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Kann ich Grenzen realistisch erkennen oder riskiere ich?   •    Bin mit dem Nerven am Ende  
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JoeDoe
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BeitragVerfasst am: 24.08.2007, 13:16    Titel: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebes Forum,

es sind schon wieder einige Tage vergangen, seitdem ich mich vorgestellt habe, nun jedoch mag ich an dieser Stelle auch einen eigenen, kleinen Thread erstellen - In der leisen Hoffnung, den ein oder anderen Rat für meinen weiteren Weg erhalten zu dürfen.

Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich gerne auch schon viel früher damit beginnen wollen, habe mich aber doch zunächst darauf beschränkt, hier zu lesen und weiter in mich zu horchen. In vielen Beiträgen habe ich mich, oder besser gesagt: mein Verhalten!, wiedererkennen können und das allein hat mich bereits weiter bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten.

Nach fast 6-wöchigem Nicht-Trinken, merke ich langsam, wie ich ein wenig Ordnung in meine Gefühlswelt bekomme, und mir wird ferner auch bewusst, dass ich Vieles aufzuarbeiten habe und vor Allem, dass ich mir die Zeit dafür nehmen muss: Eigentlich wollte ich hier auch meine kleine Suchtgeschichte niederschreiben, aber nach drei Stunden und nichtendenwollenden Zeilen muss ich erkennen, dass dieses Unterfangen den Rahmen eines Forums einfach sprengt!

Nur so viel sei als "technische" Info dazu gesagt:
Seit 16 Jahren Alkohol,
seit 12 Jahren täglich.
Im wesentlichen nur Bier, Menge 6-8 Flaschen a 0,5l.
Ausbrüche: 1 Trinkpause von ca. 6 Wochen im Jahr 2000 und in den Jahren 01/02 eine Phase mit bis zu 3 Flaschen Wein pro Tag.
Additionals: Bis vor 8 Jahren auch viel Cannabis und 95/96 Amphetamine (bis hin zu psychotischen Zuständen, nicht lustig!).

Das nur so zu den Eckdaten, genauer kann ich das jetzt textlich nicht beschreiben, da auf einen Satz zwei weitere, erläuternde Sätze folgen, die ihrerseits wieder einer Erklärung bedürfen. Ich beantworte aber gerne jede aufkommende Frage!

Nun ja ...

Ich habe mich in dieser Woche endlich aufgerafft, und mich auf die Suche nach weiterführender Hilfe begeben. Suchtklinik, Caritas, Hausarzt ... überall bekomme ich zwar Rat und auch Angebote, aber überall werde ich auch anders eingeschätzt und bekomme entsprechend andere Empfehlungen. Im Einzelen: Die Suchtklinik bietet mir die Möglichkeit, ein 16-wöchiges, stationäres Therapieprogramm zu durchlaufen. Wartezeit dafür beträgt etwa 3 Monate und in der Zwischenzeit gibt es Gruppen- und Einzelgespräche im wöchentlichem Wechsel. Die Caritas bietet ein ähnliches Angebot, allerdings mit einem ambulanten Rehabilitationsprogramm (ca. 1 Jahr). Mein Hausarzt, der mich vielleicht am besten einschätzen kann, rät mir von der stationären Lösung eher ab und empfiehlt auch eine allgemeine psychotherapeutische Behandlung.

Ganz konkret stelle ich mir also nun grad die Frage, ob ich das stationäre Angebot wahrnehmen soll, oder ob ich es eher auf dem ambulanten Weg versuchen soll! viele Argumente sprechen dafür: Sich einfach mal allen Belastungen entziehen und den Fokus ganz konzentriert auf sich richten zu können, sind schon verlockende Aussichten. Andererseits bedeutet diese "Flucht" aber auch, dass ich viele Verpflichtungen des täglichen Lebens meiner Partnerin auf's Auge drücken würde und zudem ein erhebliches finanzielles Problem entstehen würde: Die Suche nach einem qualifizierten Job habe ich zwar bis auf Weiteres hinten angestellt, eine einfache Helfertätigkeit scheint mir aber doch möglich zu sein. Nicht nur der finanzielle Aspekt spielt hier eine Rolle, sondern auch das Gefühl, etwas für den eigenen Lebensunterhalt leisten und wieder Energie aus getaner Arbeit schöpfen zu können.

