HansDampf neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 24.04.2007 Beiträge: 29
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Verfasst am: 24.04.2007, 20:00 Titel: Entscheidung |
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Hallo, ich lese schon seit einiger Zeit und nun auch wieder nach einer längeren Pause bei euch angeregt mit. Hab mir nun den Mut genommen, mich anzumelden und mich gleich vorzustellen, denn Stillstand ist Rückschritt und ich muss dringend etwas tun. Außerdem habe ich Fragen. Bevor ich diese stelle, möchte ich euch in Kurzform meinen (Leidens-) Weg schildern. Ich weiss nicht, ob ich im richtigen Forum gepostet habe, aber über eine Vorstellung geht mein erster Beitrag definifiv hinaus, denke ich...
Ich glaube ich bin schon lange Alkoholiker, nur das Mass steigerte sich kontinuierlich. Aufgrund der Tatsache, dass ich Musiker und zeitweise auch Berufsmusiker war und ich auch später eigentlich immer sehr anspruchsvolle und stressige Jobs hatte ist es wohl überflüssig zu erwähnen, dass der Alkohol floss wie in Stömen - wie das ja so Gang und Gäbe ist in einigen Berufen.
Ich bin mittlerweile 33 Jahre alt, und hatte immer alle Warnungen meiner Freunde in den Wind geschlagen, die meinten beobachtet zu haben, dass meine „Schlagzahl“ im Biere-stemmen überdurchschnittlich sei. Ich war weder agressiv, noch aufbrausend, oder beleidigend. Ich hab das einfach nicht als Problem erkannt. Mein Vater trank auch Bier, jeden Abend. Nur ein oder zwei, und wenn meine Mutter sagte, Papa du hast ein Alkoholproblem hat der nur gesagt: „jaaaneee, is klaaa… weil ich 1-2 Biere am Abend trinke“… Daraufhin meine Mutter: „Dann hör doch mal 6 Wochen damit auf, und beweise mir, dass dem nicht so ist“… Darauf kam natürlich der Spruch: „Ich habe kein Problem, und damit auch nichts zu beweisen, natürlich könnte ich sofort aufhören, aber ich will ja nicht“… Das hab ich in meiner Kindheit oft mitbekommen… War mir aber egal, ich hab nie erlebt, das mein Vater irgendwie anders war nach dem Bier, ausserdem musst ich eh immer früh ins Bett, und ich sah damals auch kein Problem darin…
Tja, nachdem ich mich irgendwann mit dem Thema Alkohol mehr kritisch auseinander zu setzen begann – ausschlaggebend war ein schwerer Autounfall mit Tempo 220 – alkoholisiert natürlich – 3 mal Leitplanke, 6 Überschläge und letztlich aufm Kopf im Graben - bekam ich schon ein schlechtes Gewissen. Mir war aber nichts passiert – kein Kratzer, auch kein anderer war beteiligt, und so dauerte es keine 2 Tage bis ich wieder trank Hatte ja eh keinen Führerschein für einige Zeit. (da war ich 25)
Arbeit und so lief immer normal, wurde nie auffällig. Irgendwann Ende 2004 begann ich mich erneut mit meinem Trinkverhalten auseinanderzusetzen. Ich las Bücher und konnte nicht erkennen, warum ich eigentlich trank. Ich hatte keine Probleme zu bewältigen, jedenfalls keine zeitnahen, oder akuten. Beziehung, Job, Geld, alles lief ja… Ich wusste nicht ob ich Spiegeltrinker oder Kontrollverlusttrinker oder sonst was war, ich konnte mich da einfach nirgendwo in der von der Fachliteratur angeführten Gruppen wiederfinden. Ich ging also zu meinem Hausarzt, der Internist war und brachte ein Buch mit („Wenn Alkohol zum Problem wird“) und fragte nach Rat, weil ich es nicht verstand, und wie ich Hilfe bekommen könnte.
