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Das Leben ändern ?

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clean 2008   •    Schmerzen, immer wieder Schmerzen!  
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Marlen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.06.2007
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 09:34    Titel: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

jetzt ist es eine Woche, das ich nicht mehr trinke. Als meinen ersten trockenen Tag betrachte ich trotzdem den Dienstag, denn heute vor einer Woche hatte mein Körper wohl noch gut Restalkohol.
Warum ist einem der Tag nur so wichtig Mit den Augen rollen

Bisher hatte ich keinerlei Probleme. Weder Schlafstörungen, Zittern, Herzrasen noch Saufdruck, Angst oder sonstige körperliche oder psychischen Beschwerden.

Jetzt könnte ich sagen, alles fein, ich hab die ganz harte Zeit völlig problemlos überstanden, mir fehlt nichts und mich hier wieder verabschieden. Ich weiß einfach nicht, was ich schreiben soll.

Aber genau darum, weil ich so in der "Luft hänge" habe ich einige Fragen.

Auf der Infoseite habe ich gelesen, daß nach dem Entzug, "wenn der körperliche Druck weg ist...."???? Bedeutet das, daß ich nicht mehr mit Suchtdruck zu rechnen habe ?
Ich trauere dem Wein nicht hinterher. Manchmal kommt so ein kleiner Impuls, dann stelle ich mir vor, wie ich mich jeden Abend nach den zwei Flaschen Wein gefühlt habe und auch am nächsten Morgen, ich stell mir den Alkoholgeschmack vor - und dann ist der fiese Gedanke auch schon wieder weg.
Ich kenne den Suchtdruck von früheren Versuchen eine Trinkpause zu machen, aber da kam er schon nach 2 - 3 Tagen ganz übermächtig. So daß ich auch keine längeren Trinkpausen hatte.

Was macht ihr bei akutem Suchtdruck? Ich habe Angst, daß er mich plötzlich und ganz unvermittelt doch noch überfallen könnte.

Dann lese ich immer, daß man UNBEDINGT sein Leben völlig ändern sollte, sonst wird man nicht dauerhaft trocken.
Ich mag mein Leben aber. Gerade nüchtern betrachtet hab ich ein sehr gutes Leben, das ich mir durch den Alkohol fast selbst zerstört hätte.

Mein Umfeld ist alkoholfrei, ich habe keine Saufkumpane, mein Partner weicht kaum noch von meiner Seite, so begeistert ist er von seiner nüchternen Marlen Sehr glücklich Wir haben das letzte Jahr nicht so viel zusammen gelacht, wie die letzte Woche. Also auch hier alles im grünen Bereich.

Ich weiß nicht was ich an meinem Umfeld ändern sollte - ICH hab doch gesoffen und damit fast alles kaputt gemacht. Ich verstehe diese Forderung, die ich hier immer wieder lese nicht.

Momentan beschäftige ich mich mit gesunder Ernährung und wenn ich heute "Leerlauf" habe, dann mach ich mein Rad wieder einsatzklar. Ich konzentriere mich jetzt sehr auf meinen Körper und meine Gesundheit - für mich ist das eine tolle Ablenkung und Sport wollte ich schon lange machen, ist aber im Alkoholnebel immer nur so eine Idee gewesen.

Aber ansonsten fällt mir wenig ein, das ich ändern könnte, wollte bzw. was mich zum Trinken bringen würde. Das bin nämlich nur ich selbst und nichts aus meinem Umfeld.

Liebe Grüße

Marlen
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Marlen hat zum Thema: Das Leben ändern ? geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 653
Alter: 38
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 11:31    Titel: Re: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Marlen hat Folgendes geschrieben:
Hallo,


Hallo und guten Morgen Marlen Smilie ,


Marlen hat Folgendes geschrieben:
Bisher hatte ich keinerlei Probleme. Weder Schlafstörungen, Zittern, Herzrasen noch Saufdruck, Angst oder sonstige körperliche oder psychischen Beschwerden.

