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martí neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.11.2006 Beiträge: 4
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Verfasst am: 26.11.2006, 00:54 Titel: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo,
wenn ich (30) an meine Geschichte denke, dann komme ich mir vor wie in einem schlechten Film. Ich frage mich täglich "wie bist Du bloss hier hingekommen?" ,"warum hast du nicht den Absprung durchgezogen als du die Gelegenheit dazu hattest?". Ein ständiges Grübeln über die negativen Seiten der Kindheit, der Wunsch in einer anderen Familie aufgewachsen zu sein, dass bedauern von nicht genutzten Chancen und schließlich eine Gegenwart die nur hart zu nehmen ist-->keine Geld, keine Beziehung, ein eher provisorisches soziales Netzwerk, meine Vergangenheit im Nacken und meine gescheitertes Studium quasie dirket vor Schluss vor mir.
Aber um diese Sitaution zu verstehen, muss ich ein paar Jahre zurück gehen.
Ich habe hier schon ein paar Texte gelesen, bei denen ich überrascht über die Ähnlichkeiten war. Und doch ist bei mir alles anders...wie immer. Ich bin es gewohnt, in kein Raster reinzupassen!
Mein Vater ist keiner dieser fiesen,aggressiven Genossen, die alles versoffen haben, die Kinder geschlagen hat und die Frau womöglich vergewaltigt.
Im Gegenteil, ich kann mich nicht einmal an eine Ohrfeige erinnern. Ich habe noch Bilder im Kopf, wo er mir das Radfahren beibrachte und im Herbst mit mir auf´s Feld zum Drachenfliegen ging.
Aber irgendwann wurde alles anders. Ich weiss garnicht mehr wann,wie und warum. Ich weiss nur, dass ich selber immer weniger zu Hause war, lieber zu Freunden ging und auch dort am Wochenende schlief. Mit 14. fing die Zeit der Parties an und die Eltern waren sowieso irgendwie doof. Was zwischen meinen Eltern ablief, habe ich garnicht mehr mitbekommen. Nur das es öfters Streit gab und ich dementspechend meine Musik oder den Fernseher lauter gestellt habe.
Irgendwann bekam ich mit, dass mein Vater sich immer öfter und länger in den Keller zurückzog. An manchen Sonntagen kam er betrunken zum Mittagessen und dann ging das Theater wieder los.
Einmal habe ich ihn scheinbar betrunken und schlafend auf dem kleinen Läufer im Keller gefunden. Ich sagte es meiner Mutter...eine Erklärung kam nie. Schweigen und Verdrängen sind zwei super ausgebildete Eigenschaften in unserer Familie.
Für mich war mein Vater immer der arme, gekränkte Mann der dazu unter der Dominanz meiner Mutter litt. Respekt hatte ich lange keinem vor ihm. Zu Wort kam er kaum...und mir fehlte eine stärkende Hand auf meiner Schulter, um mir den Weg zu weisen...eine Orientierungslosigkeit, die sich heute in massivster Weise recht. "Generation ohne Zukunft und Lebensinn"da passe ich genau rein.
Auf jeden Fall war ich froh, als ich mit Anfang 20 dem Drama für eine Weile entfliehen konnte und ein Jahr im Ausland verbrachte. Weit weg von den Nörgeleien und einer destruktiven Atmosphäre zu Hause.
Aber mein letztes Bild sollte sich bis heute in meine Gehirn brenne. Der dramatische und emotionale Abschied am Flughafen und ein stark alkoholisierter Vater der mich seit Jahren mal wieder in den Arm nahm.
Fast wie bei Bill Murrays "und täglich grüßt das Murmeltier" wiederholte sich diese Szene bei meiner Rückkehr. Ich hatte mich stark verändert, viel gelernt, Visionen und große Pläne. Aber meine Rückkehr in dieses alte ungesunde Umfeld warf mich entsprechend zurück. Damals hatte ich noch nicht diese Erkenntnis und ich grub mich einfach in meinem Zimmer ein und wartete, bis ich endlich in einer fernen Stadt mein Studium aufnehmen konnte.
