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Richard Powolny
Gast






BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 19:10    Titel: "Ich trink nix mehr." Wer glaubt's? [war: Böser Ti Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebes Seelchen, lieber Karsten, liebe alle,

seelchen48 hat Folgendes geschrieben:

das sollte natürlich heißen es gibt m.E. keinen einzigen Grund N I C H T mit dem Trinken aufzuhören. ( Betraf deinen Mann )


Allllso, doppelte Verneinung ist gleich Bejahung, mein Mann soll also aus Deiner Sicht aufhören.
Wißt ihr, er würde das mirzuliebe sogar tun, soeben hab ich ihn gefragt. Aber er trinkt schon von sich aus kaum mehr was oder kauft sich alkohol"freies" Bier - achja, wie steht's damit? Sollte sich "der" Alkoholiker das auch nicht vortrinken lassen? Auch davon hat Mann ja eine Fahne...
Jedenfalls, auch wenn's hier offenbar keiner glaubt, damit habe ich kein Problem (ich find's viel schlimmer, wenn er seine stinkenden Socken nicht entsorgt).

seelchen48 hat Folgendes geschrieben:

Wie sieht es heute bei dir aus, alles ok ??)

Alles bestens, außer daß ich mich heute ein bißchen geärgert habe.

Zum einen über einen Mitarbeiter, der heute wohl mit dem linken Fuß aufgestanden ist, zum anderen, um ehrlich zu sein, Karsten, über Dein Posting.
Wer mag auch schon gesagt bekommen, was man zu tun hat, auch wenn's gut gemeint ist Winken
Wenn ich aber auch noch gesagt bekomme, was mein Mann zu tun hat, finde ich das schon etwas stark.

Beim quengeligen Arbeitskollegen habe ich auf "SEP" gestellt (somebody else's problem) und nur noch versucht, ganz sachlich und schnell das Problem zu lösen und ihn wieder loszuwerden.

Aber über Deinem Posting, Karsten, mußte ich schon länger brüten. Stichworte wie Belehrung und Besserwisserei huschten durch meine Gehirnwindungen, und ich fragte mich, ob ich mich tatsächlich darüber ärgern soll.
Die Antwort ist klar: Natürlich nicht Winken
Ich habe 13 Jahre lang eine besserwisserische Schwiegermutter ausgehalten und mußte nachher eine Therapie machen, damit ich wieder Respekt vor mir selber bekam.

Inzwischen hab ich Deine Meldung "verdaut", es kann einem eben nicht jeder genau das sagen, was man gerne hören möchte - oder anders: ich hätte mich ja auch nicht hier eintragen müssen und preisgeben, wie es bei uns zuhause mit dem Alkohol aussieht.
Ich hab's aber getan und ich werde auch sicher noch ein Weilchen bleiben. Immerhin ist es im wirklichen Leben ja auch nicht anders.
Also, ich hoffe, Du schreibst genauso weiter wie immer, faß mich ja nicht mit Samthandschuhen an! Sehr glücklich

Aber nunmal wieder ernst: das führt mich gleich zur nächsten Frage: Wie ist es Euch ergangen, als ihr Euch in Eurem Umfeld geoutet habt? Irgendwann kommt ja die Stunde der Wahrheit: "Seit wann trinkst Du kein Bier mehr?" etc.
Ich hab die ganze Palette ja unfreiwilligerweise schon am vierten Tag meiner Trockenheit durchmachen "müssen". Todesfall in der Familie, Besuche allerseits, Begräbnis, Leichenschmaus und der Reihe nach Besäufnisse, Besäufnisse, Besäufnisse...
Da fiel es natürlich allen auf, daß ich nichts mehr trinke. Aber offenbar hatte meine Familie damit mehr Probleme als ich.
Danach waren dann sämtliche Gasthäuser dran, wo wir öfters Freunde und Bekannte treffen, das war schon wesentlich problemloser, wenn es mir auch ein paar verwunderte Blicke einbrachte.
Im großen und ganzen aber hatte ich den Verdacht, daß es zwar akzeptiert wird, wenn jemand säuft, ebenso, wenn jemand nichts trinkt, aber es wird irgendwie viel weniger gut akzeptiert, wenn jemand aufhört.

Wie ist es Euch damit ergangen?

Ooops, das war jetzt aber lang!
Ich hoffe, ich bin nicht wieder in irgendein Fettnäpfchen getreten (alle "typischen Alkoholiker" mögen mir bitte diese mißratene Formulierung verzeihen) und werde mich nun einem schönen lauwarmen Bad widmen und dann die Katzen striegeln.

