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Vater trinkt

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Steffi1301
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.07.2007
Beiträge: 1109

BeitragVerfasst am: 31.08.2007, 12:20    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

So, ich hatte heute meine Probetherapiesitzung, war auch eigentlich ganz in Ordnung. Immerhin habe ich erfahren, dass ich unter Depressionen leide und ich werde dann eine sogenannte "kognitive Verhaltenstherapie" machen. Als ich das gerade nachgeschlagen habe, habe ich gemerkt, dass ich das auch schon kenne. Ich habe mich mal intensiv mit einem Buch beschäftigt, das mein Vater aus der Therapie mitgebracht hat. Es heißt "Gefühle erkennen, Probleme bewältigen", und ich denke, es wird jetzt wohl wieder einen Platz auf meinem Nachttisch finden. Mein Vater braucht es ja sowieso nicht, aber ich möchte ja auch neben den Sitzungen an mir arbeiten. Ich hoffe, dass es tatsächlich funktioniert.
Ich würd auch schon gerne von zu Hause ausziehen, allein deshalb, damit ich erst gar nicht mehr in Versuchung komme, mit meinem Vater zu reden. Aber irgendwie hoffe ich ja auch immer noch darauf, dass meine Mutter sich endlich mal aufrafft und auf der anderen Seite weiß ich gar nicht, wie ich mir das alles finanzieren sollte. Klar würde ich dann mehr BaFöG bekommen, aber prinzipiell wäre mein Vater ja immer noch unterhaltspflichtig, aber der verschuldet sich ja immer nur weiter.
Und, summerdream, ich finde es gar nicht zu hart ausgedrückt, wenn man sagt, dass man seine Eltern irgendwo hasst. Bei mir war es jedenfalls immer so. Für mich war mein Vater zwei verschiedene Menschen: Mein Papa, den ich ja lieb hatte und der Alkoholiker, den ich gehasst habe.
Aber es ist so toll, wenn der Trinker auf einmal trocken ist, oder? Ich hatte endlich einen Vater, das war echt klasse. Und wir haben Dinge unternommen, jeden Morgen zusammen gefrühstückt, es war einfach alles toll. Und jetzt ist wieder alles kaputt und das nagende Gefühl im Bauch, die Angst, ist zurück an ihrem gewohnten Platz.
Aber das Buch wird schon nach Deutschland geliefert und bei der Bestellung kann man auch die Währung aussuchen, also das geht schon alles. Nur das mit der Widmung könnte natürlich ein Problem werden, ich kann ja nicht eben mal zu dir kommen und mein Namen reinfratzeln. Außerdem käme ich mir dabei wahrscheinlich blöd vor. Ach, hast du mal das Buch "Familienkrankheit Alkoholismus" gelesen? Das ist echt empfehlenswert. Das sagt jeder und deshalb habe ich mir das auch eigentlich erst gekauft, aber das ist wirklich richtig gut.
Und danke, Eva, dass du mich darin bestärkt hast, eine Therapie zu machen. Ich habe gestern in der Praxis angerufen und der Therapeut wollte mich eigentlich erst auf eine Warteliste setzen, aber ich hab ihm gleich gesagt "ich fange im Oktober mein Studium an und ich weiß, dass ich die Therapie dann bestimmt wieder hinten runter fallen lasse". Dann denke ich wieder "ach, das schaffst du schon alleine", aber das stimmt nicht. Das habe ich lang genug gedacht und mich kurze Zeit später trotzdem wieder einsam, klein und hässlich gefühlt. Aber jetzt will ich die Dinge wirklich in Angriff nehmen. Es kann doch nicht sein, dass mein Vater bzw. seine Alkoholabhängigkeit, mich für den Rest meines Lebens "verschissen" haben.
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Steffi1301 hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6713

