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Endlich mal "ohne" sein!

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hallo   •    Angst vor Silvester  
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*Marcel*
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 18:01    Titel: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Erstmal Tag zusammen!
Ich habe hier die letzten Stunden so einige Erlebnisse gelesen und muss sagen das es doch mehr sind mit dem Problem als ich dachte.
Ich wollte daher auch einmal meinen Leidensweg niederschreiben.
Ja..wo soll ich genau anfangen? Ob ich Alkoholiker bin kann ich nicht genau sagen, jedenfalls habe ich arge Probleme mit dem Zeug.
Oder eher gesagt WEGEN dem Alkohol.
Ich bin nun 29Jahre Alt und seitdem ich 16 bin wird überall gesoffen und ich immer mittendrin.
Ich hatte damals (so mit 17) leichte Panikattacken da ich erhebliche Probleme im Elternhaus hatte und wenn ich zu dem Zeitpüunkt was getrunken hatte kamen sie nicht. Ich denke mal das ich mir das saufen dadurch legitimiert hatte. Dazu kam dann noch der Freundeskreis der fleißig mitgetrunken hatte.
Der abstand zwischen den ganzen Partys wurde auch immer geringer und man begann auch mal in der Woche das eine oder andere Bier zu trinken.
Komischerweise waren die Panikattacken weg und ich habe auch garnicht mehr drüber nachgedacht, bis an einem Tag vor 4 Jahren.
Wir waren gerade auf dem weg zu einer Feier als ich mitten im Bus einen Panikanfall bekam der sich gewaschen hatte, ich dachte echt ich krepier da. Der Grund dafür war schnell ausgemacht, ich war am Abend zuvor bei einem Bekannten und da wurde auch so einiges getrunken.
Seitdem sind die Panikanfälle wieder da, aber jedesmal nur wenn ich mal wieder verkatert war.
Irgendwie wusste ich seitdem das durch den Alkohol diese Attacken ausgelöst wurden, nur ich wollte es nicht wahrhaben.
Seit knapp einem halben Jahr ist es nun ganz extrem, selten mal ein Abend mit "nur" 2 Bier oder garnichts.
Gestern Abend auch wieder 7 Bier und wenn ich die Leeren Flaschen so da stehen sehe überkommt mich Wut.
Wut gegen mich selbst weil es nicht nur meine Psyche, meinen Körper kaputt macht und unmengen an Geld kostet, nein, Wut weil ich so bescheuert bin und mir das antue.
Ich bin mir sicher das ich ab heute Einkaufen gehen kann ohne vor dem Getränke Regal zu stehen und überlegen zu müssen viele Flaschen ich mir heute mitnehme. Sollte irgendjemand in meinem Bekanntenkreis meine Entscheidung nicht akzeptieren so müssen wir dann getrennte wege gehen.
Also mein entschluß steht fest, meine Fragen lauten daher:
Was erwartet mich danach?
Wie habt ihr die erste Zeit ohne erlebt?
Gibt´s was was ich beachten sollte?
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*Marcel* hat zum Thema: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
ren_he
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 21.08.2006
Beiträge: 44
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 18:24    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Erstmal Hallo Marcel,

ich habe gerade Deine Story gelesen und mich darin 200 Prozentig
wiedergefunden. Ich selbst bin ein Jahr jünger. Dieses Jahr im
Februar war ich zum erstenmal in der Entgiftung und seither
ist es ein auf und ab (bin zur Zeit wieder fast 1 Monat trocken). Ich kann Dir dazu sagen das es ganz alleine sehr schwierig ist aufzuhören, vorallem
wenn man noch nicht seinen Persönlichen Tiefpunkt gefunden hat.
Ich brauchte viele Anläufe. Bei Dir scheint der Tiefpunkt ja erreicht zu
sein (hoffe ich). Deswegen kann ich Dir nur raten mal in eine
Selbsthilfegruppe zu gehen, und evtl eine Entgiftung durchzuziehen.
Was Dich erwartet ? Nun, ich denke das ist bei jedem verschieden.
Die einen haben gar kein Problem, die anderen,dazu zähle ich mich auch,
hangeln sich von Tag zu Tag und hoffen das der Saufdruck
endlich mal abnimmt. Man braucht viel Durchhaltevermögen bzw. einen starken Willen um ohne Alkohol zu leben. Schaffen kann es
Prinzipiell denke ich jeder.
Du solltest nicht mehr mit den ehemaligen Freunden weggehen und allen Gefahren erstmal ausweichen. Hört sich hart an, aber anders geht
es nicht. Ich habe auch so meine Probleme damit nicht wegzugehen, aber
es würde mir nix bringen.
Ich denke zur Zeit nicht weit in die Zukunft, sondern Tag für Tag und manchmal wie heute wieder Stunde für Stunde. Es schlaucht ganz
schön, aber es lohnt sich allemale!!!
Ich wünsche Dir das beste und hoffe das Du das durchstehst!!!
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ren_he hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
Meni
Gast






BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 19:02    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marcel,

wie Du habe ich den Alkohol als Betäubungsmittel für meine persönlichen Probleme benutzt. Vor allem am Anfang (also vor vier Wochen) kam ab und zu Saufdruck, aber das war eher die Gewohnheit, glaube ich, so wie der Griff zur Zigarette nach dem Essen. Ich habe deshalb bestimmte Rituale ganz bewusst abgeschafft.

