| soll im geld leihen, will ihm helfen doch wie • Papa |
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IngoM neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.12.2006 Beiträge: 4 Wohnort: an der Kieler Förde
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Verfasst am: 11.12.2006, 19:21 Titel: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil |
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Moin,
beim Surfen im Internet bin ich auf dieses Forum gestoßen, und nachdem ich etliche Beiträge gelesen habe, möchte ich mich als ehemals betroffener Angehöriger auch einmal zu Wort melden. Gleichzeitig möchte ich anregen, hier eventuell noch einen Bereich zu eröffnen, in dem sich inzwischen erwachsene Kinder von Alkoholikern austauschen können.
Ich erzähle am besten mal meine Geschichte; mir schwirren so viele Gedanken im Kopf herum, hoffentlich wird das alles nicht zu konfus:
Mein alkoholabhängiger Vater ist vor zehn Jahren 52jährig gestorben (an Lungenkrebs, er war zudem noch starker Raucher), ich war damals 28 Jahre alt.
Solange ich denken kann, spielte der Alkohol bei meinem Vater eine große Rolle; begonnen hat sein (gewohnheitsmäßiges) Trinken wohl schon während seiner Bundeswehrzeit, denn seinen Erzählungen nach - und die Fotos, die er von dieser Zeit mitunter präsentierte, bestätigten dies - wurde nach der Zeit des Grundwehrdienstes zu jedem Event erst einmal ein Kasten Bier herangeschafft.
Bei uns zu Hause war dann auch immer Biervorrat im Keller, zusätzlich zum Weinbrand, den er dann lange Zeit trank.
Mein Vater gehörte zu der Art Alkoholikern, denen man nicht sofort ansah, daß sie etwas getrunken hatten. Sturzbetrunken kam er eigentlich nie nach Hause, er machte auch keine Nächte durch. Fremden oder Leuten, die ihn selten sahen, mag womöglich kaum etwas aufgefallen sein, meiner Mutter und mir konnte er freilich nichts mehr vormachen.
Lange Zeit sahen wir seinem Trinken schweigend zu, wenn meine Mutter mal versuchte, ihn darauf anzusprechen, wurde er zornig und ließ absolut nicht mit sich reden. Meine Mutter lenkte dann meist wieder ein.
Ich finde es im nachhinein unglaublich, wie wir tatenlos zusahen und auch zusehen mußten, wie Vater seine Gesundheit (und nebenbei auch unsere Finanzen) ruinierte. Die Co-Abhängigkeit war absolut da, wenn ich rückblickend sehe, wie wir meines Vaters Sucht zu verbergen versuchten. Irgendwie schien meiner Mutter auch nicht wirklich der Ernst der Lage bewußt zu sein, anders kann ich es mir nicht erklären, daß sie auch noch schicke Karaffen für seinen Schnaps gekauft hat und ihm stets, wenn sie ihn auf der Arbeit besucht hat (er arbeitete als Maurer, was wieder mal alle Vorurteile bedient…), einen Flachmann mitbrachte.
Meine Mutter ist übrigens heute noch nicht in der Lage, zu sagen, daß ihr Mann ein Alkoholiker war, dieses Wort kommt ihr nicht über die Lippen.
Weiterhin finde ich es unglaublich, wie ich als Kind (im Alter von vielleicht knapp über 10 Jahren) bereits für seinen Alkoholismus eingespannt wurde. Es war mir (auch in diesem Alter schon) im höchsten Grade peinlich, sonntags oder außerhalb der Öffnungszeiten beim Besitzer des Supermarktes in unserem Dorf zu klingeln, daß er mir noch eine Flasche Weinbrand verkauft - in heutigen Zeiten nach dem Jugendschutz zum Glück wohl eher undenkbar.
Ich durfte auch zur Bank gehen, um die Münzsammlung in Geld umzutauschen, ich habe mich geschämt, und ich schäme mich heute noch.
