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Der Wanderer
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.06.2007
Beiträge: 5
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: 09.06.2007, 17:25    Titel: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

In hoc signo vinces. Das war das Erste, was ich mir vorgestern dachte.

Das Leben zieht nicht mehr vorüber, es nahm mich bei der Hand und geleitete. Seit relativ langem (wann wäre den Alkoholmißbrauch zu kurz?) habe ich es geschafft, einen Tag lang nichts zu trinken. Stolz war ich darauf, merkte die gravierendsten Unterschiede zu dem Zustand, wenn ich betrunken bin. Kann ich eigentlich betrunken sagen? Der Zustand den ich ersehne ist eher wie eine Art Öffnung der Seele, eine Auskehrung der innersten Gedanken, die Offenbarung des Ichs, jedesmal vor den Spiegel der Zeit springen die Splitter, schneiden mein Gesicht und ich sehe mich lachend in die Verderbnis rennen.

Das alles war vorgestern NICHT der Fall, da ich es geschafft habe, dem Alkohol für diesen einen Tag zu entsagen. Ich war stolz auf mich, ich fühlte mich neugeboren und sehr motiviert. Am Tag davor hatte ich noch getrunken, bin am nächsten (alkoholfreien) Tag ohne zittrige Hände aufgewacht, ohne Gewissensbisse und ohne schlechter Laune. Und was ist gestern passiert? Am Tag nach jenem Tag, wo ich trocken war? Maturafeier meiner Freundin, Sekt, anstoßen, fertig. Schluß und Aus. Und eben jetzt sitze ich wieder bei einem Gläschen Gin+Sprite. Ein Schritt vorwärts und danach zwei Schritte rückwärts.

Das Leben ist ein Bazooka-Witz. Man weiß, dass er schlecht ist, aber man frißt ihn trotzdem.

Obschon es mich extrem anwidert, zu trinken, und geachtet der Tatsache, dass ich weiß, dass es nicht gut ist und verwünschenswert ist, kehre ich immer wieder zum Peiniger zurück. Sowie ein Sklave nur von seinem Herrn in die Freiheit entlassen werden kann, so fühle ich mich. Ich lege meine Seele in fremde, raue und vor allem kalte Hände. Kalter Schweiß, eine schlaflose Nacht, das war das Ergebnis des trockenen Tages. Ich legte mich um etwa 0300 ins Bett. Ohne EXAKTE Gewißheit schlief ich um etwa 0740 ein. Zumindest sagte mir das mein letzter Blick auf die sich vor mir befindende Digitaluhr. Aufgewacht bin ich keine 5 Stunden später. An sich ist das zuwenig Schlaf, zumal ich vorher eben einen langen Tag hatte, der auch körperlich an mir zehrte. Doch im Gegensatz zu einem alkoholisierten Bettgange war ich nach 5 Stunden FRISCHER aufgewacht als wenn ich betrunken zu Bette ging und nach 12(!!!) Stunden aufwachte.

Ich verfluche den Tag, an dem ich zum ersten Male mit diesem Venum glorium in Kontakt trat.
Immer mehr denke ich mir, besonders in angeheitertem Zustand, dass ein 45° Winkel in den Mund mit Stahl in der Hand einen nicht einmal den Schuss hören lassen würde. Immer mehr spielt sich vor meinem geistigen Auge ab, dass ich das Ganze innerhalb von Millisekunden beenden könnte. Doch fehlt mir der Mut.

Der Mut zur Wahrheit und der Mut zur Klarheit. Beides ist differenziert zu sehen.

Ich weiß nicht weiter. Ich verzweifle allmählich wirklich, ich bin den inneren Tränen nicht mehr nahe, ich bin in ihnen, ich bin aus mir.
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Der Wanderer hat zum Thema: In hoc signo vinces? geschrieben
Blizzard
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 649
Alter: 32
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 09.06.2007, 19:15    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Der Wanderer,

du befindest dich momentan in der Phase der Entscheidungsfindung. Du hast längst erkannt, das dein Alkoholkonsum problematisch ist, das er dich in psychische Krisen bringt. Deine Seele schreit danach befreit zu werden von diesem Teufel mit dem Namen Alkohol. Denn Dein Unterbewusstsein weiß genau, was zu tun wäre, um dich zu erlösen, um dich zurückzuführen auf den "richtigen" Weg, den du vor langer Zeit verlassen hast.

Dein Verstand hat die Botschaft des Unterbewusstseins aufgenommen und weiß, das nur das Aufhören die Lösung ist. Doch du bist süchtig - und deswegen lässt sich diese Aufforderung Aufzuhören nicht so einfach in die Tat umsetzen. Du musst tagtäglich einen inneren Kampf durchstehen, einen Kampf pro & contra Alkohol - und hast dich bisher vom Alk nicht lossagen können, seinem Bedürfnis stets nachgegeben.