Jetzt könnte ich sagen, alles fein, ich hab die ganz harte Zeit völlig problemlos überstanden, mir fehlt nichts und mich hier wieder verabschieden


Gut das du dich noch nicht verabschiedet hast, denn das würde die Gefahr eines baldigen Rückfalles schlagartig erhöhen. Ein kapitaler Fehler, den du gemacht hast, ist zu denken, das du die "harte Zeit völlig problemlos überstanden hast". Das ist ein schwerer Denkfehler. Was du bis jetzt geschafft hast, ist der körperliche Entzug. Dieser dauert je nach Person zwischen 7-10 Tagen und ruft unterschiedlich starke Entzugserscheinungen hervor. Ich hatte übrigens genauso wie du gar keine sichtbaren Entzugserscheinungen. Nur bedeutet das leider nicht viel.

Die richtig "harte Zeit" kommt jetzt auf dich zu. Du musst jetzt in den nächsten Wochen und Monaten lernen, dein Leben neu zu leben. Du wirst zahlreichen Situationen begegnen, wo du früher getrunken hättest, zahlreiche Gefühle durchleben, bei denen du früher zur Flasche gegriffen hättest. Diese Situationen und Gefühle werden dich eine ganze Zeit lang begleiten und dir das Leben nicht unbedingt einfacher machen. Wenn es einfach wäre, bräuchten wir ja keine Foren um darüber zu diskutieren und keine teuren Therapien.

Momentan durchlebst du eine allseits bekannte Phase der Euphorie, weil du den ersten Schritt erfolgreich getätigt hast, und merkst, dass dir das offensichtlich gar nicht so schwer gefallen ist - im Vergleich zu vielen anderen, die auf Entzugsstationen im Krankenhaus nicht selten um ihr körperliches Überleben kämpfen müssen.

Wie gesagt: Der körperliche Entzug ist zeitlich eingegrenzt - die psychische, geistig-seelische Entwöhnung vom Alkohol dauert aber Monate, wenn nicht sogar Jahre. Du musst dich vom Alkohol distanzieren um die Momente der Gefahr für dich wo es nur geht zu reduzieren:

Marlen hat Folgendes geschrieben:
Dann lese ich immer, daß man UNBEDINGT sein Leben völlig ändern sollte, sonst wird man nicht dauerhaft trocken.
Ich mag mein Leben aber. Gerade nüchtern betrachtet hab ich ein sehr gutes Leben, das ich mir durch den Alkohol fast selbst zerstört hätte.

Mein Umfeld ist alkoholfrei, ich habe keine Saufkumpane, mein Partner weicht kaum noch von meiner Seite, so begeistert ist er von seiner nüchternen Marlen Sehr glücklich Wir haben das letzte Jahr nicht so viel zusammen gelacht, wie die letzte Woche. Also auch hier alles im grünen Bereich


Das sind gute Voraussetzungen. Natürlich muss nicht jeder zwanghaft sein Umfeld ändern, wenn dieses Umfeld nicht für den eigenen Alkoholkonsum verantwortlich gemacht werden kann. Ich z.B. habe in den letzten Jahren auch hauptsächlich alleine getrunken. Meine Freundin trinkt nicht, meine Freunde kenne ich allesamt vom Sport - die trinken so gut wie gar nicht.

Und trotzdem musst du dich natürlich jetzt bewusst werden, in welchen Situationen du genau getrunken hast. Welche Angewohnheiten steckten dahinter, welche Automatismen? Jeder Mensch hat unterschiedliche Trinkgewohnheiten. Viele z.B. trinken hauptsächlich alleine abends vor dem PC. Das ist (oder war) für sie das "Freizeitprogramm". Wenn der Alkohol dann wegfällt, entsteht erstmal eine gewisse "Leere", schließlich fällt ein langjähriger Lebensbegleiter weg. Diese Leere gilt es nun bestmöglichst, sinnvoll und dauerhaft zu stopfen. Wenn du diese Leere mometan gut überwinden kannst, ist das positiv, aber frage dich immer selbstkritisch: Reicht mir das? Kann ich aus meinen neuen Aktivitäten die ich jetzt nüchtern angehe, eine Gewohnheit machen? Kann ich die Löcher die der Alkohol hinterlassen hat, stopfen? Diese Frage entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg, über Abstinenz oder Rückfall. Wenn es dir nämlich nicht gelingen sollte, diese Leere dauerhaft mit neuem Leben zu füllen, wird sich dein alter "Wegbegleiter" wieder zu Wort melden und auf seine Existenzberechtigung pochen.


