| Verabschiedung in den Urlaub • Abnehmen wenn trocken? |
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day4711 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 06.12.2006 Beiträge: 5
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Verfasst am: 07.12.2006, 00:09 Titel: Bin etwas verzweifelt |
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Hallo,
ich weiss nicht wie ich anfangen soll. Ich bin im Moment in einer ziehmlichen Krise.
Zum einen hab ich wohl definitiv ein Alkoholproblem. Aber ich hab' ein noch
viel grösseres Problem. Ich habe es geschaft mich sozial total zu isolieren.
Ich habe keine Freunde mehr(hatte nie viele), keine Bekannten und nicht mal
Arbeitskollegen.
Und dieser Zustand besteht schon seit erschreckend langer Zeit.
Ich habe absolut niemanden mit dem ich reden kann. Da ich ein Meister des
Verdrängens bin und eigentlich psychisch sehr stark bin habe ich das
sehr lange ausgehalten. Aber langsam merke ich mir schwindet die Kraft.
Wie ist das alles so gekommen? Ich war schon immer eher sehr introvertiert
und schweigsam. Und hatte nie mehr als 1 bis phasenweise 3 Freunde/Kumpels.
Nun vor vier Jahren hatte ich mich selbständig gemacht. Der einzige
ehemalige Arbeitskollege mit dem ich noch Kontakt hatte ist weg gezogen
und der Kontakt abgerissen. Seit 4 Jahren werkle ich ich nun als
Ein-Mann-Software-Firma einsam vor mich hin (Da ich ganz guten Erfolg
hatte, hat das überwiegend auch Spaß gemacht).
Mein Alkoholproblem ist zwar bei weitem nicht mehr so schlimm wie
es früher mal war, aber dennoch ist es gegenwärtig (und schadet mir).
Früher wärend dem Studium hatte ich mich praktisch jede Woche mind.
einmal mit ca 8-9 Bier bis zum Filmriss zu gesoffen, dann war ich 2
Tage "im Koma" und dann ging es nach 2-3 produktiven Tagen wieder
von vorne los.
Ich war wohl der typische Quartalssäufer im Wochenrythmus.
Dennoch hatte ich mein Studium dann doch noch gut abgeschlossen und
zunächst ein paar Jahre als Angestellter gearbeitet.
Bis der Arbeitgeber pleite ging und ich mich dann selbständig machte.
Auch durch die Fokussierung auf den Job ist es mir gelungen den Alkoholkonsum
auf ein kontrolliertes Maß zu reduzieren. D.h. ich habe in den letzten Jahren
am Abend zwei Bier getrunken, ab und an auch mal 3 oder gar 4 aber
Exzesse mit 6 und mehr Bier fanden nur noch selten statt.
Nichtsdestotrotz habe ich in den letzten 20 Jahren wohl noch nie
länger als 7 Tage am Stück keinen Alkohol getrunken.
Wie gesagt, ich habe nicht mehr das Problem exzessiv zu saufen, aber
ich merke wie der zwar eher geringe, aber regelmäßige Alkoholkonsum,
meine Psyche verändert. Wobei ich nicht sagen kann ob es
wirklich der Alkohol ist, der an meiner Psyche nagt, oder das Alleinsein
oder beides??
Nun hatte ich mal Testweise für ca 6 Tage keinen Alkohol getrunken.
Typische Entzugserscheinungen hatte ich nicht. Also kein Zittern,
keine Unruhe. Im Gegenteil ich fühlte mich völlig in mir, ruhig,
und bildete mir ein dass meine Gedanken plötzlich wieder zu
fließen begannen (wärend ich im Vergleich dazu meine bisherige
Gedankenwelt eher stumpf und "abgehackt" empfand).
Allenfalls latent hatte ich ein ganz leichtes Gefühl der Unterzuckerung
und nach etwa 4 Tagen phasenweise Konzentrationsschwächen.
Die phasenweise absolute gedankliche Klarheit hat mir nun
völlig tranparent meine gnaze Situation vor Augen geführt.
Es hat mich fast umgehauen, als mir die ganze Tragweite der Tatsache
bewusst wurde, dass ich seit etwa 4 Jahren fast völlig sozial
isoliert "lebe".
Ich hatte durch diese Vergegenwärtigung der Realität dann
fast schon so etwas wie Panikattacken. Ich fühlte mich
völlig schutz- und hilflos, da ich niemanden habe.