Meinen Umzug erledigte ich ganz alleine, ich wollte keine Hilfe. Umso motivierter war ich, als ich in meine erste WG einzog. Eine ernste und lang anhaltende Beziehung folgte bald. Aber zu meinen Eltern für ich nur selten und ungern. Eine große Erleichterung machte sich jedes Mal breit, wenn ich meinen Heimatort wieder verließ.
Ab und zu kamen aus dem Nichts Alpträume in denen ich meinen Vater leiden sah. Meine damalige Freundin war die erste, mit der ich über meine Probleme sprechen konnte. So einige Male für ich höchst motiviert zu meinen Eltern und sagte mir "egal was kommt, du versucht in deiner Mitte zu bleiben und vermittlest ein lebendige Energie. Das ging oft die ersten Tage auchsehr gut, aber dann gab es doch jedes Mal einen herben Rückschlag und ich fuhr wieder deprimiert und angeschlagen zurück.
Ein weiteres Auslandsjahr stand bevor und ich fasste all meinen Mut zusammen und schrieb einen Brief an meine Eltern.Ich weiss nicht, was dieser auslöste, aber meine Gedanken beruhigten sich nicht wirklich. Das führte dazu, dass ich weitere Briefe, vor allem an meinen Vater, schrieb und seinen Alkoholismus direkt ansprach. Es gab lange keine Antwort....und dann nach ein paar Wochen eine kurze Mail.Irgendwie dachte ich, dass jetzt alles anders werden würde, denn diese Briefe waren eine starke Befreiung nach all den Jahren. Und es kam auch etwas anders. Dieses Mal holte er mich ohne Fahne vom Flughafen ab und ich spürte seit Jahren echte vom Herzen kommende Wiedersehensfreude.Aber auch dieses hielt nicht lange an. Inzwischen war meine Beziehung in einer tiefen Kriese. Ich war zu sehr mit meiner eigenen Gedankenwelt beschäftigt und hatte kaum Zeit auf die Bedürfnisse meiner Freundin einzugehen. Anstatt mit ihr ehrlich zu reden, wandte ich das früh erlernte Muster des Schweigens und Verdrängens an. Um so schlimmer entwickelte sich unsere Zweisamkeit,als wir zusammen in eine Wohnung zogen. Dort realisierte ich, dass ich z.Z. total Beziehungsunfähig war und auch meine kognitiven Leistungen im Studium wurden immer schlechter. Ich entfloh der Situation ein weiteres Mal und setzte mich wieder in ein Flugzeug in die weite Ferne. Ich wusste bereits, dass ich meinen Problemen nicht wirklich durch die Distanz entfliehen konnte, aber es war zu dem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit, um wenigstens ein bißchen dem Druck zu entkommen.
Danach die Rückkehr. Ich wusste auch über die Ferne Bescheid, was bei meinen Eltern los war.Vielleicht habe ich mit meinen negativen Erwartungen auch ein Teil dazu beigetragen, dass sich nix bei meinen Eltern und bei meinem Vater änderte...denn schließlich folgte ich wieder dem alten Muster.
Ich entfehrnte mich von meinem Elternhaus je mehr, umso mehr ich über die Hintergünde und über meine eigene co-abhängigkeit herausbekam. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass meine Lebenswelt so weit von der meiner Eltern entfehrnt ist, dass diese Lücke niemals mehr aufgefüllt werden kann. "Toll", könnte man jetzt denken. "Dann ist ja die Abnabelung fast geschafft." Ist es leider nicht. Ich bin emotional meinen Eltern gegenüber tiefer verbunden als vor 10 Jahren. Es ist sicherlich eine harte Geschicht, wenn der trinkende Elternteil sein Kinder schlägt und ständig missachtet. Aber dafür kann es einem seht viel mehr helfen, sich von dieser Person zu distanzieren. Aber wie macht man das, wenn Anstelle des Hasses und der Verachtung einfach nur Mitleid und Kummer sitzen? Ich habe das Gefühl, dass ich bis zum tot meiner Eltern kein normales Leben starten kann.
