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Angstattacken, Panikattacken

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Rainer
Gast






BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 02:51    Titel: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

ich lese hier immer wieder von Angstzuständen, Angstattacken, Panikattacken, kann mir da aber nichts drunter vorstellen.

Was fühlt man bei diesen Attacken? Wovor hat man Angst?
Wie lange halten solche Zustände an?
Wie kann man diese Attacken bewältigen?
Wie wirkt sich der Alkohol auf diese Zustände aus? Lindernd oder verstärkend?
Was ist zuerst da? Die Angst oder der Alkohol?


liebe Grüße,

Rainer
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Rainer hat zum Thema: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
Käthe
aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 14.04.2005
Beiträge: 539
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 09:10    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Rainer,

ich versuchs mal in Kürze

Zitat:
Wovor hat man Angst?


Das ist unterschiedlich. Viele Menschen haben Angst zu sterben oder tödliche Krankheiten zu bekommen. Ich persönlich bin soziophob. Ich habe dann Angst vor Menschen.
Ich fühle mich beobachtet, angestarrt, verurteilt.
Ich bekomme Angst die Kontrolle über mich zu verlieren.
Herzrasen, Schweissausbrüche unkontrolliertes Zitterm, ich habe das Gefühl gleich ohnmächtig zu werden.............

Glaub mir, es ist der Horror pur, das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht.
Bei mir war es nachher so schlimm, dass ich schon Angst davor bekam Angst zu bekommen...................

Zitat:
Wie lange halten solche Zustände an?


Auch sehr unterschiedlich, aber sie wirken lange nach.

Im Schlimmsten Fall (ich kann hier zur von Sozialphobie reden) gibst es Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können vor Angst.

Zitat:
Wie kann man diese Attacken bewältigen?


Kurzfristig duch eine Art autogenes Training (bei mir selbstgebastelt Smilie )
ruhig atmen, sich selbst gut zureden versuchen nicht zu denken. Ich hab oft im Kopf ganz laut gesungen um alles andere abzuschalten.
Ich habe auch viel in einem Forum für Sozialphobiker gelesen.

Langfristig hab ich schon von selbst eine Art Konfrontations Therapie gebastelt. kurz:" der Angst nich aus dem Weg gehen, sich ihr stellen, aber am wichtigsten war, ich hab aufgehört zu trinken!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
später hab ich dann von meiner Therapeutin (in der Alkoholtherapie) Aufgaben gestellt bekommen. z.B. alleine Einkaufen gehen, Strassenbahn fahren, duch die Stadt bummeln. Hab dafür sogar Extra Ausgang bekommen, so ne Art Sonderurlaub Lachen )

Zitat:
Wie wirkt sich der Alkohol auf diese Zustände aus? Lindernd oder verstärkend?


Leider beides, erst hilft er kurzfristig, dann kommen die Ängste noch stärker wieder. Du gerätst in eine "Endlosschleife" bis ohne Alkohol garnichts mehr geht.

Zitat:
Was ist zuerst da? Die Angst oder der Alkohol?


Wie war das mit dem ei und dem Huhn????
Ich weiss es nicht. Persönlich glaube ich, dass die Angst schon vor dem Alkohol latent vorhanden ist und oft erst durch den Alkohol ausbricht.

Statistisch gesehen ist nicht jeder Mensch der Angststörungen hat Alkoholiker, aber über 60% (wenn ich die Zahl noch richtig im Kopf habe) der Alkoholiker hat Angstzustände.

Zum Schluss, ich werde diese Macke in meiner Psyche wohl mein Leben lang behalten, aber ich habe gelernt sie mich nicht beherrschen zu lassen.
So lange ich nicht trinke stehen die Chancen gut ein (fast) angstfreies Leben zu haben Sehr glücklich

Käthe
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Käthe hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
Käthe
aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 14.04.2005
Beiträge: 539
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 09:15    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Nachtrag:

Lies mal mein Gedicht für Simone,

vielleicht kannst Du dann ein klein wenig nachempfinden wie ich mich gefühlt habe

Käthe
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Käthe hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
Simone
Gast






BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 10:53    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Kompliment Käthe

Hast Du gut beschrieben,das ist wie ein Kreislauf die Angst vor der Angst
Ich denke diese Panik ist bei vielen Menschen anders.
Ich habe nie was getrunken,und wie aus heiterem Himmel kam die
war grad beim einkaufen,mir wurde ganz schwindlig hatte Herzrasen bekam kaum noch Luft,ja ich dachte nun fall ich um,ich habe den Einkaufswagen stehen lassen bin zum Auto gerannt,im Auto wurde es dann besser.

