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Meine Mutter säuft sich immer tiefer runter ...   •    Ich kann nicht mehr  
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MS
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.08.2007
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BeitragVerfasst am: 04.08.2007, 22:32    Titel: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich hab mich zwar schon vorgestellt, hier aber nochmal das Wichtigste in Kürze: ich bin 38, glücklich verheiratet und voll berufstätig.

Ich hab einen inzwischen trockenen Bruder, eine vermutlich alkoholabhängige Schwester und eine alkoholabhängige Mutter - natürlich verleugnen beide ihren Alkoholismus...

Meine Mutter trinkt wahrscheinlich schon gut 30 Jahre - wobei ich sie allerdings nie wirklich betrunken erlebt habe, sie hat immer "funktioniert"...gehen lässt sie sich erst, seit sie krankheitsbedingt in Rente gehen musste - seitdem schleift der Haushalt, wobei mein Vater allerdings immer dafür gesorgt hat, dass das Nötigste erledigt wurde...

Ich hab mich immer ganz gut rausgehalten - als Kind hab ich noch versucht Mum und die Geschwister vor meinem Vater zu verteidigen (er hat immer mit psychologischen Tricks gearbeitet) und auch später hab ich das immer wieder versucht, allerdings bin ich schon früh ausgezogen und hab mich oft monatelang komplett von meiner Familie ferngehalten - um den dauernden Streitereien zu entgehen.

Seit seinem Tod ist sie allerdings immer weiter runtergekommen - obwohl mit ihm ja eigentlich der Grund für die Sauferei gestorben ist....die Wohnung ist inzwischen total verwahrlost Traurig - ich hatte mich nach vielen Streitereien deshalb fast völlig zurückgezogen, hab sie nur noch alle 2 Wochen einmal besucht...immerhin saß ja fast täglich meine Schwester bei ihr rum - auf "1 Bierchen"...wärks...

Vor etwa 6 Wochen hab ich sie dann auf ihren Wunsch zu ihrem "Freund" gefahren, der etwa 200 km entfernt lebt...ich wollte zum einen diesen Mann kennen lernen, zum anderen wollte ich verhindern, dass sie mit dem Zug fährt - sie war schon seit Monaten kaum noch aus dem Haus gegangen und ich hatte Angst, dass sie unterwegs zusammenbricht oder ähnliches.
Nach 3 Tagen dort ist sie allerdings zusammengebrochen (was ich darauf schiebe, dass sie keinen Alk bekommen hat). Nach einigem hin und her wurde sie dort ins Krankenhaus gebracht, und man hat bei ihr ein Uteruskarzinom festgestellt, das operiert werden müsste. Nach diesem Krankenhausaufenthalt ging es daheim rapide bergab mit ihr - meine Tante hat sie dann daheim auf dem Boden liegend aufgefunden und für ihren Transport ins Krankenhaus gesorgt....
Ergebnis: sie ist zu schwach für die OP, ihre Leber ist ziemlich hinüber (sie hatte schon vor 5 Jahren nen längeren KKH-Aufenthalt wegen eines "Leberproblems") und die Krankenkasse lehnt die notwendige geriatrische Reha mit der sie für die OP aufgepäppelt werden sollte ab, weil sie Alkoholikerin ist.
Nun soll versucht werden, mit Bestrahlungen gegen den Krebs vorzugehen und sie soll in die Psychiatrie verlegt werden.
Allerdings behauptet sie, bereits seit 2 Monaten nichts mehr getrunken zu haben (wir haben allerdings Beweise für das Gegenteil) und ist auch weder dement noch hat sie eine sonstige Hirnveränderung - und ist so toll im Lügen, dass zweifelhaft ist, ob die Psychiatrie sie wirklich aufnimmt.

Das ist die objektive Situation...

