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mein weg in die sucht

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nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 20:11    Titel: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

also, dann fasse ich meinen weg in den alkohol so kurz es geht, zusammen.
mein selbstwertgefühl war von kindergartenzeit an schwach ausgeprägt. stets litt ich mit sterbenden tieren, blumen (!), liebte jedes tier, hatte jedoch schwierigkeiten im umgang mit meinen "mitkindern".
in der schule lief es super, da meine mutter meine unzulänglichkeiten wie vergessene hausaufgaben, verlorene hausaufgabenhefte, vergessene schulbücher und so weiter kompensierte; auch meine hibbeligkeit in der schule wurde durch meine sehr guten leistungen ausgeglichen.
(wer sich ein wenig auskennt, sieht das bild eines ausgeprägten, unerkannten und unbehandelten ADHS)
die beziehungskatastrophen in der pubertät trieben mich zuerst in einen suizidversuch.
einige monate später entdeckte ich alkohol als legales betäubungsmittel für den immensen schmerz und unsicherheit, die ich nahezu ständig verspürte. alkohol was an jeder ecke verfügbar, preiswert und versprach schnelle linderung.

zwischen meiner entdeckung von alkohol und dem suizidversuch lag noch eine gruppenvergewaltigung, die mich noch schneller in die scheinbar erlösenden arme vom "brother alk" führte.

[abgesehen davon leide ich seit meinem 16. lebensjahr an einer sehr schweren nierenerkrankung, die mit einer entfernung der rechten niere 1992 einherging. perverserweise wurde mir im krankenhaus empfohlen, jeden abend eine flasche altbier zu trinken...]

jedes wochenende trank ich bier, und, wenn liebeskummer dazu kam, auch während der woche.

seit der 13.1 klasse trank ich gar nichts mehr- hatte jetzt einen halbwegs zuverlässigen partner, sparte mit meinen führerschein zusammen und jobbte.

die nüchternheit hielt bis zum ersten studienversagen mit 20,5 jahren. ich war eineinhalb jahre trocken. dann kamen massive versagensängste, da ich ab dem 2. semester durch alle klausuren und hausarbeiten fiel. also trank ich gegen die angst an.
wechselte ein jahr später das studienfach, hörte wieder mit dem trinken auf.
zwei jahre hielt ich durch.
trotzdem versagte ich im studium kläglich.
die selbstzweifel, die vergesslichkeit, dies "nicht-können", ich ertrug sie nüchtern, was sehr, sehr schwer war und häufig zu wut- bzw. tränenausbrüchen führte. immer noch nüchtern.
was folgte, erspare ich euch hier.
istt zu unglaubwürdig, obwohl wahr.

seit meiner rückkehr nach D im jahre 1988 trinke ich wieder unregelmässig alkohol, dafür aber in mengen (quartalstrinker?).
1993 nach der neprektomie trank ich 5 tage lang wegen liebeskummers und ging dann in ein KH zu einer nicht qualifizierten entgiftung.
in einem der rennomiertesten bochumer krankenhäuser erlebte ich schwere misshandlungen.
zwar fixierte man mich nicht, pumpte mich jedoch mit diastraneurin voll und legte mich zu einer alzheimer-patientin im fortgeschrittenen stadium aufs zimmer. das zimmer durfte ich nach zwei tagen wechseln, glücklicherweise.

als ich nach 4 tagen wegen schwerster allergie gegen distraneurin (schleimhäute im mund und im genitalbereich lösten sich ab, zurück blieb rohes, wundes fleisch, konnte nur unter schmerzen essen, trinken, zum klo, schlafen war unmöglich) den diensthabenden arzt sprechen wollte, ging die tagschwester auf mich los, drohte mir schläge an. vor zeugen.
ich war froh, dass ich distraneurin ab dem 5. tag nicht mehr nehmen musste.
bei der abschliessenden untersuchung stach mir der stationsarzt die nadel in den rechten äusseren unterarm. die gesamte vene platzte auf und ich hatte noch eine woche lang ein tischtennisgrosses hämatom am rechten unterarm.
gespräche zwischen ärzten und mir wurden nicht geführt.

dafür gab es eine gute reha-abteilung (Fitness-Studio und Schwimmbad), welches ich ab dem 5. regelmässig mehrmals am tag frequentierte, um mich abzureagieren.

gebracht hat diese entgiftung übrigens nichts.

für die dauer von eineinhalb jahren konsumierte ich danach täglich um die 5 flaschen bier, manchmal auch 8-10 flaschen.

dann schränkte ich meinen überkomsum wieder auf 1x woche ca. 5-6 flaschen bier ein. der grund war ein wichtiges ziel, welches ich erreichen wollte und, dank eines anderen lebensabschnittspartners, der mir eine gewisse menschliche sicherheit und stabilität gab, erreichte.
leider hielt diese beziehung nicht, als ich mein ziel erreicht hatte.