Marlen hat Folgendes geschrieben:

Auf der Infoseite habe ich gelesen, daß nach dem Entzug, "wenn der körperliche Druck weg ist...."???? Bedeutet das, daß ich nicht mehr mit Suchtdruck zu rechnen habe ?


Auch der "Saufdruck" äußert sich bei jedem Menschen mit unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit. Ich denke, die Sache ist sehr situationsgebunden. Ich hatte z.B. die ersten 50 Tage überhaupt keinen Saufdruck. Dann war eine Situation nach einem sportlichen Erfolgserlebnis, eine Feier, und - zack - wie aus dem Nichts hatte ich plötzlich tierische Lust auf eine Flasche/einen Kasten Bier. Wenn ich mich zum damaligen Zeitpunkt nicht schon tagtäglich mit der Krankheit beschäftigt und an mir gearbeitet hätte, hätte ich hier wohl einen Rückfall erlitten. Und solche Situationen werden immer wieder kommen. Man muss wachsam sein. Ein ganz wichtiger Punkt der Arbeit an der eigenen Trockenheit ist daher, sich ein eigenes "Alarmsystem" zu entwickeln. Wo begebe ich mich in Gefahr? Wo lauert der Alkohol? Wie kann ich die Risiken minimieren?

Marlen hat Folgendes geschrieben:
Ich trauere dem Wein nicht hinterher. Manchmal kommt so ein kleiner Impuls, dann stelle ich mir vor, wie ich mich jeden Abend nach den zwei Flaschen Wein gefühlt habe und auch am nächsten Morgen, ich stell mir den Alkoholgeschmack vor - und dann ist der fiese Gedanke auch schon wieder weg.


Das ist bereits "geistige Arbeit" an deiner Trockenheit was du da machst. Gut so. Das Problem bei der Sache hat man uns ganz anschaulich in meiner Suchtberatungsstelle erklärt. Psychologisch ist es nämlich so, das wir durch den Einzug des Alkohols am Beginn unserer Trinkerkarriere nur Vorteile sahen. Im Laufe der Zeit kamen dann die Nachteile hinzu, wurden mehr und größer, bis der Leidensdruck so groß war, dass wir beschlossen aufzuhören. Wenn wir jetzt am Anfang der Trockenheit stehen, erinnern wir uns v.a. an das was zuletzt war (die miese Stimmung in der wir uns befanden durch das Saufen, das ständige Verkatert sein, die Übelkeit, die peinlichen Momente usw.), was uns hilft, trocken zu bleiben. Wenn man jetzt aber aufhört, sich dessen ständig bewusst zu machen, neutralisieren sich die Gedanken irgendwann wieder...und widerum einige Zeit später "kramt" das Unterbewusstsein dann die schönen Gefühle und Gedanken hervor, die wir am Anfang unserer Trinkerzeit mit dem Alkohol verbanden - denn diese sind natürlich auch noch in uns gespeichert! In jedem von uns! Deshalb ist die geistige Auseinandersetzung mit dem Alkohol für einen trockenen Alkoholiker unentbehrlich. Wer damit aufhört, wird nachlässig - und Nachlässigkeit bereit dem Rückfall den Boden.


Marlen hat Folgendes geschrieben:
Was macht ihr bei akutem Suchtdruck? Ich habe Angst, daß er mich plötzlich und ganz unvermittelt doch noch überfallen könnte..


