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Entgiftet. Und nun ?

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über einen monat trocken   •    Ein bestimmter Tag - ganz oder nur ein bischen?  
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craving
Gast






BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 13:56    Titel: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,
habe seit einigen Tagen hier im Forum viel gelesen und mich heute morgen registriert. Ich hoffe, ich schreibe hier in der richtigen "Abteilung".
Vor drei Monaten habe ich aus eigenem Entschluss eine stationäre Entgiftung durchgeführt. Anlass war ein Alkoholabusus, also ein übertriebener Mißbrauch von Alkohol, sprich eine Alkoholvergiftung.
Bis dahin habe ich täglich Alkohol in Form von Wein getrunken, anfangs eine Flasche, dann eineinhalb und dann zwei, wobei die erste gleich morgens nach dem Aufstehen geöffnet wurde. Die brauchte ich, damit mir beim Duschen nicht schwindelig wurde. Wieviel es am Abend vor dem Gang in´s Krankenhaus war, weiß ich nicht mehr. Im Abschlussbericht stand jedenfalls, daß ich in einem delierähnlichen Zustand dort ankam.

Kurzum, die Entgiftung dauerte neun Tage. Am achten Tag hatte ich ein Gespräch mit einem "vermeintlichen" Suchtberater, der mir empfahl, mich schleunigst für sechs Monate in eine geschlossene Suchtklinik zu begeben. Kein anderer Lösungsvorschlag. Der Mann war, wie ich später erfuhr Malergeselle, der eine Umschulung gemacht hatte. Er ist inzwischen nicht mehr in der Suchtberatung tätig.

Seit diesem Vorfall habe ich keinen Alkohol mehr getrunken; habe aber auch die vielen lieben Beteuerungen der Ärzte und des Pflegepersonals nicht beherzigt, mich in eine Therapie zu begeben oder in eine SHG zu gehen. Ich habe mich mit Unmengen von Lektüre versorgt und bin nun hier gelandet.

Der Vorschlag des sog. Suchtberaters hat mich etwas verletzt. Wie konnte ein Mensch aufgrund eines zehnminütigen Gesprächs solche Therapie vorschlagen ? Die Ärzte rieten mir zwar, etwas zu unternehmen, aber gaben mir leider auch keine konkrete Hilfe. Man muß sich also selbst darum kümmern. Welche konstruktiven Vorschläge könnt Ihr machen ? Die Bücher können ja leider nicht auf meine Fragen antworten.

Für die Länge des Artikels bitte ich um Entschuldigung und gelobe Besserung.

Es grüßt carving
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craving hat zum Thema: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
Jukka
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 02.11.2006
Beiträge: 208

BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 14:00    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo und herzlich Willkommen !!!!

Scheinbar hattest Du einen recht unfähigen "Sachbearbeiter" erwischt. Da ich mich auch noch nicht so gut auskenne, und meinen Weg noch suche, kann ich Dir nicht viel dazu sagen.

Du wirst sicherlich viele nützliche Antworten hier bekommen.
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Jukka hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 14:14    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Craving,

lass einfach mal die berufliche Qualifikation aussen vor - Du weisst nicht, in wie weit sich der Betreffende weitergebildet hat. Ist hier auch nicht so wichtig. Wichtig und Fakt ist, dass für viele Alkoholkranke eine stationäre Langzeittherapie empfohlen wird und auch sinnvoll ist. Darüber hinaus sind SHG und Therapien mit sicherheit nicht schädlich, sondern absolut sinnvoll.
Du schreibst, dass Du diesen Tip auch von den Ärzten und dem Pflegepersonal erhalten hast. Warum hast Du diesen Rat nicht weiter verfolgt? Gibt es einen Grund, der dagegen spricht? Oder war Dir diese Ausage einfach nur unangenehm, weil es nicht dem entsprach, was Du gerne gehört hättest?
Du musst Dir darüber im Klaren sein, dass Alkoholabhängigkeit nicht damit "erledigt" ist, dass man nichts trinkt. Trocken zu sein ist zwar die Grundvoraussetzung, um zu einer positiven Veränderung zu gelangen, aber noch lange nicht alles. Und genau diese Dinge werden einem Suchtkranken in SHG / Therapien / Langzeittherapien vermittelt.
Also, auch wenn sich meine Aussage mit der des "ungeliebten Malergesellen" jetzt deckt, denk einfach mal darüber nach. Auch hier im Forum wirst Du häufig auf Personen treffen, die derartiges absolviert haben und ganz gut "damit gefahren" sind.

