| Der berühmte Tritt in den Allerwertesten • Reinemachen |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Norman neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.05.2007 Beiträge: 2 Wohnort: Kiel
|
Verfasst am: 11.05.2007, 12:20 Titel: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? |
|
|
Hallo, habe mit Interesse viele Beiträge gelesen, weil meine Freundin mich gedrängt hat mal etwas zu unternehem. Bin ich Alkoholkrank?
Bin 39J, selbständig und komme aus der Nähe von Kiel. Ich lebe mit meiner Freundin ausserhalb der Stadt und wir haben nette Nachbarn und einen guten Freundeskreis. Ich treibe viel Sport und trinke in der Woche vielleicht an 2 Abenden bischen was ( 2-3 Bier ) und leider am WE oft sehr viel, wobei ich den Punkt für das richtige Abspringen nicht finden kann. Die Folge sind Peinlichkeiten, Gedächnisslücken und auch mal teure Puffbesuche die meine Freundin nicht verdient hat wie mein gesamtes Verhalten. Allerdings ist der Freundeskreis nun genauso. Wenn nächsten Tag frei ist, ist das schon ein Grund zu Saufen dann kann es auch zweimal in der Woche hart werden. Oder so wie vorgestern, ein Freund wollte nur was abholen, der Nachbar kam dann auch noch rüber und Schwups, jeder! ca. 5-8 Bier und gemeinsam ne Pulle Kurzen geteilt. Und dann mitten in der Woche um 12 Uhr einfach noch losziehen ohne Tschüß zu sagen. Um 4 Uhr dann wieder zurück.
Die letzte Party ging sogar bis Mittags um 12 Uhr (ich war schon um 4 fertig) ist das normal für dieses Alter? Sind wir alle Alkoholiker? Oder ist unser Freundeskreis eine zufällige Ansammlung kranker Gelegenheitstrinker.
Ich habe schon versucht wenig oder nichts zu trinken, aber spätestens um 11 Uhr haben die anderen eine Phase erreicht, die man eigentlich nüchtern nicht ertragen kann, also mittrinken oder als "Spielverderber" nach Hause gehen.
Oder mal kurz zum Nachbarn, bischen schnacken und schon kommt die Frage: Bierchen?
Also ich perönlich habe das Gefühl, dass es schwer ist (zumindest in unserem Kreis) nichts zu trinken, weil es dann sofort heißt: Lusche, nun komm, trink einen..... Vielleicht würde man irgendwann nicht mal mehr eingeladen werden, wer weiß. Tatsache ist, wenig trinken ist schwer, nach mehr als zwei Bier ist der Wille weggespült und ich lande wieder im Rausch mit Gedächnissverlust. Ist man bei einem Vollrausch pro Woche im Vorstadium zum Alkoholiker?
Ist es normal das so viele auch in der Woche beim Griechen 5-10 Ouzo´s leeren + div. bierchen, weil der Wirt so spendabel ist?
Es würde mich freuen von Euch mal zu hören wie es bei Euch so ist.
Gruss Norman |
|
| Nach oben |
|
| Norman hat zum Thema: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? geschrieben
|
|
 |
Spedi Gast
|
Verfasst am: 11.05.2007, 12:42 Titel: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? |
|
|
Servus Normann,
wenn Du schreibst
| Zitat: | | ...obei ich den Punkt für das richtige Abspringen nicht finden kann. Die Folge sind Peinlichkeiten, Gedächnisslücken und... |
dann gibt mir das sehr stark zu denken.
Eines der Kennzeichen von Alkoholismus ist z.B. der von Dir beschriebene Kontrollverlust, den Du ja zur Genüge kennst.
Nun ist es aber nicht die Aufgabe dieses Selbsthilfe-Forums, herauszufinden, ob Du Alkoholiker bist. Das wirst Du mal schön für Dich alleine herausfinden, und Du wirst es herausfinden!
Wir sind hier, um Dich zu unterstützen wenn Du einen Weg der dauerhaften Trockenheit lernen möchtest.