Subjektiv mache ich mir im Moment natürlich viele Sorgen und auch Selbstvorwürfe - auch wenn ich weiß, dass sie auch gesoffen hätte, wenn ich mich mehr gekümmert hätte, fällt es mir schwer das im Herzen zu akzeptieren...dazu trägt natürlich auch die Reaktion meines Umfelds bei - mein Mann ist fast der einzige, der mir recht gibt - meine Tante und auch eine eigentlich sehr gute Freundin meinen, ich hätte mich mehr kümmern müssen - es ist ja schließlich meine Mutter....

Puh...das war ein sehr langer erster Post....aber ich hoffe, dass ihn die ein oder andere doch durchliest - und meine Situation versteht...und mir helfen kann, meine Selbstvorwürfe dahin zu befördern wo sie hingehören - auf den Müll ....
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MS hat zum Thema: Sie leugnet immer noch... geschrieben
bellaisla
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 04.08.2007
Beiträge: 8
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BeitragVerfasst am: 05.08.2007, 20:34    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,
habe gerade Deine Antwort in meinem Thread gelesen. Danke dir herzlich dafür. Daraufhin mußte ich mich natürlich bei Dir "schlau" machen und Du hast recht, es ist ein und das selbe bis auf den Unterschied, dass Deine Mama noch lebt.
Das mit der verwahrlosten Wohnung kenne ich auch nur zu gut. Habe ziemlich geschimpft, als ich nach ihrem Tod erstmal aufräumen und klar Schiff machen mußte... Böse .
Das mit den Selbstvorwürfen ist so eine Sache, das ist wie das Engelchen und das Teufelchen auf Deinen Schultern. Einen Tag ist man sicher, dass man das Richtige tut und am nächsten zweifelt man alles wieder an. Ich denke, da hilft die Zeit und spielt für einen.
Wo ist denn Deine Mutter momentan? Zuhause, bei ihrem Freund oder im KH? Sorry meine doofe Frage, habe ich persönlich jetzt nicht ganz rauslesen können - aber ich bin ja schließlich blond... Lachen .

Sei herzlich umarmt und Kopf hoch
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bellaisla hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben
MS
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.08.2007
Beiträge: 326
Alter: 42
Wohnort: Oberbayern

BeitragVerfasst am: 05.08.2007, 21:16    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

griiiiiiiins.....dann haben wir noch was gemeinsam - ich bin auch blond Winken

Momentan ist sie im Krankenhaus - noch, denn wenn das mit der Psychiatrie nicht hinhaut, dann kann es gut sein, dass sie entlassen wird...denn Bestrahlungen werden normalerweise ambulant durchgeführt - keine Ahnung, wie sie da jeden Tag ins Krankenhaus kommen soll...

Ja, dieses Engelchen und Teufelchen kenne ich auch....du beschreibst das völlig richtig...seufz...und da es ja viele liebe besorgte Menschen gibt, die dir mitteilen, dass du dich als liebe Tochter doch um deine Mutter kümmern musst, ist es oft nicht leicht, die eigene innere Stimme zu hören...

Bei der Wohnung hab ich Glück - die wird morgen von Leuten eines Pflegedienstes gesäubert...mir hat schon der Anblick der Couch gereicht...wärks...und dabei haben meine Cousine und meine Tante schon das übelste entfernt Sehr böse

Aber was zum Amüsieren hatte ich auch, als ich vorgestern in der Wohnung war: meine Cousine hatte mir gesagt, dass sie die meisten Flaschen mitten ins Wohnzimmer gestellt hätte - und zu meiner Überraschung hab ich nicht eine einzige Flasche gesehen....das Rätsel hat sich dann allerdings rasch gelöst: das Auto meiner Schwester steht immer vor der Wohnung meiner Mum - und darin waren die Bierdosen die ich zuvor mal im Schlafzimmer entdeckt hatte und eine ganze Sammlung leerer Weinflaschen - meine Schwester wollte scheinbar alles verstecken...und da sie ja selber "immer sooo krank ist" hat es wohl nur dazu gereicht die Flaschen zum Auto zu bringen Mit den Augen rollen
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MS hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.02.2007
Beiträge: 6713