Die Chance auf dauerhafte Veränderung und Besserung deiner Situation hast du erst, wenn du dich voll und ganz für ein abstinentes Leben entscheidest. Nur dann kannst du Schritt für Schritt in ein neues Leben eintreten. Am Anfang steht die Entscheidung für ein abstinentes Leben - mit all ihren (auch als schmerzlich empfundenen) Konsequenzen.

Alles andere ist sinnlos. Hermeieiern, im Kreis Gerenne, nichts von Dauer.

Herzlichst,

Blizzard
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Blizzard hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben
Micha
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 4416

BeitragVerfasst am: 09.06.2007, 21:28    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Wanderer,

das Erlernen einer trockenen Lebensführung ist zunächst mal ein eher prosaischer und praktischer Vorgang.

Die Frage ist zwar "Sein oder Nichtsein", aber nicht literarisch-poetisch oder philosophisch, sondern im Sinne von "ohne Alkohol leben" oder "mit Alkohol sterben".

Es geht um dein Leben und du musst dir als erstes darüber klar werden, ob du es leben möchtest oder weiter mit dem Tode kokettieren.

Willst du leben? Willst du den Mut haben zum Leben?


Herzliche Grüße vom Micha
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Micha hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben
sweety15
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.02.2007
Beiträge: 374
Alter: 64
Wohnort: Norddeutschland

BeitragVerfasst am: 11.06.2007, 08:40    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Wanderer,

"Der Mut zur Wahrheit und der Mut zur Klarheit. Beides ist differenziert zu sehen."

"Ich weiß nicht weiter. Ich verzweifle allmählich wirklich,..."

Sorry, aber wenn ich deinen thread lese, verzweifle ich auch.

Du beobachtest dich wie ein Außenstehender, ja, Unbeteiligter. Deine Wahrnehmungen versuchst du philosophisch zu ergründen....
Was bringt dir das? NICHTS!!!

Der Mut zur Wahrheit verschafft dir Klarheit!

Die Wahrheit ist: du bist suchtkrank!
Die Klarheit folgert daraus: Alkoholismus ist eine tödlich verlaufende Krankheit. Sie ist nicht heilbar, kann aber zum Stillstand gebracht werden.

Du hast die Wahl.

Du kannst weiter saufen und über dein Leben philosophieren -
oder du kannst aufhören und dein Leben leben!

Gruß Sweety
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sweety15 hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben
Lilly12
Gast






BeitragVerfasst am: 11.06.2007, 12:52    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Wanderer,

Jo, nett geschriebener Beitrag, nur leider hat philosophisches Geschreibe noch niemanden trocken gemacht. DAS liegt nämlich ganz allein in Deiner Hand.

Philosophiert haben wir wohl alle genug, besonders im breiten Kopp...bla bla bla...... (sorry, ich zumindest)

Ich wollte auch mal nicht mehr leben, weil ich nicht mehr weiter wußte, wollte lieber tot sein, weil ich dachte, ich komm nie wieder aus der Sucht raus.
Aber es GIBT Wege aus der Sucht.
Ich kam zum Glück noch rechtzeitig ins KH und ich schäme mich heute für meine damaligen Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.
Denn das Leben ist wunderschön, besonders ohne Stoff im Blut. In der Alkoholsucht taugt aber alles nix mehr.

Also los ma jetzt, Butter bei die Fische....
Es ist Montag, alles Arztpraxen haben offen, ein Telefonanruf und schon hast Du einen Termin.

Lass Dir um Gottes Willen HELFEN, Du hast hier schon den ersten Schritt gemacht und Dich hier angemeldet, wird jetzt Zeit für den nächsten, der heißt ganz einfach "Arztbesuch" !
Wenn Du Alkoholiker bist, bist Du krank und benötigst ärztliche Hilfe ! Du hast Anspruch darauf.

Aber die Entscheidung liegt in DEINER HAND.

Wie sweety so schön schrieb:
Du kannst weiter saufen und über dein Leben philosophieren -
oder du kannst aufhören und dein Leben leben!

Wir begeleiten Dich gern auf Deinem weiteren Weg, aber tu Du auch was dafür, geh zum Arzt, mach eine Entgiftung, wenn nötig, das entscheidet Dein Arzt mit Dir zusammen.
Davor brauchst Du wirklich keine Angst zu haben, nimm Dir einfach Deinen Rest Mut zusammen, wenns auch schon wenig ist, aber das schaffst Du noch....

