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Die ersten Schritte

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Melle
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 29.06.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 20.07.2007, 14:03    Titel: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich habe heute im Vorstellungbereich etwas zu mir geschrieben. Auch wenn es mir bange ist in einem offenen Bereich nun über mich zu reden, denke ich ist es erstmal schon ein Weg. Alles andere wird sich wohl später ergeben.

Ich bin für einen Platz zur Entgiftung am Montag angemeldet und dann teilstationär, ggf. nach einer Woche. Bis dahin ist noch viel Zeit.

Meinen Weg begann ich letzten Herbst, im Moment ist es für mich nicht begreifbar, wieso ich seitdem nochmals zum Alkohol griff. Mir erklärt es sich nur dadurch, dass ich das Leben außerhalb der Klinik, hier vor Ort, langsam neu erlernen muss. Weniger belastbar bin als ich mir zugestehe. Und das ich wahnsinnig schnell wieder in die Abhängigkeit rutsche. Das ist sowieso alles ein Wahnsinn. Als ich aus der Entwöhnungstherapie kam, habe ich Berlin wie ein Film erlebt. Hektisch, schnell. Es war anstrengend und ich sehnte mich nach Ruhe. Die notwendigen Pflichten erledigte ich ja auch, nur mehr war nicht drin. Ich bin sehr schnell wieder in einen Strudel aus Ansprüchen geraten, aus freundschaftlichen anfänglichen Hilfestellungen wurden Drucksituationen. Mein Umfeld versuchte mich zu kontrollieren und mich dazu zu bewegen, raus zu gehen, zu lachen.

Mir ist aber überhaupt nicht nach Lachen zumute. Und ich hatte auch nicht vor in mein altes Leben nun einfach nüchtern wieder einzutauchen. Ich hatte mich verändert, die Therapie war harte Arbeit und ich begreife sie als ein Meilenstein in meinem Leben. Eine Chance.
Ich wollte auch nicht nochmals mit Freunden brechen. Oder der Familie den Rücken kehren. Aber genau so kam es. Ich hielt diesen Druck, dieses funktionieren sollen nicht aus. Ich trank auch nicht deshalb wieder. Das war nur etwas, was mich belastete und ich wollte dies nicht. Ein Nein wurde selten akzeptiert.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, man erwischte mich bei Schuldgefühlen. Und einige Menschen wussten wie sie mich kriegen. Denn sie kannten diese Verhaltensweisen ja aus der nassen Zeit. Es gab mächtig üble Szenen mit meiner Schwester zb. Einmal platzte mir der Kragen und sowas ist Gift für mich. Ich ärgerte mich über mich selbst. Ich bekam ganze Hasstiraden ab an Schuldzuweisungen. Meine Mutter beschloss krank zu werden. Mein Ex-Freund kontrollierte mich.

Er ging zur selben Suchtberaterin wie ich. Ich muss dorthin, sie ist für meine Nachsorge zuständig. Er nicht. Erzählte mir das mal beiläufig. Weitere Angebote für Angehörige nahm er seltsamerweise nicht in Anspruch, anstelle dessen bekam ich einmal eine Mail, in der er mich fragte, ob ich ihn nicht einmal zu AA mitnehmen könnte.

Er war letzten Samstag sogar dort, um zu schauen, ob ich da war. Bevor ich kapierte, wieso er mich ständig fragt, zu welchen Meetings ich gehe, dauerte es. Ich versuchte ja schon auszuweichen. Ging auf andere, wo er nicht auch noch sein kann. Hier im Bezirk traut er sich denke ich nicht hin.
Dann wollte er ständig mit mir verreisen, damit ich Ruhe habe. Ich wollte das aber nicht, dass war mir viel zu gefährlich abhängig in einem kleinen Dorf zu sitzen, wissend er hat den Autoschlüssel.

Und es kam wie es kommen musste, am Sonntag legte ich auf, setzte ihn auf Spam. Ich brach nun nach der Therapie mit einem guten Freund, meinem Ex-Freund, meiner Schwester. Meine Mutter sah ich auch schon eine Weile nicht, wir sind gelegentlich in telefonischem Kontakt. Morgen muss ich ins Krankenhaus, sie wird heute operiert, Wirbelsäulenversteifung. Das schaffe ich noch. Bin dann nur froh raus zu sein. Kein Telefon.