Ich bin einfach total unsicher, wie ich da jetzt weiter vorgehen soll. Wirkliche "Tiefpunkterfahrungen" in Form von ernsthafter existenzieller Bedrohung habe ich mit meinem Alkoholkonsum nicht erlebt, auch wenn ich häufig psychisch schwer "am Ende" war. Brauche ich vielleicht diesen klinischen Rahmen, um das Gefühl des Scheiterns zu manifestieren oder habe ich die Kraft, aus der rationalen Überlegung heraus diesen doch aufkommenden, manchmal wehmütigen Abschied vom Alkohol zu überwinden?

Ich weiss, am Ende muss ich diese Entscheidung ganz allein für mich treffen, aber vielleicht hat der ein oder andere von Euch einen kleinen Rat oder Denkanstoß für mich.

OK, soweit, ich danke jedenfalls fürs Lesen und freu mich über jede Antwort!

Liebe Grüße

J.
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JoeDoe hat zum Thema: En taro Adun! geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
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BeitragVerfasst am: 24.08.2007, 13:34    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Joe,

schön dass du dich entschieden hast einen eigenen Thread aufzumachen. Ich kannd dir nur empfehlen, es mir gleichzutun und in regelmäßigen Abständen hier über dein Gefühlsleben, deine Fortschritte aber auch Tiefpunkte zu reflektieren. Mir tat und tut das immer wieder sehr gut.

Zur Frage nach der richtigen Therapie: Das ist natürlich nicht so einfach zu beantworten, schon gar nicht, wenn einem von verschiedenen Seiten verschiedene Empfehlungen gegeben werden.

Prinzipiell würde ich persönlich (nur meine Meinung) an deiner Stelle eher die ambulante Behandlung in Betracht ziehen. Der große Vorteil einer stationären Behandlung ist sicher, das man dort in Ruhe unter "einer Käseglocke" sein Leben völlig neu strukturieren und überdenken kann. Man wird aus dem Alltag rausgenommen und kann sich in der stationären LZT den Grundstein für ein völlig neues Leben legen.

Wenn aber im eigenen Umfeld das meiste passt - und bei mir ist das z.B. der Fall, sehe ich keine Notwendigkeit für eine stationäre Behandlung. Ich habe eine nichttrinkende Ehefrau, ich habe keine Freunde die sich besaufen, ich habe keinen Alkohol im Haushalt, ich habe kein Umfeld aus dem ich mich lösen müsste. Aus diesen Gründen hat mir meine Suchtberatungsstelle zur ambulanten Therapie geraten, die ich mittlerweile angetreten habe - und ich denke, das war für mich der richtige Schritt.

Aber du musst es selbst wissen. Höre in dich hinein, schreibe dir Vor- und Nachteile der verschiedenen Therapien auf und entscheide dann in Ruhe.

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben
JoeDoe
aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 24.08.2007, 17:04    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Blizzard,

dank Dir, für Deine Antwort und Einschätzung.

Deine Argumente bekräftigen meine Tendenz, mich nicht in eine stationäre Therapie zu begeben. Ähnlich wie Du, habe auch ich das große Glück, mich nicht von meinem Umfeld lösen zu müssen, da Alkohol dort keine wesentliche Rolle spielt. Und für meine Partnerin gilt: Es bedarf schon einer Gruppe von vier Personen, die sie in einem einstündigen Gespräch dazu überreden, am Sylvesterabend mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr anzustoßen (was aber nicht bedeutet, dass sie ein 0,1l Glas auch austrinkt Smilie ).

Auch meine Eltern / Schwiegereltern begrüßen meinen Schritt und unterstützen mich in meiner Entscheidung. Ich glaube, das ist schon sehr sehr viel wert und gibt auch eine Menge Kraft.

Im Augenblick versuche ich mich und mein Alkoholproblem irgendwie einzuordnen und vielleicht mache ich bei manch einem den Eindruck, ich würde mein Problem herunterspielen, oder wirke gar überheblich. So habe ich beispielsweise gestern in einer offenen Alkoholgruppe versucht, meine Position und meine Vorstellung für die Zukunft zu bewerben - in der Hoffnung auf Zustimmung von erfahrenen "Trockenen". Leider blieb die Zustimmung aus - vielleicht weil die stationäre Lösung für den ein oder anderen wirklich die bessere Lösung war. Und vielleicht habe ich mich auch etwas ungeschickt ausgedrückt - Ich war schließlich zum ersten Mal da und mich emotional zu öffnen und öffentlich Gefühle zu beschreiben ist grundsätzlich Neuland für mich. Von daher: 2. Versuch in 2 Wochen!