“Ach, Herr xxx, ich weiss gar nicht was Sie haben, sie haben einen Job, eine Wohnung, ein Auto sind erfolgreich, selbst ich habe Ihre CD in meinem Regal, sie sind toll, SIE HABEN KEIN PROBLEM ! Und wenn sie mal eins bekommen, dann kann ich ihnen ja irgendwann mal eine Nummer von den AA’s geben, die sind hier auch irgendwo, ich weiss jetzt nur nicht wo…aber das kann ich ja dann rausfinden“ …waren seine Worte…
“Hurra, ich hatte kein Problem“… Irgendwie hab ich damals schon gedacht, was für ein Depp, er scheint mich besser zu kennen als ich mich selbst – welch Anmassung…aber ich denke dem kleinen Alkoholiker-Tier in mir ging es mit dieser Aussage bestens ! Gefahr erkannt – Gefahr „ver“-bannt … Geil.. Also munter weiter…
Paar Monate später bekam ich Stress mit meinem Arbeitgeber, nicht wegen Alkohol, aber wegen Karriere, ich sollte Sachen tun, die ich nicht wollte und musste vors Arbeitsgericht und allen Kram – Mobbing inklusive… Das zog sich einige Wochen wenn nicht Monate hin, und ich war auch immer öfter nicht auf der Arbeit anzutreffen, hab mich krankschreiben lassen usw. bis ich irgendwann Magenprobleme bekam. Ich ging wieder zu benanntem Internist und bat um eine eingehende Untersuchung ob ich ein Magen oder Zwölffingerdarmgeschwür oder ähnliches habe… „Das ist nur der Stress, den Sie im Moment haben…warten sie mal ab, in paar Tagen geht das wieder“… Gut, er war der Arzt, was sollt ich denn machen ? Das waren für mich immer Götter in weiss… (By the way möchte ich hier erwähnen dass mein damaliger Konsum bei ca. 5 Litern Bier und mind. einer halben Flasche Whiskey oder ähnlich hartem Zeug lag – wenn ich früh ins Bett gegangen bin)
Zwei Wochen später war der Gerichtstermin - Ich gewann. Endlich war der ganze Ärger vorbei und ich konnte neu durchstarten… - dachte ich…. Pustekuchen. Am Morgen nach der Verhandlung, konnte ich vor Schmerzen nicht mehr stehen, sitzen oder sonstiges, ich fand keinen, der mich zum Arzt fuhr und ich schleppte mich selber im Auto hin. Hätte fast noch einen Unfall gebaut. Arzt ratlos.. Ultraschall… ich hab geschrien vor Schmerzen, ich konnte nicht mal mehr reden… er rief dann einen Krankenwagen… Bis die Blutuntersuchungen im Krankenhaus vorbei waren, konnte man mir nichts gegen die Schmerzen geben, da man ja nicht wusste was es war. Dann kam raus: Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) Der normale Wert, der glaub ich irgendwo bei 60 zu liegen hat, war auf über 980 angestiegen. Lebensbedrohlich sagte man mir damals… Vom Gamma-GT Wert will ich gar nicht sprechen.
Nachdem Tramal, Novalgin und Morphium, dass ich sogar direkt in die Bauchdecke gespritzt bekommen hatte, nichts gegen meine Schmerzen ausrichten konnte, schrie ich auf der Station bis in die nächsten Morgenstunden. Rühren sie bloss nie wieder einen Tropfen Alkohol an, gab man mir mit auf den Weg, nachdem ich 10 Tage später das Krankenhaus verlassen durfte… (7 oder 8 davon künstlich ernährt)… Ich sage euch, Zwieback und Wasser können nach 8 Tagen nichts essen und trinken schmecken wie Kaviar und Champagner )
Ja, nieee wieder Alkohol, is klar… Ich hatte 7 Tage Zeit bis zum gebuchten Skiurlaub mit meinen Kumpels, und ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich am zweiten Abend schon wieder Hacke war… Tragisch irgendwie… ging aber…
Tja, dann als weiter so und keinen Job gefunden. Ich merke schon, ich schreib doch nicht so kurzfassungsmässig wie geplant, aber jetzt muss es einfach mal raus. Ich versuch mich kürzer zu halten. Kurzum ich lernte meine jetzige Freundin kennen, wir führten zuerst eine Fernbeziehung, ich wohnte aber aufgrund eines Jobs und weil ich sie besser kennenlernen wollte, 3 Monate mit Ihr zusammen. Wir mussten schliesslich testen ob wir zusammen passen, wenn wir zusammen ziehen wollten, und das hatten wir ja irgendwann vor. Dezember 2006 um genauer zu sein. Ich hatte meine alte Wohnung in der Zeit nicht aufgegeben.