Gefühlt habe ich mich von Anfang an ziemlich gut, bis auf seelische Durchhänger, die dadurch entstanden sind, dass ich mir das alte "Dämm-Material" nicht mehr einflöße. Daran arbeite ich jetzt, vor allem durch Schreiben und Lesen hier im Forum.

Raten kann ich Dir nur, zum Arzt zu gehen, ansonsten findest Du hier Berichte in Hülle und Fülle, die Dir vielleicht helfen können, für Dich ganz persönlich den besten Weg zu finden.

LG und alles Gute für Dich, Meni
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Meni hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
pauly
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 950
Alter: 50
Wohnort: BaWü, LB/HN

BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 19:17    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marcel,

das mit den Panikattacken kenne ich auch.

*Marcel* hat Folgendes geschrieben:
Seitdem sind die Panikanfälle wieder da, aber jedesmal nur wenn ich mal wieder verkatert war.


Ich bin sicher, Du warst da nicht verkatert, sondern das waren schon heftige Entzugserscheinungen.

Ich habe eine stationäre Entgiftung gemacht. Die erste Woche war zwar nicht so prickelnd, aber dann gings bergauf. Du bekommst dort auch Medikamente, die die Entzugserscheinungen dämpfen.

Geh doch mal zu Deinem Hausarzt, und besprich das ganze ganz offen mit ihm. Ich denke, das ist notwendig bei Dir.

Viele Grüße

pauly
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pauly hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
Micha
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 4416

BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 19:39    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marcel und herzlich willkommen,

dass deine nächste Anlaufstelle ein Arzt sein sollte, hast du schon gehört. Mit ihm kannst du beratschlagen, welche Form von Entzug für dich geeignet ist. Sei von Anfang an ehrlich. Das bringt's. Stell' dich offen zu dem, was du hier geschrieben hast. Je schneller du echt verinnerlichst, dass du Alkoholiker bist, umso weniger dramatisch ist das.

Wandel' deine Wut in positive Energie und beginne ein neues Leben. Und nichts anderes als ein neues Leben erwartet dich. Wie das dann im Einzelnen aussehen wird, bestimmst du. Vielleicht das erste Mal.

Ich persönlich habe es vom ersten Tag genossen, nicht mehr trinken zu müssen. Ich habe die Sauferei gehasst. Ich hatte es zutiefst satt, deratig von etwas abhängig zu sein, was ich verabscheute und was mir zuerst die Lebensqualität und dann das ganze Leben rauben würde.

Mach' dir nicht einen zu großen Kopf, wie es sein wird. Mir war egal, wie es sein würde, denn ich wusste: nichts wäre schlimmer, als so weiter zu leben. Ich habe das Verlassen des Alkohols aus meinem Körper und auch jeden einzelnen Tag danach als Befreiung erlebt, auch wenn im Leben deswegen nicht von heute auf morgen alles von allein rundläuft.

Trockenwerden ist Arbeit. Der Entzug ist "nur" ein Schritt. Aber der erste. Und dann muss man bereit sein, viel für sein neues und trockenes Leben zu tun und zu lernen.

Ich fühle mich vom Denken her noch nicht trocken. Aber ich bin mittlerweile auf einem guten Weg dorthin und kann sagen: Es lohnt sich. Und jeder kann es packen, wenn er ehrlich bereit ist und am Ball bleibt.

Man braucht viel Mut und viel Kraft und viel Geduld mit sich und dafür bekommt man sein Leben zurück.

Ich wünsche dir auf deinem Weg alles Gute

Gruß vom Micha
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Micha hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
*Marcel*
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 04.12.2006, 20:40    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Erst einmal Danke an alle für die Antworten.
Ich Denke ich werde die heute und Morgen mal abwarten wie ich mich so Fühle, sollte ich echt Entzugserscheinungen bekommen ist der nächste Gang zum Arzt.
Werde gleich erstmal ein wenig Spazierengehen um mal meine Gedanken zu ordnen. Könnte mich Ohrfeigen das ich es überhaupt soweit hab kommen lassen.
Naja, der Erste Schritt ist nun getan und der Zweite wird folgen.
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*Marcel* hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
esgehtanders
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.09.2006
Beiträge: 670

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 00:49    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo marcel,
ich würd morgen proforma trotzdem zum Arzt gehen, aber daß du dich gegen den Alkohol entschieden hast, find ich sehr gut Smilie
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esgehtanders hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben
Lilly12
Gast






BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 11:35    Titel: Re: Endlich mal "ohne" sein! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Lieber Marcel,

Herzlich Willkommen hier im Forum und unsere SHG.
Meine Vorschreiber haben ja schon das wichtigste gesagt, dem möchte ich mich grundsätzlich so anschliessen. Außerdem möchte ich noch zusätzlich sagen, das wir uns hier auch als SHG sehen, eben halt online, und wir sind sicher auch eine gute Wahl. Natürlich kann auch jeder eine reale SHG besuchen, das tun ja auch einige hier. Das muß jeder für sich selber entscheiden, wie er das am besten kann. Manchmal ist es einfacher, sich hier zu offenbaren. Aber da ist jeder sicher anders.