Habt gute 24 Std
die Dreli
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Richard Powolny hat zum Thema: "Ich trink nix mehr." Wer glaubt's? [war: Böser Ti geschrieben
Karsten
Administrator
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BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 19:55    Titel: Re: Hier bin ich, 38, Alkoholikerin Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dreli,

ich habe mir grad noch mal meinen Beitrag durchgelesen und kann nur sagen, es sind eben gut gemeinte Ratschläge. Da steht nichts von "Du mußt".
Ob Dein Mann oder auch Du nüchtern leben könnt und wollt, liegt an Euch.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, das Antworten, über die man nachdenkt, mehr helfen, als Streicheleinheiten.
Ich bin in einer Umgebung nüchtern geworden, wo mir meine Selbstbestimmung genommen wurde. Ich machte entweder das, was mir die anderen sagten, egal was es war, oder ich hätte die Wohngemeinschaft verlassen müssen.
Ich bin geblieben und es hat mir nicht geschadet.
Nach oben
Karsten hat zum Thema: Re: Hier bin ich, 38, Alkoholikerin geschrieben
Richard Powolny
Gast






BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 20:59    Titel: Re: Hier bin ich, 38, Alkoholikerin Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Bester Karsten,

Karsten hat Folgendes geschrieben:
ich habe mir grad noch mal meinen Beitrag durchgelesen und kann nur sagen, es sind eben gut gemeinte Ratschläge. Da steht nichts von "Du mußt".


Nein, da steht, "man" sollte. Wer ist mit "man" gemeint, wenn nicht ich?Aber ich weiß ja inzwischen, daß es gutgemeinte Ratschläge waren.
Ich lebe in keiner WG, und meine Selbstbestimmung habe ich mir, nach 13 schlimmen Jahren, vor vier Jahren wieder zurückerkämpft. Daher reagiere ich nun mal auf "es sollte selbstverständlich sein" oder "bewege Deinen Mann zu..." etwas allergisch. Für mich als Alkoholikerin ist es fatal, nicht ehrlich zu mir selbst zu sein, und mein größtes Problem war immer, daß ich nie gesagt habe, wenn mich etwas geärgert hat. Unter anderen deshalb hab ich mich auch weggesoffen.
Mir hat es geholfen, hier zuzugeben, daß ich mich nunmal geärgert HABE, sonst würd ich mich jetzt noch ärgern.
Und wer von uns hat jetzt "Recht"? Müßige Frage, denke ich. Du hast bestimmt das für dich richtige gesagt, ich hab's anders aufgefaßt, für mich trifft eben eine andere Wahrheit zu.
Jeder von uns hat seine eigene Vergangenheit, jeder sagt dies oder jenes aus einem ganz bestimmten Grund, und jeder reagiert auf bestimmte Dinge eben auf seine Art. Das Leben ist nun mal so. Es gibt zwei Möglichkeiten: Sich mit dem anderen auseinanderzusetzen oder ihn zu meiden. Von der letzten Variante halte ich nicht viel, da müßte ich vor der halben Menschheit davonlaufen!

Ich hoffe, daß wir einfach was voneinander lernen können Smilie
Liebe Grüße und Gute 24h

die Dreli
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Richard Powolny hat zum Thema: Re: Hier bin ich, 38, Alkoholikerin geschrieben
Karsten
Administrator
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Beiträge: 32810
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Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 28.07.2005, 23:08    Titel: Re: Hier bin ich, 38, Alkoholikerin Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Dreli,

ich möchte hier keine Auseinandersetzungen.
Ich habe in meiner trockenen Zeit schon viele Menschen kenen gelernt, die der Auffassung waren, alles im Griff zu haben.
Ich kann nur betonen, dass es zumindestens in der ersten Zeit nicht ratsam ist, Alkohol in der Wohnung zu haben. Es geht auch nicht darum, ob es 100m weiter eine Kneipe gibt. Auf diesen 100m hast Du Zeit Deine Entscheidung wieder zu trinken, nochmal zu überdenken.
Deine Aussage

Zitat:
es kann einem eben nicht jeder genau das sagen, was man gerne hören möchte


ist genau der Punkt. Wenn Du Antworten erwartest, die Du schon im Kopf hast oder Dir wünscht, brauchst Du nicht erst zu fragen.
Helfen können einen nur die Antworten, die man meist nicht hören möchte.

Du hast Dich hier angemeldet und möchtest einen Erfahrungsaustausch.
Ich werde sicher nicht rückfällig, weil Du zu Hause Alkohol hast.
Damit schließe ich dieses Thema hier.
Nach oben
Karsten hat zum Thema: Re: Hier bin ich, 38, Alkoholikerin geschrieben

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