Lieben Gruß an Dich
Lilly
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Lilly12 hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben
Mondlicht
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.09.2005
Beiträge: 210

BeitragVerfasst am: 11.06.2007, 16:06    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Wanderer,

bist du nicht schon längst am Scheideweg angekommen ? Dann geh deinen Weg...

Du kannst viel übers "gehen" schreiben, "bewegen" solltest du dich dann letztlich aber auch...

Also hör auf so zu tun als wäre die Erde eine "flache Scheibe" und
mach die Sache "rund"

Viel Glück dabei...

Es grüßt das

Mondlicht
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Mondlicht hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben
Falk7
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 30.04.2007
Beiträge: 161
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: 11.06.2007, 20:57    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Wanderer,

ich weiß es nicht, glaube aber, dass ich einigermaßen nachvollziehen kann wie Du Dich fühlst.
Du versuchst vielleicht gerade Deinen Kopf und Ratio mit Deinem Gefühl in Deckung zu bringen und das geht derzeit völlig daneben.

Ich glaube Du bist aber eigentlich schon fast an einem guten Punkt. Ich bin auch weitaus eher Kopfmensch als Gefühlsmensch.

Bei mir war das in etwa so:

Der Bauch, das Gefühl, die Depression, all das sagt Dir: "Trinke (betäube Dich trinke , vergesse nur für heute, jetzt keinen Druck mehr, nur jetzt, jetzt besser fühlen)"........ und zu guter letzt sagt es noch: "Ja ich trinke jetzt." und gewinnt die Oberhand.

Obwohl:

Dein Verstand sagt Dir: "Ich will nicht mehr trinken , ich bin Alkoholiker, ich weiß wo das letztendlich hinführt und das es schlecht für mich ist. Es geht mir wegen dem Dreckszueg total beschi***n und zwar im wesentlichen wegen dem Dreckszeug. Ich habe das nicht mehr im Griff ich brauche Hilfe.

Du bist jetzt eigentlich so weit und so tief, so deprimiert und enttäuscht von Dir , dass Du anfängst Todes und Suizidgedanken mit Dir zu diskutieren. Der Ursprung des Gedankens kommt aus dem Bauch aus der Depresion. Diskutieren tust Du den Gedanken mit dem Kopf, Deiner Ratio. Dabei zeigt Dein Verstand noch seine Überlegenheit, sein Wissen und beweist Dir noch für Dich seine Stellung über dem Bauch.
--------------------------------

Wanderer ich glaube es ist jetzt nur noch ein kleiner Schritt, Du must jetzt endlich eine Entscheidung daraus treffen und die ist nicht eine Erkenntnis oder Wissen, sondern es ist eine befreiende grundlegende Aussage, die für Kopf und Bauchgleichermaßen gilt:

ICH DARF UND WERDE AB JETZT NIE WIEDER ALKOHOL TRINKEN, DENN ICH WILL DASS ES MIR NIE WIEDER SO SCHLECHT GEHT! ALLES WAS JETZT OHNE ALKOHOL KOMMT, KANN NICHT SO SCHLIMM SEIN, WIE DAS WAS JETZT MIT ALKOHOL WEITER KÄME!

Wenn Du endlich diese Entscheidung getroffen hast und immer wieder aufrufst, wird es ein echter Wendepunkt. Du must sie aus Dir selber haraus treffen.

Hoffe ich liege nicht allzuweit daneben und Dir hilft das ein bisschen, drücke Dir die Daumen.

LG vom Falk
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Falk7 hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben
Hermann 65
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 22.07.2006
Beiträge: 159

BeitragVerfasst am: 11.06.2007, 23:50    Titel: Re: In hoc signo vinces? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Falk,

ich weiß nicht ob Du daneben liegst oder nicht!?

Alkis(ich spreche von mir) sind sehr schlau!

Bei mir wäre es nicht angekommen, wenn jemand den Versuch gestartet hätte mir aus seiner Sicht überzustülpen, was ich jetzt zu tun habe und dabei auch noch gemerkt hätte, das derjenige mir nur seine theoretische Möglichkeit vermitteln will, wie die Lösung aussehen könnte! Ich brauchte gemachte Erfahrungen der Menschen!

Hätte mir in meiner nassen Zeit jemand so geantwortet, wäre ich sehr wahrscheinlich in die Kneipe gegangen und hätte erstmal einen getrunken!
Das gilt jedoch nur für mich!

Wie "Der Wanderer" damit umgehen kann und was er daraus machen kann, weiß ich nicht. Der Bauch folgt dem Verstand manchmal nur sehr zögerlich und abwartend!?

Gruß Hermann
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Hermann 65 hat zum Thema: Re: In hoc signo vinces? geschrieben

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