Die von Dir beschriebenen "gesellschaftlichen Zwänge" werden Dich dann nicht mehr stören, wenn Du für Dich entschieden hast, dass Du ein abstinentes Leben führen möchtest. Es ist übrigens auch völlig untwichtig, wer von Euch wie viel trinkt oder nicht trinkt - wichtig ist nur eines:
Was möchtest Du?
Wenn Du das für Dich mal entschieden hast, dann können wir Dir auch Tips und Denkanstöße für ein trockenes Leben geben.
Also, wie sieht's aus, womit können wir dir helfen?
LG
Spedi |
|
| Nach oben |
|
| Spedi hat zum Thema: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? geschrieben
|
|
 |
Alexander neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.05.2006 Beiträge: 308 Wohnort: Bad Schönborn
|
Verfasst am: 11.05.2007, 12:45 Titel: mir gings... |
|
|
... bis auf Kleinigkeiten grösstenteils genauso. Nur, dass ich ein riesiges schlechtes Gewissen hinterher hatte und 3 Tage nicht ansprechbar war. Aus einem kleinen Umtrunk um die Ecke wurde eine samstagabendliche Rundreise durch sämtliche Kneipen im Umkreis, wobei mir bei der 3. Station schon gesagt wurde ich sähe furchtbar aus, ich mich aber noch super gefühlt habe und noch für allen Blödsinn zu haben gewesen wäre. Danach natürlich die neverending-Story. Irgendwann morgens um 6 bei jemandem völlig wildfremden oder den man nur vom Sehen kennt auf der Couch sitzen und noch nicht genug haben, aber nichts mehr runterkriegen. Pfui Teufel wenn ich drandenke.... Dann klingelt das Telefon, meine Frau ist dran und ich sag dann noch in die Richtung sie sei ein Spielverderber, jetzt wo man einmal die Sau rauslässt.
Nee, danke sowas will ich wirklich nicht mehr haben, da bin ich mir sicher.
Zu der Sache mit dem Griechen. Wenn Du mutig bist, kannst Du ja mal ohne Geld dort reingehen. Dann wirst Du sehen, ob der immer noch freundlich zu Euch ist. Ich bin ja nicht böse gegenüber Gastwirten eingestellt, habe auch ein paar wirklich nette Gastwirte kennengelernt die auch mal einen nach Hause schicken oder ein Taxi rufen und zwar bevor es zuviel wird. Prinzipiell wird Dir aber keiner die absolute Wahrheit sagen. Ich habe noch von keinem gehört, dass man nichts mehr trinken soll. Die sagen alle, trink doch mal weniger, oder das gestern Abend war doch halb so schlimm. Diesbezüglich habe ich wirklich keinen kennengelernt der einem schonungslos die Wahrheit sagt. Aber man ist ja auch selber schuld am eigenen Zustand. Und ziemlich ungemütlich werden sie wenn jemand kein Geld mehr hat um seine Droge zu bezahlen (Ausnahme Stammkneipe). |
|
| Nach oben |
|
| Alexander hat zum Thema: mir gings... geschrieben
|
|
 |
linuxgeek81 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.02.2007 Beiträge: 239
|
Verfasst am: 11.05.2007, 15:49 Titel: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? |
|
|
Hallo Norman,
wie Spedi ja schon gesagt hat wird Dir hier keiner sagen koennen, ob Du schon Alkoholiker bist. Aber ich denke die Grenzen sind sowieso fliessend und schleichend. Ich denke allerdings dass man schon sehr weit fortgeschritten ist, wenn man sich erstmals Gedanken um sein eigenes (exzessives) Trinkverhalten macht. Viele sind an diesem Punkt wahrscheinlich schon schwerst abhaengig.
Ich spreche von mir persoenlich wenn ich sage dass ich hier eigentlich nichts ueber Kneipenbesuche oder das Gebaren von irgendwelchen Gastwirten lesen will -- auch denke ich dass es vielen anderen hier so geht. Wir versuchen hier unsere Trockenheit zu festigen und Erfahrungen diesbezueglich auszutauschen. Das heisst also wenn Du wirklich etwas in Deinem Leben veraendert willst, kann Dir hier geholfen werden. Diskussionen darum, wieviel und wie und warum getrunken wird sind ziemlich sinnlos und ueberfluessig. Kommt oft genug vor dass hier Leute nur Absolution fuer ihren Alkoholismus suchen, um ihr aufkeimendes schlechtes Gewissen zu beruhigen und sich weiter selbst zu betruegen. Das ist aber nicht Sinn und Zweck des Forums hier.
