| Denn sie wissen nicht, was sie tun... • Tochter sucht Hilfe - lorren1 |
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Nelly81 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2007 Beiträge: 288
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Verfasst am: 25.06.2007, 09:45 Titel: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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Hallo zusammen,
beim Lesen Eurer Beiträge hätte ich gerne schon viele Antworten geschrieben, weil ich das so nachvollziehen kann, wie ihr Euch fühlt.
Dachte mir aber, dass ich mich erstmal kurz vorstelle.
Auch ich bin Tochter einer Alkoholikerin, bin 25 Jahre alt und gemerkt habe ich es, als ich etwa 11 war.
Auch ich habe den ganzen Mist mitgemacht, früh den Haushalt mit übernommen, mich früh um meinen jüngeren Bruder gekümmert, Verantwortung übernommen für die Familie, weil meine Mutter "ausfiel", um es mal diplomatisch auszudrücken.
Leider hat meine Mutter ihren Frust über alles an mir ausgelassen und mir die Schuld an den ganzen Problemen gegeben. Sie schlug mich bis ich 19 war, erzählte Lügen über mich herum, was für eine schreckliche und faule und asoziale Tochter ich sei, die nur Probleme macht, zu mir sagte sie, ich sei eine einzige Enttäuschung usw. Ich versuchte, so gut es geht, die Wohnung etc in Ordnung zu halten, die zunehmend verwahrloste. Ich wurde zur Ersatzmutter meines Bruders, mein Vater sagte, ich solle mich um meinen Bruder kümmern, weil er ja eine weibliche Ersatz-Bezugsperson braucht. Das habe ich so gut es ging hinbekommen, habe mich um seine Schule gekümmert, und um den ganzen Rest auch, den das Leben so mit sich bringt, wie (Zahn-)Arztbesuche, Elternsprechtage, Tage der offenen Tür. Habe seine Hausaufgaben kontrolliert, Essen gekocht, wenn meine Mutter nicht konnte etc. Wenn sie kochte, waren meist nur drei Teller auf dem Tisch, obwohl wir zu viert waren. Mein Platz war leer.
Meine Mutter hasste mich und wurde auch eifersüchtig, weil sie glaubte, ich würde ihr alles wegnehmen. Für sie habe ich alles kaputtgemacht. Auch ihre Lügengeschichten waren für sie erfolgreich, dass Nachbarn etc. sich von mir distanzierten, wir wohnen in einem kleinen Dorf, und mit so einer asozialen wie mir wollte niemand mehr etwas zu tun haben. Mehrmals versuchte ich, mit meinen Großeltern zu sprechen, doch auch sie glaubten mir nicht.
Ihr Vater, also mein Großvater, war auch Alkoholiker. Er wurde vor einem Jahr schwer krank und kam ins Krankenhaus. Ich besuchte ihn regelmäßig. Kurz nach Neujahr besuchte ich ihn wieder, wir waren allein im Zimmer, er sagte, er wolle aufstehen, ich solle ihn stützen. Auf dem Weg zur Tür brach er in meinen Armen zusammen und starb. Er kam sofort auf die Intensivstation, aber er war bereits tot. Ich verbot mir, zu weinen, und rief telefonisch die Familie zusammen ins Krankenhaus. Alle kamen nacheinander, Oma, Mutter, Tante etc., und alle brachen nacheinander in meinen Armen zusammen. Ich tröstete alle, so gut es ging, und regelte alles, so gut es ging. Bis heute hat niemand gefragt, wie es mir dabei ging. Ich wurde später nur vorwurfsvoll angesprochen, dass ich Opas Tod ja wirklich locker weggesteckt hätte. Ich erwiderte nichts. Bis heute habe ich Alpträume, in denen mir mein sterbender Großvater aus den Armen rutscht, die Augen verdreht und das Gesicht verzerrt.
Letztes Jahr bekam meine Mutter Krebs und sie klammerte sich an mich, ich solle ihr helfen. So gut es ging, tat ich auch das. Aufgehört zu trinken hat sie bis heute nicht.