BeitragVerfasst am: 01.09.2007, 02:52    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hey steffi

na das du einerseits ausziehn willst und andererseits doch wieder net, glaub ich dir. das mit dem geld is immer ne sch... situation, informier dich doch mal, vielleicht gibts ja noch weitere möglichkeiten als des bafög. geh mal zur stadt oder frag mal beim jugendamt nach, könnt mir vorstellen das du wohngeld von der stadt bekommst, aber genau kenn ich mich da au net aus. die beste lösung wäre natürlich, wenn du mit deiner mutter zusammen ausziehn könntest.

du sagst es, es war wirklich toll, wie mei mutter trocken war. wir ham dinge gemacht, die wir vorher nie gemacht ham, zusammen nen film geschaut, sauna, ich war das erste mal mit ihr zum zeitvertreib in nem cafe gehockt, viel geredet, aber naja was will ich machen, das is wohl rum. morgen werd i mit ihr vorhänge kaufen gehn, wundert mich, dass sie mich gefragt hat, aber gut, da ich eh überlegt hab, ob ich in des geschäft geh, gehn wir halt zusammen. wahrscheinli merkt sie, dass ich mich von ihr entferne, aber solang sie net was ändert, wird des auch so bleiben.

ehrlich gesagt hab ich noch gar kein buch über alkohol gelesen, hab mir etz heute eins aus der bücherei geholt "helfen oder aufgeben" heißt es, hatte aber bisher no net die zeit es anzufangen. danach war i glei im buchladen und hab mich weiter umgesehn, für kinder hatten sie keins da, daher hab ich mir "um die kindheit betrogen" bestellt, kann i montag abholen. hab gehört, dass es gut sein soll, kennst du es? werd dann auf jeden fall drüber berichten...

ja wir denken immer, das wir es alleine schaffen, aber das is wohl ein trugschluß. auch wir müssen viele hürden überwinden um mit uns klarzukommen und müssen das auch selber in angriff nehmen. find ich klasse das du zu dem therapeuten gesagt hast, du willst das etz machen und net erst irgendwann, wann hast du denn deinen nexten termin?

kennst du das eigentlich auch? so nen für uns unsichtbaren zettel auf der stirn "seelischen müll bitte bei mir abladen!" ??? also ich schon, das wort NEIN is wohl ein wichtiges wort, dass wir öfter lernen müssen auszusprechen...

liebe grüße
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summerdream hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
dorothea
Moderatorin
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 7472
Alter: 48
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 01.09.2007, 06:25    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo steffi

wenn die paar kröten vom bafög nicht reichen steht dir wohngeld, kindergeldzuschuß usw zu. die ämter sind oft nicht sehr mitteilsam was das angeht, hier mal ein link wo du verschiedenes zur sozialgesetzgebung findest, unter anderm auch die gesetzestexte, hoffe da ist für dich was dabei.

www.tacheles-sozialhilfe.de/

doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
Steffi1301
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.07.2007
Beiträge: 1109