BeitragVerfasst am: 06.08.2007, 00:56    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hey ms

hoff mal ich darf mich als nicht-blonde auch einschalten Winken

sind ja tolle leute, wo du da kennst. war zumindest mein erster gedanke. es ist quatsch was sie da sagen, aber solche sätze hör ich auch immer wieder. früher wurde ich da ganz schön stinkig, inzwischen wiederhol ich da scho mehrmals leise für mich "menschen die mit dem thema alk nicht konfrontiert werden und sich damit auch nicht befassen, haben einfach keine ahnung". wie oft hab ich scho den satz gehört "na dann laß doch deine mutter einfach einweisen, dann trinkt sie auch nicht mehr". tja wenns nur so einfach wär...

das sie dir damit schuldgefühle einreden, das ist ihnen wohl gar nicht klar.

du schreibst wie's ist, wenn du dich um deine mutter mehr gekümmert hättest, hätte das auch nix geändert. sie trinkt weil sie trinken will, ob du etz jede minute bei ihr bist oder nicht.

puh, das mit deiner mutter hört sich gar nicht gut an. verständlich das du dir sorgen machst, würd mir genauso gehn. wie sie ins krankenhaus kommt, nun das is ihr ding, wenn ich mal so direkt sein darf. wenn sie weiterhin alles leugnet und lügt wie gedruckt, dann braucht sie auch keinerlei hilfe erwarten. würde sie die reha eigentlich von der kasse bezahlt kriegen, wenn sie davor ne langzeittherapie macht? sorry kenn mich damit etz net so aus.

liebe grüße

p.s. warum schreibst du "eine eigentlich sehr gute freundin" wenn ich fragen darf? für mich verbirgt sich hinter einem eigentlich irgendwo ein haken, verstehst wie ich mein?
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summerdream hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben
lavendel
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.05.2006
Beiträge: 2869

BeitragVerfasst am: 06.08.2007, 09:43    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo ms,

willkommen hier im forum, schön, dass du hergefunden hast.

hab mal deinen anfangssthreat im vorstellungsbereich gelesen Mit den Augen rollen.

ich glaube, du hast noch einen weiten weg vor dir - und vielleicht - wenn du magst - können wir dich darauf begleiten. ich schreib dir jetzt mal von mir um dir zu zeigen, dass sich die geschichten sooooo gleichen, und dass deshalb sehr wohl auch andere - die dich nicht kennen, aber auf ihren weg schon ein bisschen weiter sind - sehr wohl beurteilen können, wie es dir geht.

ich bin erwachsene tochter von alkoholiker-eltern, beruflich recht erfolgreich, bin nach aussen immer die starke und der clown, habe ein geregeltes soziales umfeld und kein mensch, der mich neu kennenlernt, käme auf den gedanken, dass da was nicht stimmt(e).

dass meine eltern trinken, hab ich schon als kind mitbekommen. das ganze wurde immer schlimmer, mit entziehungen, zwangseinweisungen, psychiatrie.... mit 18 bin ich ausgezogen, zum studium. ich hab mich immer und immer noch für meine eltern verantwortlich gefühlt, und meine umwelt (als das waren verwandte) haben mir immer weiter eingeredet, ich müsse mich doch kümmerm, sei schliesslich die tochter, was sie eltern nicht alles für mich getan hätten, blablabla. das ist bei mir alles auf fruchtbaren boden gefallen, ich wollte doch keine rabentochter sein, wollte doch geliebt werden. hab mir sogar den schuh angezogen, meine eltern würden trinken, weil ich nicht lieb sei Mit den Augen rollen. geredet hab ich damals mit niemandem, ich hab mich geschämt, wollte nicht, dass es rauskommt, nach aussen wurde immer auf "heile welt" gemacht und ich hatte eine heidenangst vor streit und stress wenn rausgekommen wäre, dass ich irgendwo den mund aufgemacht hätte.

