Lilly12 Gast
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Verfasst am: 15.11.2006, 13:34 Titel: Alkoholfreies Umfeld |
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Anbei ein Beitrag von "Freund" zum Alkoholfreiem Umfeld:
Lieben Gruß an Alle
Lilly
Wieso ist es erforderlich, sich in einem generell alkoholfreien Umfeld zu bewegen ?
Wieso muss ich mein Leben darauf ausrichten, mit Alkohol nicht konfrontiert zu werden ?
Weil ich lernen muss, dass der Alkohol in meinem Leben noch nicht einmal eine Nebenrolle spielen darf, überhaupt nicht existent ist.
Was hatte ich bei unzähligen Versuchen verkehrt gemacht, bei denen ich auch nichts mehr trinken wollte, gar in einem Fall bis zu 3 Monaten aktiv nichts getrunken habe, am Ende dieser Trinkpause aber wieder zum Glas gegriffen habe.
Ich habe meine Trockenheit nicht durch meine Lebensführung unterstützt.
Ich wollte das Leben mit Menschen weiterführen, mit denen ich meine Trinksucht jahrelang geteilt habe. Ich wollte weiterhin an Orten und Plätzen präsent sein, wo in meinem bisherigen Alkoholdenken das Leben „blühte“. Ich wollte diese Menschen nicht missen, weil durch gemeinsame Zeiten und Erinnerungen eine soziale Bindung entstanden ist. Soziale Bindungen sind für den Menschen das seelische tägliche Brot. Ohne diese kann man doch recht alleine sein.
Ich wollte also diese „Freundschaften“ nicht aufgeben, sagte mir es müsse doch möglich sein, ohne selbst zu trinken, diesen Kontakt aufrecht zu erhalten. Weiter diese Leute zu treffen, mit ihnen Feierlichkeiten wahrzunehmen, aber selbst nichts zu trinken. Den anderen konnte ich es nicht verbieten, sie sollten ja ruhig so bleiben, wie sie sind und trinken.
Ich musste aber letztendlich feststellen, dass eben meine Lebensführung grundlegend geändert werden muss. Vielmehr habe ich das in meiner Gruppe gelernt. Die Beihaltung dieses alkoholisierten Umfeldes, bei Besuchen in Kneipen, in Diskos (war ich nicht) oder auf Feierlichkeiten konfrontierte mich immer wieder mit dem Alkohol, auch wenn er nur auf dem Tisch stand und andere ihn tranken. Der Alkohol gehörte weiterhin zu meinem Leben, ohne dass ich ihn trank. Er war mir jederzeit allgegenwärtig. Und ich stand ständig im Kampf mit festem Willen, ich wollte ja nichts trinken und bildete mir dabei ein, durch meine Abstinenz einen Lernprozeß zu durchlaufen. Quatsch. –
Ich hatte verstanden, dass ich meine Lebensführung ändern und andere, für mich wichtigere Prioritäten setzen musste. Ich hatte begriffen, dass ich mein Umfeld gänzlich alkoholfrei gestalten musste. Es hieß also ab sofort, meine Freizeitaktivitäten nicht mehr an Plätzen oder mit Menschen zu verbringen, die sich dem Alkoholkonsum hingaben. Das hatte natürlich zur Folge, dass ich im ersten Jahr überhaupt keine Feierlichkeiten wahrgenommen habe. Aber war das ein Opfer ? Für mich nicht. Ich hatte andere Prioritäten gesetzt. Die oberste galt meiner Gesundheit und dem eisernen Willen, meiner aktiven Krankheit für immer zu entkommen.
Menschen, die mir nahe standen und die ich nicht missen wollte, aktivierte ich zu alkoholfreien Freizeitgemeinsamkeiten. Mit wenigen war das möglich, mit den meisten scheiterte es am Alkoholkonsum, mehr in diesem Falle an der Alkoholsucht, weil sie scheinbar ohne Alkohol nicht konnten und nicht bereit waren. Ich erkannte also hier die Wertigkeit zwischen einerseits meiner Person als Mensch und „Freund“ und andererseits dem Alkohol. Waren jenen „Freunden“ der Alkohol wichtiger, fiel es mir eigentlich auch nicht mehr schwer, auf diese Menschen zu verzichten. Denn meine Trockenheit hatte oberste Priorität. Mit wahren Freunden ging es weiter. Im Laufe der Zeit habe ich auch andere Menschen kennengelernt, die in meinem alkoholfreien Umfeld sich bewegten.
Und so verinnerlichte ich über die Jahre ein Leben ohne Alkohol, in dem ich mit sämtlichen Situationen klar kam, ohne in altbewährter Weise hier und da an den Alkohol zu denken oder gar zu trinken.
Er spielt somit nicht nur eine Nebenrolle, sondern ist für mich nicht mehr existent.
Heute kann ich mich sicherlich überall bewegen, setze aber bei Events mehr die Priorität auf Kommunikation und Essen und ertrage alkoholisierte Gesellschaften nur schwer, sodass meine Anwesenheit eh begrenzt ist. Alkoholisierte kommen schließlich auch mit mir schwer klar.
Ich lebe. –
Das einmal als Kurzform. –
Gruß, Freund. |
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