Ich habe vor einem Jahr mit dem Rauchen aufgehört (hatte
vorher 20 Jahre lang 2 Schachteln am Tag geraucht) aber
ich denke mit dem Alkohol aufzuhören wird noch mal
eine Nummer härter werden. Obwohl ich wohl gering körperlich,
aber massiv psychisch abhängig bin, da alles was in meiner
Vergangenheit an Sozialleben stattgefunden hatte, immer
nur unter alkoholeinfluss stattfand. Normale, nüchterne
Beziehungen zu führen habe ich nie gelernt.
Gegenwärtig bin ich mutterseelenallein auf dieser Welt.
Ich habe Angst. Angst dass ich schon soweit ausserhalb stehe,
dass ich gar nicht mehr zurückfinde. Um ehrlich zu sein
ich war noch nie richtig irgenwo in der Gesellschaft
gebunden. Dieser Erkenntnis ins Auge zu sehen ist
hammerhart.
Vielleicht hat ja einer bis hierhin gelesen und
hat ein paar Worte für mich übrig
Schöne Grüsse
B. |
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| day4711 hat zum Thema: Bin etwas verzweifelt geschrieben
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esgehtanders aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.09.2006 Beiträge: 670
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Verfasst am: 07.12.2006, 02:33 Titel: Re: Bin etwas verzweifelt |
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hallo day4711,
du schreibst, daß deine Gedanken wieder zu fließen anfangen, das ist doch was schönes oder? also warum da nicht weitermachen und auf den Alkohol ganz verzichten?
du sagst auch, daß du keinen Entzug in dem Sinne spürst, trotzdem würde ich mal einen Arzt konsultieren, das mit den Panikattacken hatte ich auch und kann auch davon kommen
gruß |
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| esgehtanders hat zum Thema: Re: Bin etwas verzweifelt geschrieben
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swissguy neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.12.2006 Beiträge: 1
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Verfasst am: 07.12.2006, 03:29 Titel: So sprach ich !ICH BIN! |
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Nun ich kann verstehen das du dich nicht ganz wohl fühlst in deiner Haut!
Die analytische Sprache beweist mir zumindest Verstand.
Ich weiss Frechheit so was zu äussern aber es liegt an Dir.
Ein Beispiel:
du stehst an der Kasse im Kaufhaus! Wie viele Sätze sprichst du mit der mit dem Menschen der dir gegenüber ist?
Kann es sein das sozialer Kontakt nur möglich ist mit Sprechen.
Soziale Bindungen sind nur möglich wenn man sie zulässt.
Spürst Du Scham wenn Du jemanden gegenüber stehst?
Du bist nicht auf den Kopf gefallen! Du bist selbständig kannst dich selber versorgen nun versuche mal was zu riskieren! Spreche mit den Menschen und du wirst erkennen das du nicht allein bist!
Dein Trinkzyklus ist sicher ein Problem! Lass den Alkohol weg und konzentriere dich auf dein Umfeld. Die Kraft liegt im guten Gedanken!
Denn ich glaube eher du siehst deine möglichen sozialen Kontakte nicht einmal!
Stehe gerade, lächle und SEI DU SELBST!
Kann sein das es nicht auf Knopfdruck funktioniert egal sch**** drauf mach weiter und gib nicht auf den ICH BIN!!
Ich weiss du kannst es! |
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| swissguy hat zum Thema: So sprach ich !ICH BIN! geschrieben
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Andi Gast
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Verfasst am: 07.12.2006, 06:48 Titel: Re: Bin etwas verzweifelt |
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Hallo day4711
Erst einmal herzlich Willkommen hier im Forum und der SHG,Du schreibst,Du hättest niemanden,hier sind wir!!!Ich kann mich sehr gut in deine Lage hineinversetzen,denn Alkoholabhängigkeit macht einsam,aber Du kannst es ändern,und nur Du!!!Ich habe aus deinem Thread herauslesen können,das Du auf selbstständiger Basis arbeitest dann gehe ich davon aus das Du dir deine Freizeit auch selbst einteilen kannst.Hier ein Ratschlag von mir.Versuche Dich mal einer in deinem Ort befindlichen
Selbsthilfegruppe anzuschließen,so schlägst Du gleich 2 Fliegen mit einer Klappe.Erstens sind dort Menschen denen Du dich anvertrauen kannst,und zweitens ist es ein sehr gutes Übungsfeld der sozial und zwischen menschlichen Beziehung.Dort wirst Du sicherlich,genauso wie hier einige nützliche Tips erfahren dürfen,und Du bist unter Menschen die Dich verstehen,und Dir sicherlich einen Teil deiner Isolation nehmen werden.