Ja dachte ich wird der Kreislauf gewesen sein,hatte dazumal sehr viel
gearbeitet, wenig geschlafen.
Dann ging es richtig los,diese Attacken wurden immer länger und
extremer
ich ging von einem Arzt zum anderen,es wurde alles untersucht 100te
male jeder sagte das selbe,sie sind gesund!

Ich bin mir richtig blöd vorgekommen,dann sah ich im TV eine Sendung
da war ein US- Amerikaner,hey dachte ich der erzählt ja meine Geschichte
von da an hatte meine "Krankheit" einen Namen

Ich habe dann bei dem Sender angerufen,und habe gebeten,ob der
Amerikaner Kontakt aufnehmen würde mit mir.

Er hat mich angerufen,dem Menschen werde ich immer dankbar sein
er sagte zu mir wenn diese Todesangst kommt,kämpfe dagegen an
sag komm nur du schei$$ Angst, mal sehen wer stärker ist, Du oder
ich....

Habe dann die Entspannungsübungen gelernt usw,muss abkürzen
Jedenfalls klopft sie manchmal an,finde ich gar nicht mehr negativ
denn dann weis ich, aber hallo pass auf du hast dich überfordert

ich weis nur dass es bei mir durch traumatische Erlebnisse in der
Kindheit gekommen sind,aber diese Türe bleibt für immer zu!!
Weil ich jetzt lebe!!!

Simone
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Simone hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
Käthe
aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 14.04.2005
Beiträge: 539
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 11:58    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich hab da mal ein Erlebnis gehabt, dass mich tief beindruckt hat.

Es war wärend meines Langen Klinikaufenthalts, noch ganz am Anfang in der Entgiftung.

Au dem Klinikgelände ist ein Cafe, es war Wochenende, schönes wetter und Wir, die Alkirunde sass draussen.

Am Tisch nebenan sass eine Frau, schon etwas älter mit sehr leblosem Gesicht. Total starr.

Während wir so rumalberten guckte ich rüber und sah wie sie sich irgendwie veränderte, als wenn sie alle Kraft zusammennehmen würde.

Plötzlich hat sie dann ganz laut losgeschrieen " Ich habe Angst!"

Boahh, ich kann garnicht schildern, wie ich mich gefühlt habe. Das ging mir total durchunddurch.

Als ich mich grade entschlossen hatt zu ihr zu gehen war schon jemand anderer da. Ich bin dann sitzen geblieben und hab sie irgendwie darum beneidet das getan zu haben.

Käthe
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Käthe hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
chrissyta
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.03.2005
Beiträge: 1053
Wohnort: BW

BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 12:27    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo,

ich kann mich euch beiden nur anschliessen, käthe besser hätte ich es auch nicht erklären können, es kann halt niemand nachvollziehen der diese angst noch nie erlebt hat, ist genauso wie ein nicht alkoholiker sich schwer in einen alkoholiker reinversetzen kann.

bei mir brachen diese attacken 6 wochen nach einem schockerlebnis ganz plötzlich im büro am schreibtisch aus. ich war so erschrocken, denn das kam von einem moment auf den anderen ohne vorwarnung. bin auch wie du simone von arzt zu arzt gelaufen. habe dann bei einer therapeutin die in amerika studiert hat jahre später eine verhaltenstherapie gemacht, bis dahin habe ich versucht mich selbst zu therapieren. habe die orte aufgesucht die mir probleme bereiteten, mich der angst zu stellen. ich weiss nicht mehr wie oft ich bei diesen selbstversuchen aus dem kaufhaus gelaufen bin, aus der strassenbahn ausgestiegen bin und eine weite strecke zu fuss in kauf genommen habe, mitten bei der arbeit zum arzt gelaufen bin, es war so schlimm, dass ich beim arzt isoptin gespritzt bekommen habe weil mein herz total aus dem takt war.

in dieser phase setzte ich den alkohol geziehlt ein und das war ein grosser fehler.

auch mir wurde gesagt der schock hat dieses nur ausgelöst, die ursache liegt tiefer, aber auch ich werde diese tür zulassen, denn ich lebe heute und ändern tuts an der sache nichts mehr.

die verhaltenstherapie und das nicht mehr trinken haben mir geholfen. ich hatte meine letzte heftige panikattacke einige monate nach der trennung von meinem mann zu der zeit hatte ich auch meine schlimmste alkoholphase und das war 2000 seitdem bin ich davon verschont geblieben. auch ich habe gelernt damit umzugehen, diese brutale angst mit herzrasen, zittern und ohnmachtsgefühlen soll mich nie wieder beherrschen.

gruss
chrissyta
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chrissyta hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
Simone
Gast






BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 13:27    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ja chrissyta