Weiterhin finde ich es unglaublich und unverantwortlich, wie mir als Kind der Zugang zu Alkohol ermöglicht wurde. Wenn ich ihn in seine Kneipe begleiten durfte, - als Kind fand ich das toll, denn da waren ein Flipperautomat und ein Kicker -, bekam ich mein Malzbier stets mit einem ordentlichen Schuß richtigen Bier, damit es schön schäumt.
Als ich mit ihm mal irgendwo war, wo es eisig kalt und stürmisch war, gab er mir kurzerhand einen Schluck aus seinem Flachmann mit Weinbrand, da war ich 14!
Meine Konsequenzen daraus und aus der Tatsache, daß ich absolut niemanden hatte, mit dem ich über meine Ängste reden konnte (meine Mutter war zwischenzeitlich selbstmordgefährdet), waren, daß ich im Alter von 15 Jahren das letzte Mal an Alkohol genippt habe, als ich zu Silvester mit Eierlikör angestoßen habe/anstoßen mußte, seitdem komme ich mit Alkohol allenfalls als Zusatz von medizinischen Präparaten in Verbindung. Außerdem sog ich damals alles auf, was mir zum Thema "Alkoholismus" in die Finger kam.
Zwei weitere einschneidende Erlebnisse gab es dann doch noch: Mit 16 Jahren wunderte ich mich, was mein Vater andauernd im Schlafzimmer machte, das damals von unserem Wohnzimmer abging, und warum er stets mit einer Alk-Fahne wieder rauskam. Als ich dann eines Tages mal allein zu Hause war, schaute ich mal in seinem Kleiderschrank nach, und obwohl ich wußte, was ich dort finden würde, hat es mir an diesem Tag den Boden unter den Füßen weggezogen. In einer Reisetasche bunkerte er die Weinbrandflaschen, aus denen er stets einen Hieb genommen hat. In diesem Moment wußte ich nicht, was ich am meisten empfinde: Mitleid, Wut, Haß, Verachtung. Am meisten zerriß es mich, daß ich immer noch niemanden hatte, mit dem ich über dieses Thema reden konnte. Mit dem Wissen und der Erfahrung von heute würde ich damit sicherlich anders umgehen, auch weil es heute zum Glück mehr Möglichkeiten zum Austausch gibt, z. B. dieses Forum.
Bislang habe ich lediglich meiner Frau und einigen guten Freunden, nachdem ich mit Anfang 20 zu Hause ausgezogen bin, von dem ganzen Leid erzählt.
Noch heute wird mir übrigens beim Riechen einer Weinbrand-Fahne übel, und immer noch ist das Knacken und Knirschen eines gedrehten Schraubverschlusses einer Schnapsflasche ein unerträgliches Geräusch für mich.
Das zweite einschneidende Erlebnis war dann noch für mich, als eines Tages im Sommer ein Nachbar bei uns klingelte und sagte, daß mein Vater auf der Straße kollabiert wäre. Die Hitze und der Alkohol haben ihn zusammenbrechen lassen. Mit dem Rettungswagen kam er ins Krankenhaus, wo gleich bei ersten Hirnuntersuchungen neben der Kopfverletzung durch den Sturz ein Alkoholproblem festgestellt wurde. Es war im Gespräch, ihn nach Beendigung des Krankenhausaufenthalts in ein Landeskrankenhaus zur Entziehungskur zu überweisen. Vater war damit einverstanden, wir waren zufrieden. Ich fuhr daraufhin zwei Wochen in den Urlaub und war bei meiner Rückkehr fassungslos, daß er doch wieder zu Hause war und nicht im LKH! Er war noch einige Wochen krankgeschrieben, und in dieser Zeit kam er wirklich wieder zu Kräften. Er trank keinen Schnaps und kein Bier, suchte sich Ausgleich, indem er zu lesen und zu angeln begann.
