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starlight
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 03.05.2007
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 15:15    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ihr,

mhh hab jetzt lange nachgedacht. Bin völlig matt und müde.

Ich frage mich die ganze Zeit, ist es überhaupt die Mühe wert eine solche Beziehung aufrecht zu erhalten. Jedenfalls sehe ich hier kaum positive Meldungen, die zeigen, das es auch einen Weg aus der Sucht gibt.

Heute bin ich wie erschlagen und komme immer mehr zu der Erkenntnis, wenn ich hier lese: Mach nicht weiter, mach einen Schnitt.

Kann mir einmal jemand Für und Wider erklären?

Grüße Starlight
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starlight hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 15:35    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Starlight,

dann melde ich als trockener Alkoholiker mich mal zu Wort...
Dass Du hier so wenig "positive" Reaktionen erfährst, ist normal. Normal aus mehreren Gründen.

Zum einen (für mich wichtigsten Grund) ist es so, dass Alkoholabhängigkeit nicht heilbar ist. Diese Krankheit kann nur zum Stillstand gebracht werden, bleibt aber ein Leben lang präsent und bedeutet für den Betroffenen ein Leben lang eine gesunde Vorsicht/Respekt vor dem Alkohol zu haben. Dabei sind Rückfälle in diesem unserem Krankheitsbild nichts ungewöhnliches.

Zum zweiten schreiben hier viele Angehörige und Co-Abhängige, deren Partner von sich aus nicht den Wunsch verspürte, etwas gegen seine Krankheit zu unternehmen. Da wurde mit mehr oder weniger starkem Druck nachgeholfen, was bei manchen Alkoholikern dazu führt, dass sie sich widerwillig auf Massnahmen einlassen, aber bei der erstbesten Gelegenheit wieder "durchgehen". Das ist natürlich keine gute Voraussetzung für die Weiterführung einer Partnerschaft, wenn der Alkoholiker nicht trocken werden will.

Ja, und dann wäre da noch der dritte Grund, der für meine Begriffe hier manchmal etwas zu wenig Berücksichtigung findet: Wenn eine Partnerschaft schon vor dem Saufen nicht gut war, dann wird sie durch das Saufen eines Partners mit Sicherheit nicht besser.
Will sagen: wenn's vorher schon nicht gestimmt hat, dann wird es danach erst recht nix. Dann besser Finger weg...

So, und jetzt zu Dir und Deiner Situation.

Nur Du kannst einschätzen, ob Du einen Partner möchtest, der sein Leben lang mit dem Thema Alkohol konfrontiert sein wird, weil er eben nicht so leben will, wie die "normale" Bevölkerung.

Nur Du kannst sagen, ob er den Weg in eine trockenes Leben von sich aus sucht, oder ob er durch Druck dazu gebracht wurde.

Und nur Du kannst sagen, ob Eure Partnerschaft tragfähig und belastbar war und ist.

Alles klar?

LG
Spedi
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Spedi hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
starlight
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 03.05.2007
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 16:49    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,

danke für deine Antwort. Tatsächlich wäre mir Info von Alkoholikern sehr wichtig.

Im Moment fühle ich mich selbst garnicht tragfähig.

Die Entscheidung für den Entzug, kam ohne mein dazutun, völlig unerwartet von meiner Seite, offensichtlich spiele ich wohl eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung.

Komischerweise habe ich trotz der Sucht immer das Gefühl gehabt, das er offen und ehrlich ist. Jedenfalls was unsere Beziehung betrifft. Es hat auch schon gewaltig geknallt, wobei es allerdings immer mit viel Respekt voreinander abgegangen ist. Und ich wohl reflexsartig immer sagte, Du bist erwachsen, Du weißt schon was Du tust.
Ich weiß es nicht was es ausgelöst hat, ich weiß nur ich habe das Thema immer nur als Randthema benutzt aber sehr deutlich zu verstehen gegeben wie weh man mir tut.

