Schorse neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.02.2007 Beiträge: 20 Wohnort: Garbsen
|
Verfasst am: 29.03.2007, 13:32 Titel: Alkohlol? Nein Danke!! |
|
|
Hallo,
ich bin eigentlich nicht so der Schreiberling, aber ich Versuchs mal einen kleinen Überbick.
Ich war vor meiner Therapie stark im Vereinsleben eingebunden. Und wie man sich vorstellen kann war auch der Umgang mit den alkoholischen Getränken recht locker. Außer meiner Frau, und vielleicht noch dem Betriebsarzt der Firma, wo ich übrigens immer noch beschäftigt bin, hat es keiner geahnt, bzw. gewusst. Alle sind sie aus den Wolken gefallen als es hieß, dass ich eine Entgiftung mit anschließender Therapie mache. Ja, meine Frau hat damals das einzig richtige gemacht, sie hat es allen nach und nach erzählt dass und warum ich für längere Zeit weg bin.
Ich konnte, zu meinem Glück, auch „befreit“ meine Entgiftung antreten. Nicht das ich wusste was auf mich zu kommt, das war mir relativ egal, ich wollte von dem Zeug loskommen. Meine finanzielle Seite konnte ich regeln. Das war mir wichtig, da ich ja verheiratet war und ein Kind hatte.
Es muss 2-3 Wochen vor Therapie-Ende gewesen sein, da hat es bei mir in einem Gesprächskreis irgendwie den viel zitieren „Klick“ gemacht und ich wusste, dass ich keinen Alkohol mehr trinken muss. Über die Therapie selbst möchte ich lieber nichts berichten, denn jeder zieht seinen eigenen Nutzen und auch andere Nutzen aus den Maßnahmen die dort stattfinden. Was manche gut finden, finden die anderen wiederum total daneben. Und nach der Therapie?
Nach fast 5 Monaten die ich weg war, kam ich mir die erste Woche vor wie ein Fremder in der eigenen Wohnung. Ich musste wieder zur Arbeit. Was werden wohl die Kollegen sagen? Wieder zum Verein….. Die Nachbarn….. die Verwandtschaft….. Dadurch dass es die meisten schon wussten, hatte ich überhaupt kein Problem mit den Belästigungen wie „ein kannste doch ruhig“. Und in vielen Gesprächen, die ich mit vielen verschiedenen Leuten gemacht habe, haben mir sogar einige ihren Respekt ausgesprochen. Und von denen ich es am wenigsten erwartet hatte, kannten sich sogar ein wenig aus.
Und trotz dem „Klick“ den ich hatte, hatte ich auch Angst. Ich erinnere mich noch als ich 3 Monate nach Therapie-Ende zum Osterfeuer gegangen bin. Schon von weitem konnte ich den Geruch aus einer Mischung von Bratwurst, Bier und Glühwein wahrnehmen. Aber meine Angst war nicht das ich selbst zum Bier zu greifen würde, sondern das mir irgendjemand, der es vielleicht doch nicht so gut mit mir meinte, etwas in mein Getränk geschüttet hätte. Aber diese Angst war unbegründet.
Ich habe nach meiner Therapie, zusammen mit meiner Frau, so ca. 4 Jahre eine Selbsthilfegruppe besucht. Das war ein fester Bestandteil im Terminkalender. Aufgehört haben wir in der recht lockeren SHG weil ich(wir) einfach keine Lust mehr hatten. Ich war auch der Meinung, dass ich es allein weiter schaffen kann.
Nach der Therapie habe ich auch wieder angefangen in meinem Verein aktiv mit zu arbeiten. Alle, die von meiner Alk-Krankheit wussten, haben sich doch rücksichtsvoll verhalten. Nicht das sie nicht mehr ihr Bier getrunken haben, sie haben mir nur keins angeboten und haben gefragt, was ich denn trinken möchte.
Bei der Arbeit wurde, während ich weg war, der Alkohol aus der Kantine verbannt. Allerdings nicht wegen mir, sondern im Allgemeinen. Aber auch das Bewusstsein hat sich meiner Meinung nach in den Jahren verändert.
So hat sich im laufe der Jahre das Nichttrinken in mir verfestigt, das ich zwar nicht immer daran denke, aber ich vergesse es auch nicht. Mittlerweile habe ich auch schon 2 oder 3 mal Bier ausgeschenkt. Ich drängele mich nicht danach, aber die Situation war da und ich habe es als Job gesehen. Auch gibt es bei uns immer noch kein Bier auf den Geburtstagen. Warum soll ich was kaufen, was ich selbst nicht trinke. Und alle akzeptieren das.
Früher war ich immer einer der letzten, der bei einer Feier gegangen ist. Es passte ja immer noch ein Schluck rein. Heute gehe ich oft dann, wenn ich mir das besoffene Gelabere nicht mehr anhören kann.
Ich konnte mir früher auch nicht vorstellen wie es ist ohne Alkoholische Getränke aus zu kommen. Prima ist das, besser kann es einem gar nicht gehen. Wir müssen uns aber nichts vormachen, es gab auch mit Alkohol schöne Zeiten, aber diese Zeiten wurden immer seltener, bis sie ganz weg waren. Ich habe kein Geheimrezept zum trocken bleiben. Und man sollte auch nie „Nie“ sagen, aber ich habe es von 1994 bis jetzt geschafft. So soll es bleiben und wünsche es auch allen anderen.
Vielleicht liest sich das ja ein wenig zu selbstsicher, aber ich habe das aufgeschrieben, was mir auf Anhieb so eingefallen ist. Die Vergangenheit kann ich auch nicht mehr ändern, ich schaue lieber nach vorn und da heißt es:
Alkohol? Nein danke!!!
Wenn Ihr mich was fragen möchtet, fragt einfach, ich werde Euch antworten.
Gruß
Schorse |
|
Schorse neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.02.2007 Beiträge: 20 Wohnort: Garbsen
|
Verfasst am: 29.03.2007, 14:41 Titel: Re: Schorse |
|
|
Hallo und danke an alle,
auch wenn man so lange wie ich trocken ist, muss ich sagen, dass ich mich freue dieses Forum gefunden zu haben. Auch nach so langer Zeit tut es gut mal wieder auf Leute zu treffen, die auch ernsthaft zuhören (lesen) was das Thema Alkoholsucht betrifft. Ich habe ja schon das eine oder andere geschrieben und werde auch versuchen meine Erfahrungen mit einzubringen.
Gruß Schorse |
|