Brigitte aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.02.2007 Beiträge: 509
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Verfasst am: 23.08.2007, 13:50 Titel: Re: Drang zu trinken... |
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Gibt es wirklich schlechte Erfahrungen? Mit Sicherheit gibt es schlimme Sachen die Menschen erleben. Aber wenn ich mir den Alltag so anschaue, gibt es hauptsächlich meine Wünsche, die andere Menschen nicht erfüllen. Mist, warum tun sie es nicht. Schließlich bin ich ganz wichtig und das natürlich auch für andere.
Das Leben könnte doch so schön sein, wenn andere dafür Sorgen, dass meine Gefühle in Ordnung sind.
Oder? Gibt es auch andere Möglichkeiten?
Könnte ich nicht ein Stück erwachsen sein und sehen, dass jeder in erster Linie seine eigenen Gefühle gut haben will und dass er nicht immer so handeln kann, wie ich es gerne hätte. Tut er mir mit Absicht weh?
Nur ich kann für meine Gefühle sorgen und niemand sonst. Also muss ich schauen, wie ich klar komme. Mich von den Sachen trennen, die mir nicht guttun und die ich nicht ändern kann. Ist manchmal schon mit Schmerz verbunden, aber letztendlich mit dem inneren Gefühl, dass es so richtig ist, meinen Weg zu gehen. |
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annax neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.05.2007 Beiträge: 155 Wohnort: Bayern-München
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Verfasst am: 26.08.2007, 22:57 Titel: Re: Drang zu trinken... |
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Hallo,
Ihr macht euch wirklich Gedanken mit dem was ihr mir antwortet und das freut mich! Gern habe ich die Antworten gelesen und sie bringen mich wiederum zum Nachdenken.
Brigitte, mit dem was Du geschrieben hast:
"Nur ich kann für meine Gefühle sorgen und niemand sonst. Also muss ich schauen, wie ich klar komme. Mich von den Sachen trennen, die mir nicht guttun und die ich nicht ändern kann. Ist manchmal schon mit Schmerz verbunden, aber letztendlich mit dem inneren Gefühl, dass es so richtig ist, meinen Weg zu gehen."
-ist genau der Knackpunkt, mit dem ich seit Monaten - fast schon Jahren kämpfe...
Ich erlebe immer wieder Bestätigungen, dass die Beziehung sich nicht zum Besseren entwickelt, erlebe mich selbst immer wieder in einer Opferhaltung die mir schon so richtig zuwieder ist und dreh mich wie ein Hamster im Rad.
Immer wieder will ich uns noch eine Chance geben und kann diese Idealvorstellung meines Freundes und der Beziehung einfach nicht aufgeben.
Vielleicht weil es in meinem Leben so selten gepasst hat, und ich dachte, das wäre er jetzt endlich.
Es geht bei mir darum, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen, klare Standpunkte zu haben und mich zu entscheiden.
Und das fällt mir (fiel mir schon immer), so unglaublich schwer. Ich lasse oft Dinge laufen, bis sie sich von selbst entscheiden, und dafür hasse ich mich machmal.
Ja, es geht ums Erwachsenwerden, und das mit 40 Jahren...
Und was Du gesagt hast: "aber letztendlich mit dem inneren Gefühl, dass es so richtig ist, meinen Weg zu gehen."
ist das gegen was ich dauernd ankämpfe, während ich abwarte und mich nicht entscheide, mein inneres Gefühl.
Brigitte - ich schau mal was Du sonst noch so geschrieben hast, denn das hat mich wirklich beindruckt.
Auch nicht immer alle Anderen für das eigene Schlamassel verantwortlich zu machen - Es ist eine Gradwanderung. Denn wenn man es schafft selbstverantwortlich zu sein, erwartet man es auch von den Anderen.
Ich habe dann sehr schnell das Problem Angst zu haben jemanden zu verletzen, will es jedem Recht machen und manövriere mich in eine unklare Haltung die niemandem was bringt.
Insofern ist die Oferhaltung dann doch die leichtere. Vom Kopf her habe ich es ja schon verstanden.
Nexie, das mit dem Sport ist schon eine kleine Sucht bei mir geworden.
Ich habe früher auch Leistungssport gemacht und kämpfte früher mit Magersucht.