mit mitte zwanzig erst habe ich den ersten absprung (psychisch) geschafft. ich habe meiner mutter in einem brief erklärt, sie gehe über mene kraft und ich wolle keinen kontakt mehr, wenn sie trinkt. ich habe sie damals auch nicht zu meiner hochzeit eingeladen, weil ich angst hatte, sie würde im besoffenen kopp mein fest sprengen. da war ich dann für den rest der verwandtschaft gestorben.

ihr terror ging weiter, über anrufe mit selbstmorddrohungen und schuldeinreden "was habe ich alles für dich getan". ich habe mir dann psychologische hilfe gesucht, anlass war ein anderer, aber natürlich kam auch das thema eltern und alk auf den tisch. psychopharmaka übrigens nicht, vor denen du solche angst hast! und da hab ich bauklötze gestaunt. und ganz langsam gelernt, mich von meinen schuldgefühlen zu befreien, aber wirklich gaaaaaanz langsam. man wirft nicht so einfach über bord "du sollst deine eltern lieben", das ist schon klar. aber irgendwann dann habe ich es über bord geworfen. habe den kontakt mit meinem vater abgebrochen, der nach dem selbstmord meines bruder ("wir haben doch immer alles für euch kinder getan Mit den Augen rollen") versucht hat mich in die pflicht zu nehen mit all seinem selbstmitleid und seinen vorwürfen, ICH müsse mich jetzt kümmern um ihn, IHM ginge es doch so schlecht ich sei doch das einzige, was er jetzt noch habe.

kurz vor seinem krebstod (leberkrebs in folge von leberzirrhose in folge des saufens) haben wir wieder miteinander gesprochen. darüber bin ich froh, ganz egoistisch für mich. schuldgefühle habe ich nicht (mehr). schuldgefühle habe ich auch meiner mutter gegenüber nicht (mehr). es ist ihr leben, ihre entscheidung, theoretisch weiss sie, was das saufen bedeutet, also muss sie auch die praktischen folgen ausbaden - allein.

zu der frage nach den hilfsangeboten: da hilft dir alles lamentieren nicht, dass alkis mehr geholfen wird als angehörigen. du musst für dich gucken, und ich kann für mich sagen, dass ich all die hilfe bekommen habe, die ich gebraucht habe. hier das forum war eins davon, dann bin ich in eine shg des kreuzbundes gegangen, das ist eine gemischte gruppe von alkis und angehörigen. dort habe ich noch einmal viel aus der sicht von alkis gehört, und mir hat das enorm geholfen, in frieden mit meinen eltern sein zu können. die alkis haben mir sehr geholfen, viele muster zu durchschauen, und auch zu akzeptieren, dass das einzige, was ich tun kann ist, mich um mich zu kümmern. weisst du, was mir auch viele gesagt haben: wenn meine familie mich nicht hätte fallen lassen, wäre ich nie trocken geworden. mir hat das sehr geholfen. und zu deinem einwand, wenn dich da jemand kennt? was kratzt dich das? du bist doch so stark Winken. ohne scherz: ich hatte davor auch bammel, aber letztlich wars mir dann auch egal. ich bin ich, und wer mich so nicht mag, oder mich über meine eltern richtet, hat halt pech gehabt, es ist mir mittlerweile gelinde gesagt schnurz.

eine weitere hilfe waren mir seelsorgegespräche mit meinem pfarrer, und als ich einmal das gefühl hatte kurz vorm durchdrehen zu stehen, bin ich zu meiner hausärztin gerannt, die hat binnen vier tagen Ausrufezeichen einen "kriseninterventionstermin" bei einer therapeutin arrangiert.

so, das war ein langer sermon.

was ich dir damit sagen will: du bist nicht allein, du bist völlig "normal", du musst nicht stark sein, und du kannst sehr wohl zu einem freien, selbstbestimmten leben ohne schuldgefühle kommen - aber das bedeutet arbeit, jahrlang. aber irgendwann hat es sich gelohnt Winken.

