sparkling neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.12.2006 Beiträge: 10
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Verfasst am: 30.12.2006, 05:21 Titel: Re: Warum ohne ? |
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Liebe Lilly12,
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Hallo Karin,
wird Zeit für Klartext.
Das was Du da beschreibst, ist leider ganz typisches Alkoholikerverhalten. Man findet nämlich IMMER einen Grund zum saufen. Als Belonung für echt jeden Mist, als Trost, wenn es einem schlecht geht, oder einfach nur so.
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Stimmt.
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Und es dauert nicht allzu lange, dann bist Du abhängig von der Droge, Du merkst es erst gar nicht, es kommt schleichend, das ist das heimtückische. Man denkt noch sehr lange, man hat es noch im Griff, aber in Wirklichkeit hat einen die Droge Alk im Griff, so ist es leider.
Bei Dir scheint mir das der Fall zu sein.
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Liebe und werte Lilly,
ich gehe davon aus, dass Deine Ausführungen zutreffen. Jedoch: so wunderschön es ist, den nächsten Tag nüchtern zu erleben, all die Euphorie, den Elan, die Zuversicht.... es ist ein stetiger Kampf dies so zu fühlen, in stetigen Minuten und Stunden gerechnet, stets vor Augen, das diese durchaus konstruktive Konfrontation eben auch eine dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität beinhaltet.
Natürlich ist der trockene Weg der einzigst Richtige und ich weiß, dass hier viele den Abgrund bereits von unten gesehen haben....
Desweiteren bin ich mir sehr wohl meines letzten Beitrags bewusst ("Bitte bleibt trocken denn glaubt mir, alles andere lohnt sich nicht.... ").
Wahrscheinlich wird mein Account nun gelöscht, denn ich passe irgendwie so gar nicht in diese Community.... weil ich ein "aber" anführen muss. Sei es auch nur aufgrund meiner aktuellen Gefühlslage, aber ich muss einfach darüber schreiben (wenn ich schon nicht darüber sprechen kann).
Und diesbezüglich setze ich auch hier an:
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Leider bleibt es aber noch nicht so, lies Dir mal genau Meni durch, genauso wird das..."am Anfang war es zur Entspannung...". GENAUSO läuft das ab, am Ende wirst Du nur noch damit beschäftigt sein, Deine Entzugssymtome unter Kontrolle zu halten. Das geht so weit, das man Panikattacken bekommen kann, bis hin zu Todesangst, das verschwindet erst wieder, wenn man wieder trinkt, so sehr schreit der Körper am Ende nach Alkohol, mit starken Willen etc. ist dann gar nichts mehr zu machen, denn dann ist man SÜCHTIG und Alkoholiker.
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In dieser Form habe ich noch keine Trockenphase erlebt, und ich habe nun weiß Gott verdammt viel gesoffen. Nichtmal nach meinem jähen Abbruch des ca. 10-jährigen (!) Codein Mißbrauchs (bis zu 200 hochdosierte Tabletten / Woche) habe ich z.B. Panikattaken oder Todesangst bekommen. Ich zitterte nach dem Absetzen wie bescheuert, schwitzte, wäre ohne zu zögern aus dem 10ten Stock gesprungen für eine Tablette....
Es ging erstaunlich schnell vorbei.
Todesangst und Panikattacken kenne ich lediglich VOR all dem ganzen Teufelszeug..... und wie ich das kenne !
Davon ab: Man hat mir als Kind die Seele aus dem Leib gerissen und diese hat man jahrelang bei vollem Bewusstsein ins Fegefeuer gehalten !!!! Niemanden hat es interessiert, nur andere waren wichtig, erzähl mir also bitte nichts von Qualen, die man sich aufgrund einer Sucht selbst zugefügt hat ! Ich war lange Zeit in einem Kloster, habe fast den Verstand verloren aufgrund der Geschehnisse und ich weiß sehr wohl, dass selbst der liebe Gott unwichtig wird wenn es um das eigene Überleben geht.
