Teddy neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 17.07.2005 Beiträge: 145 Wohnort: Freistaat Bayern
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Verfasst am: 04.08.2005, 19:05 Titel: Re: Hallo Teddi, |
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Hallo Kumax,
mein Leben habe ich mir auch anders vorgestellt, das geht aber wahrscheinlich jedem von uns hier im Forum so. Allerdings ist das kein Grund Hilfe beim Alkohol zu suchen denn der hilft einem bestimmt nicht bei dem ganzen Drumherum, er macht´s noch schlimmer.
Ich habe Ende der 70er Jahre als Kfz.-Mech. gelernt und einige Jahre als solcher dann gearbeitet, anschließend wollte ich ein wenig von der "schönen großen weiten Welt" sehen und habe mich als Fernfahrer verdient. Na ja, groß ist die Welt schon wie wir alle wissen, mit Internet und Email allerdings wird sie dann schon um einiges kleiner , schön ist es auch an einigen Fleckchen dieser Erde, aber das ganze Drumherum was Menschen in ihrem Leben durchmachen müssen ist dann weniger aufbauend. Anschließend machte ich mich selbstständig im Vertrieb für Haustürvordächer, Sicherheitsglas, Markiesen, Eingangstüren usw., kurz alles was zum Haus-, und Ladenbau gehört, da wird natürlich auch getrunken überall.
Als ich damals während meiner Lehrzeit mit Trinken begann, im Handwerk trinkt man halt weil das jeder macht, gewöhnte ich mir an vor jedem anstehenden Problem etwas zu trinken um das ganze besser meistern zu können. Mit der Zeit allerdings merkte ich die Abhängigkeit dann schon ganz krasse und ich begann immer früher zu trinken um das Zittern zu betäuben.
Nur als Beispiel: stand ich mit meiner Kiste im Hamburger Hafen und wartete über nacht auf Ladung, was soll man als Junggeselle anders tun als mit den anderen Fahrern zusammen nach St.Pauli zu gehen und - wieder mal - dem Alkohol zu verfallen, klar, so dachte ich früher, warum soll ich mich ins Fahrerhaus hocken und die nacht über mit TV verbringen, heute weiß ich daß St.Pauli ohne Alkohol unvergleichlich schöner und erlebnisreicher sein kann weil man nämlich nicht betäubt ist von dem Zeugs. Ebenso lief das in Berlin, Frankfurt und allen anderen Metropolen, denen man allgemein die "langen Nächte" nachsagt. Meistens arten diese "langen Nächte" dann aber in mehr oder weniger "Alk-Naß-Nächte" aus, so daß man im Grunde genommen eigentlich keinen Spaß mehr dabei hat - und was der Alk auf die Dauer Geld verschlingt ist auch klar.
Heute weiß ich daß das nicht nur auf St.Pauli sondern auf alles zutrifft, heute weiß ich daß eine Nacht auf einem Autobahnrastplatz zusammen mit anderen Fahrern, die ebenfalls nicht trinken, schon deshalb besser, schöner und vor allem anderen gegenüber rücksichtsvoller ist weil man ohne Alk nicht nur in Ruhe Kartenspielen, Fernsehen und über die Arbeit, die Ladung oder sonstiges reden kann ohne am nächsten Tag wieder alles vergessen zu haben vor lauter Suff. Heute weiß ich auch daß man als Vertriebsleiter oder als Vertreter auch seine Arbeit machen kann ohne Alkohol.
Ich weiß schon wie man sich fühlt wenn man die ganze Zeit auf Achse ist, am Anfang ganz schön, man sieht was und freut sich drauf, dann, nach einiger Zeit, sehnt man sich nach einem zu Hause, einer Frau und einem geregelten Feierabend in der Heimat oder zumindest daß man halt jeden Abend in den eigenen vier Wänden zu Hause sein darf und kann.
Eine schöne Finca auf Mallorca mit nem knallroten Ferrarri vor der Haustür und einem Pool im Garten, umgeben von Palmen, liegend auf einem Strandstuhl mit einem Glas was weiß ich was in der Hand, mit einer ausgepreßten Zitrone in der so ein kleines Schirmchen drübersteckt am Glasrand, am Handgelenk ne Rolex, ein Kettchen um den Hals und das Hemd aufgeknöpft damit die Frauenwelt auch die paar Häärchen sieht hä hä, kennst ja das ganze Aufgeschaue, ja, das wär schon was, und im Urlaub hab ich auch nix dagegen mal so auf den Putz zu haun, gehört auch dazu wenn´s einem Spaß macht.
Aber ich sag Dir was, in einen Ferrarri komm ich eh nicht mehr rein weil ich im Rollstuhl sitze, krankheitsbedingt, da ist mir unser alter Japaner mit den großen Türen noch schon lieber weil ich da wenigstens meine Beine ausstrecken kann, den Liegestuhl hab ich in meinem Schrebergarten, das Mineralwasser gleich im Häuschen parat, der Sonnenschirm ist auch da, eine schöne Armbanduhr hab ich auch, ist keine Rolex aber mir gefällt sie und die Zeit zeigt sie auch schon, Freundin ist auch da und eine 60qm-Wohnung die ich bald wechseln werde auch.
Meine Nachbarn und meine Freunde als Gesprächspartner hab ich auch, zum Einkaufen ist auch alles in der Nähe und im Einkaufszentrum auf dem glatten Steinboden fahr ich Euch Fußvolk mit meinem Rolli noch dreimal davon. Hab ich Probleme oder komm ich mal nicht die kleine Steigung vor dem Supimarkt hoch oder bin ich alleine grad unterwegs, findet sich immer eine hilfsbereite junge Dame die mich dann hochschiebt - unter den neidischen Blicken der anderen rumstehenden Mannsbilder - Ätsch !