In diesen 3 Monaten fiel meiner Freundin natürlich mein Alkoholkonsum auf und wir sprachen auch öfter darüber, aber ich konnte sie immer beruhigen… (Jaaa, das können wir Alki’s gut, die anderen in Sicherheit wiegen oder ? Ich hab das hier schon oft gelesen…)
Trotzdem liess sie nicht locker, und wandte sich damals an euch hier im Forum, und bat um Rat und Hilfe im Co-Abhängigen-Bereich. Ich wohnte wieder in meiner eigenen Wohnung weit, weit weg, und plante den Umzug. Ihr Plan, den sie auch in die Tat umsetzte war: Entweder du hörst auf zu trinken, und suchst dir Hilfe, dann hast du meine Unterstützung, oder ich werde mich von dir trennen. DAS HAT GESESSEN ! An diese Forderung war allerdings auch noch geknüpft: Mach keinen kalten Entzug alleine zuhause, schon gar nicht, wenn ich so weit weg von dir bin. Gehe zu einem Arzt, lass dich einweisen zur Entgiftung, und mach eine Therapie ! Ich sagte ok, machte aber das Gegenteil, ich trank seit dieser Ansage von Ihr keinen Schluck mehr. Sperrte mich zuhause ein und verriet ihr erst nach 8 Tagen oder so, dass ich nichts mehr angerührt hatte. Ich bat um Lockerung der Forderung, und argumentierte damit, dass ich sehr bewusst getrunken hatte, schon immer, nicht kontrolliert, aber immer bewusst, auch damit was ich mir antue, nur noch nie ernsthaft den Versuch gemacht hatte aufzuhören, ich wollte ja nie. Ich wollte auch nie Alkoholiker sein, schliesslich wollte ich kontrolliert trinken. Jetzt wollte ich, und sie glaubte mir. Zumindest wollte ich mich bessern. Ich habe bis zu unserem Zusammenzug nichts angerührt, das war über einen Monat lang. Der Rückfall war damals ja von mir schon vorprogrammiert, aber ich war mir ja nicht bewusst, dass es ein Rückfall wird.
Ich hatte damals immer die Angst, dass ich von einer Geissel (Alkohol) in die nächste (NIE wieder Alkohol, mein Leben lang) stolperte, und wollte mein Leben weder von dem einen „zuviel“ noch von dem anderen „gar nichts“ beherrschen lassen. Ich dachte, - wie so viele -, ich kann das kontrolliert. Ich wollte weiterhin zu einem leckeren Wildgericht einen guten Rotwein trinken, und auch mal ab und an ein Bier mit Freunden, ich bräuchte es ja nicht zu übertreiben.
Auch das ging einige Zeit gut. Erst mal nur zwei Dosen Bier Zuhause, dann mal ein Sixpack, dann mal ein 11er Kasten, dann ein 24er 0,33, dann 20er 0,5 … oder auch zwei, wenn Besuch anstand… Freundin arbeitet ja abends bis 22.30 h kriegt sie auch nicht sooo mit… Jaja, ganz langsam und Schleichend war ich dann doch schon wieder da, wo ich nicht hinwollte. Das war der Beweis… ich schaffe es wohl doch nicht alleine, denn an der Ernsthaftigkeit meiner damaligen Absicht zweifle ich bis heute nicht. Und trotzdem hat es nicht funktioniert.