Inzwischen hat mein Vater seinen Alkoholkosum relativ unter Kontrolle...aber Hilfe hat er noch nicht aufgesucht. Ich habe einmal im Keller ein Schild gesehen." Ich trinke keinen Alkohol mehr" stand dort auf einem Blatt an den Schrank geheftet.
Villeicht wären andere stolz auf sich,wenn sie soviel erreicht hätten!?
Ich bin es nicht. Denn geredet wurde bei uns immernoch nicht. Es wird weiterhin geschwiegen.
Mein Schicksal ist es wahrscheinlich diese Situation weiterhin stumm zu ertragen bis sich irgendwann alles von selbst regelt. Als Unterstützung gibt es ein bißchen Psychotherapie und Antidepressiva.Aber mein Studium wird damit nicht von alleine beendet...denn vielleicht können die Pillem depresseive Stimmung dämpfen, aber Motivation, Kreativität und Konzentration schaffen sie nicht.
Soviel zu meinen Kuddelmuddel im Kopf an diesem Tage. Mal schaun was der morgige Tag zu bieten hat. Danke für´s zuhören
Viele Grüße
Martí |
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| martí hat zum Thema: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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Aileen neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.10.2006 Beiträge: 87 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 26.11.2006, 19:13 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo Marti,
zunächst einmal "Herzliche Willkommen".
Du sagst deine Geschichte wäre ja soooooo anders! Da kann ich nur zu sagen: Nee, ist sie nicht! Es ist NICHT die Regel, dass Alkoholiker schlagen, prügeln, pöbeln und vergewaltigen! Mein Vater hat das auch nie getan und hat auch nie "Haus und Hof" versoffen!
Wenn du meine ehrliche Meinung möchtest: Ich höre aus deinem Text viel Selbstmitleid raus. Du machst deinen Vater (deine Eltern) für dein Scheitern verantwortlich! Das kann es nicht sein! Ich weiß wovon ich rede! Mein Vater ist - bürokratisch ausgedrückt- am Verelenden.
In unserer Familie wurde auch nie groß über Probleme gesprochen...... und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen habe ich mich an (sorry....) "A... und Kragen" gepackt und es anders gemacht. Ich habe eine gute Ausbildung, mache gerade ein Fortbildung, fange am 01.01.07 wieder einen guten Job an und ich übernehme jetzt noch die Betreuung für meinen Vater, lasse seine komplette Wohnung renovieren (s. Verelendung), habe selbst ein Haus, einen Garten, einen Mann der beruflich viel unterwegs und, und, und!!! GEHT NICHT GIBTS NICHT!!!
Du kannst deinem Vater nicht helfen, solange er keine Hilfe will, aber jetzt auch noch selbst in Selbstmitleid baden???? Nee, das bringt dich nicht weiter und an deinem nicht abgeschlossenem Studium ist auch dein Vater nicht schuld. So wie er allein seine Alkoholsucht bekämpfen muss, so musst du allein den Kampf "Leben" aufnehmen.
Sorry, wenn die Worte etwas hart klingen, aber jeder ist seines Glückes Schmied. Du hast die Probleme erkannt, du musst nicht zu Hause wohnen, also handle, rede mit deinen Eltern - mache klare Ansagen und halte dich daran - und ändere dein Leben so, dass es zumindest bei dir passt. Du kannst andere nicht ändern - nur deine Einstellung dazu!
Vielleicht denkst du mal drüber nach.
Liebe Grüße
Aileen (die auch nicht Superwoman ist und es dennoch schafft, so wie viele andere hier auch!!!!) |
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| Aileen hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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Kerstin1978 Gast
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Verfasst am: 26.11.2006, 19:43 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo Marti,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier !
Allerdings kann ich mich Aileen nur anschließen. Klar, es ist Sche*** (jetzt mal vulgär ausgedrückt), wenn ein Elternteil oder vielleicht auch beide saufen. Klar hat dieses Problem auch in irgendeiner Weise Auswirkungen auf das Leben der Menschen drumherum, der Familie, der Kinder...eben der Co-Abhängigen.
Die Folgen in Deinem Leben ähneln sehr wohl denen von vielen Co-Anhängigen.
Mein Vater ist auch Alkoholiker, geschlagen oder ähnliches hat er nicht. Er soff und säuft nur noch mehr und mehr... .
