Helga neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 19.07.2005 Beiträge: 63
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Verfasst am: 08.02.2007, 20:25 Titel: Re: Welche Therapie ? |
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Bei mir hat es gedauert, bis ich endlich vor dem
Alkohol kapitulieren konnte.
Auch nach einer Langzeit-Therapie von 6 Monaten
bin ich nach einem Jahr wieder rückfällig geworden.
Ich war hochmotiviert, als ich die Therapie antrat
und konnte es damals gar nicht verstehen und für
mich auch nicht vorstellen, dass es Mitpatienten
gab, die schon ihre 3. oder gar 4. Therapie machten.
Die Langzeit-Therapie war für mich ein kleiner Mosaik-Stein
auf meinem Weg, um trocken zu werden. Es war keine
"schlechte" Therapie, nur habe ich im Anschluss
danach in meinem Leben bzw mich nicht geändert.
Ich lebte abstinent, das wars. Ich suchte keine Hilfe in
einer SHG, sondern "wurschtelte" wie immer, wenn es
um das "Problem" Alkohol ging, alleine weiter,
Irgendwie hielt ich nach der Therapie Alkohol für eine
"abgeschlossene" Sache, die ich gut erledigt hatte.
Nach meinem Rückfall nach einem Jahr nach der
Langzeit-Therapie war ich die nächsten Jahre zwischen-
durch immer wieder mal zu stationären Entgiftungen
in Krankenhäusern. Das Leben empfand ich damals
als sehr schwer und anstrengend.
Als ich im Okt. 1988 meinen letzten ganz schlimmen
Rückfall hatte, bin ich noch während der Entgiftung
zu einer Info-Veranstaltung einer SHG gegangen und sofort
nach meiner Entlassugn aus dem Krankenhaus in die reale SHG.
Ich glaube, dass war der entscheidende Schritt, ich hatte
nicht nur die Absicht, so wie früher immer, hinzugehen,
sindern ich machte es wirklich. Ich schob es nicht
auf die lange Bank so nach dem Motto: Morgen ist
doch auch noch ein Tag, sondern ich handelte, ich machte es
und lebte wirklich, nicht mehr im Kopf als Plan und Theorie, sondern
ich handelte.
Ende November 1988 bis Anfang Januar 89 war ich zu
einer Kurz-Therapie in der Salus Klinik in Friedrichsdorf und
hatte dort einen Therapeuten, der gleichzeitig auch ein Betroffener
war, d.h,. ein trockener Alkoholike und das war gut für mich, ich
hatte viel Einzelgespräche mit ihm. Es war reiner Zufall, aber es hat
mir sehr gut getan. Denn von ihm hörte ich so klare Sätze wie z.B. Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen und nicht die
Schuld bei anderen suchen. Es tat weh, aber wo es weh tut,
da geht es lang.
Wichtig war für mich, dass ich endlich vor mir selbst
offen zugebe, dass ich Alkoholikerin bin und Hilfe
brauche. Und das Alkoholismus kein Zipperlein ist,
sondern eine chronische, fortschreitende Krankheit die
am Ende den Tod bringen kann, mit Glück vielleicht Pflegefall
für immer.
Da gibt es nichts zu beschönigen oder zu
verharmlosen. Ich habe erkannt, dass ich von allein mein
Alkoholkonsumverhalten nicht kontrollieren kann, es
halfen auch keine Erklärungen und keine Analyse mehr,
sondern nur noch der längst fällige Schnitt, in eine SHG
zu gehen und wieder Leben leben lernen, um mich aus der
Abhängigkeit zu lösen.
Und da hatte ich zu tun, das ist nicht nebenbei zu machen,
sondern meine oberste Priorität ist nach wie vor meine
Trockenheit, das ist meine Basis und darauf konnte und kann
ich bauen. Wenn diese Basis wegfällt, entstehen Luftschlösser
und ich phantasiere in meinem alkohol umnebelten Gehirn
von einem "schöneren, besseren" Leben.
Mit Hilfe annehmen meine ich z.B. in der SHG von den erfahrenen trockenen Alkoholiker, die schon über viele 24 Stunden ohne Alkohol leben und aus der eigenen Erfahrung zu vertrauen und nicht sofort wieder alles in Frage stellen. Sie gaben mir u.a. ganz praktische Tipps, wie ich z.B. meinen Tag strukturieren kann oder was ich machen soll, wenn ich Saufdruck habe.
Trockenwerden ist ein lebenslanger Prozess und ist mit
keinem Sprint zu vergleichen, eher mit einem Marathonlauf und
d.h. für mich, üben, trainieren, denn Stillstand ist dabei Rückschritt,
aber auch zu große Euphorie bzw. Selbstüberzeugungen können gefährlich sein.
Ich habe einmal: Wenn Du auf Wolke 7 schwebst, dann vergiss den Fallschirm nicht!
Denn auch ich hatte natürlich diese Anfangseuphorie, die dann einer Lustlosigkeit wich, denn auf einmal war ich mit der Realität konfrontiert und da gab es zu tun und das ohne jede Dröhnung.
Ich habe keine Angst vor Alkohol aber Respekt und ich bin wachsam
und werde es auch bezüglich Alkohol bleiben.
Ich habe mal gehört, dass ein trockener Alkoholiker genauso
achtsam und pingelig sein muss, wie ein Pilot. Wenn der Pilot nicht aufpasst, stürzt sein Flugzeug ab und mir geht es mit Alkohol genauso.
Daher trinke ich weder alkoholfreie Getränke, die es gar nicht gibt und
Gedanken über kontrolliertes Trinken muss ich mir auch nicht machen, denn ich habe alles ausprobiert und nichts, aber auch gar nichts hat gefruchtet.
Wenn nichts mehr geht, nicht trinken geht.
lG
Helga |
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