| Rückfall-Vorbeugung • Suchtambulanz wirklich kompetent? |
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Blizzard aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.01.2007 Beiträge: 649 Alter: 32 Wohnort: München
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Verfasst am: 19.06.2007, 14:57 Titel: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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Hallo liebe Forumsgemeinde,
habe gestern im Vorstellungsbereich den Eintrag von Micha-Grophiusstadt gelesen, in welchem er berichtet hat, das er nach 13 Jahren der Trockenheit der einzige aus seiner ehemaligen Langzeittherapie ist, der noch heute trocken ist. Das war für mich der Grund intensiver über dieses Thema nachzudenken.
Irgendwo habe ich auch mal gehört das nur 2 von 100 Alkoholikern es schaffen, bis an ihr Lebensende trocken zu bleiben, nachdem sie dem Alkohol ernsthaft entsagt haben.
In meiner Suchtberatungsstelle gibt es zahlreiche Fälle von Menschen, die nach 6, 10, 12 und noch mehr Jahren rückfällig wurden. Auffallend war für mich, das ausschließlich alle berichteten, welch schönes Leben sie sich in den Jahren der Trockenheit aufgebaut haben.
Jetzt frage ich mich natürlich: Welcher Teufel hat sie dann geritten, wieder zur Flasche zu greifen? War es Nachlässigkeit? Leichtsinn? Vergessen? Übersteigerte Selbstsicherheit?
Wenn man rein von statistischen Werten ausgeht, muss man wohl auch davon ausgehen, das einige der Langzeittrockenen hier im Forum, die heute die überzeugendsten, sachlichsten und fundiertesten Beiträge schreiben, irgendwann in den nächsten Jahren wieder rückfällig werden.
Ich finde diesen Gedanken ziemlich beunruhigend.
Was meint ihr dazu? |
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| Blizzard hat zum Thema: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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Spedi Gast
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Verfasst am: 19.06.2007, 15:08 Titel: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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Servus Blizzard,
ich muss Dir leider recht geben - auch das Zahlenverhältnis mag stimmen.
Was bei den mir bekannten Rückfällen nach langer Trockenheit (+10 Jahre) in allen Fällen mit der Hauptgrund war, ist die Nachlässigkeit, die sich eingeschlichen hatte.
Der eine ging nicht mehr regelmässig in die SHG ("mir ging's doch gut"), der andere gleich überhaupt nicht mehr ("ich hatte abgeschlossen mit dem Thema"), bei einem fing's mit dem Essen an ("der Burgunderbraten hat mir nicht geschadet, das Champagnersorbet auch nicht, da dachte ich, ich könnte mal wieder...") und einer hatte sich seine 14-jährige Trinkpause regelrecht "zementiert". Er schwor damals seiner Frau und seinen Kindern: "ihr werdet mich nie wieder in diesem Hause trinken sehen" - nun war die Frau tot und die Kinder aus dem Haus, und er fing wieder an.
Dies alles gab und gibt auch mir immer wieder zu denken, und ich kann nur für mich versuchen die Erinnerung an meine Sucht in mir so lebendig zu halten, dass ich nicht leichtsinnig werde.
Und das heisst für mich auch (lebenslanges) Arbeiten an mir selbst, um nicht irgendwann von den Geschehnissen "überrollt" zu werden.
Für mich passt daher der Spruch: "wenn's Dir gut geht, geh in die Gruppe. Wenn's Dir schlecht geht, renn in die Gruppe"!
LG
Spedi |
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| Spedi hat zum Thema: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32811 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 19.06.2007, 15:32 Titel: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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Hallo Blizzard,
wir brauchen gar nicht weit weg zu schauen.
Hier im Forum findest Du viele Beispiele, wo Betroffene nach sechs Monaten oder einem Jahr der Meinung sind, es geschafft zu haben und alles schon zu wissen.
Wenn dann kein Argument mehr an sie rankommt, sie nur noch in ihren Gedanken "schwimmen", bleiben sie stehen.
Dann ist man zwar zeitlich irgendwann 10 Jahre trocken, wenn man es bis dahin schafft, aber von der Lebensveränderung, von dem neuen Leben eben noch auf dem Stand von einem Jahr.
Die Rückfallquote ist emmens hoch und keiner kann sich sicher sein, dass er immer nüchtern bleibt.
Meine damaligen Rückfälle waren eben auch von Übermut, Arroganz und Besserwissen gekennzeichnet.