Ich wohne nicht mehr zu Hause, pendele aber, um „ein wenig“ zu helfen. Ich habe mich sehr von meiner Mutter distanziert, auch wenn ich ihr weiterhin helfe. Ich weiss, dass ich nicht viel tun kann, was den Alkohol angeht. Aber es ist alles so festgefahren und ich kann mit niemandem reden. Ich weiss nicht mal, ob meine Mutter mich liebt und ehrlich gesagt auch nicht, ob ich sie liebe!! Deswegen habe ich auch ein schlechtes Gewissen.
Heute habe ich Probleme mit Konflikten, vor allem mit meinem Partner. Bei einem Streit schweige ich einfach, nicht, weil ich beleidigt bin, sondern, weil ich einfach kein Wort herausbekomme. Es ist wie verhext! Mein Hals ist wie zugeschnürt. Das nervt ihn natürlich sehr. Dazu kommt, dass ich mich sofort angegriffen fühle und mich wertlos fühle, wenn ich kritisiert werde. Ich glaube, ich habe ein großes Problem mit dem Selbstwertgefühl. Ich kann meiner Mutter wohl nicht die alleinige Schuld daran geben, doch haben meine Probleme vielleicht damit zu tun, dass ich früher immer nur die „Enttäuschung“ oder eine „Belastung“ war und mir mein Dasein nur mit messbaren Leistungen verdienen durfte? Heute bin ich Perfektionistin, will alles perfekt machen. Sonst fühle ich mich nutzlos.
Entschuldigt diese unstrukturierte Geschichte, ich mache das hier heimlich, weil ich mich nicht mehr rechtfertigen will, dass ich damit immer noch Probleme habe, und muss meinen Text immer wieder neu anfangen.
Ich danke Euch fürs Lesen, das Schreiben hat wirklich gut getan, und ich hoffe, es war nicht zu lang. |
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| Nelly81 hat zum Thema: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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Larissa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.02.2007 Beiträge: 68
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Verfasst am: 26.06.2007, 00:53 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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Liebe Nelly,
deine Geschichte hat mich sehr berührt. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, wie du Dich fühlen mußt in dieser Situation. Ja und wie schwer es ist, aus dieser Rolle auszusteigen, die Du offensichtlich in Deiner Familie hast.
Welche Hilfe wünscht Du Dir? Und: Warum mußt Du heimlich schreiben?
Ich selber bin Tochter eines Alkoholikers und war in einer ähnlichen Rolle, die ich auch lange Zeit im Erwachsenenalter nicht habe ablegen können. Ich dachte, es sei meine Pflicht, für alle da zu sein und es fällt mir bis heute schwer, mich abzugrenzen.
Ja, heute möchte ich Dir erst einmal nur mein Mitgefühl ausdrücken.
Gruß
Larissa |
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| Larissa hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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summerdream Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.02.2007 Beiträge: 6713
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Verfasst am: 26.06.2007, 01:13 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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hi nelly
erstmal eins: du könntest ja deinen text immer wieder kopieren und solange du den pc net runterfährst, kannst ihn auch jederzeit wieder einfügen.
schön das du hier bist, hört sich ja echt bitter an dein "lebenslauf".
selbstwertgefühl ist schwer aufzubauen, solange dir immer wieder vor die nase gehalten bekommst, das du nix wert bist (i sags etz mal so drastisch).
das deine antwort perfektionismus war und wohl etz no is, is logisch. du möchtest ja alles richtig machen, damit du allen zeigen kannst, dass du es kannst und auch mal ein lob bekommst. nur komischerweise ist selbst das meistens net ausreichend
folglich hast du auch nach außen funktioniert als das mit deinem großvater passiert is. wie's dir eigentlich ging, konntest du net zeigen, aber ich vermute selbst wenn du's gemacht hättest, wären von deiner tollen familie so tolle sätze gekommen a la "du willst dich doch nur wichtig machen". sorry für meine direktheit.