ich traf vor ca. 2 jahren einen ex von mir wieder, den ich sehr geliebt habe. vor eineinhalb jahren kamen wir wieder zusammen.
er trinkt sehr viel, hat auch körperliche folgeerscheinungen wie abmagerung, teleangieektasien, uhrglasnägel, gleichgewichtsstörungen und vieles mehr.
ich habe im vergangenen jahr 10 monate lang nichts getrunken.
irgendwie bin ich auch ein co-alkoholiker.

wenn ich nicht mittrinke muss ich für ihn auch kein bier holen.
ansonsten musste ich stets doppelte mengen einkaufen bzw. für ihn die doppelte von meiner menge und so weiter...
also habe ich aufgehört, alkohol zu konsumieren, was nicht einfach war.
meine schlimmsten nächte waren die vom 6. auf den 7. tag ohne alkohol, dann vom 12. auf den 13. tag.
die anderen tage/nächte waren harmlos.
also bestand/besteht doch eine abhängigkeit.

bis zum 24.12.06.
an diesem tag brannte die wohnung des nachbarn meines ex-freundes ab und wir beide, mein ex und ich, wurden aus dem brennenden treppenhaus per feuerwehreinsatz gerettet.

seither trinke ich täglich alkohol.
zwar "nur" bier, und auch nicht jeden tag die gleiche menge, dennoch finde ich meinen zustand äusserst bedenklich.
habe mit meiner neurologin und meinem ha über meine befindlichkeit gesprochen. da ein antrag auf eine REHA-Behandlung wegen "ADHS persistierend im erwachsenenalter" (habe diese diagnose seit 3 jahren) läuft, wird das alles sehr schwierig.

mache ich jetzt eine entgiftung, darf ich nicht in die REHA-Klinik wegen ADHS.
mache ich keine, weiss ich nicht, ob die REHA was bringt. ich stecke also in einer üblen zwickmühle...
wenn ich die entgiftung mache, wird die diagnose in frage gestellt, obwohl sich die fragen ausschliesslich auf die kindheit/jugend bezogen haben, als ich noch weit entfernt von alkohol und nikotin war...

mein ex ist hardcore-alkoholiker.
täglich mindestens eine halbe bis eine kiste bier sowie eine halbe bis eine flasche schnaps.
der streifen, den ich mit ihm _nüchtern_ mitgemacht habe, ist so hart, dass ich die erinnerung an das vergangene jahr zur zeit nüchtern nicht ertragen kann...

ich weiss nicht, was ich machen soll.
einerseits will ich gern in eine qualifizierte entgiftung, hatte sogar für den 3.1. einen termin, aber dann ist ein teil der wohnung meines ex in flammen aufgegangen, und ihn hier, in meiner wohnung zurückzulassen, während ich im KH bin- nee, sorry...
ich kenne ihn sehr gut, leider.

dann ist mein felix geschichte, seine knochen liegen im bräter, und ich brauche eine neue wohnugseinrichtung.

jetzt ist der ex zwar weg, aber besser gehts mir noch nicht.
was tun?
wie tun?

Hilfe, bitte!


nachdenkliche grüsse
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nexie hat zum Thema: mein weg in die sucht geschrieben
Meni
Gast






BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 20:27    Titel: Re: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nexie,

Rat geben kann ich Dir leider noch nicht, bin auch erst seit November dabei.

Dein Bericht ist heftig, dass Du nun trotz vieler Rückschäge und ekligster Erfahrungen lernen willst, ohne Betäubung zurechtzukommen, zeugt für mich aber von Deinem Überlebenswillen.

Was wünscht Du Dir denn für Dich selbst? Welche Hoffnungen hegst Du für Dich? Zu wieviel siehst Du Deinen Ex imstande?

LG, Meni
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Meni hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht geschrieben
Annika
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.12.2005
Beiträge: 3847
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 20:33    Titel: re Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo nexie

Zitat:
mache ich jetzt eine entgiftung, darf ich nicht in die REHA-Klinik wegen ADHS.
mache ich keine, weiss ich nicht, ob die REHA was bringt. ich stecke also in einer üblen zwickmühle...
wenn ich die entgiftung mache, wird die diagnose in frage gestellt, obwohl sich die fragen ausschliesslich auf die kindheit/jugend bezogen haben, als ich noch weit entfernt von alkohol und nikotin war...


Für mich sind ADHS und Alkolismus zwei verschiedene Krankheiten.
Im Zweifel würde ich die Krankenkasse fragen was nun zu tun ist.

Auf jeden Fall bringt doch eine Reha nichts wenn du trinkst, so denke ich.

Annika
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Annika hat zum Thema: re geschrieben
nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 21:48    Titel: Re: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo annika,

adhs ist keine krankheit, sondern eine angeborene, genetisch bedingte behinderung.

alkohoabhängigkeit ist eine krankheit, die durch ein unbehandeltes adhs begünstigt wird. etwa 50% aller ADHS/ADHS-betroffenen erwachsenen weisen mindestens eine komorbidität wie alkohol-/drogenabhängigkeit und/oder schwere, medikationsresistente depressionen auf.