Samstag habe ich das letzte Mal Alkohol getrunken. Und zwar ordentlich. Ordentlich viel. Obwohl ich am nächsten Tag ein Fahrzeug führen musste und mir vorgenommen hatte, das nicht zu tun.. (zu übertreiben)… habe ich auch das nicht geschafft. Ein Zeichen.Und noch ein deutlicheres von meiner Lebensgefährtin kam dazu. So geht’s nicht weiter. Wir sind uns da einig. Ich habe jetzt 3 Tage nachgedacht, denn ich muss es selber wollen, und nicht weil irgendjemand anderes es will. Und ich will es. Ich will ein Leben ohne Alkohol.
Ich habe heute versucht einen Termin bei einem Internisten (ein Anderer, keine Sorge) zu bekommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, „wir haben diese Woche keinen Termin“ usw. bekam ich dann doch sofort einen weil ich gesagt habe, ich bin Alkoholiker und ich kann selber nicht entscheiden ob ich für eine Entgiftung in ein Krankenhaus muss.
Das Gespräch war ganz gut denke ich. Er sagte, eine Entgiftung unter Beobachtung wäre nicht von Nöten, ich würde keinerlei Anzeichen von Entzugserscheinungen oder ähnlichem zeigen. Kein Zittern, keine Nervosität, meine lange konzentrierte Schilderung der Umstände und meiner Story, er sähe keine Gefahr. Weiterhelfen in Bezug auf Therapie oder ähnlichem könne man mir auch dann nur, wenn ich wirklich dazu bereit sei ein Leben ohne Alkohol zu führen. Wenn ich das nicht wolle, und weiterhin darüber nachdenken würde, zum Wild einen Rotwein zu trinken, dann könne ich es gleich vergessen.
Nun, ich habe verstanden. Jetzt meine Fragen: Der Doc sagte, er würde mich egal für welche Art Therapie ich mich entscheide unterstützen. Vorgeschlagen hat er eine Tagesklinik in der Nähe, dann könnte ich wohl abends nach Hause und dort steht eher im Vordergrund : Ich habe ein Problem, und dieses vertusche ich durch Alkohol, können wir das lösen ? Oder eine stationäre Entwöhnung für 4-6 Wochen weiter weg, was man da genau macht weiss ich aber auch nicht. Gruppen und Einzeltherapie wahrscheinlich. Könnt ihr mir da weiterhelfen ?
Ich soll morgen früh zu einem Blutbild noch mal zum Doc und ihm dort auch meine Entscheidung mitteilen, was ich machen möchte. Ich weiss halt nur nicht warum ich überhaupt so viel getrunken habe. Gewohnheit wahrscheinlich. Vielleicht versuche ich auch irgendwas zu verdrängen oder zu verarbeiten, ich weiss aber nicht was.
Ich habe heute den 2. wichtigen Schritt getan, (nach dem ersten, nämlich nichts mehr zu trinken) und hatte eigentlich die Hoffnung, ich bekomme da mehr so gesagt, was ich machen, oder wie ich es machen soll, jetzt bin ich vor so eine Entscheidung gestellt von der ich nicht weiß welche ich treffen soll. Wenn ich 6 Wochen weg bin, muss ich das ja auch erst mal allen erklären die mich kennen. Ich meine, dass wäre zwar kein Problem, ich muss mich wohl eh, sozusagen „outen“ irgendwann. Und in einer Tagesklinik für Psychotherapie weiss ich auch nicht ob da genug auf das Thema Alkohol eingegangen wird, und entspricht es einer „Entwöhnung“ ? Ich hab einfach Angst dass ich nicht genügend Unterstützung bekomme, und alleine schaffe ich es sicher nicht lange… Warum kann ein Arzt, dem man ausführlich die Problematik geschildert hat, einem nicht genauer sagen, was das Beste für einen ist ?
Was soll ich tun ?
Ich hoffe es ist noch irgendjemand heute Abend/Nacht online, der etwas konstruktives zu der Problematik beitragen kann vielleicht, morgen muss ich ja auch irgendwas sagen, ich werde mir in der Zwischenzeit noch die Nacht damit um die Ohren schlagen mich zu informieren.
Gruss
HansDampf in allen Sackgassen |
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