Nur jetzt ist es so, das ich gewaltig konfrontiert wurde. Ich mich selbst erst mal damit auseinandersetzten muß. Ich werde es ihm auch sagen müssen , wie beschi***n es mir selber geht, obwohl ich mich über den Mut von ihm sehr freue.
Was mir Probleme bereitet, das er seinen Eltern nichts sagt. Allerdings weiß er von mir, das wenn wir weiter machen, er es sagen muß. Nur er muß entscheiden wann er es sagt. Ich will nicht Mama und Mittäter sein.
Vielleicht ist es ja so ein guter Anfang, ich sollte abwarten und mich selbst auch beobachten. In vielen Lebenssituationen war es so, das ich durch warten ohne Druck am Besten zurecht kam.
Wovor ich einen höllen Respekt habe, das die Abhängigkeit ja ein Leben lang vorhält. Ich hab so überlegt. Alleine das Wort ein Leben lang, mir wirds kalt dabei.

So jetzt hab ich mal so frei von der Leber geredet, wie es mir selbst damit geht. Denn stark bin ich nicht, ich bin auch nur Mensch.

Grüße Starlight
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starlight hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 17:02    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Starlight,

ja, das ist für einen "Außenstehenden Insider" schon hart, ein Leben lang...
Aber: wir Alkoholiker entwickeln ja auch unsere Strategien, um eben nicht so einen riesen Berg vor uns her zu schieben: viele von uns konzentrieren sich (am Anfang) auf die nächsten 24 Stunden, den Tag trocken zu verbringen etc pp
Lies Dich mal ruhig in den Angehörigenbereich ein, Du wirst sehr viele Lebensgeschichten lesen, die stark von Deiner Schilderung der ausgangssituation abweishen, aber im Kern die gleichen Richtungen haben: tut der Alkoholiker aktiv etwas gegen seine Sucht, aus eigenem Antrieb, dann ist ein "gutes Ende" nicht ausgeschlossen.
Sonst sieht's eher mau aus....

LG und viel Kraft auf Deinem Weg,

Spedi
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Spedi hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
lavendel
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.05.2006
Beiträge: 2869

BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 17:23    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo starlight,

du fragst:

Zitat:
Kann mir einmal jemand Für und Wider erklären?


das kannst letztlich nur du selbst. nur du kannst entscheiden, wie tief deine gefühle für deinen partner sind. nur du kannst entscheiden, ob du damit leben kannst/willst, einen alkoholiker an deiner seite zu haben. nur du kannst entscheiden, ob dir das zu viel angst macht, oder ob du all das, was passieren KÖNNTE - nicht muss Ausrufezeichen erstmal eher entspannt erwarten kannst. ich denke, das ist bei jedem unterschiedlich.

wenn mein exfreund aus eigenem willen hätte trocken werden wollen, hätte ich die beziehung mit ihm weitergeführt. ER wäre es mir wert gewesen, und auch das WIR. wenn ich JETZT jemanden neu kennenlernen würde, und er wäre wackeliger oder nasser alki, würde ich ganz weit laufen, weil ich genau weiss, was das bedeutet. ich würde mir das freiwillig und ohne eine ganz starke basis mit dem anderen und dem (realistischen!) optimismus, dass er einen gute chance hat - weil ER trocken werden will, nicht antun.

du siehst: es gibt kein fixes für und wider für bzw. gegen eine beziehung mit einem alki, es hängt vom einzelnen ab, dem willen, der basis, der geduld und den gefühlen. also lass dich nicht von den vielen schlimmen erfahrungen hier runterziehen - vielleicht gehört dein partner ja wirklich zu den exemplaren, die es schaffen. es gibt sie tatsächlich, ich kenne ein paar Lachen. hör auf dich, versuch herauszufinden, wie ernst es deinem freund mit dem trockenwerden ist - und dann wirst du schon das richtige tun.

und wenn du nicht sicher bist: frag uns. wir sind experten Cool.

gruß

lavendel
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lavendel hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
starlight
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 03.05.2007
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 18:45    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke für all die Information und Rückmeldung die ich erhalte.

Ja ich werde mich weiter einlesen.

Der Schock bei mir sitzt tief. merke aber wie ich so langsam wieder Ruhe in mich reinbringe. die fehlte einfach die letzten tage. Jetzt kann ich mich auch wieder auf Anderes konzentrieren.

Eine Chance hat jeder verdient, wir stehen eh am Anfang.

Schaun mer mal. Man schickt ihn am Montag in ambulante Betreuung und auch zur Psychotherapie soll er sich anmelden. Werde jetzt abwarten. Mehr kann ich nicht für uns tun.