Unterschiedlich. Du kannst vieles tun. Ein vielgehörter Ratschlag besteht darin, viel Fruchtsaft zu trinken. Auch anstrengender Sport kann kurfristig helfen dich auf andere Gedanken zu bringen. Ich habe auch von Leuten gehört, die ständig eine Art "Kurzzusammenfassung der schrecklichsten nassen Momente" in schriftlicher Form mit sich herumtragen. Eine Art Liste also mit den peinlichsten und unangenehmsten Momenten, verursacht durch den Alkohol, wo es einem richtig dreckig ging. Diese Liste wird dann einfach beim Einsetzend es Saufdruckes 3-5 mal schnell runtergelesen. Das sollte helfen! Winken

Marlen hat Folgendes geschrieben:

Momentan beschäftige ich mich mit gesunder Ernährung und wenn ich heute "Leerlauf" habe, dann mach ich mein Rad wieder einsatzklar. Ich konzentriere mich jetzt sehr auf meinen Körper und meine Gesundheit - für mich ist das eine tolle Ablenkung und Sport wollte ich schon lange machen, ist aber im Alkoholnebel immer nur so eine Idee gewesen...


Gute Ideen - gute Voraussetzungen. Aber rechne damit, dass sich der Teufel Alkohol wieder melden wird, auch wenn er das momentan nicht tut, und du deswegen auf Wolke 7 schwebst.

Marlen hat Folgendes geschrieben:
Aber ansonsten fällt mir wenig ein, das ich ändern könnte, wollte bzw. was mich zum Trinken bringen würde. Das bin nämlich nur ich selbst und nichts aus meinem Umfeld....


Das siehst du glaube ich zu einfach. Du musst dich halt wirklich ehrlich selber fragen, warum du bisher getrunken hast. Welche Gefühle wolltest du damit ausschalten: Angst? Wut? Langeweile? Gefühle der Sinnlosigkeit? Sorgen?

Irgendetwas davon trifft auf jeden Alkoholiker zu. Diese Gefühle haben einen Ursprung - und den gilt es herauszufinden, sich ihm zu stellen und zu fragen, wie ich den Ursprung beseitigen kann.


Abschließend kann ich dir nur raten: Bleib wachsam, was immer du auch tust und wie gut du dich auch fühlst! Beginnende Nachlässigkeit, der Gedanke "ich habe es geschafft, mir kann nichts mehr passieren" ist die Fahrkarte zurück ins alte Leben, der sichere Weg in den Rückfall.

Marlen hat Folgendes geschrieben:
Liebe Grüße

Marlen


Viele Grüße zurück, machs gut!

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: Das Leben ändern ? geschrieben
Andi
Gast






BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 11:42    Titel: Re: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marlen,
und herzlich Willkommen,hier im Forum,und unserer SHG.

Hierbei geht es darum,nicht mehr in alte Verhaltensweisen zurückzufallen,wobei Du,verstärkt Alkohol konsumiert hast Ausrufezeichen

Zitat:
Die Biertrinker um mich rum, die Schnäpse an der Bar.... Das alles hat mir eher gezeigt in welchem Sumpf ich war. Hat mich richtig angeekelt, obwohl ich in der Öffentlichkeit nie so richtig gesoffen habe, war mir der viele Alkohol dort eher eine Hilfe meinen Entschluß zu festigen.


Ich,für meinen Teil,meide jegliche Aktivitäten,und Orte,wo gesellschaftlich,vordergründig Alkohol getrunken wird,um jegliches Risiko zu minimieren Ausrufezeichen

Unser Suchtgedächtnis,schläft nicht,und klopft von Zeit zu Zeit,immer mal wieder an Ausrufezeichen

Alle Assoziationen,die von Alkoholtrinkenden Menschen ausgehen,solltest Du,gerade in deinem Stadium vermeiden Ausrufezeichen

Solltest Du,Suchtdruck bekommen,dann solltest Du rechtzeitig gegensteuern,und sehr viel stilles Mineralwasser Trinken.



Zitat:
Momentan beschäftige ich mich mit gesunder Ernährung und wenn ich heute "Leerlauf" habe, dann mach ich mein Rad wieder einsatzklar. Ich konzentriere mich jetzt sehr auf meinen Körper und meine Gesundheit - für mich ist das eine tolle Ablenkung und Sport wollte ich schon lange machen, ist aber im Alkoholnebel immer nur so eine Idee gewesen.


Sport,ist immer eine gute Alternative,aber wie Du ja schon schreibst,war es immer nur eine Idee,die schnell wieder weggetrunken wurde!!

