| Hilfe, ich bin selbst schon aggressiv!!!! • Immer aussichtslos? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Schwester39 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.07.2007 Beiträge: 5 Wohnort: Oberbayern
|
Verfasst am: 04.07.2007, 11:37 Titel: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat |
|
|
Hallo zusammen,
ich wende mich an Euch, da ich sonst niemanden habe mit dem ich darüber sprechen kann.
Mein Bruder (50 Jahre) rief mich gestern Nachmittag an und teilte mir mit, dass ihm sein Job gekündigt wurde. Eigentlich nicht überraschend, auch er hat damit gerechnet da ihm sein Chef schon auf sein Trinken angesprochen hatte und ihm auch schon einen Entzug ermöglicht hatte – allerdings „nur für 3 Wochen“ ohne Therapie im Anschluss. Das war im April diesen Jahres.
Letztes Jahr im Oktober hatte mein Bruder auch schon einen Entzug – für 1e Woche, mit anschliessender Kunst-Therapie.
Um es kurz zu machen, mein Bruder trinkt schon bestimmt seit 15 Jahren, nur ist es seit Oktober letzten Jahres extremer geworden, dass er auch harte Sachen trinkt. Seine 2. Frau hat ihn jetzt auch verlassen, mein Bruder ist sehr depressiv geworden.
Mein Bruder hat zwei Schicksalsschläge nie verarbeitet und nie verkraftet. Der Eine war, dass er mit 7 Jahren mit ansehen und erleben musste wie sein (und mein) damaliger Bruder (er war 4,5 Jahre alt) sich von seiner Hand losriss und auf die Straße lief und von einem Auto erfasst wurde. Mein kleiner Bruder starb unmittelbar an der Unfallstelle und mein großer Bruder hat dies mit ansehen müssen.
Der zweite Schicksalsschlag war, dass er „gute Miene zum bösen Spiel“ machen musste, als meine Mutter Krebs hatte und für sie keine Hoffnung mehr bestand. Auch hier hat mein Bruder alles allein ertragen müssen und wenn ich so wie gestern mit ihm telefoniere, dann sind diese beiden Themen so präsent bei ihm als wäre dies gestern geschehen.
Was ich nur deutlich machen möchte in diesem Schreiben ist, dass ich meinem Bruder helfen muss, möchte und werde. Er hat einen Haufen Schulden, keinen Job mehr, ist depressiv und trinkt bis zum Exzess ….. aber das Wichtigste was er mir gestern und die letzten Wochen mitgeteilt hat ist, dass er noch Hoffnung hat und dass er lieber heute als morgen eine Langzeittherapie machen möchte und hat sich schon eine Klinik in Bad Essen ausgesucht. Nur, nehmen die dort jeden an??? Kennt jemand diese Klinik?
Ich wohne leider 800 km weit weg von ihm, habe zwei kleine Kinder … ich weiß aber nicht, wie ich ihm so ad hoc helfen kann. Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn mir jemand einen Rat geben könnte.
Unsere andere Schwester macht es so, dass sie gar nicht mit meinem Bruder in Kontakt tritt. Sie meint, er müsse „am Boden kriechen“ bis er merkt was er zu tun hat. Ich bin aber der Meinung, dass mein Bruder dieses gerade tut.
Vielen Dank fürs Lesen und für Eure Geduld
Schwester39 |
|
| Nach oben |
|
| Schwester39 hat zum Thema: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat geschrieben
|
|
 |
Spedi Gast
|
Verfasst am: 04.07.2007, 11:57 Titel: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat |
|
|
Servus Schwester,
was Du hier schilderst ist eine alltägliche Situation unter Alkoholikern. Leider aber auch unter Angehörigen.
Du nimmst ihn in Schutz, rechtfertigst seinen Alkoholkonsum und willst ihm den Weg ebnen.
Sorry, so wird das nichts! Du bist auf dem besten Wege, ein Helfersyndrom oder sogar eine Co-Abhängigkeit zu entwickeln (wenn das nicht schon der Fall ist!).
Bitte nimm es mir ab wenn ich dir sage, Du kannst Deinem Bruder nicht die Arbeit an sich und das Wollen abnehmen.