BeitragVerfasst am: 03.09.2007, 16:20    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke für den Link, die Seite werde ich mir mal genauer anschauen. Ich hatte mal mit einer Freundin, deren Eltern auch trinken, rumgesponnen, wie es wäre, wenn wir zusammen ausziehen würden und daraus ist dann ein recht ernsthafter Plan geworden. Allerdings hat sie gerade erst ihr Zimmer renoviert, und ich denke kaum, dass sie dann ausziehen will. Ich weiß nicht, wie es wäre, allein zu wohnen. Manchmal würde ich schon gern auf eigenen Beinen stehen, eine eigene Wohnung haben, wo mich niemand stört. Daheim zieh ich mich ja doch immer nur in mein Zimmer zurück, halte mich kaum in "Gemeinschaftszimmern" wie Wohnzimmer oder Küche auf, vor allem seitdem mein Vater wieder trinkt. Wenn da nicht die ganzen ABERS wären... Die Wohnung will ja auch erst mal eingerichtet werden, nur von welchem Geld? Außerdem hab ich kein eigenes Auto und das ist hier auf dem Land leider wirklich nötig... Es gibt so viel, das finanziert und überlegt werden müsste. Und da ich nun mal ein Mensch bin, der alles gerne von vornherein überdacht und durchgeplant hat, lass ich das mit der eigenen Wohnung wahrscheinlich eher sein... Außerdem habe ich Angst allein im Dunkeln. Das ist total lächerlich und peinlich, aber es ist so. Neunzehn Jahre alt und Schiss vor der Nacht. Würde mich mal interessieren, woran so was liegt. Vielleicht findet mein Therapeut es ja raus Winken.
@ summerdream: Die Bücher, von denen du geschrieben hast, kenne ich nicht. Ich hab bisher auch nur sehr wenige Bücher über Alkoholismus gelesen. Aber sag Bescheid, wie du die Bücher fandest, das würde mich mal interessieren. Man sollte sich vielleicht doch mal so eine kleine Bibliothek zu dem Thema zulegen...
"Seelischen Müll bitte bei mir abladen". Den Zettel kenne ich nur zu gut. Aber ich finde es auch nicht immer schlimm. Für meine beste Freundin bin ich eh immer da, aber das beruht auch auf Gegenseitigkeit. Dann gab es da mal noch eine ehemalige Freundin, mit der ich nie über irgendetwas reden konnte, aber sie hat sich mal einen ganzen Abend lang bei mir ausgeheult. Und mein Freund kann eigentlich auch immer zu mir kommen, wenn er etwas hat, und ich auch zu ihm. Das stört mich eigentlich alles nicht, wobei im Hintergrund auch immer der Gedanke steht "ich muss ihr/ihm helfen. wenn ich ihr/ihm helfen kann, dann mag sie/er mich mehr". schon komisch. die einzige, bei der ich es überhaupt nicht mag, wenn sie mit mir spricht, ist meine mutter. aber das ist ja oft so, dass der nichttrinkende elternteil dann das älteste kind als ersatzpartner benutzt. tja, so war es wohl auch bei mir. irgendwann hab ich nicht mehr zugehört oder bin einfach aus dem zimmer gegangen. ich hab ihr auch mal gesagt, dass sie mich nicht immer zumüllen soll, aber dann ist sie erst mal beleidigt und fängt hinterher doch wieder an sich auszuheulen, mittlerweile auch bei meiner schwester.
ja, NEIN sagen fällt schon schwer. man muss schließlich alles für die anderen tun, immer da sein, damit sie einen mögen, nicht wahr? so ein unsinn... ich finde es immer wieder grauenhaft, zu merken, was in einem selbst indirekt alles falsch läuft. total bescheuert.
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Steffi1301 hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6713

BeitragVerfasst am: 03.09.2007, 23:42    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hey steffi

oje ich wohn au in nem ort, ohne auto kannsts da echt vergessen. kann schon verstehn, dass du das alles planen willst. wie gesagt am besten wärs glaub echt wennd mit deiner mom ausziehn könntest. hast du sie scho mal konkret gefragt, ob sie mit dir ausziehn würde?

weißt du was, ich wohn ja scho ewig allein, hab damit auch kein problem, aber i hab scho oft von freundinnen gehört "das du des kannst, ich hätt angst allein". also bist du damit net alleine und peinlich finde ich das auch net.

also helfen oder aufgeben hab i etz zu zwei dritteln durch, is zwar net speziell für kinder, aber echt interessant, man findet sich in vielen wieder.

meistens stört mich der zettel auch net, wie du sagst, bei deiner besten freundin und deinem freund is gut, allein weil es auch auf gegenseitigkeit beruht. so gehts mir auch bei einigen, aber gibt halt auch leute wo ich mal nein sagen muss, einfach weil sie für mich au net immer da sind.

liebe grüße
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summerdream hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
Steffi1301
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.07.2007
Beiträge: 1109

