

BeitragVerfasst am: 31.08.2007, 14:28    Titel: Re: Mein Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Steffi,

danke für deine Antwort. Ich finde es gut, dass du mir einiges von dir erzählt hast. Es hilf alleine schon, sich auszutauschen und zu wissen, dass man nicht alleine mit seinen Problemen ist.
Ich finde es übrigens super, dass du bei dem Therapeuten angerufen hast. Das ist der erste Schritt, sich auch emotional zu lösen. Schade, dass dein Vater die gleiche Einstellung zu einer Therapie hat, wie mein Vater. Aber wie du schon sagst, es ist ihr Leben.
So, ich werde mich jetzt mal fertig machen und zu meinem Vater fahren. Ich bin Sonntag wieder zurück.
Melde mich dann wieder.
Viele Grüße an alle und danke für euer Interesse an meinem Leben.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende,
Eva
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Karina1982 hat zum Thema: Re: Mein Vater trinkt geschrieben

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