Solange ich sehe, es ist wirklich ernst, nun dann soll man die Hoffnung nicht aufgeben.

So jetzt geh ich erstmal mit meinem Hund walken, mindestens ne Stunde, dann reagiere ich mich auch gut ab.

Bis bald und vieleln herzlichen Dank für all die Infos

Grüße Starlight
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starlight hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
Lilly12
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 19:27    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Starlight,

möchte nur zu einer Sache mal was sagen.

Dein Partner steht noch ganz am Anfang und es mag sein, das er denkt, er könne seine Krankheit auch vor seinen Eltern verschweigen. Das wird aber dauerhaft wohl kaum funktionieren. Wenn er schlau ist, kommt er selber dahinter, das es viel zu anstrengend ist, in dieser Beziehung zu lügen. Am Ende weiß man nicht mehr, was man wem erzählt hat. Offenheit ist einfacher und wer mag schon gern lügen, wenn es nicht sein muß ?
Es gibt so viele Menschen mit unserer Krankheit, ich bin von Anfang an offen damit umgegangen, vor Freunden und Arbeitskollegen.

ABER in meiner eigenen Familie hat meine Mutter mir diese Chance genommen, selber mit den Betreffenden zu sprechen. Sie hat sie nämlich alle schön der Reihe nach angerufen und ich weiß nicht mal genau, was sie denen wohl erzählt hat. Sie hat kein Wissen über unsere Krankheit und sich es sich auch nicht angeeignet. Sie denkt immer noch: Wie konntest Du nur.... das weiß ich. Sie kann es nicht als Krankheit akzeptieren. Das Verständnis ist einfach nicht da. Und das, obwohl ihr Schwager dran gestorben ist und ihr Bruder selbst betroffen ist, sie denkt immer noch, er trinke nur ab und zu zuviel.

Nun gut, mich hat das damals sehr gekränkt, ich hätte lieber den Betroffenen selber alles erklärt und auch, wie ich mich weiterhin zu verhalten gedenke.

Darum kann ich Dir nur raten, mach sowas nicht. Dein Partner muß die Chance haben, es selber zu sagen. Und auch den Mut. Beim ersten und zweiten Mal fällt das noch schwer, aber dann wird es immer einfacher.

Ich persönlich habe keinerlei Ablehnung erfahren müssen aufgrund meiner Krankheit. Weder von Freunden noch von Kollegen. Denn die konnte meine Mum nicht anrufen, weil sie die Nachnamen nicht kannte, hähähä Lachen Lachen . Ganz im Gegenteil, ich habe viel Unterstützung erfahren. Und es schützte mich auch zugleich, die haben nämlich anfangs immer mit drauf geachtet, das mir nirgends was angeboten wird. Das wäre zwar nicht nötig gewesen, aber sie meinten es lieb und wollten mich auch schützen.

So, datt wars schon von meiner Seite aus zu dem Thema.

LG an Dich
Lilly
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Lilly12 hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben
starlight
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 03.05.2007
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 05.05.2007, 08:39    Titel: Re: Neue Partnerschaft Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke Lilly,

es bestärkt mich in der Ansicht, nicht selbst einzugreifen und Ihm die Chance zu geben sich selbst zu offenbaren. Ich denke es hat auch was mit Respekt zutun. Manche menschen brauchen auch ein bißchen, bis es sackt.
Würde ich dies für Ihn diese Offenbaren übernehmen, dann kann ich mich nicht mehr als Partner fühlen, sondern eher als Mutterersatz. Hinzu kommt, ich kämpfe ja auch um mich selbst um einen vernünftigen Umgang mit ihm als Partner.
Mir ist klar, wir können nur zusammenbleiben,wenn ich Ihn als solches respektiert .
Solange wir reden, das fällt mir immer wieder auf, gibt es auch eine Chance respektvoll die eigene Sicht darzulegen.
Jedenfalls vermute ich, das genau diese Einstellung meinerseits und auch die tägliche Mail, in der ich seit 1 Jahr jeden Tag beschrieb wie ich den Tag verbringe, das Alles ausgelöst hat.
Ich werde so weitergehen. Ich kann nicht mehr aber auch nicht weniger tun.

Grüße Starlight
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starlight hat zum Thema: Re: Neue Partnerschaft geschrieben

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