Soweit.

Liebe Grüße

J.
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JoeDoe hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben
Brigitte
aktiver Teilnehmer


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Beiträge: 509

BeitragVerfasst am: 25.08.2007, 12:04    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Sehe ich auch als Zwickmühle, soll ich das eine oder das andere tun.
Ist wirklich schwer zu sagen, ob eins davon besser ist. Sind einfach 2 verschiedene Möglichkeiten.

Da kannst du nur in dich hineinhorchen.

Ich habe keine Therapie gemacht. Nicht in einer Klinik und auch nicht ambulant. Nicht weil ich nicht wollte, sondern weil ich es situationsmäßig nicht konnte. Ich bin durch einen Pflegefall an mein zu Hause gebunden.

Allerdings gehe ich von anfang an 2 x zu einer realen SHG. Das Forum habe ich erst viel später gefunden. Aber das ist mein ganz persönlicher Weg, der für mich bis jetzt richtig ist.

Trotz allem finde ich einen Klinikaufenthalt auch gut. Käseglocke hin oder her. Ich denke auch, in so einem geschützten Rahmen hat man doch gute Möglichkeiten sich auf sich selbst zu konzentrieren und intensiv ohne Ablenkung an sich zu arbeiten. Es bewegt sich viel in dieser Zeit und wenn man entlassen wird, denke ich, wird man nicht mehr der gleiche sein wie zum Zeitpunkt der Einlieferung.

Aber auch zu Hause eine ambulante Therapie zu machen, hat sicher seine Vorteile. Man lernt so Schritt für Schritt ein Leben im Alltag ohne Alkohol zu leben und arbeitet auch an sich durch die Therapie und kann es sofort im Alltag umsetzen und sehen, wo es hakt.

Ich hätte auch immense Schwierigkeiten, mich zu entscheiden.

Vll. ist es wirklich nicht schlecht, sich mal hinzusetzen und aufzuschreiben. Vor- und Nachteile. Vll. werden die Gefühle und Gedanken klarer, wenn man sich mal sortiert.
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Brigitte hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben
Lilly12
Gast






BeitragVerfasst am: 25.08.2007, 20:14    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Joe,

ich habe auch keine Therapie-Erfahrung, darum kann ich Dir schlecht raten, Brigitte und Blizzard haben ja eigentlich auch schon das wesentliche dazu geschrieben.

Einen eigenen Thread hier aufzumachen, halte ich für eine prima Idee. So können wir Dich gut begleiten auf Deinem Weg in die Trockenheit, denn dann wissen wir auch immer, wo Du so stehst und wir können entsprechend beraten.

Zu Deinen Tiefpunkt-Überlegungen...
Mh, der persönliche Tiefpunkt sieht bei jedem anders aus, der kann psychisch oder auch körperlich sein. Bei mir kam am Ende beides zusammen, existenziell bedroht war ich auch zu keinem Zeitpunkt. Ich hätte mich trotzdem fast totgesoffen, obwohl nach außen hin alles einigermaßen okay schien.
Mir wurde im KH sehr klar gemacht, das ich mich totsaufe, wenn ich noch einmal trinke. Das hat für mich als Schock sozusagen ausgereicht.
Aber ich wußte es im Grunde auch so, denn ich wollte schon nicht mehr leben, wußte nur keinen Weg aus der Sucht. Aber es gibt Wege.

Viele, die noch nicht ganz unten waren, haben wohl oft diese wehmütigen Gedanken an Alkohol, hat er uns doch jahrzehntelang begleitet. Und in unserem Kopf bleibt er auch für immer, unser Suchtgedächtnis arbeitet einfach sehr gut, auch nach vielen Jahren noch. Leider flüstert es uns immer nur tolles über Alk ins Ohr, nie das schlimme, was wir wohl alle schon erlebt haben.

Oder erzählt es Dir von den peinlichen Beschaffungsmaßnahmen, dem Lügen-müssen für die Droge, den peinlichen Auftritten, die viele hatten. Nööö, davon will es nix wissen. Es beschwindelt uns also im Grunde, um wieder an Stoff zu kommen.

