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Übervorsichtig?

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nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 06:22    Titel: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

guten morgen!

nachdem mein letzter lebenspartner an den folgen seiner alkoholabhängigkeit verstarb, wollte ich erst einmal keinen freund haben.
der tod von u. sass mir noch zu sehr in den knochen. ich verstand, dass ich mich um mich selbst kümmern musste, dass ich meine position in dieser verhängnisvollen geschichte be-greifen musste, bevor überhaupt platz für einen anderen menschen in meinem herzen frei werden konnte.

glücklicherweise hatte ich bereits im vergangenen herbst eine reha beantragt, die passenderweise zum 15.5. dieses jahres begann. in der reha hatte ich den notwendigen räumlichen abstand zu den ereignissen hier und lernte eine ganze menge.
beispielsweise, dass mein gefühl, irgendetwas lief nicht richtig in der beziehung mit meinem verstorbenen freund nicht falsch war.
dass mein denken und fühlen vollkommen richtig war.

ich lediglich verunsichert war, da mir mein bauch sagte: nexie, mach dich vom acker, du gehst in dieser beziehung ebenso drauf wie U., wenn es so weiter geht...
mein verstand hingegen sagte:
du kannst ihn doch nicht fallen lassen, das wäre unterlassene hilfeleistung und strafbar und so weiter...

also lernte ich, mehr auf meinen bauch als auf meinen verstand zu hören, was manchmal durchaus angebracht ist. Winken
wer kennt es nicht, dieses "mulmige gefühl im bauch", in manchen situationen?
beispielsweise ist eine situation vom verstand her völlig "normal", aber der bauch spinnt herum und gibt warnzeichen von sich, die wir als westliche verstandesmenschen gern überhören.
manchmal sollte man wirklich mehr auf den bauch als auf den kopf hören...

nun zu meiner betreff-zeile.
ich habe vor knapp zwei monaten einen lieben, netten menschen getroffen, und es kam, wie es kommen kann: wir haben uns verliebt.
wir verstehen uns recht gut (von super kann keine rede sein, dazu kennen wir uns nicht lange genug), wäre da nicht..., hm, ja, genau:
"bruder alk".

mein freund trinkt nicht jeden tag, auch nicht jeden zweiten oder dritten tag, aber doch mehr oder weniger regelmässig.
zwar nicht viel- manchmal eine flasche bier, manchmal zwei.
er arbeitet, hat jede menge interessen und hobbies, ist also "voll normal".
ich bin sicherlich die letzte, die jemandem vorschreibt, ob und wieviel er zu trinken beziehungsweise nicht zu trinken hat.
durch die vorgeschichte, also meinen verstorbenen lebenspartner, bin ich allerdings sehr skeptisch geworden, wenn jemand mehr oder weniger regelmässig alkohol konsumiert.

am vergangenen freitag ist etwas passiert, was sämtliche alarmglocken in mir zu gaaaanz lautem schrillen brachte.
er hatte am freitag abend 6 flaschen bier getrunken. zum ersten mal fiel mir bewusst die veränderung auf, die alkohol mit menschen anstellt. sein denken schaltete irgendwie "um".
ok, ich hatte ihn zuvor auch noch nie angetrunken erlebt.
kann aber auch sein, dass ich in den letzten monaten eine erhöhte wachsamkeit den ersten anzeichen gegenüber entwickelt habe.

jedenfalls sagte er ein paar dinge, die mir sofort den berühmten knoten im bauch verursachten.
mit betrunkenen ist nicht zu diskutieren. also wartete ich bis zum frühstück und sprach ihn dann drauf an. es kam, wie es kommen musste:
knall-peng, wech.

???
huch!

rutsche ich etwa wieder in die "er meint es nicht so"-schiene?
der meinte sicherlich genau das, was er auch sagte!
am samstag abend telefonierten wir miteinander.
ich sagte ihm, dass es mich verletzte, dass ich traurig und auch sauer war über das, was er von sich gegeben hatte.
alles sehr nett, sehr sachlich und ehrlich.

er entschuldigte sich, rief aber in der nacht noch mehrmals an und hinterliess nachrichten auf dem ab.
als ich die nachrichten gestern morgen abhörte, bemerkte ich, dass er sturzbetrunken war.
sorry, meine alarmglocken gehen seither nicht mehr aus Traurig

vielleicht bin ich übervorsichtig geworden, vielleicht höre ich gras wachsen wo keines ist.
trotzdem ist dieses flaue gefühl im bauch da.
da ich erst vor kurzem lernte, auf dieses ebenso wie auf den verstand zu hören, bin ich mir nicht sicher.
war das trinken ein ausrutscher, oder steckt da mehr hinter?

noch kann ich mich aus der beziehung ohne grösseren schaden zurück ziehen...

nachdenkliche grüsse von nexie
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nexie hat zum Thema: Übervorsichtig? geschrieben
Alexander
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.05.2006
Beiträge: 308
Wohnort: Bad Schönborn

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 06:27    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

am Anfang habe ich gedacht, Du übertreibst jetzt wirklich, weil die Beschreibung Deines neuen Freundes m. E. nicht auf regelmässigen (krankhaften) Alkohol-Konsum schliessen liess.

Dass er sich dann allerdings zwei Tage hintereinander betrunken hat, spricht wieder deutlich dagegen und wohl auch eher für eine Gewöhnung an den Alkohol.

Also, da Du sowas schon mal durchgemacht hast, kann ich Dir da nur raten, überlege es Dir gut, was Du weiterhin tun willst.
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Alexander hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben
Hermann 65
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 22.07.2006
Beiträge: 159

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 07:10    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Manchmal stelle ich mir die Frage...

Können zwei Kranke zusammen einen Gesunden ergeben?