Viel Glück auf deinem Weg,und herzliche Grüße sendet Dir Andi |
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| Andi hat zum Thema: Re: Bin etwas verzweifelt geschrieben
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day4711 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 06.12.2006 Beiträge: 5
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Verfasst am: 07.12.2006, 11:57 Titel: Re: So sprach ich !ICH BIN! |
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Hallo Swissguy,
auf den Kopf gefallen bin ich sicher nicht, mein Problem ist eher das Gegenteil; im Zweifel würde ich mich als hochintelligent bezeichnen.
Ich bin nicht sicher ob ich nach der gängigen Definition als "hochbegabter" einzusortieren wäre, aber zumindest gibt es Indizien die dafür sprechen. Und meine Intelligenz ist eher das was meine Isolation befördert hat.
Ich finde kaum Menschen, die auf meiner Wellenlänge sind.
Was für den Normal-Menschen gilt, gilt für den hochbegabten nicht unbedingt. Einem Normal-Menschen kannst Du sagen "Sei Du selbst", weil ein Normal-Mensch es sich leisten kann authentisch zu sein. Ist jemand hingegen hochintelligent UND er würde ehrlich sagen was er denkt, so würde dieser ständig Menschen vor den Kopf stossen (Habe ich oft getan).
Nein, mit der Kassiererin im Supermarkt eröffne ich in der Regel kein Gespräch. Die Gedankenwelt einer Supermarktkassiereren interessiert mich aber ehrlich gesagt nicht wirklich.
Ich versuche schon aktiv den Teufelskreis meiner privaten sozialen Isolation zu durchbrechen, aber das ist nicht einfach. Einem Normal-Menschen könnte man sagen: "Geh in einen Sportverein, da lernst Du Leute kennen und dann ergibt sich das schon ..".
Nun, ein Beispiel: Ich mache viel Ausdauersport. Fahre ca. 6000 km pro Jahr mit dem Rennrad. Natürlich wäre es naheliegend dies als Ansatzpunkt zu begreifen um mit gleichgesinnten in Kontakt zu kommen.
Ich hatte diesen Sommer dann zum ersten Mal bei einem Zeitfahrrennen teilgenommen. Ich habe noch nie so viele auf den ersten Blick erkennbar dumme Menschen gesehen wie bei dieser Veranstaltung.
@Blue Bouncer: In meinem Fall ist das definitiv nicht so simpel wie Du das siehst. Ich war früher als Jugendlicher extrem einsam als ich noch keinen Alkohol getrunken hatte. Mittels des Alkohols war es mir dann erstmals möglich mich anderen Menschen zu öffnen und Kontakte zu knüpfen.
Eben durch diese Erfahrung meinte ich den Alkohol zu brauchen um sozial zu funktionieren. Als das zu exzessiv wurde habe ich dem in gewissen Grenzen entgegengewirkt. Ich gehe seit Jahren nicht mehr in Keipen oder Diskotheken, weil ich nicht mehr saufen will. Und ich habe den Alkoholkonsum auf ein kontrolliertes Maß zurückgeschraubt.
Ich tue viele Dinge um mein Leben aufzubauen. Ich rauche nicht mehr. Ich mache fast jeden Tag Sport. Ich lese wieder Bücher. Ich gehe ins Kino. Ich verreise in andere Länder. Ich besuche Philosophievorträge. Und ich habe aus dem Nichts alleine eine international präsente Software-Firma aufgebaut, wofür andere ein ganzes Team von Leuten haben. Ich will damit sagen: Ich habe noch nie so viel auf die Reihe gekriegt wie in den letzten Jahren.
Aber privat bin ich nun wieder sehr extrem einsam. Gewissermaßen wieder dort wo ich am Anfang war.
Ich bin nicht _wegen_ des Alkohols einsam.
Im Vergleich zu früher trinke ich fast keinen Alkohol mehr.
Trotzdem will ich damit aufhören.