Er muss von sich aus trocken werden wollen, und zwar ausschließlich für sich! Deine andere Schwester sieht das schon richtig: er muss seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht haben, und dann wird er sich um alles kümmern - Entgiftung, Arztbesuch, Therapie etc pp!!!
Ich kann dir nur wünschen, dass Du für Dich den Absprung aus dieser vermeintlichen Hilfesituation schaffst um ihn seinen Weg für sich gehen zu lassen!
LG
Spedi |
|
| Nach oben |
|
| Spedi hat zum Thema: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat geschrieben
|
|
 |
Schwester39 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.07.2007 Beiträge: 5 Wohnort: Oberbayern
|
Verfasst am: 04.07.2007, 12:48 Titel: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat |
|
|
Hallo Spedi,
vielen Dank für Dein Feedback, auch wenn ich es mit Tränen in den Augen gelesen habe.
Es wird schwer für mich das umzusetzen. Ich hatte gestern meinen Bruder gefragt, ob ich kommen soll und ihm helfen soll. Er verneinte dies verhement und meinte, dass er alles organisieren will.
Ist es denn trotzdem nicht gut, wenn ich mit ihm weiterhin telefoniere???
Ich weiß leider nicht, wo die Co-Abhängigkeit anfängt bzw. aufhört.
Vielleicht kannst Du mir dazu ebenfalls einen Tip geben?
Trotzdem vielen Dank noch mal für Deinen Beitrag.
LG
Schwester |
|
| Nach oben |
|
| Schwester39 hat zum Thema: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat geschrieben
|
|
 |
djinny neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.07.2007 Beiträge: 5
|
Verfasst am: 04.07.2007, 12:53 Titel: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat |
|
|
Hallo Schwester,
hier schreibt auch eine Schwester.Ich bin seit gestern angemeldet, bin aber noch nicht so weit gekommen die Geschichte meiner Schwester aufzuschreiben.
Mir geht es so wie dir, möchte auch aktiv helfen. In meinem Fall wohnt meine Schwester in meiner direkten Nähe und ich bekomme alles hautnah mit.
lg
Martina |
|
| Nach oben |
|
| djinny hat zum Thema: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat geschrieben
|
|
 |
Spedi Gast
|
Verfasst am: 04.07.2007, 14:59 Titel: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat |
|
|
Servus Schwester,
es spricht nichts dagegen, den Kontakt zu halten - so lange es Dir gut geht dabei.
Wenn er von sich aus sagt er möchte gewisse Dinge selbst organisieren, dann lass ihn das tun - macht er es wirklich, dann will er auch raus aus der Sucht. Macht er nichts und will Dich nur ruhig stellen, kannst Du ihm sowieso nicht helfen.
Die Co-Abhängigkeit ist m.E. genau so individuell wie die Sucht des Alkoholkranken. Gewisse Kennzeichen sind aber regelmässig mit dabei. So z.B. (ohne Vollständigkeit etc.)
- Verantwortung für den Suchtkranken zu übernehmen
- den Suchtkranken zwanghaft zu kontrollieren (seinen Konsum etc.)
- Selbstaufgabe / Selbstaufopferung
- "Hilfe" wider besseres Wissen
Schwester, lies' Dich hier mal durch den Angehörigen-Bereich, Du wirst sicher auf so manche Parallelen zu Deinem Fall stoßen. Und Du wirst sehen, Du bist nicht alleine. Es sind eine Menge Menschen hier, die Dein Schicksal teilen (und das Deines Bruders).
Ich wünsche Dir die Kraft, Dich rechtzeitig von Deinem Bruder abgrenzen zu können, bevor Du anfängst, unter seiner Sucht zu leiden.
LG
Spedi |
|
| Nach oben |
|
| Spedi hat zum Thema: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat geschrieben
|
|
 |
Schwester39 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.07.2007 Beiträge: 5 Wohnort: Oberbayern
|
Verfasst am: 29.12.2007, 15:01 Titel: benötige noch einmal einen Rat - DRINGEND! |
|
|
Hallo noch mal zusammen,
es geht immernoch um meinen Bruder - mein letzter Beitrag damals Anfang Juli 07 verfasst - der nach seiner Langzeittherapie von 4 Monaten sofort wieder anfing zu trinken. Anfang August kam mein Bruder erst einmal zu einem Entzug für 14 Tage und im Anschluss in eine - vom Ruf her sehr gute - Suchtklinik. Er hatte auch 4 Monate geschafft nix zu trinken, "raus" gekommen ist er am 12.12. und hat es eigentlich gleich wieder nicht geschafft irgendetwas umzusetzten, was er gelernt hat!!! Er schrieb mir kurz vor Weihnachten eine SMS mit ähnlichem Inhalt wie vor 6 Monaten - quasi das er keine Kraft mehr hat und nicht weiß wie es weitergehen soll.