Von daher kommen wohl auch manchmal diese wehmütigen Gedanken. Ich denke aber, die vergehen, wenn ein abstinentes Leben zu einer Lebenseinstellung werden. Dazu kann man selber viel beitragen.
Und ich sag Dir was, Joe !
Das is n verdammt schönes Leben. Man ist wieder frei und kann tun und lassen, was man will, die Droge Alk bestimmt nicht mehr das Leben.
Und Du kannst wieder viele Dinge ganz intensiv genießen, wahrscheinlich noch viel intensiver wie je zuvor. Das sag ich nich nur so, weils sich so schön anhört, sondern weil viele andere die gleichen Erfahrungen gemacht haben.

Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute auf Deinem Weg in die Trockenheit, lass Dich hier dabei auch begleiten, ich schau gern ab und zu nach Dir und schreib Dir dann auch was, wenn mir was passendes dazu einfällt, was Dir evtl. helfen könnte.

LG an Dich
Lilly
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Lilly12 hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben
JoeDoe
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 26.08.2007, 18:28    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

schön, dass Ihr mich ermuntert, hier weiter zu schreiben ... mach ich natürlich auch gerne, geht ja auch um mich Winken !

Also vielleicht mal so ganz grundsätzlich zum Thema Therapie: Ich habe für mich schon beschlossen, dass ich in irgendeiner Weise therapeutisch an mir arbeiten möchte. Dieser ganze Mißbrauch (auch mit den anderen Drogen) hat ja irgendwo seine Ursachen und ich glaube schon, dass es am Ende wohl doch recht förderlich sein kann, diese Ursachen einmal etwas intensiver zu beleuchten und Strategien zu entwickeln, damit ich in Zukunft drohendes Fehlverhalten rechtzeitig erkennen und gegensteuern kann.

Ganz konkret meine ich damit z.B., dass ich mir vor Allem meiner Stärken und Fähigkeiten besser bewusst werden sollte und diese auch dann im Hinterkopf behalte, wenn ich einer Kritik ausgesetzt bin (sei sie jetzt gerechtfertigt oder nicht). Auch fehlt mir allzu häufig der Mut, diese Stärken und Fähigkeiten auszuspielen, um mich beruflich oder auch im privaten Umfeld in eine "Wohlfühlposition" zu bewegen. Ich ziehe mich lieber zurück, und lähme mich und mein Unwohlsein, anstatt die A... zusammenzukneifen und mit stetigem Versuchen meinen Selbstwert und mein -bewustsein zu stärken.

Da glaube ich, dass eine Therapie auf jeden Fall nicht schaden kann, aber für den Augenblick konzentriere ich mich doch erst einmal auf das "Nicht-Trinken".

Damit auch direkt zum Thema: Wie fühle ich mich eigentlich, gute fünf Wochen nach der Entgiftung und ganz ohne Alkohol? Ich mag einfach mal berichten:

Die ersten paar Tage war ich einerseits recht stolz auf mich und die begonnene Abstinenz (Mit erhobenen Haupte und geschwollener Brust an den Bierkästen im Supermarkt vorbei!) aber andereiseits auch immer wieder erstaunt über die vielen Automatismen meiner Trinkerei (Abendessen vorbereiten und kein Bier aufmachen hatte etwas von "In den Urlaub fahren" mit dem Gefühl, die Herdplatten nicht ausgemacht zu haben .... Panik! Ich habe etwas vergessen! Alarm!). Nun ja, mittlerweile haben sich diese beiden Gefühle wieder etwas normalisiert: An den Alkoholika im Supermarkt wandere ich relativ wertneutral vorbei und in den Situationen, an denen ich normalerweise mein Bier geöffnet habe, greife ich zu Wasser, Saft oder Cola, ohne dabei echte Verlustgefühle zu entwickeln. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch ein paar Tage hatte, an denen mir der Blick in die Zukunft sehr düster erschien, weil ich mir einfach völlig ziellos und verängstigt vorgekommen bin. Ich glaube, ohne den Halt meiner Partnerin hätte ich da ernsthafte Rückfalltendenzen entwickelt.

Mittlerweile fühle ich mich jetzt eigentlich fast so wie früher Mit den Augen rollen , ABER: Ich flüchte nicht vor meinem latenten Unwohlsein, bin zu jeder Tages- und Nachtzeit klar und ansprechbar und lerne langsam, meine Gefühlswelt offen auszusprechen, anstatt mich mit Alkohol in eine Pseudo-Gute-Laune zu katapultieren. Ich glaube, dass das schon mal sehr viel wert ist, und dass ich, wenn ich mit meinen Gefühlen weiter ehrlich und offen umgehe, auch immer besser mit mir umzugehen weiss.