Den Sport,jetzt aktiv,und vor allem nüchtern zu erleben,ist schon ein Schritt,sich von alten Verhaltensmuster zu trennen,und einen neuen,und vor allem nüchternen Weg zu gehen Ausrufezeichen

Bleib auf diesem Weg Ausrufezeichen

Gruß Andi
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Andi hat zum Thema: Re: Das Leben ändern ? geschrieben
Marlen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.06.2007
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 14:41    Titel: Re: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Blizzard und Blue Bouncer,

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

@Blizzard,

es war doch gut, daß ich mich nochmal zu Wort gemeldet habe Winken . Danke deine Antwort hat mir sehr viel bewusst gemacht (Denke schon eine Weile über deine Worte nach).
Daß ich mich fast still und heimlich aus dem Forum zurück gezogen hätte hat etwas mit diesen Gefühlen zu tun, die mich zum Alkohol greifen lassen. Ich verstumme ohne Alkohol - hab Angst nicht zu genügen, nichts zu sagen zu haben.
Schon wenn ich aus dem Haus gehe, dann brauchte ich immer schon meinen "Mutpegel". Es war einfacher nicht zu trinken, wenn ich wusste, daß ich den ganzen Tag alleine sein werde und mich niemandem stellen muß.
Wenn ich was getrunken hatte, dann fühlte ich mich lockerer, angenommener, hab geredet ....je später es wurde um so mehr Blödsinn hab ich natürlich geredet, aber meine Unsicherheit war weg.

Stimmt, diese kleinen fiesen Gedanken von denen ich schrieb, die kommen bei solchen Gelegenheiten ... "ich muß jetzt dann...., da könnte ich doch eigentlich vorher wenigstens...."
Das lässt sich aber nicht ändern und so muß ich diese Situationen jetzt wohl erstmals ohne Alkohol durchstehen.
Ich kann mir den Luxus erlauben, das ganz langsam angehen zu lassen. Erstmal Supermarkt und einfach so auf die Straße, dann langsam in Gesellschaft mit mehreren Leuten.
Daß ich hier auch nüchtern nicht verstumme ist also schon Teil meiner Therapie.

Sicher wird mir nur etwas Sport und meine momentane Beschäftigung mit gesunder Ernährung und überhaupt mit meinen körperlichen Befindlichkeiten nicht reichen. Das ist jetzt ein kleiner Anfang und darum auch so sinnvoll, weil es mich ja dazu zwingt, über mein bisheriges selbstzerstörerisches Verhalten nachzudenken... Eigentlich ist es ja damit auch eine Beschäftigung mit dem Thema.

Du hast Recht, das Thema ist noch lange nicht durch. Ich hätte erst spontan gesagt, daß es keine Auslöser gibt, daß ich einfach immer getrunken habe, ohne Grund - je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr sehe ich schon, daß ich Alkohol schon zu einem Zweck eingesetzt habe, um etwas nicht zu empfinden bzw. anders zu empfinden.

Da wird die nächste Zeit sicher noch viel passieren.

@Blue Bouncer,

ja, das Rad habe ich schon startklar gemacht. Ich muß mehr raus gehen und mich selbst wieder mehr spüren. Bei schönem Wetter werde ich mich auch bemühen so viel wie möglich Schwimmen zu gehen.
Es motiviert mich gerade sehr, wie schnell sich mein Körper erholt.

Nur bei Sport soll es natürlich nicht bleiben. Ich hab grad einen Sprachkurs rausgekramt, denn ich mal machen wollte, aber nie über die erste Lektion hinaus gekommen bin (auch sowas hat sich immer schnell im Alkoholnebel verloren), habe vor die vielen Bücher zu lesen, die ich nur angelesen habe, um sie dann wieder zu vergessen.

Ich könnte ja etwas lernen und erleben und bin dann vielleicht sogar unterhaltamer, als wenn ich nur Blödsinn labere. Winken

Es ist noch ganz frisch, Interessen habe ich viele, angefangen hab ich viel ... aber der Alkohol hat immer alles wieder einschlafen lassen. Was mir wirklich für mich Spaß macht, das werde ich die nächsten Tage und Wochen rausfinden müssen.

