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ContraSucht
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Anmeldungsdatum: 02.11.2006
Beiträge: 5
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: 02.11.2006, 19:06    Titel: "Schlag ins Gesicht" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

In den 10 Jahren unserer Freundschaft, darunter 3 Jahren Ehe bekam ich von meinem Mann selten ein Versprechen für das Leben. Wenn es um das Thema Alkohol geht, dann schon. In den letzten drei eher neben einander, statt miteinander gelebten Jahren häufen sich die Versprechungen, mit dem Resultat, dass die Probleme des Alltags und die Sorge für das gemeinsame Kind mich besänftigen, und hoffen ließen, in „diesem Manne steckt Mut und Kraft“ für die Umsetzung des Versprochenen.

Mein Mann ist von Natur schüchtern, um nicht zu sagen Feige. Hält sich für eine besondere Persönlichkeit. Ein strategischer Denker! Sein Verhältnis zu der natürlichen Umwelt ist sanft und von Ausdauer, mit der menschlichen Umwelt kommt er nicht immer zurecht. Er kennt keine Wege, um andere für etwas nicht immer Besonderes offen zu loben. Was er gut kann, ist wörtlich „grob“ zu sein. Das verletzt Ihn nicht, wohl umgekehrt, bekräftigt noch weiter zu machen! Mit seinen Eltern hat er eine Kleinsohn-und-Großmama-Beziehung. Der Papa spielt erst jetzt in seinem Leben eine Rolle. Früher tauchte er nur im Sessel und ließ die Zeitung als Mann mit „gehobener Stellung“. Darin ist auch Verhältnis meines Mannes zu meiner „Rolle als Ehefrau und Mutter“ begründet. Frauen sollen Freude empfinden, wenn sie dem Manne dienen können (im wahrsten Sinne des Wortes). Auf das Wort „Emanzipation“ reagiert er allergisch. Er ist ein geselliger Mensch, gegenüber dem Alkoholgenuß offen und sieht darin auf gar kein Fall kein Problem. Betroffen ist er auch nicht, sonst müsste er jeden Tag trinken und z.B. zitternde Hände haben. Er verabscheut Menschen die drei Straßen weiter vor unserer Haustür sich fast zum Tode besaufen. Penner sind sie, er verstehe sie nicht! Er ist nach seiner Auffassung sicherlich kein Penner, wenn er manche Nächte zu Tagen macht und in der Zeit nicht ansprechbar ist. Anscheinend sind diese Gedächtnislücken für Ihn kein Grund um sich zu fragen, warum meckert eigentlich meine Frau ständig, wenn er sich in regelmäßigen Abständen die paar Stunden in den Nächten "Freiheit" gönnt?

Ich, die Ehefrau meckere, weil die Gründe hierfür mir besonders wichtig sind: wir sind beide Mitte Dreißig, haben ein gesundes Kind, Familie, gut prädestiniert für das Berufliche. Vielleicht sogar für ein zweites Baby, dachte ich bis vor 2 Jahren. Meine Vorstellung über Familie ist nicht flexibel. Ich wünsche mir, wie die meisten Mütter und Väter eine gewisse familiäre Harmonie, gegenseitige mentale Unterstützung, Entscheidungshilfe und Partizipation für alle in der Familie. Gute Werte möchte ich dem Kind auf den Weg geben, Mut in dem Kind wecken, Lebenslust und -phantasie. Das alles braucht starke Eltern! Manchmal gelingt es uns auch, beiden. Aber dann driftet mein Mann mit seinem Boot auf das endlose Meer und versinkt. Am Anfang wollte ich nicht zuschauen und warf Ihm einen Rettungsring. Dabei fühlte ich mich stark und spürte seine Ohnmacht und meine Überlegenheit. Ich hielt mich für eine besser positionierte Person, trotz seiner Gabe zum strategischen Denken! Ich bemitleidete Ihn und gab seinem Boot immer wieder Platz in unserem Hafen. Schnell verwirrte es mich und ich konnte seine Schwäche nicht mehr ertragen. Ich besuchte einen Kurs für die Betroffenen. Er hat es sogar begrüßt. Ich habe eine Therapeutin für Ihn ausfindig gemacht, er nahm die Sitzungen nicht in Kauf. An einer Eheberatung nahm er aufgrund meines Druck paar Male teil. Damals habe ich es nicht erkannt, dass er diese ganze Unternehmungen zum Thema Therapie nicht wahrgenommen hat und vielleicht mich sogar als "stupid" dafür bis heute hält.

Ich habe meinem Mann ein Ultimatum gestellt; das ich mich von Ihm trennen würde. Und noch ein, und wieder das Gerede über die Trennung. Vollzogen habe ich es nicht aus Angst um die Konsequenzen für die Sicherheit meiner Tochter und meine. Die Angst, dass das familiäre Glück bricht und mein Kind, wie ich ohne Vater aufwächst, zerstörte mich. Mein Vater trank und die Entscheidung meiner Mutter verstehe ich erst jetzt.