Also, wenn Du wirklich etwas verändern möchtes -und die ersten Schritte in diese richtige Richtung hast Du ja bereits mit der Entgiftung unternommen- dann mach Dich kundig, hier im Forum, bei Suchtberatungsstellen, bei den SHG, aber gehe diesen Weg weiter.
Ich wünsche dir viel Glück und den Mut, auch mal unbequeme Meinungen anzunehmen und für Dich selbst zu prüfen. Bleib Trocken !

LG
Spedi
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Spedi hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
craving
Gast






BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 15:22    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Spedi,

das war ja eine schnelle Reflektion auf meine Frage. Du fragst mich nun, warum ich den Tipp nicht weiterverfolgt habe. Also den Tipp des "recht unfähigen Sachbearbeiters", wie jukka ihn nannte, gedenke ich nicht zu befolgen; der Herr mußte seinen Lösungsvorschlag z.T. von einem Blatt ablesen und die Fragen hatte im übrigen ich gestellt, nicht er.

Ich war acht Wochen nach meinem KH-Aufenthalt unangemeldet noch einmal bei dem KH-Arzt, um ihm a) zu zeigen, daß die Entgiftung nicht nur meiner (körperlichen) Physis gutgetan hat, sondern auch dem Hirn und b) um mir "schul"medizinischen Rat für meine Entwöhnungszeit zu holen.

Mir ging es also um [b]konkrete [/b]Benennung von Namen oder Adressen, "die er empfehlen könnte" und an die ich mich dann wenden wolle. Aber Beurteilungen nach dem Modell Waren- oder Ökotest ließ er sich nicht entlocken; darf er ja auch nicht. Was ich als angenehm empfunden habe war, daß er mir nicht lehrerhaft vermitteln wollte : Sie müssen ... , sondern mir die dringende Empfehlung gab, etwas zu verändern.

Natürlich habe ich mir einiges an Adressmaterial zusammengesucht und auch Kontakt zu der Leiterin einer SHG gehabt; in dieser Gruppe sind aber lediglich vier Leute, Personen die seit zig-Jahren dabei sind und sich mehr oder weniger zum "Klön-Schnack" (richtig geschrieben ?) zusammenfinden.

Also versuche ich mich jetzt "kundig" zu machen, wie Spedi schrieb. Darum bin ich ja hier.

Es grüßt ganz herzlich craving
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craving hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
Blues
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.10.2006
Beiträge: 51

BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 15:37    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

craving hat Folgendes geschrieben:
... Man muß sich also selbst darum kümmern ...


Genauso ist es !
Es muß von Dir ausgehen, von Dir selbst kommen, es muß Dein Wunsch sein - der Wille folgt dem leider nicht immer, aber im Großen und Ganzen ... bist Du Deines Glückes Schmied selber.
Jedenfalls ist das meine eigene Erfahrung: wenn ich mich nicht selbst zusammenreiße, sondern auf andere warte...
Kopf hoch, es ist zu schaffen !
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Blues hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
Timster
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 25.11.2006
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 19:26    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Craving,

ich war heute auch beim Doc und hab ihm erzählt, dass ich ein Problem mit dem Alkohol habe. Bin jetzt seit 12 Tagen trocken. Er hat sich viel Zeit genommen und wir haben auch ganz gut miteinander geredet. Er hat mir jedoch auch gesagt, dass er mir zwar die Adresse und eine Überweisung zu einem Therapeuten - "der da viel Erfahrung hat" - ausstellt, die einzige Lösung für dieses Problem aber in mir selbst zu finden ist. Fand ich zunächst etwas sehr schwammig, die Aussage. Aber was sollte er auch sagen...?

Das erlernen eines "neuen Lebens" und neuer Lösungsstrategien für Probleme etc. ist wohl für jeden sehr individuell und es gibt hier viele Ratschläge - die man auch beherzigen sollte. Aber diese ganz konkreten Dinge, was für einen selbst passt und was man selbst als aktive Trockenheitsarbeit hier bezeichnet, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Und für mich ist z.B. das Gespräch mit einem Therapeuten (war ich zwar noch nie, aber es gibt ja immer ein erstes Mal) ganz sicher ein Schritt, den ich als Trockenheitsarbeit ansehe. Ob ich dann eine Therapie anfange, ist natürlich etwas anderes. Aber zunächst mal Hilfe annehmen.