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Ich kann Dich gut verstehen, es fällt sehr schwer, sich selber einzugestehen: Ich bin ALKOHOLIKER. Das geht allen so und es ist nicht schön. Damit kann man sich nun abfinden und sich am Ende tot saufen, oder man kann was gegen die Sucht tun. Und in den seltensten Fällen gelingt das allein. Oft muss man eine stationäre Entgiftung machen, um das Gift erstmal aus dem Körper zu bekommen,
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Verzeih, aber es ist NICHT damit getan, das "Gift Alkohol" aus dem Körper zu bekommen. In vielen Fällen ist die Psyche vergiftet, nicht vom Alkohol, sondern hinsichtlich des Ursprungs/ der eigentlichen Schädigung. Und dies kann man leider nicht mal eben in ein paar Tagen "entgiften".
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dann geht es aber weiter, das ist nur ein kleiner Anfang, damit ist man noch nicht TROCKEN. Es gehört Arbeit an sich selbst dazu, Dinge verändern, Rituale brechen, offen mit seiner Krankheit umgehen, sich selber und auch anderen gegenüber, dann kannst Du wirklich TROCKEN werden, alles andere wird auf Trinkpausen hinauslaufen, die können durchaus auch über Jahre sein.
Wenn man sich eingestanden hat, JA, ich bin Alkoholikerin, dann kann man erst die anderen Schritte gehen, früher wird das alles nix. Das ist schwer, ABER es ist auch eine Krankheit, die sehr viele Menschen trifft, Du bist nicht die einzige. Auch Ärzte wissen das, sogar am besten wahrscheinlich, wie viele von dieser Krankheit betroffen sind. Niemand muss sich dafür schämen, nur dafür, sich keine Hilfe zu holen. Ich habe das leider auch getan, weil ich mich so unendlich geschämt habe aber ich habe dann doch noch die Chance bekommen, trocken zu werden. Dafür bin ich sehr dankbar. Mach Du es besser wie ich, sei ehrlich zu Dir selbst.
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Was, wenn ich jetzt mal ehrlich zu mir selbst bin und sage, dass der Alkohol nur eine sekundäre Funktion einnimmt um den primären Grund abzuschwächen. Kurzum, was nützt es mir wenn ich mir eingestehe, dass ich Alkoholikerin bin, wenn das nur eine Folge, nicht jedoch die Ursache ist ? Sprich, selbst wenn ich den Alkoholismus bekämpfe, das eigentliche Problem wird dadurch nicht auch der Welt geschafft, denn wäre es so, dann müsste ich mich nicht mit der Trockenarbeit beschäftigen, sondern eher mit den Ursachen hinsichtlich wie es dazu kam. Und eben nicht, wie ich zukünftig SO (!) ohne Alk weiter leben kann. Genau dies ist der Aspekt den ich bemängel: "wie kann ich trocken werden" und nicht "wie schaffe ich die eigentlichen Ursachen aus der Welt". Diesbezüglich bedarf es keines Alkoholiker-Forums, sondern zu 90% phsychologischer Hilfe !
Und, nein, ihr könnt mich jetzt steinigen oder sperren, aber der erste Weg zum Arzt oder zu einer Selbsthilfegruppe ist NICHT immer (also grundsätzlich) 100% richtig !
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Übriges, ich dachte auch mal, ich wäre so toll im Suff, kreativ, geistreich blablabla, was für eine Augenwischerei...mehr ist das nämlich nicht.
Wer kreativ ist, gut schreiben kann, was auch immer, der kann das auch nüchten. Das sind nämlich Talente, die in einem selber vorhanden sind, erst trocken kann man sein gesamtes Potential nutzen. Man muss es nur wieder lernen, es wieder zum Vorschein holen, denn vorhanden ist es immer. Das lernt man aber.
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Mag sein.