Und erste "Erfolge" habe ich ja auch schon vorzuweisen: Als ich letzte Woche erstmalig eine Alkohol-Gruppe besucht habe, habe ich vor 15 Leuten ganz ruhig meine Karriere und Probleme schildern können. Ich mag solche "Mittelpunktsituationen" nicht, besonders, wenn es sich dabei thematisch auch noch um meine Person dreht. Aber ich habe mich tapfer geschlagen: Weder Schweißausbrüche, Pulsrasen noch zittrige Stimme haben mich behindert und auch die Kritik, die von einigen Gruppenteilnehmern gekommen ist, habe ich konstruktiv und nicht persönlich empfunden. Ganz ehrlich: An diesem Abend fand ich mich richtig gut und habe das Gefühl gehabt, mich zu mögen! Mehr davon, und es geht weiter aufwärts!

Tja, soweit erstmal für heute, ich fahre jetzt mit meiner Partnerin zu Ihren Eltern: Es wird eine Wohnung frei und wir überlegen, ob wir dort einziehen sollen ... Aber mit Mitte 30 wieder zurück auf das Grundstück der Eltern, da müssen wir erstmal klären, ob die Rahmenbedingungen auch passen....

Ich wünsch Euch allen noch einen schönen Sonntag!

Liebe Grüße

J.
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JoeDoe hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben
JoeDoe
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 02.08.2007
Beiträge: 612
Alter: 37
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 28.08.2007, 12:52    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

wir haben beschlossen, nicht in die Wohnung, die im Haus der Eltern meiner Partnerin frei wird, einzuziehen. Die Vorstellungen vom gemeinsamen Zusammenleben und den notwendigen Freiräumen sind doch zu unterschiedlich.

Von Standpunkt meiner neu gewonnenen Klarheit war die Diskussion aber ein weiteres positives Erlebnis: Ich (bzw. Wir) haben klare Vorstellungen entwickelt, diese offen und ehrlich angesprochen und konnten so auch direkt eine Entscheidung treffen. Zu "Trinkerzeiten" hätte ich zum einen meine Bedürfnisse weder richtig für mich formuliert, noch diese offen diskutiert, zum anderen hätte ich tagelang darüber nachgedacht, ob meine Entscheidung richtig gewesen wäre. Diese "nüchterne" Art, Entscheidungen treffen zu können, erlebe ich als sehr befriedigend.

Dennoch hab ich grad einen etwas flauen Start in die neue Woche: Meine Partnerin muss wieder arbeiten (nach 4 Wochen Urlaub) und so bin ich jetzt jeden Tag wieder für einige Stunden allein. Und ganz ehrlich: Ich weiss grad nicht wirklich etwas mit mir anzufangen. Ich verspüre zwar keinen wirklichen Drang, mir ein paar Flaschen Bier zu besorgen, aber eine echte Idee, wie ich mein Alleinsein sinnvoll überbrücken soll, habe ich auch nicht. Nicht, dass es nichts zu tun gäbe und nicht, dass sich keine Dinge fänden, die mir eigentlich Spaß bereiten ... aber trotzdem: Ein Gefühl von "Pause" und Langeweile macht sich breit!

Ich hoffe doch sehr, dass ich die Motivation nicht ganz schleichend verliere ... Ein wenig Sorgen mache ich mir da allerdings Traurig .

Liebe Grüße

J.
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JoeDoe hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben
kommal
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 6389
Alter: 53
Wohnort: Niederrhein

BeitragVerfasst am: 28.08.2007, 13:27    Titel: Re: En taro Adun! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo JonDoe,
Zitat:
Diese "nüchterne" Art, Entscheidungen treffen zu können, erlebe ich als sehr befriedigend.


Zitat:
Nicht, dass es nichts zu tun gäbe und nicht, dass sich keine Dinge fänden, die mir eigentlich Spaß bereiten ... aber trotzdem: Ein Gefühl von "Pause" und Langeweile macht sich breit!


Zwischen diesen beiden Sätzen muß doch was passiert sein??? Lies doch noch mal nach.

LG kommal
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kommal hat zum Thema: Re: En taro Adun! geschrieben

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