Ich komme mir schäbig vor so egoistisch sein zu müssen. Aber ich kenne keinen anderen Weg um diese Krankheit nicht wieder erblühen zu lassen und daran ggf. zu krepieren. Ich bin körperlich sofort abhängig, vielleicht könnte ich noch ein Bier stehen lassen, aber das halte ich für eine Illusion. Kontrolliert zu trinken geht bei mir nicht. Und ich bin inzwischen, wie viele andere Alkoholiker in der Genesung, rezividierend depressiv diagnostiziert. Meine Gedankenwelt war schon bevor ich wieder zur Flasche griff dunkel. Ich wünschte mir es seie nicht so, kenne da aber auch keinen anderen Weg als Geduld. Und Mechanismen, die ich erlernt habe. Eine Tagesstruktur usw.

Den Griff nun bereue ich zutiefst, nutzt nur nichts im Moment. Reue ist wohl jetzt nicht angebracht.

Ich packe jetzt erstmal meine Tasche neu, gehe die Wäsche durch und höre Musik. Das Schreiben hilft.

Danke fürs zulesen.
Melle

P.S.: Tipps wie ihr zurecht kommt, wären schön.

P.p.S.: AA findet mich spätestens Montag wieder im Krankenhaus, dann ist Vorstellung dort. Ich bin schon beim letzten Mal fast im Boden versunken. Kannte alle sechs Menschen dort, teilweise mögend. Die haben Kraft und ich Scham. Mist!
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Melle hat zum Thema: Die ersten Schritte geschrieben
abendstern
Gast






BeitragVerfasst am: 20.07.2007, 14:59    Titel: Re: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melle,

herzlich Willkommen hier, ich bin auch erst kurz dabei und kann somit keine tollen Ratschläge geben. Aber vielleicht hilft es dir trotzdem.

Ich habe Deinen Beitrag mehrmals gelesen und etwas sacken lassen.
Hieüber bin ich gestolpert:

Zitat:
Die haben Kraft und ich Scham. Mist!


Wie ich das erlesen hast du doch einige Kraft in dir, und außerdem ist
Scham in meinen Augen nichts schlechtes, zeigt uns dieses Gefühl doch
das wir noch nicht komplett abgestumpft sind.

Du hast Bedenken das Du zu egoistisch bist. Warum?

Mir wird hier regelmäßig geraten, dass ich einen gesunden Egoismus
entwickeln soll, damit die Trockenheitsarbeit auf Dauer auch Erfolg hat.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und viel, viel Glück!!!
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abendstern hat zum Thema: Re: Die ersten Schritte geschrieben
Bernd G
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.11.2006
Beiträge: 1101
Alter: 57
Wohnort: Waldbronn

BeitragVerfasst am: 20.07.2007, 15:08    Titel: Re: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melle !

Warum so pessimistisch ? Bist doch auf dem richtigen Weg.
Aber solange Du dich für deine Krankheit schämst wird das wohl nichts. Nehm sie an und dann kanst Du trocken gut damit leben.
Den " general Tip " habe ich leider auch nicht, ich muss mich ständig beschäftigen und mir kleine Ziele setzen. An die ich mich dann konsequent halte.

Viele Grüsse von Bernd
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Bernd G hat zum Thema: Re: Die ersten Schritte geschrieben
kommal
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 6843
Alter: 59
Wohnort: Niederrhein

BeitragVerfasst am: 20.07.2007, 16:57    Titel: Scham? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melle,

Du hast Therapie gemacht und bist danach in ein emotionales Minenfeld geraten. Du gehst diesen Weg schon länger und bist Dir deiner Krankheit bewußt. Rückfall- das ist keine Katastrophe hab ich immer gehört. Das ist auch so, aber natürlich habe ich auch Angst davor und für mich wär´s ne Katastrophe., ich glaube wegen der Riesenenttäuschung über mich selbst.
Vielleicht hilft es Dir, wenn Du dir einmal deine Tagesberichte aus der Therapie zu Gemüte führst. Die hast Du hoffentlich noch. Da sollten sich doch Hinweise für dich finden, worauf du gucken mußt.
Für die nächste Zeit hast Du ja auch schon einen Fahrplan, von dem Du einige Stationen kennst. Das sollte Dir die Angst nehmen und damit auch deine Scham!!! Ausrufezeichen
Mach Dir deine Erfahrung zunutze, arbeite damit und zwar nur für DICH! Das hat absolut nichts mit Egoismmus zu tun, sondern mit deinem Leben!!! Ausrufezeichen

LG kommal
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kommal hat zum Thema: Scham? geschrieben
sweety15
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.02.2007
Beiträge: 372
Alter: 70
Wohnort: Norddeutschland

BeitragVerfasst am: 21.07.2007, 12:45    Titel: Re: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melle,

Schuldgefühle - die hatte ich immer und immer wieder. Immer und immer wieder bin ich rückfällig geworden.
Ich hatte meine Gefühlswelt von meinem Umfeld so abhängig gemacht, dass ich gar nicht mehr ich selbst war.
Ich funktionierte einfach, mein Bestreben war, immer besser zu werden, den anderen zu gefallen, bloß nicht anzuecken.