| Zitat: | | Ich weiss nicht mal, ob meine Mutter mich liebt und ehrlich gesagt auch nicht, ob ich sie liebe!! Deswegen habe ich auch ein schlechtes Gewissen. |
ich weiß, das is etz locker flockig daher gesagt, aber ein schlechtes gewissen brauchst du wirklich net zu haben. mutter ist mehr sein als ein kind auf die welt zu bringen und das hat deine mutter net gmacht. im gegenteil sie hat dich von klein auf schikaniert, dich deutlich spüren lassen, dass sie dich net haben will (die drei teller auf dem tisch schocken mich etz wirklich). sie hat ihren part als mutter net mal ansatzweise erfüllt, du aber die rolle der tochter x-tausenmal mehr als du müsstest. da ist es dein gutes recht auf dich zu schaun, dich abzugrenzen, sonst wird es dich weiter und weiter nach unten ziehn.
hast du dir denn scho mal professionelle hilfe gesucht? und die frage von larissa bezüglich des heimlich schreibens würd mi etz au interessieren? du möchtest net zeigen, dass dir das alles immer noch nahe geht, warum net? weil du weiterhin nach außen dein leid nicht zeigen willst, angst hat, dass dich dein partner oder so nicht verstehen würden?
das wars etz erstmal, wäre schön bald mehr von dir zu hören.
bis dahin schick i dir ne ganz dolle umarmung
grüßle |
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| summerdream hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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Nelly81 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2007 Beiträge: 288
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Verfasst am: 26.06.2007, 08:21 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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Guten Morgen,
erstmal vielen vielen Dank für Eure verständnisvollen Antworten! Es tut gut, wenn einem mal geglaubt und man verstanden wird, das kenne ich so noch nicht!
Ja, ich mache das hier heimlich, weil ich es nicht so zeigen will, dass ich damit Probleme habe. Mein Freund glaubt mir die Geschichte zwar, kommt aber (zum Glück!) aus einer heilen Welt und kann es nicht nachvollziehen. Er sagt oft, es sei doch alles nicht so schlimm, weil sich meine Eltern vor ihm natürlich zusammenreissen, so wie vor allen anderen Freundinnen etc, die ich früher mal mitgebracht habe. Bis ich niemanden mehr mitbrachte. Die typische Antwort, die ich all die Jahre von allen hörte, wenn ich meiner Mutter gegenüber misstrauisch war: "Was hast Du denn, Deine Mutter ist doch total nett! Und dass man als Tochter im Haushalt mithilft, ist doch wohl normal."
Was ich mir von hier erhoffe ist, verstanden zu werden und Glauben zu finden. Und ich möchte an meinen Problemen, die ich nun mit mir selbst habe, etwas ändern, nämlich, Selbstbewusstsein aufzubauen und zu lernen, zu reden.
Ich halte eine Fassade aufrecht, die mein Freund natürlich durchschaut. Nach aussen bin ich normal, doch ich habe große Schwierigkeiten, mit Menschen zu reden.
So, nun schicke ich mal ab, muss gleich los. Ich könnte noch soviel schreiben, aber ich will Euch auch nicht immer Romane von mir zumuten.... Danke, dass ich mir zugehört habt! |
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| Nelly81 hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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Nelly81 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.06.2007 Beiträge: 288
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Verfasst am: 26.06.2007, 10:44 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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Ich noch mal… Ich habe beim Lesen der anderen Beiträge gemerkt, dass es noch etwas gibt, was ich hier möchte, wenn ich meine Geschichte erzählt habe (es gibt noch so viele Situationen, die mich heute noch belasten, und die ich gerne einmal loswerden würde…) nämlich, vielleicht anderen etwas zu geben oder zuzuhören. Oder vielleicht Mut zu machen, ich habe mich ja auch so gut es geht freigekämpft und habe nicht aufgegeben.
Es ist schwer, zu sagen, bis hierhin und nicht weiter, dies ist mein Leben, und das ist Dein Leben. Wie viele hier kann ich es schlecht mit ansehen, wie das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, zunehmend verwahrlost, verschimmelt, verrottet, niemand mehr mit dem Hund geht… Zu sehen, wie meine Mutter trotz eines Körpergewichts von unter 50 kg noch wahllos Diätpillen in sich hineinstopft, sich bis über alle Maßen täglich betrinkt und ohne Rücksicht auf ihre Krebskrankheit weiter solch einen Raubbau an sich betreibt. Gespräche mit ihr über sie bzw. ihre gleichgültige Haltung gegenüber allem sind fast nicht möglich.