BeitragVerfasst am: 04.09.2007, 11:16    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ach, meine Mutter... bei der hab ich die Hoffnung ehrlich gesagt schon fast aufgegeben. Seitdem ich zwölf bin und weiß, dass mein Vater Alkoholiker ist, gibt es alle paar Wochen Zoff und sie will ausziehen, macht es dann aber doch nicht. In letzter Zeit hatte es den Anschein, als ob sie es wirklich wollte, guckt in der Zeitung nach Wohnungen und so weiter. Aber jetzt hat sie auf einmal bei Bekannten gefragt, ob wir denn die Essecke bekommen könnten. Allerdings nicht für die neue Wohnung, sondern für das Haus, in dem wir wohnen. Das ist so ein Scheiß, sie sollte sich mal selbst reden hören! Argh... Wie kann man nur so blöd sein? Wie kann man nur sein eigenes Leben so wegschmeißen?
Der Wiedererkennungswert ist in einem Buch schon mal auf jeden Fall gut, allerdings war das für mich am Anfang schon sehr schwer. Als ich angefangen habe, im Internet ein bisschen zu recherchieren und mich so oft wiedererkannt hab, da hab ich schon oft geheult.
Naja, eine eigene Wohnung werd ich mir schon mal überlegen, solang ich im Ort bleibe, könnte ich ja immer mal nach Haus kommen und ein Auto benutzen. Aber genau das wollte ich ja eigentlich nicht: nach Hause kommen. Irgendwie fühle ich mich auch gar nicht zu Hause, ich fühle mich hier nicht wohl, ich kann das Haus nicht mal leiden. Ich will ein eigenes zu Hause, einen Schutzraum, nur für mich, in den mein Vater nicht reinkann. Vielleicht sollte ich Lotto spielen und ein Traumhaus gewinnen Winken. Dann will meine Mutter bestimmt mitkommen - aber das kann sie dann vergessen!
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Steffi1301 hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6713

BeitragVerfasst am: 04.09.2007, 17:40    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

lach, das mim lottospielen sagen mandy und ich au immer, aber dann muss man ja noch gewinnen und die chance is doch sehr gering Weinen

das verhalten deiner mutter hört sich scho ziemlich co. an, wenn sie mit etwas droht, dann sollte sie sich auch sicher sein, dass sie es wenn dann auch durchzieht und das dann auch machen. selbst du nimmst ja deine mutter diesbezüglich nicht mehr ernst, geschweige denn dein vater.

also i würd mi an deiner stelle auf jeden fall mal informieren, nach wohnung oder vielleicht nach ner wg umschaun, wer weiß vielleicht ergibt sich was. so hast du es wenigstens probiert. und laß deine mutter ruhig mitkriegen, dass du dich umsiehst, vielleicht wird ja ihr interesse doch geweckt mit dir auszuziehn???

dass es gerade anfangs sehr schwer is sich mit dem thema alkohol auseinanderzusetzen, glaub ich, ging mir net anders. aber das wird nach ner zeit besser, glaubs mir.

liebe grüße
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summerdream hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben
Karina1982
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.08.2007
Beiträge: 72
Wohnort: Bonn

BeitragVerfasst am: 04.09.2007, 18:24    Titel: Re: Vater trinkt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Steffi,

mir ist noch was zu deinem Problem mit dem Geld eingefallen.
Ich hatte in meinem Studium ein Stipendium von der Bilstein Stiftung.
Grundsätzlich können da alle anfragen. Ein Versuch ist es Wert.
Die ist in Ennepetal. Wenn du magst kann ich dir da mal die Adresse raussuchen.
Das Geld muss man nicht zurückzahlen. Es sind zwar glaube ich "nur" 800 Euro im Jahr, aber es hilft einem ein bisschen weiter.
Ich hoffe, es geht dir gut.

Liebe Grüße,
Eva
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Karina1982 hat zum Thema: Re: Vater trinkt geschrieben

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