Bei mir war es anders.
Nüchtern wäre die Kolumne nie angenommen worden, nach 3 Wodka mit jedoch Kusshand.
Ganz ehrlich....?
Als Teenager erstellte ich eine Studie bezüglich der HIV Bekämpfung. Hinsichtlich meiner Thesen wurde ich als "spinnerter Teen" oder sonstwie belächelnd agbeschoben. Selbst mein Onkel (Prof. a.D. bei Bayer) wollte von solch einem "Teenie-Gequatsche" nichts hören. 5-8 Jahre später wurde EXAKT diese Vorgehensweise erfolgreich bei der Bekämpfung bestimmter Krebsarten eingesetzt, bis heute.
Wen es interessiert, in Kurzform:
Meine Studien beruhten darauf, dass das DNS des Aids-Virus gentechnisch verändert wird. (ging also in den Bereich der Gen-Forschung). Anstatt nach einer Methode zu suchen es zu bekämpfen. Dat kann man nicht.... ebenso wie man die Grippe nicht auslöschen kann. Da es sich um ein Virus handelt, ist eben dies auch möglich, sprich, das DNA des HIV-Virus wird extern "ausgetauscht" gegen das DNA eines z.B. weißen Blütkörperchens (umgangsprachlich "Killerzelle", welches an einer Wunde mit Sauerstoff zu den herkömmlichen Eiter wird). Vergleichbar isrt dies ungefähr mit einer Grippe-Impfung, wo dem Körper abgeschwächte Grippe-Viren zugefügt werden, so dass das Immunsystem Antikörper dagegen bilden kann. Wird das gentechnisch veränderte DNA des HIV-Virus als wieder gespritzt, so teilt es sich in der Wirtszelle nicht bösartig, sondern es setzt Millionen neuen "Killerzellen" frei (dessen DNA es enthält). In meinem jugendlichen Bericht damals stand, dass dies auch innerhalb der Krebsforschung bahnbrechene Erfolge erzielen dürfte. Und was war ? Man hat mich schallend ausgelacht und abgewunken !!!!!
Und jetzt...? *g*
Naja.
Obiges geschah nüchtern, ok, jedoch konsumierte ich da schon mehr oder weniger Codein.
1 Stunde ohne Codein ist langfristig nicht vergleichbar mit 1 Woche ohne Alk !!!!!!!!!!!
Was das Teufelszeúg betrifft ist Alkohol harmlose Fanta.....ich habe selbst nach Wochen keinen physischen Entzug von Alkohol gemerkt, wohl aber psychisch. Was das Codein betraf war ich binnen weniger Wochen "voll drauf", psychisch wie physisch.
Ja, ich müsste eigentlich gelernt haben aus dem kalten Entzug, da ich allein war und ich mich zu Tode geschämt hätte, wenn davon jemand gewust hätte.
Ich habe jetzt nichts getrunken, aber ich werde Silvester feiern wie es sich gehört. Dazu gehört für mich auch, dass ich nach einem Glas Sekt aufhöre. Glaubt es oder nicht, aber so wird es sein. Es hat auch eine symbolische Wirkung für mich.... ich gehe bewusst in die Konfrontation, denn würde ich diesen Moment verdrängen, dann würde ich spätestens am 10.1.07 fragen, "wäre ich stark genug gewesen oder willst du mir deine hässliche Fratze aus eben diesem Grund jetzt wieder grundlos aufzwingen".
Ich gehöre zu denen, die den Kampf und die Konfrontation im Sinne des eigentlichen Verzichts aufnimmt.
Ich kann mich nur dann im Spiegel anscháuen wenn ich weiß, dass ich es auf diesem Wege versucht (und im Idealfall bestanden) habe.....
Euch allen dennoch einen guten Rutsch und einen tollen Start in ein trockenes, erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2007 !
Eure nicht anonyme, sondern bekennend kämpfende und stets zweifelnde,
Karin |
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