Seit seinem ersten Arbeitstag war aber alles wieder für die Katz. Erst trank er ein Bier, dann zwei und dann irgendwann recht bald wieder sein normales Pensum. Ich hoffte, er wäre stark, aber eigentlich hat mich der Rückfall nicht wirklich überrascht. Er war einfach schwach und konnte/wollte sich nicht die "Blöße" geben, vor seinen Kollegen nichts Alkoholisches zu trinken, "ein deutscher Mann trinkt Bier". Es würde mich wirklich interessieren, ob er mich innerlich bewundert oder verachtet hat, daß ich keinen Alkohol getrunken habe, ich werde es nie erfahren.
Seit diesem Zusammenbruch im Sommer setzte sein Verfall immer schneller ein, er vertrug weniger und hatte auch häufiger signifikante, alkoholbedingte Ausfallserscheinungen. In einer schwachen Stunde beichtete mir meine Mutter, daß im Bett seit Ewigkeiten nichts mehr laufen würde, und auch seine Körperhygiene ließ arg zu wünschen übrig, Zähneputzen fand die letzten Jahre nicht mehr statt. Seit meiner Geburt bis zu seinem Tod hat er nicht einmal einen Zahnarzt besucht, entsprechend übel sah er aus.
In dieser Zeit habe ich ihn innerlich aufgegeben, ich war mir sicher, daß er es nie schaffen würde, vom Alkohol loszukommen, vor allem weil bei ihm jegliche Einsicht (Einsicht = Schwäche?) und Bereitschaft fehlte, etwas an seiner Situation ändern zu wollen. Sein Ende kam dann rasend schnell. Anfang Juli '96 wurde bei ihm Lungenkrebs mit Metastasenbildung diagnostiziert, exakt 50 Tage später war er tot.
Nun ist es doch etwas ausführlicher geworden (vielleicht hat ja trotzdem jemand bis zum Ende durchhalten können?!), und dennoch habe ich das Gefühl, ich hätte nur einige wenige Bruchstücke erzählt…
Über Rückmeldungen und Fragen würde ich mich übrigens sehr freuen.
Herzliche Grüße
Ingo |
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| IngoM hat zum Thema: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil geschrieben
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Kerstin1978 Gast
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Verfasst am: 11.12.2006, 20:06 Titel: Re: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil |
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Hallo Ingo,
zunächst einmal ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Auch ich bin erst kürzlich auf diese Seite gestoßen, weil ich einfach keinen anderen Weg mehr wußte, wohin mit all dem, was mich derzeit belastet. Freunde ? Gut und schön, aber sie wissen nicht wirklich, was einen beschäftigt, wie das Familienleben in einer Alkoholikerfamilie abläuft.
Mein Vater ist auch Alkoholiker, seit ich denken kann. Peinlichkeiten gab es zuhauf - platze es doch an einem Elternabend aus ihm heraus: "So´n Scheiß braucht mein Kind nicht....", etc. Seitdem war meine Mutter nie wieder auf nem Elternabend. Von anderen drauf angesprochen warum nicht, schob ich immer meinen "kranken Bruder" vor.
Wenn mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, stellten wir Kinder brav sein Bier und sein Glas bereit. Hach, wie herrlich gut erzogen. Wenn meine Mutter sich nicht vehement dagegen gewehrt hätte, hätte er uns auch mit in die Kneipe geschleppt....Familientradition sozusagen, denn mein damals 4jähriger Cousin durfte stets mit zum Frühschoppen und den "Schaum abtrinken".
Mein Vater ist im Herbst 2003 zusammengebrochen, kam per Krankenwagen ins KKH. Dort meinte man, es wäre nicht nur 5 vor 12, sondern schon 12 und meine Mutter sollte doch auf ihn einwirken. Mein Bruder meinte daraufhin nur, dass man genauso gut versuchen könnte nen Fels zum Christentum bekehren zu wollen.