Mein Leben ist sicherlich auch nicht gerade toll verlaufen...Schulfreunde zogen sich von mir zurück, sogenannte "beste Freundinnen" ließen mich allein und das soziale Netz war kaum noch vorhanden. Ne Jugend wie andere in meinem Alter hatte ich nicht. Zwischen Schule, Essen, Hausaufgaben und Schlafgehen war nicht viel. Alles bestimmte und kontrollierte mein Vater.
Sogar heute noch versucht er uns zu kontrollieren. Meint er doch, meinem 25jährigen Bruder (der aufgrund seines Studiums noch zuhause lebt) vorzuschreiben, wann er ins Bett zu gehen hat.
Wie dem auch sei. Mein Vater hat vieles in unserem Leben kaputt gemacht, zerstört auf primitivste Art und Weise. Selbst im Hinblick auf meine kleine Tochter versucht er zu bestimmen, was ich aber nicht mehr zulassen werde.
Bis vor einiger Zeit habe ich mir auch noch vieles gefallen lassen......aber HEUTE bin ich auf dem Stand, dass mein Leben ihn ein Scheiß angeht.
Ich könnte mich jetzt auch im Selbstmitleid suhlen. Aber warum ? Damit ich mich selbst so fertig mache, wie mich all die Jahre die Alkoholsucht meines Vaters seelisch fertig gemacht hat ?
Nein, ich schaue zurück, auf DAS, was ich trotz allem erreicht habe. Das sind zwar in den Augen anderer Kleinigkeiten, aber dafür, dass ich unter den Bedíngungen zuhause gelitten habe, sind es große Dinge für mich. Mein Abi, meine Ausbildung sowie meine Fortbildung zur Fachwirtin auf beruflicher Ebene. Was Beziehungen angeht, so habe ich bisher auch stets verloren. Den Grund dafür habe ich aus dem Buch "Warum Frauen zu sehr lieben." gelesen.
Ich habe meinen Beruf, habe mich trotz massiven Mobbings dort niemals unterkriegen lassen und gekämpft und gewonnen. Ich habe eine kleine Tochter, die ich über alles liebe und die mir auch stets sagt, dass sie mich lieb hat.
Und alles, was NICHT ist, ist eben nicht. Was aber nicht heißt, dass es immer so sein muß.
AABER dafür muß man sich selbst in den Allerwertesten treten, um nicht in seinem Selbstmitleid zu versinken.
Raff Dich auf !! Denn mit Deinem Selbstmitleid ziehst Du Dich nur selbst weiter herunter.
Du bist doch erst 30, da kann man doch noch so viel verändern, damit das Leben wieder schön ist.
Also, Bobbes hoch und ran ans Leben !!!
Gruß,
Kerstin |
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| Kerstin1978 hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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lavendel sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.05.2006 Beiträge: 2869
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Verfasst am: 26.11.2006, 20:16 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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hallo marti,
auch ich kann mich meinen vorrednern nur anschließen. klar gibt es bessere startrampen ins leben als deine (oder meine) oder die vieler anderer, deren eltern alkoholabhängig sind oder waren. aber sorry: ab etwa 20 ist man selbst - und NUR man selbst - für sein leben verantwortlich. da kann man nämlich denken, und du hattest auch alle möglichkeiten der gestaltung. wirklich genutzt hast du sie nicht, scheint mir, und tust das auch immer noch nicht. tust dir leid mit antidepressiva und therapie und einem scheiternden studium vor der nase. es gibt weiß gott schlimmere schicksale als deins, und trotzdem fallen die leute nicht in ein loch, sondern treten sich in den hintern. und das könntest du auch - wenn du wolltest. aber vielleicht ist es leichter, das eigene scheitern auf einen trinken vater zu schieben, als mal in den spiegel zu gucken und zu sagen "junge, du bist erwachse. es liegt an DIR und nicht an einem bösen schicksal oder den bösen eltern, wenn du aus deinem leben nix machst."
kommt mir, noch böser gesagt, ein bisschen vor wie leute, die sich dann vor gericht auf ihre schlimme kindheit berufen, wenn sie leiderleider eine bank ausrauben oder jemanden zusammenzuschlagen mussten.
sorry. aber du bist alt genug, dich von deinen eltern zu emanzipieren. wenn du das willst. sonst guckst du auch noch mit fünfzig ratlos in den spiegel.
packs an.
lavendel |
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| lavendel hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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Teaser Gast
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Verfasst am: 27.11.2006, 00:22 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo,
so einfach ist es also? Sich selbst in den Allerwertesten treten, sein Glück schmieden und Stärke zeigen?