Am Monatsanfang wenn ich meine Kohle von der Bank hole rechne ich schon wieder wie lange das bißchen Geld wohl reichen wird - naja, wenn da noch Alk dazukäme würde es gewß nicht mehr reichen.
Was ich Dir damit sagen will, ich hätte mir mein Leben auch anders vorgestellt als in einer 2-Zi.Wo. mit Küche und Bad, Balkon, 60qm, einem Rollstuhl und chronischem Geldmangel, aber, und jetzt kommt das Aber, glaub mir wenn ich Dir sage daß das alles mit Alkohol wesentlich mehr Probleme mit sich bringen würde, na da hätt ich was auf dem Zettel wenn ich die Sucht noch hätte. Und vor allem so wie es ist fühle ich mich geborgen und aufgehoben, ich hab ein zu Hause und alles was ich brauche - außer dem dicken Bankkonto - aber wer hat das heute noch.
Es ist hier nicht Mallorca oder Paris, aber zumindest ist es billiger als Paris und die Mücken auf Mallorca hab ich hier auch nicht.
Du kannst zusehen daß Du in Deine Heimat kommst und dort wieder eine Arbeit findest, ohne Alkohol geht das besser, Du kannst eine Wohnung anmieten in Deiner Heimat wenn Du eine Arbeit nachweisen kannst in Deiner Heimat bekommst Du den Umzug, Kaution und Ablöse vom ARGE-Sachbearbeiter sogar bewilligt und Du zahlst für den Umzug keinen Pfennig.
Nur - mit Alkohol wirst Du das kaum auf die Dauer durchhalten weil der Alk Dir die letzte Kraft raubt. Deine Hoffnung, Deine Sehnsüchte werden durch den Alk immer auf´s neue zerstört werden weil Du einfach nicht so handeln und agieren kannst als wärst Du nüchtern, so ist das leider. Wenn Du dem Alkohol wieder die Macht über Dich gibst wird er Dich wieder in seinen Bann ziehen und dann machst Du den ganzen Mist wieder durch - Entzug - Entzugserscheinungen - Frust - Arbeitsplatzprobleme-, oder Verlust usw. usf. der Teufelskreis schließt sich automatisch wieder mit dem ersten Glas daß Du trinkst, das ist Dir gewiß.
Du willst wieder in Deine Heimat oder einen Arbeitsplatz dort, eine größere Wohnung oder eine etwas schönere, kann ich verstehen, aber Du tust Dich damit leichter wenn Du rund um die Uhr nüchtern bist und nicht vernebelt oder vom Kater des Vortages noch zermürbt. Deine Zukunft wird durch Alkohol nicht besser, sie wird schlechter, das solltest Du nicht vergessen. Alkohol verschlimmert Zukunftsängste und schürt diese noch an.
Nimm Dein Leben in die eigene Hand, laß das erste Glas stehen und schaff Dir eine neue Lebensgrundlage, die Kraft die Du dazu brauchst hast Du nur nüchtern. Du bist enorm gefährdet, aber nicht - und man kann sich immer nur wiederholen - wenn Du das erste Glas stehenläßt. Hast Du sicher schon bei den AA gehört den Spruch, es ist leider genau der Spruch den man immer wieder aufsagen muß weil in diesem o.g. nämlich das ganze Geheimnis der Sache liegt und genau diesem erliegen die meisten dann wieder. Aber für keinen von uns war oder ist das Leben ein Zuckerschlecken, das bestimmt nicht, und wenn ich es im Rollstuhl schaffe ohne Alk klar zu kommen (auch wenn ich ebenfalls beruflich gescheitert bin, aber das zählt nicht, was zählt ist die Lebensqualität und das Zufriedensein damit), meine 60qm-Bude zu erhalten, meine Freundin bei mir zu halten, dann schaffst Du das erst Recht wenn Du willst und konsequent drüber bleibst - oder bist Du so schwächlich und klein daß Du das nicht schaffen würdest?!
Ich schaffe es jetzt 11 Jahre ohne Alk, also laß Dich nicht hängen und krempel Dein Leben so um wie Du es willst!
Wenn Du dabei Unterstützung oder Hilfe brauchst, wir sind alle da, dann sag es, also geh es an aber geh es gleich an und warte nicht auf einen besseren Tag, der ist nämlich heute - heute soll Dein neues Leben beginnen und nicht morgen. Selbstbemitleidung hast Du nicht nötig sonst hättest Du es nicht bis hierher geschafft, also reiß Dich auf und wir gehen mit Dir da durch.
Trockenen Abend noch an Dich.
LG
Teddy |
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soul42 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 05.05.2005 Beiträge: 425 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 05.08.2005, 09:43 Titel: Re: Hallo Teddi, |
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@ kumax
du schreibst, du hast dir dein leben anders vorgestellt, DAS haben sich viel, nur in der heutigen zeit der arbeitslosigkeit geht es vielen so !!!
durch den alkohol habe ich nicht nur meine arbeit damals verloren, sondern den GANZEN anschluss an die arbeitswelt. versucht habe eine reha massnahme als bauzeichnerin, wobei ich die prüfung bei der IHK gemacht habe, sowohl aber auch den computer-führerschein, wo ist damals dachte, wenn du ihn hast, kannst wenigstens mit ins büro.
eine stelle habe ich bis heute nicht, denn es fehlt mir der anschluss, ich habe keine berufserfahrung, und mit 44 ist man heutzutage eh zu alt. DAS zum thema arbeit und alkohol.
aber eins ist mir heute noch mehr als wichtig:
ich trinke nicht mehr, bin gesundheitlich oben auf, beziehe zwar hartz4, aber es geht mir persönlich MEHR ALS GUT ohne den alkohol.
lg grüsse, soul |
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