In der relativ kurzen Zeit, in der ich richtig dem Alkohol verfallen war, einmal 3 Monate am Stück,
(sonst war ich immer der mal hier mal da zuviel Trinker, dann wieder jahrelang gar nichts getrunken bis ich dann wieder meist durch emotionale Tiefen, die immer mit Beziehung zu tun hatten angefangen habe zu trinken, und erst seit ich mich selbst entschieden habe, mich wirklich als Alkoholikerin zu sehen, regelmässig in eine Gruppe zu gehen, bin ich trocken weil ich mir keinen Tropfen mehr erlaube.),
also - in dieser Zeit habe ich gar nichts mehr gemacht. Stimmt nicht, die Zeit war länger ein Jahr oder so, da habe ich auch viel getrunken, immer wieder auch zuviel aber nicht täglich. Und 3 Monate eben täglich.
Da hat dann alles an Form verloren. Und das ist jetzt für mich so etwas wie eine Ersatzbefriedigung, meinen Körper so zu perfektionieren, wie das mit 40 Jahren eben noch möglich ist.
Mir hilft auch immer sehr wenn ich mir vorstelle wieviel Kalorien Alkohol hat. Allerdings habe ich kaum etwas gegessen als ich getrunken habe, weil Essen und Alkohol für mich irgendwie nicht zusammenpasst. Entweder ich trinke, oder ich esse.
Und ich habe öfter sehr unangenehme, depressive Zustände die glaube ich von dem grossen Fragezeichen kommen, dass ich ständig mit mir herumtrage, weil ich meine Situation nicht ändere. Und dann hilft mir Bewegung am meisten. Richtig lange schwimmen im See, oder Fitness.
Und eben diese Deprizustände gekoppelt mit Stress als Dauerzustand in der Beziehung sind die Momente in denen ich dann trinken könnte.
Ich habe ein Jahr lang Antidepressiva genommen, diese aber abgesetzt weil ich keine Tabletten mehr nehmen wollte. In letzter Zeit frage ich mich ob das gut war.
annax |
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Whitewolf sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.09.2006 Beiträge: 1204 Alter: 44 Wohnort: Homburg/Saar
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Verfasst am: 27.08.2007, 13:35 Titel: Re: Drang zu trinken... |
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Hallo annax,
die Sache mit dem Erwachsenwerden.....
Du bist bereits erwachsen. Das Problem ist eher das Dir nicht gefällt was Du siehst. Du stehst unter einem starken inneren Druck, bist wohl unzufrieden mit Dir und mit dem was Du warst und bist.
Nicht alles ist perfekt, wird es nie sein. Das Geheimnis liegt im annehmen der Gegebenheiten. Du wirst immer etwas finden was nicht passt....die Frage ist nur wie Du damit umgehst.
Du bist wie Du bist und daraus machst Du das beste. Aber es wird nie perfekt sein.
Du schreibst das Du Dich wie ein Hamster fühlst....ich denke ich weiss wie das ist. Du kommst aus Deiner inneren Situation nicht raus und damit blockierst Du Dich selber.
Vom Kopf her hast Du das verstanden, aber der Bauch macht da nicht mit. Es bleibt die Unzufriedenheit und das "Warum..??"
Mir hat es sehr geholfen das Wort "egal" zu benutzen. Und wieder über mich selbst lachen, darauf hinzuarbeiten das fünf manchmal eine gerade Zahl ist. Wenn das klappt verschwindet so mancher innerer Druck.
Sieh die Tabletten nicht als Belastung oder Makel den Du einfach weglässt weil es auch ohne gehen MUSS. Nutze sie als Stütze um ein neues Vertrauen in Dich aufzubauen. Um auch mal zu entspannen oder mehr zu lachen. Du bist "erst" 40...gerade mal die Hälfte rum oder weniger und freu Dich über das Kind das noch übrig ist in Dir.
Wenn Du die Tabletten noch brauchen könntest, dann hör auch darauf. Allemal besser als die Alternative. Und an der Dosierung lässt sich evtl. ja auch noch was machen. Das kann Dir der Arzt sagen.
Ich war heilfroh das ich ein Medikament gefunden habe das leicht anschlägt und eine Krücke bildet in Situationen die einfach einen noch zu starken Charakter haben. Ob das nun für immer so ist sagt ja keiner aber bei Dir scheint es zu früh gewesen zu sein sie komplett abzusetzen.
Das innere Polster ist einfach noch nicht stark genug. Und da ist nichts schlimmes bei. Das ist bei jedem verschieden und passt in kein Raster.
Durch eigene innere Ultimaten setzt Du Dich nur unter Druck, das beindruckt aber die Seele nicht im geringsten. Sie heilt dadurch nämlich nicht schneller.
Viele Grüsse
White |
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