Gruesse,
Michael |
|
| Nach oben |
|
| linuxgeek81 hat zum Thema: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? geschrieben
|
|
 |
Alexander neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.05.2006 Beiträge: 308 Wohnort: Bad Schönborn
|
Verfasst am: 11.05.2007, 18:31 Titel: sorry... |
|
|
... habe mich irgendwie dazu hinreissen lassen aus dem Nähkästchen zu plaudern was Gastwirte usw. anbetrifft. Ich wollte ihm aber nur vor Augen führen, dass es mir damals nicht anders ging und ich auch immer 1000 Gründe gefunden habe, warum ich doch noch normal bin...
Ich habe aber auch geschrieben, dass man natürlich selber am Konsum schuld ist, wenn es vielleicht auch etwas zu kurz geraten ist.
Ich denke er ist an einem Punkt wo er ins Grübel gekommen ist. In Wahrheit wird es schon zu spät sein, den Spieß nochmal umzudrehen. Ich war damals in einer ähnlichen Lage, als ich zur Suchtberatung gegangen bin. Ich dachte auch, der sagt mir jetzt das ist normal. Als ich von meinen zahlreichen Filmrissen erzählt habe, die mind. einmal wöchentlich vorgekommen sind. Teilweise auch ganz kurze Filmrisse, dass man fast alles noch weiss, aber nicht mehr wie man ins Bett gekommen ist. Also auf alle Fälle hat der Therapeut gesagt, dass es dann schon zu spät ist um zu einem "normalen" Trinkverhalten zurückzukehren. Geglaubt habe ich es genau 6 Monate lang.
Danach wollte ich die Beweislage neu testen und bin in kurzen Abständen gleich mehrfach wieder auf die Schnauze gefallen. Was mich am Ende zur Entgiftung, Therapie und nun hierher verschlagen hat. |
|
| Nach oben |
|
| Alexander hat zum Thema: sorry... geschrieben
|
|
 |
johannes neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.04.2007 Beiträge: 13 Wohnort: SH
|
Verfasst am: 12.05.2007, 08:06 Titel: selbst herausfinden? |
|
|
Hallo Norman,
wie Spedi, Alexander und Michael schon sagten... auch ich kann keine Diagnose stellen ob jemand "schon" alkoholabhängig ist oder nicht. Das kannst nur Dur selbst indem Du wirklich zunächst einmal grundehrlich Dir gegenüber selbst bist.
Der lebensstil im bezug auf alkohol und die damit zusammenhängenden ereignisse legen den schluss schon ziemlich nahe. Aber aus eigener erfahrung kann ich Dir nur sagen dass es da sicherlich noch mehr gibt. Überprüfe doch einfach mal für Dich selbst Dein verhalten nach solchen exzessiven tagen..
Für mich kann ich nur sagen dass die abstände zwischen den gelagen immer kürzer wurden, die bahn auf der ich ging immer schiefer wurde bis ein gänzliches abrutschen nicht mehr aufzuhalten war.
Mal schauen ob ich eine woche ohne auskommen kann ist nicht der punkt. Trinkpausen schafft jeder irgendwie. Und danach geht es weiter.
Was sagen eigentlich Deine leberwerte? Lass doch mal bei Deinem hausarzt eine blutuntersuchung vornehmen mit schwerpunkt auf eben diese, ultraschall der pankreas... denke es ist durchaus möglich dass Du dann eine ganz schönen schrecken bekommen wirst.
Alkoholkrankheit impliziert den sogenannten kontrollverlust. Wenn ich erst einmal angefangen habe (hatte) etwas zu trinken habe ich zum schluss nicht mehr aufgehört bis nichts mehr ging oder nichts mehr da war.