Mir ist klar, dass viele hier einfache klare Regeln brauchen, aber bei mir funktionieren solche simplifizierenden Schemata nicht.
Grüsse
B. |
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| day4711 hat zum Thema: Re: So sprach ich !ICH BIN! geschrieben
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Fides neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.10.2006 Beiträge: 47 Wohnort: Bad Zwischenahn
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Verfasst am: 07.12.2006, 12:23 Titel: Re: Bin etwas verzweifelt |
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Interessant und einige Teile des postings könnten von mir sein.
Ich unterstelle mal, dass die soziale Isolation zunächst selbst gewählt war, weil Kontakte sowohl inhaltlich, sprachlich und von der Schlagzahl eher lästig und ermüdend als bereichernd und bestätigend waren.
Das persönliche Potential wird auf die Arbeit verlagert, die Kontakte dort sind schon mal automatisch themenzentriert und der Erfolg sichtbar.
Manchnmal kommt der Verdacht, dass man eventuell ein intellektueller Knaller ist und sich als Mensch ohne diese erworbenen Attribute zwischen Amöbe und Wurst bewegt. Das ist so beunruhigend und beschämend, das kann man nicht zulassen und dann trinkt man. Nicht aus Sorge, sondern weil der Alk hilft die vielen Gedankenebenen auszuschalten und vorübergehend nur eine Dimension zulässt.
Solange du versuchst auf der theoretischen Ebene eine Erklärung dafür zu finden und dich als jemanden betrachtest, der durch Logik eine neue "Funktionsweise" erhält, klappt das nicht.
Du musst erkennen dass du dich lieben und gut behandeln darfst, ohne entsprechende Leistung oder Qualifikation, einfach so! Und dazu gehört auch zuzugeben, dass man ganz einfache emotionale Bedürfnisse hat, die durch keinen Grips der Welt zu beeinflussen sind.
Liebe Grüße
Fides |
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| Fides hat zum Thema: Re: Bin etwas verzweifelt geschrieben
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day4711 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 06.12.2006 Beiträge: 5
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Verfasst am: 07.12.2006, 14:18 Titel: Re: Bin etwas verzweifelt |
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Hallo Fides,
ich habe mich sehr über Deine Antwort gefreut. Deine Interpretation geht schon in die richtige Richtung; wenngleich es im Detail bei mir etwas anders gelagert ist.
| Fides hat Folgendes geschrieben: | | Ich unterstelle mal, dass die soziale Isolation zunächst selbst gewählt war, weil Kontakte sowohl inhaltlich, sprachlich und von der Schlagzahl eher lästig und ermüdend als bereichernd und bestätigend waren. |
Jein. Es war nicht so, dass ich mich brennend für irgendwas interessiert hätte und genau wusste was ich wollte und mich andere langweilten. Nein. Wärend der ganzen Schulzeit hiendurch und auch wärend der überwiegenden Zeit des Studiums hindurch hielt ich mich für den letzten Idioten. Ich war von Minderwertigkeitskomplexen zerfressen. Ich hatte eine extreme Sozialphobie. Ich betrachtete mich nicht als einen Teil dieser Welt. Ich verstand nicht warum Menschen sind wie sie sind. Ich verstand nicht wie das Leben funktioniert. Am allerwenigsten verstand ich mich selbst. Ich hielt mich für eine Art Marsmensch; nicht dazugehörig; unfähig etwas zu tun oder zu denken was mit dem Tun oder Denken anderer kompatibel wäre. Ich galt als der große Schweiger. Ich war ständig nur auf "Stand By" mich hat nichts tangiert.
Ich habe mich für nichts im fachlichen Sinne interessiert. Über Jahre hinweg rotierte mein ganzes innerstes Denken um die eine Frage: "Wie werde ich kompatibel zu den anderen. Wie kann ich (mein) Leben konstruieren; aus dem nichts heraus; aus der grossen inneren Leere die ich empfand"
| Fides hat Folgendes geschrieben: | | Solange du versuchst auf der theoretischen Ebene eine Erklärung dafür zu finden und dich als jemanden betrachtest, der durch Logik eine neue "Funktionsweise" erhält, klappt das nicht. |
Du hast so dermaßen den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hatte Tränen in den Augen als ich diese Zeile von Dir gelesen habe. Ich weiss das mitlerweile (ich kann mich mitlerweile sehr gut selbst lieben und tue mir sehr oft gutes.), aber ich habe ca zwischem dem 10. und dem 25. Lebensjahr nichts anderes gemacht als zu versuchen mit Logik und rationalem Denken mich selbst zu "konstruieren". Ich bin beinahe verrückt geworden. In jeder Situation, in jeder Handlung war ich mein eigener destruktiver Supervisor.