Nach meinem letzten Absturz fand ich nach und nach (mit professioneller Hilfe) wieder zu mir selbst.
Es war ein harter Weg, aber er hat sich gelohnt.
Meine Trockenheit steht für mich an erster Stelle.
alles Andere kommt danach.
Natürlich bin ich nicht immer "pflegeleicht", aber ich denke, mein Egoismus ist gesund. Sonst würde es mir nicht so gut gehen.
Liebe Grüße
Sweety
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sweety15 hat zum Thema: Re: Die ersten Schritte geschrieben
Melle
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 29.06.2007
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 21.07.2007, 13:14    Titel: Re: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke für eure Worte, ja die Schuldgefühle sitzen tief. Der springende Punkt dabei ist aber und bleibt es, dass mich Menschen, denen ich jahrelang vertraute immer wieder auflaufen lassen. Die Aufarbeitung in der Therapie habe ich geschafft, hier vor Ort will aber eben keiner dieser Menschen meine Veränderung respektieren.

Ich bekam heute schon wieder eine Mail von meinem Ex, er schreibt gerne dann unter anderen Adressen. "Hi Schnulli" ... schreibt er.

Ich empfinde sowas als Übergriff auf meine Rechte und bin nun nach 15 Jahren wirklich am überlegen sowas mal einem Anwalt vorzulegen. Meiner Ansicht nach ist dies Psychoterror. Meine Therapeutin riet mir ja, niemals mehr zu antworten, nicht einmal solche Mails zu öffnen. Ich haderte heute eine Stunde mit mir. Er macht das aus einem Grund. Ich weiß das. Er will mich reizen.

Ich bin kurz davor ihm an die Gurgel zu springen. Habe jetzt eine Freundin eingeschaltet, ich hoffe es bringt was. Ich weigere mich mir das noch länger anzutun.
Und ich habe Angst, dass er wieder in der Psychatrie stehen wird, anruft.
Er geht ja nicht von alleine. Er wirkt freundlich, keiner kommt nur ansatzweise auf die Idee, welchem Stress ich ausgesetzt bin, wenn dieser Mensch auftaucht. Er belästigt mich seit zwanzig Jahren. Schon in meiner ersten Beziehung.

Das klingt wie ein Kitschroman, aber es ist wirklich die Realität. Und ich fühle mich eingeengt, mir fehlt die Luft zum Atmen. Der ist krank. Ich schaue mich auf der Straße um, er beobachtet mich manchmal. Das weiß ich. Wie soll ich denn mit solchem Background zufrieden nüchtern leben?
Melle
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Melle hat zum Thema: Re: Die ersten Schritte geschrieben
abendstern
Gast






BeitragVerfasst am: 21.07.2007, 13:26    Titel: Re: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melle,

die Idee mit dem Anwalt finde ich gar nicht mal so schlecht, hört sich ja schon sehr nach Stalking an.

Kannst Du nicht Deine E-Mail Adresse ändern, die meisten Anbieter, geben doch je Account meistens mehrere Adressen kostenlos?

Du könntest auch versuchen den Absender zu blocken, dann kommst Du
erst gar nicht in Versuchung diese Mails zu öffnen.
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abendstern hat zum Thema: Re: Die ersten Schritte geschrieben
kommal
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.06.2007
Beiträge: 6843
Alter: 59
Wohnort: Niederrhein

BeitragVerfasst am: 21.07.2007, 14:03    Titel: Re: Die ersten Schritte Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melle,

klar ist, dass Du was tun musst, sonst kriegst Du keine Ruhe vor dem Typen. Mit den Augen rollen

Besorg Dir eine neue e-mail Adresse, das kostet nix und lass die alte zum Sammeln von Beweisen offen. Speichern der mails nicht vergessen. Und schau dass Du Hilfe bekommst!- Vielleicht kannst Du die mails dann ja auch zu deinem Anwalt umleiten, wär doch ne Lösung (?).

Viel Erfolg!!!

LG kommal
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kommal hat zum Thema: Re: Die ersten Schritte geschrieben

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