Nach 11 jahren trockenheit bin ich aus, was weiss ich, überheblichkeit, leichtsinn, nachlässigkeit wieder reingerutscht und fange quasi noch einmal von vorne an. Ich kann Dir aus meiner sicht nur sagen dass es sich lohnt wieder ein selbstbestimmtes leben zu führen und nicht mehr ein denken an den tag legen zu müssen das sich nach dem "upps.. da hab ich frei, da kann ich ja..) richtet. Es bleibt nicht bei dem "nur an freien tagen"..
gruss johannes |
|
| Nach oben |
|
| johannes hat zum Thema: selbst herausfinden? geschrieben
|
|
 |
Freund Gast
|
Verfasst am: 12.05.2007, 09:03 Titel: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? |
|
|
Hallo Norman,
ich sehe das schon etwas krasser, diese Schwelle zur Alkoholabhängigkeit und Sucht.
Auch erkenne ich da klare Parallelen zu meinem damaligen Leben.
Nur weil man (und dein Kreis) eine hohe Alkoholakzepztanz hat, in geordneten Verhältnissen lebt und vlt. erfolgreich im Berufsleben ist, in Cliquenwirtschaft säuft, distanziert man sich gern von dieser Krankheit und zeigt eher gern mit den Fingern auf andere.
Gerade diese "Männlichkeit" , "mann, kann der einen ab", ist doch ein klares Symptom für diese Krankheit, desweiteren der Kontrollverlust und totale Absturz, Filmriß etc., du bist alkoholkrank.
Ich habe seinerzeit manchmal versucht, es endete immer in Trinkpausen, in diesem Kreis beibleibend, keinen Alkohol mehr zu trinken. Es ist einfach über kurz oder lang unmöglich. Du erreichst nie eine geistige Distanz zum Alkohol, der zur glücklichen Trockenheit notwendig ist.
Du musst dich für EIN Leben entscheiden.
Ein glückliches Leben OHNE Alkohol, auch ohne dieses Umfeld deiner trinkenden "Freunde", oder du wirst zeitlebens im Sog dieses Alkohols bleiben, diese Krankheit ist tödlich.
Die Trennung von deinem Umfeld erscheint für dich sicher als immenses Opfer, nie mehr Alkohol zu trinken als schier unvorstellbar.
Du kannst aber diesen Weg gehen und so mehr du deine Trockenheit als oberstes Ziel setzt, z.B. hier in diesem Forum Erfahrungsaustausch führst und annimmst, alte Verhaltensmuster ablegst, dein Leben neu strukturierst, wirst du andere Prioritäten und Perspektiven für dein Leben entwickeln.
Der erste Weg ist der zum Arzt und offen und ehrlich zu sein.
Gruß, Freund. |
|
| Nach oben |
|
| Freund hat zum Thema: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? geschrieben
|
|
 |
linuxgeek81 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.02.2007 Beiträge: 239
|
Verfasst am: 12.05.2007, 14:29 Titel: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? |
|
|
Hallo Norman,
ich bin's nochmal. Eigentlich schreibt ja Deine Ueberschrift "Ich bin nicht anders als andere -- also kann ich ja nicht krank sein" schon Baende. Irgendwie faengt es ja immer an, ne? Das Problem ist leider, dass Alkohol immer eine Talfahrt ist. Heute trinkst Du vielleicht noch, weil Du "willst", morgen trinkst Du, weil Du musst. Und Dich dann mit anderen Alkoholikern zu vergleichen, um Dir einreden zu koennen, dass Du ja nicht anders bist -- und demnach alles in bester Ordnung sein muss... naja. Denk selber mal darueber nach wie sich das anhoert.
Naja lange Rede kurzer Sinn. Du hast zwei Optionen: Weitersaufen in Deinem Umkreis und mal erleben was es heisst, mit Alkohol so richtig schoen tief abzustuerzen, Dein Leben zerstoeren, ab in die schwere Abhangigkeit, langsam aber sicher alles verlieren und am Ende Dein Leben. Oder -- und das war fuer mich die bessere Option -- ein Leben OHNE Alkhohol und ohne solche, die ihn vergoetzen. Ein Leben in Freiheit, Kontrolle und Wuerde. Fuer was entscheidest Du Dich? Lass es uns wissen.
greets,
Michael |
|
| Nach oben |
|
| linuxgeek81 hat zum Thema: Re: Ich bin nicht anders als mein Freundeskreis, normal? geschrieben
|
|
 |