ADHS führt nachweislich (studienlinks auf nachfrage erhältlich) bei etwa 80% aller nicht behandelten jugendlichen zu einem ADHS persistierend im erwachsenenalter sowie in nahezu 100% der fälle zu psychischen komorbiditäten.

natürlich hast du recht, wenn du sagst, das alkoholabhängigkeit nicht notwendigerweise eine folge von ADHS ist.
das sind zwei verschiedene paar schuhe.

liebe grüsse
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nexie hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht geschrieben
nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 21:55    Titel: Re: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo meni,

natürlich will ich was verändern!
meine kk meinte, ich könne nicht in eine der beiden kliniken, die es in D speziell für erwachsene frauen mit adhs und suchtproblemen gäbe, denn adhs bei erwachsenen gäbe es nicht.
nur suchtprobleme oder therapieresistente depressionen ober vielleicht borderline.

also bliebe mir der weg in eine suchtklinik, aus der ich mit der gleichen problematik wie zuvor ohne rückhalt wieder entlassen würde...

das macht mir angst-
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nexie hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht geschrieben
nexie
Gast






BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 22:21    Titel: Re: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

an meni

was ich für mich will, ist die ADHS kur.
unbedingt.

als ich vor 3 jahren diagnostiziert wurde mit einer 89% wahrscheinlichkeit eines in das erwachsenenalter persistierenden ADHS war das für mich wie eine erleuchtung.

alle seit dem suizid-versuch 1977 einander widersprechenden aussagen von neurologen, therapeuten et al fanden plötzlich einen platz.
ich habe ca. 7 verschiedene, divergierende diagnosen, und alle lassen sich durch haarspaltereien bestätigen.
nur die adhs-diagnose trifft auf alle punkte zu.

endlich verstand ich, warum ich schon als kind ständig alles "vergass", alles verlor, einfach nur im jetzt und in der gegenwart lebte.
dass ich mit 21 ein verfahren der staatsanwaltschaft bo am hals hatte wegen "florierenden handels mit führerscheinen, reisepässen und personalausweisen".
ich fand das peinlich, dass ich alle halbe jahr neue papiere beantragen musste...
habe heute 6 abi-zeugnisse, 8 führerscheine, 8 reisepässe, 6 personalausweise und 10 führerscheine verschlunzt. dazu 5 studienbücher.
natürlich nur die kopien, da der rest unwiderruflich verschollen ist...

nüchtern habe ich auch die zwei gewalttaten begangen, für die ich vor gericht musste.
einmal 5 monate trocken, beim zweiten mal 14 monate nüchtern.
ich habe es gehasst, wie menschen mit mir umgegangen sind, dass ich es lange jahre wegtrinkenmisste, um zu überleben.

betrunken hat micht nichts mehr interessiert...
keine verletzungen, keine verhöhungen oder erniedrigungen, nichts mehr, was ich sonst hypersensibel wahrnahm.
daher war alkohol für mich ein feines Schutzschild für eine ohnehin hypersensible seele..., der sich leider verselbstständigte, denn sonst wäre ich nicht hier und würde um hilfe bitten.

lg
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nexie hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht geschrieben
Hermann 65
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 22.07.2006
Beiträge: 159

BeitragVerfasst am: 12.02.2007, 22:25    Titel: Re: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

nexie hat Folgendes geschrieben:



also bliebe mir der weg in eine suchtklinik, aus der ich mit der gleichen problematik wie zuvor ohne rückhalt wieder entlassen würde...



Hallo nexie,

deine Erwartung und der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören scheinen ja
nicht besonders ausgeprägt zu sein! Trocken werden in einer Therapie ist wohl nicht "soo" schwer, Trocken bleiben danach umso mehr und genau ab diesem Punkt ist deine Eigeninitiative gefragt, die Du bereits hier schon in Frage stellst? Das sieht für mich nach dem "Klassischen Drehtürpatienten" aus, aber was weiß ich schon!

Gruß Hermann
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Hermann 65 hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht geschrieben
Teichlinchen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.01.2007
Beiträge: 265
Alter: 54
Wohnort: Magdeburg

BeitragVerfasst am: 13.02.2007, 11:16    Titel: Re: mein weg in die sucht Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Nexie,

einen schönen guten Morgen. Auch ich habe ADHS und mein Sohn, 22 Jahre auch. Bei mir hatte man es früher noch nicht erkannt, ich bin eher der träumerische ADHS Typ, mein Sohn eher der hyperaktive, er bekam auch jahrelang Ritalin,aber alles gemeinsam, in die falsche Richtung laufen etc. ständig alles verlegen und sich nicht auf eine Sache konzentrieren können, alles läuft durcheinander, dass kennst Du bestimmt, bei mir haben sich dann im Laufe der Zeit die Alkoholprobleme eingestellt und eine starke Esstörung, habe für mich versucht einen passende Klinik zu finden, die alles in einem behandelt, habe jetzt eine Frauensuchtklinik und gehe jetzt vorher in die Entgiftung, weiß mir sonst auch keinen besseren Rat aber werde alles geben um gesund zu werden.

Liebe Grüsse Teichlinchen
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Teichlinchen hat zum Thema: Re: mein weg in die sucht geschrieben

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