lieben gruß

lavendel
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lavendel hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben
MS
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 01.08.2007
Beiträge: 326
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Wohnort: Oberbayern

BeitragVerfasst am: 06.08.2007, 12:26    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo summerdream und lavendel,

vielen Dank für eure verständnisvollen und lieben Antworten...natürlich rede ich auch mit nicht-blonden Lachen

Ob die Kasse die Reha nach einer LZT zahlen würde, weiß ich auch nicht...allerdings würde sie ja bereits in der Therapie "aufgepäppelt"...immerhin steht jetzt fest, dass sie in die Psychiatrie kommt - seltsames Gefühl, sich über sowas zu freuen...

Ich glaub auch, dass es den Leuten entweder nicht klar ist, was sie mit solchen Aussagen anstellen - oder sie bezwecken genau das...keine Ahnung...diese "eigentlich sehr gute Freundin" ist jemand, der mich normalerweise völlig versteht und zu der der ich mit allen Problemen kommen kann - nur beim Thema "kümmern um die Familie" haben wir äußerst konträre Ansichten...während sie alles tut um irgendwie die Liebe ihrer Eltern zu bekommen, habe ich das nicht nur schon lange aufgegeben - ich liebe auch meine Eltern schon lange nicht mehr. Ach ja - und da sie selber mal beinahe zur Alkoholikerin geworden wäre, sieht sie die Sachlage eben aus der Perspektive desjenigen, der sich von seiner Familie Hilfe erhofft hat um nicht abzurutschen...

Ich hab schon als Kind gemeinsam mit einer Freundin Mordpläne gegen unsere Väter geschmiedet - und sein Tod ging mir zwar nahe, aber auch da könnte ich schon fast wieder Schuldgefühle kriegen (wenn ich sie zulassen würde): ich hab ihn mehr aus Pflichtgefühl fast täglich besucht, hab eigentlich nur bei der Beerdigung um ihn geweint und hab sein Grab in den 4 Jahren nur 3mal besucht: 1mal kurz nach der Beerdigung zum herrichten, dann an seinem 1. Todestag mit seinen Geschwistern und dann noch heuer am 18.5. - dem 70. Geburtstag meiner Mutter - mit meiner Tante und meinem Cousin....wir haben uns von der zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem Riesenstreit geplatzten Feier verzogen - und da meine Tante noch das Grab aufsuchen wollte (da liegt auch ihre Mutter) sind wir eben dahin gegangen um uns auf dem Weg über meine Mum und wie es weitergehen soll, zu unterhalten.

@lavendel - ich bin sogar überzeugt, dass ihr mir weiterhelfen, mich verstehen und beurteilen könnt, wie es mir geht - deshalb bin ich hier.

Das im Vorstellungsthread war lediglich, weil es eben ausgerechnet 2 trockene Alkoholiker waren - war sicher objektiv gesehen falsch von mir, aber aufgrund meiner Erfahrungen mit trockenen Alkoholikern (ich kenne da mehrere, in unserer Firma gibt es sogar ne eigene Hilfsorganisation für Alkoholiker) und meiner Stimmungslage zu diesem Zeitpunkt, war das für mich einfach zu viel und kam mir auch völlig falsch und unaufrichtig vor - auch wenn mich mein Gefühl da wohl getrogen hat....seufz...aber meinen Gefühlen kann ich momentan eh nicht so wirklich trauen...

Zitat:
ich bin erwachsene tochter von alkoholiker-eltern, beruflich recht erfolgreich, bin nach aussen immer die starke und der clown, habe ein geregeltes soziales umfeld und kein mensch, der mich neu kennenlernt, käme auf den gedanken, dass da was nicht stimmt(e).


Diese Worte könnten von mir stammen - nur dass mein Vater kein Alkoholiker war....