Seitdem ist sein Konsum stetig gewachsen...wußte gar nicht, dass da noch mehr möglich ist.
Zudem kommt der Zigarettenkonsum, Tabletten, Magenbitter.....habe mich mal kürzlich hingesetzt....€ 9.500,00 im Jahr verbrät er auf diese Weise.
Ich nehme mittlerweile gedanklichen Abstand zu diesem Elend, denn es ist nicht mein Leben, dass da den Bach hinunter geht. Meine Mutter macht schon Zukunftspläne ohne ihn...anstatt dass sie mal den Schritt wagt und geht *kopfschüttel*....nein, da möchte sie lieber die nächsten 5 oder 10 oder weiß nicht wie viele Jahre mit dem Schwein zusammenleben und dahin vegetieren. Es könnte so schön sein.....
Ich habe nur den für mich wichtigen Schritt getan (der Kindsvater meiner Tochter ist ebenso Alkoholiker), dass ich mich damals von dem Idioten getrennt habe. Welch ein Leben ich meiner Tochter doch bieten könnte....genau der gleiche Sch... wie mein Leben.
Streitereien waren die Tagesordnung, Kontrollen, Eifersuchtsanfälle seinerseits.....das geht sogar bis heute, dass er seinem 3 erwachsenen Kindern (30, 28 und 25) abverlangt, dass sie ihn um Erlaubnis fragen, ob sie zum Weihnachtsmarkt fahren wollen.
Da greift man sich mal an den Kopf....
Die Körperhygiene lässt bei meinem Vater auch sehr zu wünschen übrig. Die Zähne gleichen nur noch Ruinen....schwarz wie die Nacht und nicht mehr im Ganzen vorhanden. Wenn er den Mund aufmacht, möchte man flüchten. Es widert einen nur an.
Vielleicht sollte ich ihn für meine Tochter als Abschreckungsbeispiel nutzen, wenn sie mal wieder ihre Zähne nicht putzen will *g* Scherz beiseite.
Ich gehe mittlerweile halb ironisch mit der gesamten Problematik um, denn ändern kann ich es nicht.
Ich kann nur meine Denkweise ändern...und die lautet mittlerweile "Soll er doch... . Aber mich kriegt er nicht klein."
Ich verstehe bloß meine Mutter nicht. Sie sieht ihren einzigen Ausweg im Tod meines Vaters.
Gut, ich war nicht so lange mit dem Vater meiner Tochter zusammen...was habe ich mir unser kleines Familienleben so schön vorgestellt....aber ich habe ja auch den Absprung geschafft....
Naja, was soll´s.....c´est la vie  |
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| Kerstin1978 hat zum Thema: Re: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil geschrieben
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Meni Gast
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Verfasst am: 11.12.2006, 20:11 Titel: Re: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil |
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Hallo Ingo,
Dein Bericht hat mich - wie fast jeder Bericht hier - sehr betroffen gemacht. Ich stamme aus einer Alkoholikerfamilie, habe darüber aber im offenen Bereich der Alkoholiker geschrieben; denn im Gegensatz zu Dir bin ich dann irgendwann selbst abhängig geworden (das war dann letztlich die Vertuschung der Vergangenheit vor mir selbst).
Dass man damit auch anders umgehen kann, habe ich soeben gelesen, und ich freue mich darüber.
LG, Meni |
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| Meni hat zum Thema: Re: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil geschrieben
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Frozen Tears neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.11.2006 Beiträge: 465
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Verfasst am: 12.12.2006, 00:45 Titel: Re: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil |
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Hier im Forum gab es ja schon desöfteren die Diskussion, ob es eine Extrarubik geben sollte für den Austausch von Kindern, die in Alkoholikerfamilien aufgewachsen sind. Ich würde es sehr begrüßen, denn auch ich sehe hier Gemeinsamkeiten, wenn ich das alles so lese.