Ja, Marcel, die jetzigen Panikattacken bei Dir sind dann mittlerweile Entzugserscheinungen. Ich kenne das aus leidvoller, eigener Erahrung sehr genau. Ich bekam am Ende so starke Panikattacken, das ich dachte,ich muß sterben. Die kamen teilweise aus heiterem Himmel, teilweise in bedrängenden Situationen. Einen in der Schweiz hab ich noch in grausamer Erinnerung, wir waren in Zermatt, da kommt man nur mit dem Zug hin und zurück. Auf der Rückfahrt war der Zug proppevoll und ich bekam eine Panikattacke, die sich gewaschen hatte. Umkippen konnte ich nicht, der Zug war zu voll, das stimmt jetzt echt. Die Fahrt dauerte nur ca. 10 min und in diesen wenigen Minuten ging ich durch die Hölle, ich zählte die Sekunden. Als wir wieder raus konnten, sagte ich zu meinem Mann, ich müsse mal auf Toilette, im Wirklichkeit ging ich zu einem Kiosk daneben und kauft mir am hellerlichten Tag vor anderen 2 Flachmänner und trank die hastig auf Toilette. Ich hab mich selten so geschämt in meinem Leben. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen, ehe ich wach wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich habe im Krankenhaus entgiftet, hätte ich das nicht getan, wäre ich heut tot. Ich hatte nur noch wenig Zeit, nur noch 2-3 Wochen, dann wäre es zu spät gewesen.

Mach Du es lieber besser, hol Dir Hilfe, ich war zu dumm dazu und hab mich zu sehr geschämt. Ein großer Fehler.

Ein kalter Entzug kann sehr gefährlich werden, es kann sein, das Du es dann nicht mehr zum Arzt schaffst. Geh besser so hin, pack aus, verschweige nichts, kein Arzt reißt Dir dafür den Kopf ab. Im Gegenteil, er wird Dir helfen. Du hast eine Suchterkrankung, die sehr viele haben. Kein Grund zur Scham, schämen braucht man sich nur, wenn man nichts dagegen tut. Du wirst danach sehr erleichtert sein und hast schonmal einen Verbündeten. Ich habe eine sehr nette Ärztin, zu der ich gern gehe, ohne Angst, was ich früher nicht konnte, da ich eine regelrechte Arztphobie hatte. Aber sie spricht immer mit mir über alles, ich kann ihr alles anvertrauen, nicht nur körperliche Beschwerden.

Wie sieht das Leben danach aus? Ja, anfangs erscheint einen vieles schwierig, man wird einiges ändern müssen, dazu wirst Du hier noch viel Tipps bekommen. Was ich für das allerwichtigste halte, ist Offenheit, ansonsten muß man ja dauernd lügen, und weiß bald nicht mehr, was man wem erzählt hat. Und sie schützt auch zugleich, von Freunden wird Dir dann kein Alk mehr angeboten, kein Spruch:Ach komm, eins kannste doch. Wahre Freunde tun soetwas nicht.

Man muß halt immer an und seiner Trockenheit arbeiten, anfangs erschient einem das schwer, aber es wird immer einfacher mit der Zeit. Unsere Krankheit tragen wir nun lebenslang in uns, sie vergeht nie wieder wie eine Grippe. Aber man kann damit ein zufriedenes und auch glückliches Leben führen. Das wichtigste ist halt, nie wieder Alk zu trinken, keinen Schluck, sonst wird man mit sehr großer Sicherheit rückfällig. Ansonsten bekommt man viel Lebensqualität zurück. Man kann wieder alles machen, was man früher durch den Suff nicht mehr konnte. Alkohol trinken kann man allerdigns nie wieder, weil wir Alkoholiker nicht kontrolliert trinken können.

So, datt wars erstmal von mir

Ach so, noch was vergessen, eine Panikattacke hatte ich nie wieder, bin sogar vor nicht allzulanger Zeit mal allein im Fahrstuhl steckengebleiben, selbst da bekam ich keine, wo evtl. sogar "normale" Menschen einen bekommen hätten.

Ich sende Dir einen lieben Gruß
Lilly
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Lilly12 hat zum Thema: Re: Endlich mal "ohne" sein! geschrieben

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