Manchmal vermute ich fast eine Art Schizophrenie oder so etwas bei ihr. Wenn sie mich schlug, hatte sie einen richtig irren Blick drauf, hat mich mit weit aufgerissenen Augen angestarrt und wie wahnsinnig unkontrolliert auf mich eingeschlagen. Sie schlug allerdings nie so zu, dass man es in meinem Gesicht sah. Sie schlug meist auf den Kopf oder Hintekopf oder Hals abwärts. Somit wurde der Schein gewahrt. Ich verlernte mit der Zeit, zu weinen. Denn wenn ich weinte, verhöhnte sie mich und sagte immer wieder „schwach bist Du, einfach nur schwach. Sieh Dich doch an!“ In ihren Augen war Weinen eine Schwäche, und somit lernte ich, nicht mehr zu weinen. Ich weinte selbst nicht bei Opas Tod, obwohl ich ihn sehr liebte, deswegen habe ich auch ein schlechtes Gewissen, denn er fehlt mir, doch ich kann nicht weinen!
Übrigens schlug sie auch meinen Vater, so absurd das klingt, denn er ist bei Weitem größer und stärker als sie. Er wehrte zwar ihre Angriffe ab, schlug aber nicht zurück. Er war hilflos, sagte oft, er könne doch seine eigene Frau nicht zurückschlagen. Sie war wie wahnsinnig, mit starren Augen und wüsten Beschimpfungen, die echt unter die Gürtellinie gehen, ging sie auf einen los. Manchmal habe ich morgens im Bad gesehen, wie er sich die blutig gekratzten Arme abwusch und den Schlafanzug wechselte, den sie zerrissen hatte. Sie drehte nachts oft völlig durch und fing wie wild an, meinen Vater zu schlagen und zu kratzen, während dieser schlief!
Ich saß oft nachts auf der Treppe und habe zugehört, wie sie stritten und wie sie ihn schlug. Oft weckte mich mein Hund oder mein weinender Bruder. Arm in Arm bzw. Pfote (!) saßen wir auf der Treppe. Selbst dem Hund wurde es zuviel und er übergab sich regelmäßig, wenn es wieder losging. Einmal hat mein Vater sie zurückgeschlagen, und sie hatte am nächsten Tag ein blaues Auge. Als sie merkte, wie viel Mitleid ihr mit dem blauen Auge in der Verwandtschaft und bei Freunden entgegenkam, begann sie, überall zu verbreiten, mein Vater schlage sie. Alle glaubten ihr, und ich glaube, da fingen ihre Lügengeschichten so richtig an. Sie spielte die Rolle der perfekten Hausfrau und Mutter, der niemand dankt und von der sich jeder bedienen lässt. Einmal bekam ich mit, wie mein Vater gefragt wurde, wie es seiner Sklavin zu Hause geht. Ich glaube, sie gefiel sich in der Rolle des Opfers, die sie selbst schuf. Mit den Jahren verfestigten sich diese Geschichten, die natürlich nicht stimmen (!). Mein Vater versuchte jahrelang, einen Weg zu ihr zu finden, so wie wir alle, doch meine Mutter ist extrem aggressiv und so hat mein Vater es irgendwann aufgegeben und ist nur noch am Arbeiten.
Einmal bekam ich am Silvesterabend über 40 Grad Fieber, und meine Mutter warf mir vor, ich hätte mit Absicht ihr Silvester verderben wollen und das lasse sie sich von mir nicht bieten. Sie und auch mein Vater gingen feiern (sollen sie ja auch, aber ich hätte mich wenigstens über etwas zu trinken am Bett oder ein nettes Wort gefreut, stattdessen kam niemand). Um meinen Bruder kümmerte sie sich zum Glück, sie betonte oft, dass er ihr Liebling sei. Es gab somit ein weisses und ein schwarzes Schaf in der Familie. Ich hatte meinen Bruder mit der Grippe angesteckt, denn ein paar Tage nach Silvester bekam auch er an einem Samstag Abend so hohes Fieber, wie ich es hatte. Mit ihm fuhren meine Eltern ohne zu zögern zum Notarzt….