Und ich habe auch schon einige Geschichten gelesen, würde auch gerne Jugendlichen hier im Forum, die sich zur Zeit in einer solchen Situation befinden weiterhelfen.
In dieser Rubrik Co-Abhängige finde ich, dass diese Thematik ein bißcehn untergeht. Dafür ist das Thema Co_Abhängigkeit für sich einfach schon zu wichtig. Sicher haben wir auch in unserer Familie mit dem in der Regel Co-Abhängigen Partner ja zu tun , sei es die Mutter oder der Vater. Aber als Kind sieht man die DInge doch ganz anders und ist auch gefühlsmäßig anders involviert als die Mutter oder der Vater.
Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten sich meine Eltern auch viel früher getrennt. Ich habe so sehr auf meien Mutter eingeredet, als ich ungefähr 13 war. Ebenso meine beiden älteren Schwestern. Aber meine mutter war so schwach und abhängig von meinem Vater, dass sie es nciht konnte. Sie war irgendwie von Sinnen. Ebenso wie meine Vater mit seinem Alkohol, nur eben auf eine andere Art undWeise.
Auch wir sind als Kinder ganz anders mit dem Alkohol in Kontakt gekommen wie andere Kinder. Auch ich kenne Kneipenbesuche, Schaum abtrinken, Saufpartys an denen ich bedenkenlos teilnehmen durfte. Nicht nur ALkohol. Auf diesen Partys wurden mir im Alter von 11 Jahren bereits Zigaretten von den betrunkenen Nachbarn angeboten. Unverantwortlich.
Man war irgendwie sehr früh gezwungen die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen , wenn man nicht vor die Hunde gehen wollte.
Und in der schule gab es dann ein weiteres Problem- der Drogenkonsum der Mitschüler. Wie von einer Mauer umgeben habe ich mich vor all diesen Dingen ferngehalten. Alkohol habe ich zwar heir und da schon früh getrunken. Aber bei anderen Mitschülern beispielsweise , die in 'normalen' Familien aufwuchsen sind diese Saufereien viel mehr ausgeartet als bei mir. Ich denke, dass ich durch das abschreckende Beispiel meines Vaters ganz anders mit Alkohol umgehe als andere. Und ähnliches schreibst du ja auch. Auch meine Toleranzgrenze gegenüber Alkoholkranken oder Drogensüchtigen ist sehr niedrig. Ich kann nciht dagen, dass ich ejtzt alel Menschen , die solch ein Problem haben hasse, aber ich gehe viel bewußter damit um. Sobald ich sowas merke spreche ich jemanden drauf an und zwar ziemlcih rücksichtslos, manchmal provozierend. Jemand, der mir weißmachen will, dass er kein Alkoholpropblem hat, dem stell ich ganz offen ne Flasche Wodka zum Frühstück hin und gucke mir an, wie er da drum herum schwänzelt. Tja, welcher Nichtabhängige würde auf die Idee kommen , nen Wodka zum Frühstück zu trinken.
oder taucht da plötzlcih so ein versteckter Flachmann auf , dann ruf ich schonmal : Ei, was haben wir denn da.
Ich kenne auch dieses Gefühl von Hass und Hilflosigkeit, Ohnmacht, dass man als Kind erlebt hat. Die Mutter beschützen wollen , sich verantwortlich zu fühlen für die Mutter. Also nicht für den trinkenden Vater, sondern für die Mutter, die sich nicht wehren kann. Man hat es ja schließlich doch als Kind mit 2 Abhängigen zu tun. Und möglciherweise ist dadruch in mir der starke Wunsch gewachsen möglcih unabhängig von irgendwas in meinem Leben zu sein. Selbständigkeit und Unabhängigkeit in jeder Hinsicht waren immer eines meiner ersten Ziele.