Das mit dem Gaststättenbesuch fand ich für mich absolut OK. Es war eine Gaststätte, in der man keine wirklich Betrunkenen sieht. Primär geht man dort hin, um gut zu essen. Samstag hatten wir einfach Hunger und ich fühlte mich absolut sicher. Als ich das dann gesehen habe, da hat mich der Alkohol richtiggehend angeekelt, wie auch gestern an der Tankstelle, da war voll, ich stand in der Schlange direkt zwischen Wein und Bier, weiter vorne dann an der Kasse bei den kleinen Schnapsflaschen - und der Gedanke, da jetzt was zu nehmen und zu trinken war mir fremd und hat mir sogar geholfen, das Elend zu begreifen in dem ich da war.

Ich werde jetzt dann mein Rad schnappen und einkaufen. Ich könnte zum Türken fahren, der verkauft als Moslem keinen Alkohol, ich kann auch in den Supermarkt fahren... Momentan sehe ich keine Gefahr in den normalen Supermarkt zu fahren, sollte ich mich dann, wenn ich los fahre allerdings unsicher fühlen, dann schlage ich eben den Weg zum Türken ein.
So werde ich das jetzt immer machen, ich begebe mich schon nicht in Situationen, in denen ich mich nicht sicher fühle.

So, ich bedanke mich nochmals für die Hilfe von euch zwei. Die Antworten haben mir sehr viel gegeben, mit dem ich jetzt weiter an mir arbeiten kann. Ich hab mich schon irgendwie in einer Sackgasse gefühlt.

Liebe Grüße

Marlen
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Marlen hat zum Thema: Re: Das Leben ändern ? geschrieben
liv
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.05.2007
Beiträge: 5384
Alter: 44
Wohnort: CH

BeitragVerfasst am: 18.06.2007, 15:56    Titel: Re: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi Marlen,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns.

Ich wollte Dir eigentlich nur kurz danken, denn Du hast eines meiner Probleme endlich in einem Wort ausgedrückt, was ich bisher nicht konnte. Mir geht es auch so, dass ich das Gefühl habe zu verstummen, wenn ich nüchtern bin. Ich fühle mich dann langweilig und alles andere als unterhaltend.

Mir hilft es bei Suchtdruck, hier im Forum zu lesen. Danach fühle ich mich meist etwas besser und habe wieder Hoffnung, doch auch irgendwann eine zufriedene Trockenheit erlangen zu können.

Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg und grüsse Dich, liv
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liv hat zum Thema: Re: Das Leben ändern ? geschrieben
sweety15
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.02.2007
Beiträge: 372
Alter: 70
Wohnort: Norddeutschland

BeitragVerfasst am: 19.06.2007, 07:44    Titel: Re: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen Marlen,
du hast etwas Wichtiges erkannt: Alkohol- trinken
erfüllt immer einen bestimmten Zweck. Ich vergleiche das mit Medikamenten.
Wenn man Kopfschmerzen hat, nimmt man eine Tablette und schon wird es besser. (Meistens)
Der Schmerz ist dann zwar weg, aber die Ursache der Schmerzen nicht beseitigt.
Genauso ist es mit Alkohol: der seelische "Schmerz" ist erst mal weg, aber die Ursache dafür ist weiterhin vorhanden.
Nur wenn es uns gelingt, die Ursachen für das Trinken herauszufinden, haben wir die Chance trocken zu werden .
Ich habe dafür professionelle Hilfe in Anspruch genommen, weil ich allein nicht weiter kam.
Dadurch erkannte ich nach und nach meine "verschütteten" Gefühle.
Auch heute noch nach über 2 Jahren gehe ich ca. alle 2 Monate zu meinem Therapeuten und arbeite die aktuellen Ereignisse auf.
Ich wünsche dir einen sonnigen Tag!
Sweety
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sweety15 hat zum Thema: Re: Das Leben ändern ? geschrieben
Marlen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.06.2007
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 19.06.2007, 09:46    Titel: Re: Das Leben ändern ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Liv und Sweety,

ja, das mit dem Verstummen ist wohl ein Problem, bei dem ich mir vorstellen kann, daß es viele Alkoholiker trifft. Genau das hört man ja immer als Rechtfertigung für den Alkoholkonsum, daß man dann lustiger und lockerer ist.
Mit anderen Worten, ohne Alkohol fühlt man sich unlustig und verkrampft?