Mir fällt zwar keine befriedigende Antwort dazu ein, aber darüber Nachdenken kann ich ja.

Gruß Hermann
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Hermann 65 hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben
nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 08:50    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo alexander, herrmann, kaltblut,
danke, dass ihr mir so schnell geantwortet habt!

alexander:
die gewöhnung an alkohol- das ist es, was meine alarmglocken auch sofort schrillen liess.

hermann:
zwei kranke ergeben auf keinen fall einen gesunden, sondern eher einen megagrossen kranken Traurig

kaltblut:
bierfahnen küsse ich nicht.

da bei mir alles noch recht frisch ist, ich wie ein kind bin, das gerade erst laufen gelernt hat, hab ich diesen thread eröffnet.
bevor ich mich hals-über-kopf in die nächste katastrophe stürze.
erst seit kurzem weiss ich, dass das bauch-gefühl öfter recht hat, und es ist überhaupt nicht einfach, darauf zu hören, wenn man ein leben lang anders gepolt wurde/war.
da ist alles noch unsicher. das laufen ganz besonders Winken.

danke für eure unterstützung.

liebe grüsse

nexie
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nexie hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben
Lillith67
Gast






BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 10:16    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nexie,

für mich würden da nicht nur die Alarmglocken bimmeln, nee das wäre ne Sirene die nicht mehr aufhört.

Ich habe für mich entschlossen das ich nie mehr mit einem Partner zusammen leben könnte der nur einen Tropfen trinkt... denn auch solche Männer gibt es.

Und hör doch mal auf Deinen Bauch, der sagt Dir doch schon: Nexie..... Vorsicht!

Liebe Grüße
Lillith
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Lillith67 hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4687
Alter: 53
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 11:54    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo nexie,

sorry, vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich gerade etwas durchknalle, dummes Zeugs quatsche, in der Luft hänge und Veränderungen nicht verarbeite.

Alarmglocken und Vorbeugemaßnahmen: da ist bei mir gerade nur Luft, vielleicht ist das so was, wenn es nicht geht.

Ich wünsche Dir erst einmal, dass Du hier noch viele gute Anregungen bekommst.

Liebe Grüße kaltblut
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kaltblut hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben
lavendel
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.05.2006
Beiträge: 2869

BeitragVerfasst am: 27.08.2007, 12:39    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo nexie,

mir wäre es in deiner situation völlig wurscht, ob ich objektiv übertreibe oder nicht. für mich ist ein für alle mal klar: kein mann mehr in meinem leben, der nicht mit alkohol umgehen kann. beim allerersten "ausrutscher" wäre es bei mir vorbei, auf nimmerwiedersehen. wäre mir völlig egal, wie viele flaschen bier, welche entschuldigungen - das vertrauen wäre weg, kaputt, nicht mehr herzustellen. ich will nicht mehr ständig misstrauisch sein, schnüffeln, bangen, meine worte wägen, nix da. wer einmal ausruscht im alkohol, bei dem besteht auch die gefahr des zweiten ausrutschens - und für mich sind das dann schon zweimal zuviel.

manche haben aufkleber "nie wieder krieg". ich hab einen im kopf: "nie wieder ein alki in meinem leben". gebranntes kind scheut das feuer, auch wenns hier "nur" ein streichholz sein sollte - auch das wäre mir schon zu brenzlig.

lieben gruß

lavendel
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lavendel hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben
nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 28.08.2007, 11:01    Titel: Re: Übervorsichtig? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo lilith, hallo lavendel,

danke für eure worte!
wir haben gestern lange gesprochen. war für mich was neues, da ich nicht so gern über meine gefühle rede.
insbesondere nicht, wenn ich mich verletzt fühle. zu tief sitzt noch die erinnerung daran, zeit meines lebens bestenfalls ausgelacht oder verhöhnt worden zu sein, wenn ich traurig oder verletzt war.
in diesem bereich (und nicht nur dort!) liegt noch gaaaanz viel arbeit vor mir... uff.

ergebnis der besprechung:
wir nehmen uns eine auszeit.
ich hab ihm erklärt, dass ich keinen bock mehr auf "u. 2" (nee, nicht die gruppe *g*) habe. dass es mir nicht guttut und ich in für mich fatale denk-und handlungsschemata falle.
wenn er unbedingt alle paar wochen einen vollrausch haben möchte, bitte sehr, seine sache.
nicht mit mir.

ich gebs zu:
mit mir zu leben ist definitiv kein zückerchen.
dazu bin ich zu chaotisch.
ich bin nun mal keine gute hausfrau, werds auch nie werden.
daran ändert auch das neue medikament, welches ich hier nicht nenne und auf das ich in der kur eingestellt wurde, nichts.
ich kann wochenlang einen aktenordner aufgeschlagen neben dem schreibtisch auf dem fussboden liegen haben und daneben ebenso lange zwei, drei schreiben, ohne sie einzuheften.
was solls. mich störts nicht.
wenn ihn mein chaotischer lebensstil so sehr nervt, dass er sich deshalb betrinken muss, passen wir definitiv nicht zu sammen.

er scheints verstanden zu haben.

im augenblick tut die vorstellung (bzw. halbe gewissheit), dass es nix wird mit uns beiden süssen nicht mal weh.
dazu hab ich viel zu viele dinge im kopf, die ich in diesem jahr noch erledigen möchte (selbstständigkeit, zwei zähne überkronen, zwei kleinere ambulante op´s am linken bein usw)...

das muss alles vor der selbstständigkeit über die bühne gehen- sonst wirds zu teuer für mich.

ganz liebe grüsse und nochmals danke für eure hilfe!

nexie
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nexie hat zum Thema: Re: Übervorsichtig? geschrieben

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