Meine vorrübergehende Scheinlösung meines Problems, war es, meine Gedanken ruhigzustellen; mit Alkohol und in dem ich mich mit eher einfach strukturierten Menschen umgab (Ich fühlte mich auch gar nicht kompatibel zu Menschen im akademischen Umfeld). Wie Du sagtes, es war dann alles so schön eindimensional: Saufen und Spass haben.
Aber am Tag danach kamen immer wieder die Minderwertigkeitsgefühle. Ich hielt mich immer für dumm; für einen Scharlatan, der in der akademischen Welt fehl am Platz ist.
Ich habe die Parktika, die ich als Teil des Physikstudiums machen musste, ewig lange, Semester für Semester, vor mich hingeschoben, weil ich glaubte, dass sich in der Parktikumssituation, in der ich mich nicht mehr verstecken konnte, sondern mit dem Praktikumsbetreuer ja sprechen musste, herausstellen und offenbaren würde was für ein Dummkopf und Totalversager ich wäre.
Ich war dann sehr gut in den Praktika, ich bin regelrecht aufgeblüht. Erst von da an reihten sich dann (zum ersten Mal in meinem Leben) die Erfolge und Bestätigungen aneinander: Meine Diplomarbeit lief sehr gut und zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich mich selbst als funktionierenden Menschen und zum ersten Mal begann ich meine Selbstzweifel abzubauen und an meine Fähigkeiten zu glauben.
...
Bevor ich mein ganzen Leben erzähle mache ich hier jetzt erstmal einen Punkt.
Ich würde aber sehr gerne noch weiter mit Dir kommunizieren; wenn Du magst.
Liebe Grüsse
B.
Das persönliche Potential wird auf die Arbeit verlagert, die Kontakte dort sind schon mal automatisch themenzentriert und der Erfolg sichtbar.
Manchnmal kommt der Verdacht, dass man eventuell ein intellektueller Knaller ist und sich als Mensch ohne diese erworbenen Attribute zwischen Amöbe und Wurst bewegt. Das ist so beunruhigend und beschämend, das kann man nicht zulassen und dann trinkt man. Nicht aus Sorge, sondern weil der Alk hilft die vielen Gedankenebenen auszuschalten und vorübergehend nur eine Dimension zulässt.
Solange du versuchst auf der theoretischen Ebene eine Erklärung dafür zu finden und dich als jemanden betrachtest, der durch Logik eine neue "Funktionsweise" erhält, klappt das nicht.
Du musst erkennen dass du dich lieben und gut behandeln darfst, ohne entsprechende Leistung oder Qualifikation, einfach so! Und dazu gehört auch zuzugeben, dass man ganz einfache emotionale Bedürfnisse hat, die durch keinen Grips der Welt zu beeinflussen sind.
Liebe Grüße
Fides[/quote] |
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| day4711 hat zum Thema: Re: Bin etwas verzweifelt geschrieben
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Meni Gast
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Verfasst am: 07.12.2006, 14:23 Titel: Re: Bin etwas verzweifelt |
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Hallo Day4711,
Dein Schreiben hat in mir große Betroffenheit ausgelöst. Als Hochbegabter ist man sowieso wie von einem anderen Stern, wenn ich auch glaube, dass es für ein Kind noch schlimmer ist als für einen Erwachsenen. Kinder können ziemlich grausam sein, wenn jemand "irgendwie anders ist". Aber auch als Erwachsener ist es nicht leicht, jemanden zu finden, mit dem man sich unterhalten kann. Entweder erscheinen die Gespräche einem entsetzlich banal oder die anderen können einem nicht folgen.
Hast Du schon mal daran gedacht, Dich z.B. bei MENSA einzuschreiben? Ich kann mir vorstellen, dass Du dort auf Menschen triffst, die Dich interessieren.
LG, Meni |
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| Meni hat zum Thema: Re: Bin etwas verzweifelt geschrieben
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