Was ich erst spät begriffen hatte, war es, dass es sich ja doch um eine Krankheit handelt. Als Kind geht man immer davon aus, dass doch die Eltern eigentlich perfekt und vorbildlich sein sollten. baer das waren sie nicht. Und als Kind hatte man keine Möglcihkeit etwas dagegen zu tun außer sich zurück zu ziehen und eine Art Gleichgültigkeit zu entwickeln, eien dicke Schutzmauer von Unantastbarkeit um sich herum aufzubauen.
Man hat sich seiner Mutter gewissermaßen überlegen gefühlt, die ja der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken wollte. Und dennoch war man machtlos.
irgendwann, als ich 15 war habe ich meinen Vater einmal direkt ins Gesicht geschlagen. Er wollte mir irgendetwas vorschreiben und ich habe ihn aus meinem Zimmer verwiesen, ichh atte keinen Respekt mehr vor ihm. An diesen Moment kann ich mcih noch am besten erinnern. Er war ziemlich erstaunt und ich auch über mcih selbst. Und dann ist er hilflos abgedackelt. Er konnte sich mir nciht mehr zur Wehr setzen, war mir schon körperlich unterlegen. Das war ein absoluter Triumph für mich damals. Heute ist er trocken und er hat sich meinen respekt wieder verdient. Ich weiß, wenn man drin steckt in der Situation ist alles nur emotionsgeladen. Aber heute denke ich, dass jeder Mensch auch eine gewisse Würde hat. Ich würde niemanden , der alkoholkrank ist als 'Schwein' bezeichnen. Auch der Straßenpenenr auf der Straße und der Junkie an der Ecke sind für mich - armseelige- Menschen. Das darf man nie vergessen. Jeder, der sowas druchgemacht hat sollte dennoch versuchen zu verstehen, dass diese Menschen ihre eigene Geschichte haben, für die sie auch nichts können, oftmals sehr zerbrechliche Menschen sind. ich bin auch nicht der Meinung, dass Alkoholismus vererbbar ist, sondern wenn sowas in der Familie passiert, dann deshalb weil es einem vorgelebt wird und Alkohol irgendwie kein Tabuthema ist. Entweder schafft man es selber zu sagen, dass das einTeufelszeug ist oder man geht auch verloren.
Allen Co-Alkoholikern kann ich nur raten so schnell wie möglcih ihre Augen zu öffnen und auch sofern sie Kinder haben , mal an die Kinder denken. Ich weiß nciht, ob mein Leben besser gewesen wäre, aber ich weiß,dass ich sehr gelitten habe als Kind, kein kindgerechts Leben geführt habe. Klar hat so ein alkoholkranker Vater auch seine guten Seiten gehabt. Auch das schrieben hier ja viele Co-Abhängige über ihre Ehemänner. Unser Vater hat besonders als wir sehr klein waren sehr viel mit uns gespielt, Schlitten gefahren, Ausflüge gemacht. Ist ja auch kein Wunder - er war ja gewisserweise selbst noch ein Kind. |
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| Frozen Tears hat zum Thema: Re: Kindheit mit alkoholkrankem Elternteil geschrieben
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Tanja1987 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.12.2008 Beiträge: 7
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Verfasst am: 12.12.2008, 23:31 Titel: re |
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| hi, ich bin im moment in einer ziemlich ähnlichen situation wie du und würde gern wissen ob und inwiefern du bis heute vielleicht schwierigkeiten hast mit all dem umzugehen, was damals passiert ist. Ich frage, weil ich im moment bezweifle, dass mich die bilder jemals wieder loslassen! Und hast du es geschafft in dieser zeit beruflichfuß zu fassen ( ausbildung, schule ) Ich hab bis jetzt studiert, muss das allerdings auf grund der situation aufgeben und frage mich ob ich "zumindest" eine ausbildung schaffen kann?? Weiß auch nicht, ich bin im momen einfach ein bisscheb verwirrt, weil ich echt nicht mehr weiß was richtig und was falsch ist. |
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