Und auch dieses Verlangen, dass man sich kümmern müsste, schließlich wär man doch die Tochter - ja, auch das kenne ich zu gut. Ich hatte da nur einen Vorteil dir gegenüber: ich hab das immer auf meine Schwester schieben können, da die schon seit Jahren arbeitslos ist, während ich Vollzeit arbeiten gehe....aber auch da kam von verschiedenen Seiten der Hinweis, dass meine Schwester das doch nicht kann - aber da bleibe ich hart...wenn sie saufen kann und eh jeden Tag bei meiner Mum "auf ein Bier" vorbeischaut, kann sie ihr auch mal was einkaufen und ihr sonst auch helfen.

Zitat:
du musst nicht stark sein


Aber genau das wird von mir seit meiner Kindheit erwartet ....gar nicht so leicht, das abzulegen und Schwäche zuzulassen....
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MS hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben
summerdream
Moderatorin
Moderatorin


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Beiträge: 6713

BeitragVerfasst am: 07.08.2007, 01:15    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hey ms

Zitat:
immerhin steht jetzt fest, dass sie in die Psychiatrie kommt - seltsames Gefühl, sich über sowas zu freuen...

seltsam ja, aber nur allzu verständlich. naja, ich hab ja mal die polizei gerufen, in der hoffnung das meine mutter dann eingewiesen wird. zumindest wurde mir von einer bekannten gesagt, das die das machen würde, da es bei ihr auch so war. wie sich danach herausgestellt hat, hat sie mir nicht die ganze wahrheit gesagt, bei ihr war es mitten in der nacht und sie war mim fön in der badewanne gestanden. also ein himmelweiter unterschied. was ich eigentlich sagen wollte, ich hätte damals nen luftsprung gemacht, wenn sie in die psychatrie gekommen wäre, inzwischen weiß ich, dass das auch nicht viel gebracht hätte. aber bei dir gehts ja auch darum, dass deine mutter operiert werden kann, das wird etz erstmal das wichtigste für die ärzte sein.

hm... ich hab mir inzwischen angewöhnt, bei sätzen die ich absolut nicht hören möchte, davon auszugehn, dass es von unwissenheit führt und nicht aus absicht mir weh zu tun. wenn ich mir darum auch noch gedanken machen würde, hilfe, wo wäre ich denn da???

hast du eigentlich schon bücher über kinder von alkoholikern gelesen? ich ehrlich gesagt noch nicht, aber vielen tut es gut. vielleicht wär des ja was für dich und könntest des buch ja auch deiner tante geben, vielleicht fällt es ihr dann leichter, deinen standpunkt zu verstehen, bevor du ewig mit ihr herumdiskutierst und vielleicht dann doch zu keinem ergebnis kommst.

das mit deiner freundin stell ich mir etz schwierig vor, ich denke du wirst dieses thema auch schon x-tausend mal mit ihr besprochen haben. ich befürchte du wirst sie nicht überzeugen können, aber glaub mir, du tust das richtige.

Zitat:
Aber genau das wird von mir seit meiner Kindheit erwartet ....gar nicht so leicht, das abzulegen und Schwäche zuzulassen....

das stell ich mir schwierig vor, auch wenn du eigentlich weißt, dass auch du nicht immer stark sein musst. aber das dann in die tat umzusetzen, das ist dann wieder ein anderes pflaster...
vielleicht kann dir da ein therapeut oder so helfen, vielleicht auch wir hier, ich selber kann dir da etz leider keinen rat geben, wie du das am besten angehst.

liebe grüße
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summerdream hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben
MS
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
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Beiträge: 326
Alter: 42
Wohnort: Oberbayern

BeitragVerfasst am: 07.08.2007, 10:03    Titel: Re: Sie leugnet immer noch... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo summerdream,

ja, irgendwie schon seltsam - Kinder die sich freuen wenn die Mütter in die Psychiatrie kommen oder sogar die Polizei wegen ihrer Sauferei rufen...sowas sollte es doch eigentlich nicht geben...