Da denke ich ständig darüber nach. Bei mir war es schon so, daß es mir dann egal war, was andere über mich denken bzw. ich mich im Rausch ja als toll empfunden habe (anfangs).

Schon als ich als Kind heimlich den Rum in den Tee gekippt habe, da habe ich die Erfahrung gemacht, daß mir die Ablehnung, ja teilweise der Hass meiner Mutter auf mich nichts mehr ausmacht.
Später dann auf den Parties, da war ich natürlich dadurch wer, daß ich mehr geraucht und gesoffen habe als die anderen Mädchen. Ich wollte mit der normalen Welt gar nicht so viel zu tun haben. Abgelehnt von den Eltern, von den Lehrern richtiggehend gequält, weil ich keine gute Schülerin war. Eigentlich hatte ich nur eine Rechtschreibschwäche, musste aber lange darum kämpfen, nicht in die Sonderschule abgeschoben zu werden... und ich war zudem extrem schüchtern.

Als ich mit 16 dann meinen Freund kennenlernte, mit dem ich "gepflegt" gesoffen habe, war das auch eine Abgrenzung zum Elternhaus.
Das sah ich damals nicht so dramatisch. Ich war zu der Zeit sogar sehr kreativ, weil mir alles egal war. Hab dann einfach alles geschmissen und bin weiter zur Schule gegangen, hab Abitur gemacht .... und trotzdem fleißig weiter getrunken, er hat studiert und so haben wir eben unsere Zeit mit Lernen bei Rotwein verbracht. Hab mir eingeredet, daß der Alk eben dazu gehört.
In Wirklichkeit habe ich das geschafft, weil ich Wut und Trauer weggetrunken habe. Ich konnte mich bis zu einem gewissen Alkohollevel dann echt nur auf Mathe oder Englisch konzentrieren.... die Menschen waren mir egal - wurde nicht von Gefühlen abgelenkt.

Aber ich weiß gar nicht, inwieweit ich da drin rumwühlen soll. Es kommen alte Gefühle hoch, die ich nicht mehr fühlen will. Ich kann nichts an der Vergangenheit ändern.
Damals habe ich mir eingebildet, daß der Alkohol mir hilft. Es sind so viele Jahre vergangen und etwas erwachsener bin ich trotz dieser Jahre im Suff doch auch geworden.
Ich möchte jetzt für die Zukunft arbeiten, daß ich JETZT Selbstbewußtsein und Selbstachtung aufbaue. Das fällt mir schwer, wenn ich immer wieder die alten Verletzungen rauskrame.

Heute ist dafür wirklich auch ein zu wunderbarer Tag. Ich habe schon die Gartenmöbel rausgeräumt, die ich seit Jahren hab verstauben lassen (Sonne? Garten? .... Nöö, ist doch gemütlich hier drin mit einer Flasche Wein...).
Ich werde mir meine Welt wieder Schritt für Schritt erobern. Heute nehm ich meinen Garten wieder in Besitz. Sehr glücklich

Euch allen auch einen schönen sonnigen Tag.

Liebe Grüße

Marlen

........ für eine "Verstummte" mach ich immer ganz schön viele Worte Mit den Augen rollen
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Marlen hat zum Thema: Re: Das Leben ändern ? geschrieben
Annika
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.12.2005
Beiträge: 3837
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 19.06.2007, 09:58    Titel: re Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marlen

ich begrüße dich auch hier im Forum und sage herzlich willkommen.

Ein kurzer Satz, der es jedoch genau auf den Punkt bringt Sehr glücklich

Zitat:
Ich werde mir meine Welt wieder Schritt für Schritt erobern


Bleib auf deinem Weg, viel Kraft und

LG von Annika
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Annika hat zum Thema: re geschrieben

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