Wenn sie mich schlug, regte sich am nächsten Tag manchmal doch ihr Gewissen und sie ging mit mir einkaufen, wo ich neue Sachen bekam. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte, und nahm es schweigend hin. Klärende Gespräche oder Entschuldigungen gab es nicht. Ich glaubte manchmal schon, dass ich ihr zumindest nicht egal bin, aber Liebe im Sinne von wahrer Mutterliebe habe ich von ihr nicht bekommen und kenne ich auch nicht. Rebellionen meinerseits, egal welcher Art, brachten nur neue Schläge bzw. einschneidende Verbote, so dass ich ins Schweigen floh. Nach solchen Einkäufen war dann nur leider mein Vater wütend auf mich und warf mir vor, auf ihrer Seite zu sein, weil sie mich bestochen hätte und ich sei offensichtlich sehr bestechlich.
In unserer Familie gilt der Codex, keine Probleme anzusprechen und auch offensichtliche Lügen meiner Mutter nicht aufzudecken, denn sonst hat die ganze Familie darunter zu leiden. Es ist unglaublich, zu was sie fähig ist! Mein Vater ist selbstständig, und sie hat sich schamlos an seinem Firmenkonto bedient, Gelder verschwinden lassen, so dass er nun ein Strafverfahren am Wickel hat! Es wird nur ihre Wahrheit gelebt, an die sich jeder halten muss, auch wenn sie noch so verbogen wird. Jeder wird misstrauisch, wenn meine Mutter freundlich ist, denn dann weiss man, dass sie etwas ausheckt oder schon getan hat.
Warum sich mein Vater noch nicht von ihr getrennt hat? Das frage ich mich auch seit langem. Sie waren kurz davor, sich zu trennen, bzw. er wollte sich trennen, doch dann kam die Krebsdiagnose. Er sagt, er kann sie nicht allein lassen, denn dann landet sie mit ihrem Suff in der Gosse. Den Schein wahrt sie, kocht oft sonntags für die Oma mit und wir spielen heile Welt. Oma will von alledem nichts wissen, ich habe es versucht. Oma sieht dann nur, wie meine krebskranke Mutter in der Küche steht und von ihrer Tochter (also mir) keine Hilfe bekommt. Meine Mutter erzählt rum, dass ich nicht kochen könne und sowieso nicht so richtig fähig sei, einen Haushalt zu führen. Ich weiss noch, dass sie nie wollte, dass ich kochen lerne, denn dann würde ich etwas können, was sie kann, und das kann sie nicht leiden. Ich betrete aus Absicht nicht die Küche, wenn meine Mutter kocht, denn ich kann diese Lügengeschichten nicht mehr hören. Ich koche für die Familie, wenn niemand zu Besuch ist, denn wenn mal Besuch kommt, kocht sie und spielt weiter die Rolle der Sklavin.
Ich möchte gerne aus mir herauskommen können und mal unbeschwert sein. Ich habe immer das Gefühl, andere Leute zu belästigen, wenn ich den Mund aufmache. Mein Freund ist sehr offen, so wie seine ganze Familie auch, in der ich mich übrigens sehr wohl und willkommen fühle. Doch ich sage meist nichts! Ich werde oft gefragt, ob bei mir etwas nicht in Ordnung sei, ich sei den ganzen Tag/Abend so still gewesen und hätte nicht einen Satz gesagt. Das war mir dann nicht bewusst, ich nehme immer teil durch Beobachten, doch trage selbst nichts zu Gesprächen bei, was natürlich irgendwann auch negativ auffällt. Ich bewundere so viele Leute, die einfach sagen, was sie meinen und wollen und die dafür keinen „drauf“ kriegen. Meine Wortkargheit wird schon seit dem Teeniealter auch sehr oft als Arroganz ausgelegt, was mich trifft. Ich wüsste nicht, welchen Grund ich zur Arroganz hätte. Ich habe einfach gelernt, dass es niemand glaubt oder niemanden interessiert, was ich zu sagen habe, und ändern konnte ich durch Reden auch nichts, im Gegenteil, es wurde alles nur noch Schlimmer.