Sorry, aber das überzeugt mich kein bisschen.
Natürlich kann man sich einreden man hätte es geschafft. Sich vor Augen halten was man alles erreicht hat. Aber was, wenn trotzdem eine ständige quälende Leere bleibt? Wenn einen die Vergangenheit wieder einholt. Wenn man merkt, dass man es eben doch nicht geschafft, sondern sich jahrelang nur etwas vorgemacht hat. Wenn auch das größte Engagement für die eigene Familie und den Beruf nicht mehr ausreicht um die eigenen „Defizite“ zu überdecken. Wenn man nicht mehr die Kraft hat, das Chaos in der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt zu überspielen, um nur weiterhin nach außen den Schein zu wahren. Genau wie früher!
Ist es wirklich nur Selbstmitleid, wenn man sagt: „ ja, ich habe immer noch Probleme und ich komme nicht klar damit.“?
Vielleicht ist das ein erster Schritt um wirklich Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.
LG,
Teaser |
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| Teaser hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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Aileen neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.10.2006 Beiträge: 87 Wohnort: NRW
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Verfasst am: 27.11.2006, 12:42 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo Teaser,
wer hat etwas von einfach gesagt? Einfach hat es niemand hier - sonst würden wir nicht in diesem Forum sein. Aber wenn man Martis Bericht so liest, dann hört man doch das Selbstmitleid raus - eigentlich so wie bei einem Alkoholiker - alle anderen sind Schuld an meiner Misere!!!! Den Spruch haben wir doch alle schon gehört.
Vom Wetter bis zum Nachbarn, vom Hund bis zum Auto was in der Straße verkehrt geparkt wurde (*Achtung Ironiemodus*), alles und jeder der gerade in meine Misere rein passt ist Schuld.
Teaser, keiner sagt, dass es einfach ist, aber dass das Leben an die Tür klopft und sagt: "Hallo, hier bin ich in perfekter Form - nur für dich" das passiert eben nicht. Leben (einschließlich Job, Partnerschaft ect.) heißt harte Arbeit! Tag für Tag! Und nochmals: Marti schwelgt in Selbstmitleid für verpasste Chancen, da darf man doch auch mal einen kritischen Rat geben oder?
Viele Grüße
Aileen |
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| Aileen hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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Whitewolf sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.09.2006 Beiträge: 1204 Alter: 44 Wohnort: Homburg/Saar
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Verfasst am: 27.11.2006, 14:53 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo Marti,
auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.
Du hast ja bereits ein paar treffende Statements bekommen. Du solltest das mit dem Selbstmitleid nicht als Beleidigung oder Verletzung auffassen, wir wissen alle wie schlecht es einem gehen kann.
Aber wir kennen auch die Wege, um das Beste daraus zu machen. Die Frage stellt sich dann" was muss ich tun , damit es mir besser geht." Vorraussetzung dafür ist, das man das auch wirklich möchte. Wenn Dein Studium nicht geklappt hat, dann schadet das in erster Linie Dir und niemand anderen. Es hilft Dir einfach nicht nur zu sagen" ich hatte eine schlechte Kindheit." Auch wenn das stimmt, ist es keine Lösung und zieht Dich noch weiter runter. Selbstverständlich muss man darüber reden, darüber nachdenken, evtl. analysieren, daraus lernen.
Aber dann:
Irgendwann muss die Erkenntnis kommen, das Du etwas für Dich tun musst, nur für Dich.