Gruß
Karsten
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Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten
Bücher zur Alkoholsucht |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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Elisabeth neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 26.06.2006 Beiträge: 113
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Verfasst am: 19.06.2007, 18:46 Titel: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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Hallo Blizzard,
natürlich ist es erschreckend, wenn man die Prognosen für trockene Alkoholiker liest. Ich denke aber, wenn ich akzeptiere, dass Alkohol in unserem Leben immer eine Rolle spielen wird, werde ich die Gefahr nicht aus den Augen verlieren. Vor kurzem war ich in Urlaub und traf mittags einen gut angezogenen Mann volltrunken durch die Straße torkeln. Nachts hatte ich einen furchtbaren Traum und das nach fast 13 Jahren Trockenheit. shock:Das Suchtgedächtnis hat sich gemeldet. Alles kam wieder hoch und nach dem Erwachen war ich froh, dass alles nur ein Traum war. In diesem Fall kann man wirklich sagen, dass dieses Gedächtnis ein Segen für meine Trockenheit ist. :
Liebe Grüße Elisabeth |
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| Elisabeth hat zum Thema: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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Freund Gast
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Verfasst am: 19.06.2007, 20:15 Titel: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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| Spedi hat Folgendes geschrieben: | | Für mich passt daher der Spruch: "wenn's Dir gut geht, geh in die Gruppe. Wenn's Dir schlecht geht, renn in die Gruppe"! |
Der iss gut . |
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| Freund hat zum Thema: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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dorothea Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.08.2006 Beiträge: 7472 Alter: 48 Wohnort: Salzgitter
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Verfasst am: 19.06.2007, 23:31 Titel: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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hallo ihr
möchte ja nicht neunmalklug sein, aber so weit ich weiß heißt der spruch
wenn´s dir schlecht geht geh zur shg wenn´s dir gut geht renn zur shg.
und genau das ist es ja was eben die vielen rückfälle nach soo vielen jahren bewirkt, den leuten geht es gut und sie unterschätzen völlig die gefahr.
da gibt es ja noch son alten spruch der passt,
wenns dem esel zu wohl wird geht er aufs eis tanzen
es ist die sorglosigkeit, der gedanke nach der zeit bin ich gefeit, darin steckt eben der teufel bei unserer krankheit, man darf sich nie sicher sein dann ist man sicher(er)
doro |
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| dorothea hat zum Thema: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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gilbert neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.02.2007 Beiträge: 25
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Verfasst am: 20.06.2007, 14:40 Titel: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? |
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Hallo zusammen,
Da ich in diesen Tagen mein zweijähriges "trockenes" Jubiläum feiere, möchte ich aus meiner Erfahrung berichten.
Vor zwei Jahren hatte ich meinen letzten Rückfall, davor hatte ich 6 Jahre keinen Alk getrunken. Heute weiss ich, dass ich in diesen 6 Jahren nicht "trocken" war, aber dass ich nun seit 2 Jahren trocken bin.
Natürlich ist dazu eine Erklärung fällig:
Die vorangegangenen 6 Jahre habe ich nicht für mich nicht gesoffen, sondern für andere. Ich wusste, wenn ich weitersaufe würde ich meine Ehe zerstören, meine Familie, meinen Job usw. Ich habe mich aber in diesen 6 Jahren nicht mit meiner krankheit beschäftigt, ich habe "nur" nicht getrunken.
Vor 6 Jahren kam dann der angesprochene Leichtsinn. Es war nicht der Burgunderbraten oder die Likörpraline, ich habe mich einfach bewusst in einen Biergarten gesetzt und ein Helles bestellt. Ich hatte auch den Vorsatz, dass es bei dem einen Bier bleibt, und es hat mir nicht einmal geschmeckt. Drei Tage später lag ich im KH, mit fast 4 Promille.
Genau deshalb, aus dieser Erfahrung heraus, weiss ich, dass ich jetzt trocken bin und bleibe. Niemand wird aus Versehen rückfällig, es ist immer eine bewusste Handlung. Wenn man unbewusst Alkohol zu sich nimmt (das tun wir fast jeden Tag, weil auch Früchte und sogar Brot Alkohol in Spuren enthalten), wird man sicher nicht rückfällig, das ist für mich nur eine faule Ausrede.
Das wichtigste ist das Bewusstsein, unsere Krankheit zwar kontrollieren zu können, aber niemals GEHEILT zu sein.
Gruss
Gilbert |
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| gilbert hat zum Thema: Re: Rückfälle nach vielen trockenen Jahren - warum? geschrieben
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hasenpfoetchen neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 21.06.2007 Beiträge: 84
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Verfasst am: 26.06.2007, 10:23 Titel: Jetzt wird mir einiges klar |
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Hey Gilbert,
jetzt wird mir einiges klar. Als ich dein Bericht gelesen habe, ist mir ein Licht aufgegangen. Es ging mir so ähnlich. Ich dachte, wenn ich ab und zu alle paar Monate ein Glas trinke, wird mir schon nichts passieren. Nix da. Der extreme Rückfall folgte. Erst jetzt ist mir klar geworden, dass ich garnichts, rein garnichts trinken darf. Das alleine reicht nicht aus. Einerseits macht es mir auch Angst, wenn ich daran denke niemals wieder etwas trinken zu dürfen, andererseits bin ich auch froh, dass ich jetzt weiss, wenn ich was trinke... Das wird mein Ende sein! Danke für dein Beitrag  |
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