Ach, jetzt ist der Text schon wieder so lang geworden.. Ich hatte gerade eine halbe Stunde Zeit und ich merke, wie gut es tut, alles aufzuschreiben. Ich hoffe, die Menge an Text wird bald weniger, wenn ich hoffentlich alles mal gesagt habe.
Ich danke auch jetzt wieder fürs Lesen. Es tut einfach nur gut! |
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| Nelly81 hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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summerdream Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.02.2007 Beiträge: 6713
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Verfasst am: 27.06.2007, 00:06 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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hey nelly
weißt was mir so richtig an deinen texten auffällt? du schreibst echt gut, einfach und geordnet, es ist trotz der menge einfach zu lesen. wenn ich meine texte manchmal hinterher durchlese, komm i teilweise selber nimmi so ganz mit
da fallen mir spontan zwei dinge ein
schreibst du tagebuch oder gerne briefe oder versteckst du auch hier noch viele gefühle von dir?
du läßt zwischendurch durchblicken, wie es dir in bestimmten situationen ging, aber viel kommt rüber wie soll ich es sagen, hm... so fakten fakten fakten. verstehst wie i mein? falls ich damit ein kleines bißchen richtig liege, wünsch i dir, dass du dich auch mit der zeit auch traust, da einiges raus zu lassen, das geht net von heut auf morgen, das is mir klar, könnte mir auf jeden fall vorstellen, dass es dir auch gut tun würde.
ich muss zugeben vor deiner mutter hab ich insgeheim respekt. sie weiß jeden vorteil für sich zu nutzen, wie sie den schein aufrecht bewahren kann und wie sie kriegt, was sie haben möchte. traurig, denn hätte sie ihre zeit und energie sinnvoll genutzt, hätte sie wohl viel bewundernswertes erreichen können.
hm... das mit der arroganz kann ich teilweise scho nachvollziehn. aber es kommt halt auch immer auf die situation an. weiß etz aber net wie ich des erklären soll ohne nen ganzen roman zu schreiben
wie würdest du denn dein auftreten erklären z.b. bei begrüßungen oder wenn du jemanden vorgestellt wirst? lachst du dabei gerne den/diejenige an, gehst evtl. so schnell wie möglich weiter, schaust jemanden in die augen, und und und
triffst du eigentlich gerne entscheidungen oder überlaßt du das lieber anderen?
schade das mit deinen freundinnen und deinem freund, dass sie anscheinend nur das sehen wollen, was sie zu sehen bekommen. klar können sie es net ganz nachvollziehn, wie es dir geht, wenn sie es net kennen, aber ansatzweise in dich reinversetzen sollte ihnen doch scho möglich sein. und das du net irgendwelche lügen rumerzählst, soweit sollten sie dich doch eigentli scho kennen. gut dein freund glaubt dir, aber irgendwie hört es sich so an, als sieht er wohl kein problem für dich. vielleicht liegt es daran, dass du dich auch noch nie richtig geöffnet hast? is etz aber nur so ne vermutung von mir.
auch das du deinem freund net sagen willst, das du hier schreibst, finde ich traurig. vielleicht ist er ja auch froh drum, das du dir einen ort suchst, an dem du dich öffnen kannst. hab am anfang au net meinen freundinnen gesagt, das i hier schreib, inzwischen wissen es einige und die finden es glaub ganz gut. zumindest schimpft mi mei freundin net, wenn i zu nem treffen bissi zu spät komm und dann sag, sorry hab no was im forum gschrieben und hat dann doch bissi länger gedauert. sie fragt mich dann nur, ob bei mir alles ok is oder ob's nen bestimmten anlaß für mich gab, da zu schreiben. glaub sie is ganz froh drum, dass i hier zuflucht gefunden habe, da sie oft sagt, so richtig helfen kann sie mir doch net. vielleicht gehts ja deinem freund genauso. vielleicht bist du ja mal soweit, dass du es ihm sagst oder ihm vielleicht auch deinen thread einfach mal ausdruckst und ihm zu lesen gibst.
wie kommst du denn eigentlich mit deinem vater aus?
so das wars etz erstmal von mir, is glaub doch einiges geworden. freu mich bald wieder mehr von dir zu lesen.
grüßle |
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| summerdream hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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Larissa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.02.2007 Beiträge: 68
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Verfasst am: 27.06.2007, 00:32 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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Hi Nelly,
kann leider nicht auf alles eingehen, was Du geschrieben hast, aber ich bin schon ziemlich betroffen.