Du schreibst:
| Zitat: | | Mein Schicksal ist es wahrscheinlich diese Situation weiterhin stumm zu ertragen bis sich irgendwann alles von selbst regelt. Als Unterstützung gibt es ein bißchen Psychotherapie und Antidepressiva. |
Es wird sich alles von selbst regeln, das ist auf jeden Fall Fakt. Die Welt dreht sich weiter, die Uhr bleibt nicht stehen. Es liegt an Dir ob Du die Zeit mit stummem Erleiden verbringst, oder ob Du es als Herausforderung betrachtest.
Die Psychotherapie kann Dir helfen, wirklich helfen, wenn Du lebensbejaend an die Sache ranngehst. Kein Psychologe kann Dir helfen, wenn Du von Schicksal, oder gar von Bestimmung sprichst. Dagegen ist jeder Arzt und jedes Medikament machtlos.
Was geschehen ist, ist geschehen. Und es hat Spuren hinterlassen, evtl. sogar Narben. Aber Du kannst daraus lernen, stärker werden.
Schau in einen Spiegel und stelle Dir die ehrliche Frage, worauf Du wartest. Die ehrliche Antwort darauf wäre ein Therapieansatz. Die alleinige Hoffnung das alles irgendwann einmal besser wird, bringt Dich nicht weiter, wirft Dich zurück.
Ich wünsche Dir die Kraft etwas zu ändern
viele Grüsse
White |
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| Whitewolf hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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Teaser Gast
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Verfasst am: 27.11.2006, 23:50 Titel: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert |
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Hallo Aileen,
natürlich darf man einen kritischen Rat geben. Wie lautete dieser Rat jetzt genau? Kämpfen, Handeln, alles ändern? Geht es vielleicht ein wenig präziser? Ich denke darin, dass man den Lebenserfolg nicht am beruflichen Status ablesen kann, sind wir uns einig. Was bleibt dann noch? Marti beschreibt sich als beziehungsunfähig, Kerstin hat bei dem Thema immer verloren und mir geht es auch nicht besser. Und ich bin mir sehr sicher, dass wir uns alle bemüht und bereits vieles probiert haben. Wie macht man das „passend“?
Ich meine es nicht böse, aber genauso gut könnte man einem schwer Depressiven raten: „lach doch mal!“.
Woher kommen denn die Probleme? Das ist doch nicht nur eine Sache der Einstellung. Ich will jetzt nicht alle möglichen Ursachen einzeln aufzählen, aber es ist sicher nicht übertrieben, bei den meisten Betroffenen von einer Persönlichkeitsstörung zu sprechen.
So etwas lässt sich nun mal nicht willentlich ändern. Es geht aus meiner Sicht auch nicht darum, durch Schuldzuweisungen dass eigene „Versagen“ zu rechtfertigen. Wir bilden uns nicht ein in einer Opferrolle zu sein, wir sind Opfer! Und das tragische dabei ist, dass viele der erlittenen Verletzungen tief im Unterbewusstsein verwurzelt sind. Bevor man daran denkt etwas zu verändern, besteht das Hauptproblem erstmal darin, zu verstehen wo man ansetzen muss. An der Stelle kann ich Whitewolf nur zustimmen, eine Psychotherapie hilft sicher.
„Alleine den Kampf aufnehmen“ führt nach meiner Erfahrung nur dazu, dass man immer wieder dieselben Fehler macht und immer wieder in die alten Muster zurückfällt.
Was mich an den Antworten auf Martis Beitrag am Meisten gestört hat, war das geforderte Heldentum. Zumindest habe ich so etwas herausgehört. Wir müssen nicht immer die „Macher“ sein, die alles im Griff haben. Ich denke mein erster Schritt zur Besserung war die Bereitschaft, mir auch mal Schwäche zu erlauben und einzugestehen. Ich kann mein Leben nicht durch kämpfen nach meinem Willen gestalten. Und ich glaube auch nicht an ein „alles wird gut“. Das wird es nicht und Illusionen können da nur Schaden. Manche Verletzungen aus der Kindheit werden nie heilen, aber wenn man Glück hat, findet man einen Weg um damit zu leben.
LG,
Teaser |
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| Teaser hat zum Thema: Re: wenn die Hoffnungslosigkeit die Zukunft verhindert geschrieben
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