Das mit der Einweisung kann ich gut nachvollziehen - ich hatte ja auch gehofft, dass meiner Mum jetzt ein Betreuer zugewiesen wird....Pustekuchen - sie ist völlig klar, hat keine Demenz (obwohl sie immer alles vergisst oder hundertmal erzählt), keine Hirnveränderung...sie weiß genau, was um sie vorgeht - und lügt nur gezielt wegen ihrer Sauferei...und das ist kein Grund, für eine Entmündigung...

Die OP, ja, sie wäre wichtig...andererseits - da sie ihre Leber inzwischen völlig ruiniert hat, glaub ich eh nicht, dass sie noch lange lebt - bringt der Krebs sie nicht um, dann halt ihre Sauferei....schon seltsam - jahrelang war es für mich klar, dass sie sich irgendwann tot säuft und ich dachte, ich hätte das akzeptiert - jetzt, wo es durch die Worte des Arztes der von dem Leberschaden berichtete Realität geworden ist, sieht das ganz anders aus...ich akzeptiere es zwar, aber es tut weh...

Sie hat ja auch nie so getrunken, dass sie wirklich besoffen durch die Gegend getorkelt wäre...das hab ich zumindest nie mitgekriegt...sondern halt immer nur so, dass sie nach außen hin noch ziemlich gut funktioniert hat - nur an der Stimme hat man es gemerkt und daran dass sie schneller beleidigt, beleidigend oder aufbrausend wurde als in nüchternem Zustand...

Ja, das mit meiner Freundin ist schwierig - und nicht nur mit ihr...sie will das diskutieren, andere wollen es nicht hören - insgesamt bin ich jetzt dazu übergegangen, das Thema zu vermeiden...

Zum Glück hab ich jetzt euch gefunden - ihr lest nicht nur bereitwillig mein Geschwafel, ihr versteht auch, wie es mir geht Sehr glücklich

Von Unwissenheit gehe ich auch aus - aber noch tut es mir weh....ich hab mir jetzt 2 Selbsthilfebücher bestellt, denn je mehr ich lese, desto eher kann ich vielleicht alles verstehen...ich bin eben mehr der Typ der liest und versucht, selbst mit allem fertig zu werden - während ich mir bereitwillig den seelischen Müll anderer aufladen lasse und versuche, denen zu helfen....

Für meine Tante habe ich inzwischen einen unerwarteten Joker gefunden: eine Cousine, die viel mir ihr zusammen ist - und die mit ihren knapp 60 Jahren immer noch daran knabbert, dass ihr vor fast 30 Jahren verstorbener Vater Alkoholiker war...und die von ihrer Mutter immer noch Vorwürfe bekommt, weil sie ihren "armen Vater" damals erst in die Psychiatrie und dann ins Säuferheim gesteckt hat...sie hat mir auch angeboten, sie jederzeit anzurufen, wenn ich reden will - aber da sind Hemmschwellen:
1. hatte ich bisher praktisch keinen Kontakt zu ihr
2. das Bild meines Vaters im Verwandtenkreis...wenn ich mich ihr gegenüber öffne, dann kommen auch viele hässliche Sachen über ihn raus - ist es richtig und möglich, schlecht über jemanden zu reden, der seit 4 Jahren tot ist? Gegenüber Leuten, die ihn als nett in Erinnerung hatten?

Die Schwäche - die stellt sich inzwischen von ganz alleine ein...seufz...ich kann nicht mehr anders, als sie zuzulassen - momentan brechen Dämme, die ich als wirklich sicher betrachtet hatte...sogar mein Mann, der es hasst wenn ich heule, hat sich inzwischen an die Heulerei gewöhnt...sagt er zumindest

Eine Therapie - ja, die sollte ich wohl machen, aber da sind diese elenden Wartezeiten von bis zu 6 Monaten...und mein Mann ist der Meinung, nicht ich, sondern meine Mum und meine Schwester, würden ne Therapie brauchen...
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MS hat zum Thema: Re: Sie leugnet immer noch... geschrieben

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