Was mich aber fast schon stellvertretend mit wütend macht ist die Verlogenheit Deiner Mutter, wie sie nach außen hin heile Welt spielt und Du zu allem Überfluß Probleme bekommst, Deine Wahrnehmung nach außen zu vertreten, weil Dir nicht geglaubt wird oder geglaubt wird, daß Du übertreibst.
Ich kenne das etwas aus meiner Familie, nur daß es bei uns nicht so dramatisch ist. Aber auch bei uns sieht nach außen alles so nett aus und ich komme mir dann mit meinen Gefühlen um so unverstandener vor bzw. zweifel dann gelegentlich immer noch selber an meiner Wahrnehmung.
Und ich glaube so etwas macht hilflos und stumm (natürlich zusätzlich zu allem anderen was Du geschrieben hast, wie Schläge usw.).
Was ich auch nicht verstehe ist das Verhalten Deines Vaters... daß er Dir auch noch Vorwürfe machen konnte.
Ja, was ich Dir auch gut nachempfinden kann und was besonders schmerzt wenn einem die eigenen Freunde und auch der Partner nicht so ganz glauben, weil das sind ja in so einem Fall doch die Menschen, die einem am nächsten stehen sollten. Das tut dann ja doppelt weh....
Ja, vielleicht kannst du auch etwas über Deine Gefühle schreiben, ich habe ja nur versucht, mich in Dich hineinzuversetzen, weil ich das (in einer etwas anderen Konstellation und auch nicht in so einem Ausmaß) selber erlebt habe und auch immer wieder noch erlebe.
So, jetzt bin ich zu müde zum weiter schreiben
alles Liebe
Larissa |
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| Larissa hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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Mona21 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.06.2007 Beiträge: 18 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 27.06.2007, 00:40 Titel: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs |
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| Nelly81 hat Folgendes geschrieben: | | ich nehme immer teil durch Beobachten, doch trage selbst nichts zu Gesprächen bei, was natürlich irgendwann auch negativ auffällt. Ich bewundere so viele Leute, die einfach sagen, was sie meinen und wollen und die dafür keinen „drauf“ kriegen. Meine Wortkargheit wird schon seit dem Teeniealter auch sehr oft als Arroganz ausgelegt, was mich trifft. Ich wüsste nicht, welchen Grund ich zur Arroganz hätte. Ich habe einfach gelernt, dass es niemand glaubt oder niemanden interessiert, was ich zu sagen habe, und ändern konnte ich durch Reden auch nichts, im Gegenteil, es wurde alles nur noch schlimmer. |
genauso ist es bei mir...ich habe auch noch das Problem, dass meine Zwillingsschwester sich trotz meiner In- und ihrer Extrovertiertheit immer zurückgesetzt fühlt...vor Eltern, Verwandten, Freunden, obwohl das gar nicht der Fall ist. Wenn ich einem von ihnen begegne ist immer die erste Frage "wo ist den Txxx.?" und ich fühle mich deshalb nicht beleidigt, ganz im Gegenteil
Ich kann Deine Situation also voll und ganz nachvollziehen und finde es toll, dass Du Dich auf den Weg begeben hast, etwas für Dich zu tun!!
Mach auf jeden Fall weiter da, wo Du jetzt bist...ich hoffe, ich komme auch noch dorthin. Der einzige Mensch, dem ich mich derzeit öffnen kann ist mein Freund......achja, und natürlich mein Bruder - aber der liebt meine Schwester auch so sehr, dass von ihm eigentlich eher wenig hilfreiches kommt.
LG
MONA |
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| Mona21 hat zum Thema: Re: Meine Mutter trinkt und hat Krebs geschrieben
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