Genauso war es auch bei mir,diese Herzrrhytmussstörungen waren
extrem,die Ärzte in Österreich die hatten leider dazumal keine
Erfahrungen,ich bekam Tabletten,damit mein Herz wieder in Takt
kam und jede Menge Tabletten zur Beruhigung,deshalb wurde ich
ja Abhängig, jahrelang nahm ich diese schei$$ Dinger

Ich war sogar in der Uniklinik dachte die werden mir doch helfen
können auf der Psychiatrie,dachte ich aber nur als ich in der
Klinik eine heftige Panikattacke hatte kam der Chefarzt zu mir
und meinte: Simone du brauchst keine Angst haben,die Türe
ist ja geschlossen,na super da wusste ich die haben keine Ahnung

Bin dann am nächsten Tag nach Hause, und habe mich der Angst auch
gestellt war schon oft sehr peinlich,man sitzt in einem Lokal bestellt
grad das Esssen und schwupps da war die Attacke,habe immer
schnell Geld hingelegt,und bin rausgerannt...

Habe dann versucht den Kellnern es zu erklären,aber die konnten
mich nicht verstehen,heute ist das alles nicht mehr wichtig

Nun gibt es ja auch in Österreich Spezialisten
Und ich bin froh dass ich ohne Tabletten wieder leben kann
weil dieser Entzug der war sehr heftig.... deshalb kann ich mich
in die Alkoholiker reinfühlen ich brauchte auch immer mehr....

LG Simone
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Simone hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben
Bommi
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 16.08.2005
Beiträge: 15
Wohnort: Unterhaching

BeitragVerfasst am: 20.08.2005, 22:06    Titel: Re: Angstattacken, Panikattacken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ihr habt das wirklich super beschrieben. Bei mir ist es nur so, dass eindeutig zuerst der Alkohol da war. Nach heftigen Feiern am Wochenende ging ich früher Sonntag Abends gerne zum Eishockey. Damals hatte ich nach einer durchzechten Nacht noch überhaupt kein Verlangen weiter zu trinken. Das Fest war aus und fertig. Plötzlich traf es mich dann irgendwann im Stadion wie aus heiterem Himmel. Ich nannte es damals noch spasseshalber einen" UUII ". Das rief ich nämlich in dem Moment aus als es über mich hereinbrach. Plötzliches Herzrasen, unkontrolliertes Reissen und das Gefühl jeden Moment ohnmächtig zu werden. Meine Freunde hatten damals noch Spass an meinem UUII und ich konnte es überhaupt nicht einordnen. Dann passierte der entscheidende Fehler, dass ich mir ein Bier holte und feststellte das es mir hilft. Ich wurde ruhiger und diese Panik war wie weggeblasen. Seit diesem Abend ist das in meinem Hirn abgespeichert und wird bei Angstzuständen sofort aufgerufen. Ich stelle mich inzwischen der Angst und gehe nichts aus dem Weg. Letzte Woche hatte ich nach 14 Monaten Trockenheit wieder eine erste massive Attacke und hatte sofort den Alkohol im Kopf . Man steht anschliessend wie unter Schock weil man es nichts und niemanden zuordnen kann. Meine ursrünglichen Angstattacken ordne ich inzwischen als erste Entzugserscheinungen ein, die sich dann im Laufe der Jahre gesteigert haben. Um sie gar nicht mehr zuzulassen habe ich meine Trinkphasen immer mehr verlängert. Ich persönlich glaube, dass das Gehirn nach und nach versucht durch das Unterbewusstsein einen Zustand zu erzeugen den es lange nicht mehr hatte. Im Unterbewusstsein sitzt ja der Alkohol und lauert. Der kranke Teil (durch Alkohol)des Gehirns versucht dadurch künstlich das Suchtverhalten auszulösen. Man muss den gesunden Teil des Gehirnes dagegen einsetzen. Das kann eine bestimmte Atemtechnik sein oder einfach ein schnelles Gespräch (Hilferuf) mit einer Vertrauensperson. Mir hilft offen damit umzugehen und sofort zu sagen was los ist. Mir fällt das in diesem Momenten nicht schwer, weil ich das Gefühl habe es geht um Leben un Tod. Denn in dem Moment einer Attacke glaubt man wirklich es geht jetzt zu Ende. Ich glaube das etwas ähnliches im Gehirn abläuft, wenn jemand zum Beispiel wegen einer Schnapspraline rückfällig wird. Das ist der Moment auf den unser "kranker Teil" im Gehirn so lange warten musste und jetzt versucht dieser Teil wieder alles in die Wege zu leiten um zu seinem "Recht" zu kommen. Nur das Wissen darüber und unser "gesunder Teil" des Gehirns können das verhindern. Das ist meine persönliche Theorie. Ich hoffe es ist einigermassen verständlich was ich meine.
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Bommi hat zum Thema: Re: Angstattacken, Panikattacken geschrieben

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