Heute habe ich auch eine SMS erhalten mit einem "Hilferuf". Er bat mich seine Tochter anzurufen, damit sie ihn wieder und wieder in den A... tritt und ihm hilft Schreibkram (Arbeitsamtschreiben, Stromrechnungen zu überweisen etc.) zu erledigen, ach ja und den Abwasch in seiner Wohnung. Er hat die Kraft nicht mehr ......... wohl weil er trinkt.
Seine Tochter (meine Nichte) habe ich nicht angerufen, sie leidet, hat keinen Kontakt mehr zu ihm und weint sich die Augen aus. Meine Schwester ist schon lange mit ihm nicht mehr in Kontakt.
Nun meine Frage, soll ich ihm die Hilfe ganz verweigern? Soll ich ihn "fallenlassen"? Ich weiß, dass ich das schon einmal gefragt habe, aber allmählich fang ich auch an zu leiden, ich fühle mich - wie jetzt - leer und denke nur an ihn!
Wieso schafft er es nicht, wenigstens zu VERSUCHEN vom Alkohol wegzukommen?
Ich wäre so dankbar über jeden Rat!!!!! Wie soll ich mich ihm gegenüber verhalten?
Danke fürs lesen.
Liebe Grüße
Schwester39 |
|
| Nach oben |
|
| Schwester39 hat zum Thema: benötige noch einmal einen Rat - DRINGEND! geschrieben
|
|
 |
Angelina1 Gast
|
Verfasst am: 30.12.2007, 09:02 Titel: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat |
|
|
Hallo,
habe mich mal aufgerappelt, Dir was zu schreiben. Es kostet mich sehr viel Mühe, habe aber das dringende Bedürfnis, zu versuchen, Dir etwas unter die Arme zu greifen. Mir ging es ca. 20 Jahre lang ähnlich wie Dir. Ich (und meine Eltern) haben immer wieder versucht, meiner Schwester durch Beistand, "Hilfe", aufräumen ihrer Wohnung, Sachen entsorgen, die sich jahrelang ansammelten, Dinge für sie zu regeln, Ratschläge zu geben, zu helfen und sie zu unterstützen. Ich konnte nie verstehen, warum sie nicht so handelt, wie ich es ihr doch riet. Warum sie keine handfeste Therapie machte, warum sie sich keine echte Hilfe holte........Heute fühle ich mich noch genauso hilflos nachdem meine Schwester vor 9 Tagen im jungen Alter von knapp 46 Jahren an Leberzirrhose in meinen Armen gestorben ist. Heute hätte sie Geburtstag. Ein schlimmer Tag für mich, meine Eltern, ihren Mann, ihren Sohn.... Der einzige Trost, den ich habe ist, dass ich zwar versucht habe, ihr zu helfen, sie es aber nicht wollte. Erst als sie im Sterben lag, wollte sie alles anders machen, dann war es zu spät. Ihr Körper war am Ende. Sie hatte immer stur an ihrer Lebensart festgehalten, da konnte niemand was machen. Sie hat entschieden, dass sie so leben wollte. Was bleibt ist nur der unendliche Schmerz, sie leiden gesehen zu haben, der Verlust. Jede Veränderung hätte wirklich nur von ihr kommen können. - Das gleiche gilt für Deinen Bruder. Entweder er kommt auf die Beine und ziehts durch, was ich ihm von Herzen wünsche, oder er geht unter. Sorry, aber das ist die bittere Wahrheit. Liebe Grüße Angelina |
|
| Nach oben |
|
| Angelina1 hat zum Thema: Re: Mein Bruder braucht dringend Hilfe und ich einen Rat geschrieben
|
|
 |