Viele Grüße,

Timster
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Timster hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
esgehtanders
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.09.2006
Beiträge: 670

BeitragVerfasst am: 30.11.2006, 21:36    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo craving,
an deiner Stelle würde ich mir mal einige SHGs in deiner Nähe raussuchen und anschauen, vielleicht ist das ja was für dich; oder du machst es wie andere vor dir und nimmst dieses Forum und seine Mitglieder als SHG an
gruß
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esgehtanders hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben
Spedi
Gast






BeitragVerfasst am: 01.12.2006, 10:58    Titel: Re: Entgiftet. Und nun ? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Craving,

beim Lesen Deiner Antwort konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen - eine Auswahl a la Stiftung Warentest... das wünscht sich so mancher in seinem Leben. Aber jetzt mal Spass beiseite. Vielleicht ist es gerade am Anfang Deines trockenen Lebens nicht vorstellbar oder einsichtig für Dich, aber eine Langzeittherapie in einer geschlossenen Einrichtung hat gewisse Vorteile. Vielleicht stört Dich ja auch nur der Ausdruck, oder Du stellst Dir irgendetwas schauerliches darunter vor.
Es handelt sich dabei um Kliniken, die sich auf die Therapie von Suchtkranken spezialisiert haben, in denen also auch fachkundige Mediziner und Therapeuten "vor Ort" sind, die diese spezielle Materie mit all ihren Begleiterscheinungen "aus dem FF" kennen. Das "geschlossene" daran ist die Tatsache, dass die Patienten einen geschützten Raum haben, in den sie unter sich sind, gleiche unter gleichen. Das hat sich als praktikabel erwiesen, da die betroffenen ihre Erfahrungen untereinander austauschen können und tatsächlich "erleben", dass sie mit ihrer Erkrankung nicht alleine sind ("nur mir geht's es so schlecht, nur ich habe so einenen Miste gebaut", etc - eben nicht!). Ausserdem hat der Patient dort die Chance, unmittelbar mitzuerleben, wie sich seine Mitpatienten (und er selbst) im Laufe einer Zeit X verändert, also ein Stück weit beobachten zu können, "was kommt als nächstes". Viele Patienten haben dies als hilfreich empfunden, da es keinen allgemeingültigen "Ratgeber" für diese Art Behandlung gibt.
Aber zurück zu Deiner Frage: auch ich masse mir nicht an, Dir eine Empfehlung für eine bestimmte Einrichtung geben zu können, obwohl ich diese Erfahrung bereits gemacht habe. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: ich kann Dir nicht mal eine Empfehlung für eine bestimmte Therapieart (Langzeittherapie i.d. geschlossenen, Kurzzeittherapie, ambulante Therapie, Einzel- oder Grupeentherapie, SHG etc.) geben. Wie auch? Jeder Kranke empfindet seine persönliche Situation anders, jeder geht mit seinen Problemen, die zur Sucht führten, anders um, jeder hat individuelle Vorlieben und Abneigungen, jeder ist individuell. Nur der Betroffene selbst kann für sich die Erfahrung machen, was ihm gut tut, was ihn anspricht, womit er persönlich die optimale Unterstützung und Hilfe erfährt, die er in seinem Masse braucht. Wie sollte ich also Dich beurteilen, um Dir einen Rat oder gar eine Empfehlung geben zu können? Eben, geht gar nicht.
Ich kann Dir nur meine Erfahrung mitteilen, die ich gemacht habe. Und die ausschliesslich für mich gilt. Und Du kannst Dich darauf einlassen und für Dich überlegen, ob das ein für Dich gangbarer Weg wäre.
Das Einzige, was ich mich traue als allgemeingültig hier "anzupreisen" ist die Tatsache, dass Du externe und fachkundige Hilfe annehmen solltest, wenn Du das Gefühl hast, mit einer Situation nicht alleine "klar zu kommen".
Du bist am Anfang eines sehr guten Weges, nämlich ein trockenes Leben zu führen. Dieser Weg verlangt mit Sicherheit noch viel Geduld von Dir, und er wird Dich mit Sicherheit noch vor so manches "Rätsel" stellen. Aber ich wünsche Dir, dass Du diesen Weg schaffst, denn für mich ist er die einzig erstrebenswerte Lebensform geworden, mit der ich inzwischen sehr zufrieden lebe - ein Leben ohne Alkohol.
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Spedi hat zum Thema: Re: Entgiftet. Und nun ? geschrieben

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