In dieser Zeit des Umbruchs bin ich nicht konsequent genug gewesen. Wie auch: im ersten Jahr mit dem Kind an der Brust und Hormonveränderung. Im zweiten Jahr bis heute mit Promotion im Nacken, obwohl am Anfang soviel Zuspruch und Verständnis von seiner Seite für mein Projekt kam. Mein Mann ist seit 4 Jahren ohne Job. Hochqualifiziert und nicht auf dem Arbeitsmarkt. Angst und gewisse Depressionen plagen Ihn. Das verstehe ich gut. Und die Tatsache, dass ich es wage, zu promovieren, als Frau. Er sucht die Lösung im Alkohol, wie im Studi-Zeit zur Entspannung. Damals lebten wir nicht zusammen und die Welt gehörte uns. Jetzt verändert sich alles grundlegend: unsere Tochter (3 Jahre) erkennt inzwischen, dass der Papa manchmal nachts nicht zu Hause ist oder eben komisch drauf den Tag danach ist. Mein Mann liebt sie sehr und versucht mit Ihr, Sachen zu unternehmen. Ruhe vor dem Sturm! Er ist an den Tagen so unschuldig, fast ganz lieb.

Lange Zeit war Ruhe. Vor Kurzem kam der Sturm! Mein Mann kam nach Hause beim Morgengrauen. Betrunken, wie sonst. Ich habe diese Nacht sehr schlecht geschlafen.

Ich habe meinen Mann ins Gesicht geschlagen!

Er sagt, ich respektiere IHN nicht mehr. Mit dieser Nacht hat er alle Hoffnungen begraben, die Wut und die Verzweiflung wieder in mir ausgelöst. Ich habe nicht richtig gehandelt. Ich habe nicht das Recht, Ihn zu schlagen. Ich werde mich dafür auch entschuldigen. Aber nicht jetzt. Jetzt bin ich wütend und meine Liebe ist versenkt.

Ich möchte jetzt mit Ihm nicht austauschen. Über Therapie schon. Sonst nicht. Seine Lügen und Versprechungen machen mich müde. Und ich möchte auch, auch ich Glas Wein zu Hause genießen, ohne das Gefühl des Vorwurfs zu spüren. Ich möchte wieder mein Herz öffnen, mit gutem Gefühl leben. Ich möchte für Ihn nicht verantwortlich sein! Er hat sich selbst und uns aufs Spiel gesetzt. Das Ganze bricht zusammen. Ich kann die Scherben nicht mehr zusammen setzten. Sollte ich das?!
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ContraSucht hat zum Thema: "Schlag ins Gesicht" geschrieben
Ayki79
Gast






BeitragVerfasst am: 02.11.2006, 23:22    Titel: Re: "Schlag ins Gesicht" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ContraSucht,

Zitat:
Ich kann die Scherben nicht mehr zusammen setzten. Sollte ich das?!

Nein, das solltest du nicht!!

Zitat:
Ich habe nicht das Recht, Ihn zu schlagen.

Vielleicht hast du nicht das Recht, ihn zu schlagen - aber du hast allemal das Recht, wütend zu sein! Zieh deine Konsequenzen!! Deine Tochter ist noch klein - ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Kleinen sich selbst etwas zusammenreimen und sehr viel mitbekommen...

Er ist an der Reihe, etwas zu unternehmen. Du hast alles versucht, was in deiner Macht steht. Und wie du auch schon sagtest: Du bist nicht für sein Leben verantwortlich, aber für deins und für das deiner Tochter!!!

Zitat:
Ich habe meinem Mann ein Ultimatum gestellt; das ich mich von Ihm trennen würde. Und noch ein, und wieder das Gerede über die Trennung. Vollzogen habe ich es nicht aus Angst um die Konsequenzen für die Sicherheit meiner Tochter und meine. Die Angst, dass das familiäre Glück bricht und mein Kind, wie ich ohne Vater aufwächst, zerstörte mich.


Wenn du etwas sagst, dann musst du es auch halten und es machen - so wird er dich nicht ernst nehmen! Viel Kraft für deinen weiteren Weg...
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Ayki79 hat zum Thema: Re: "Schlag ins Gesicht" geschrieben
ContraSucht
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 02.11.2006
Beiträge: 5
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: 03.11.2006, 11:39    Titel: Der Realität ausgeliefert Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Grüsse an AYKI 79! Lachen

Danke für Deine Ausdauer und sofortige Meldung. Ich habe von einem Deiner letzten Beiträge erfahren, dass Du den Sprung ins kalte Wasser gewagt hast und die Trennung eingereicht hast. Du hast Mut! In den Situationen, in denen ich ganz wütend auf meinen Mann bin und sehe, dass alles worauf wir gearbeitet haben (mental) zugrunde geht, bin ich entschlossen das Gericht aufzusuchen. Aber dann, aus heiterem Himmel kommt die Ruhe ins Haus, Bereitschaft meines Mannes zur Hilfe und Unternehmungen, meine Gefangenschaft geht los, wenn ich den Anblick eines liebevollen Vaters vor mir habe und das glückliche Kind. Früher habe ich nach diesen Eskapaden Ihm Vorwürfe gemacht. Heute tue ich es nicht mehr. Aus zwei Gründen: das Ergebnis seiner Handlung, etwas zu ändern ist fast gleich Null und von der anderen Seite bin ich egoistischer geworden, wenn es um meine Arbeit geht. Der Betreuuer setzte mir eine Frist, d.h. das Projekt muss in den kommenden Monaten abgeschlossen sein. Natürlich ist jetzt jeder Tag und Stunde für mich wichtig, um weiter zu kommen. Ich will die Arbeit von 3 Jahren nicht aufgeben! Von der anderen Seite müsste ich gerade jetzt Wege gehen und Entscheidungen treffen für unsere Beziehung. Es ist schon so schwer allein im Institut bei den Kollegen und Umfeld bei den Freunden die Normalität vorzutäuschen (es ärgert mich, dass ich es tue). Würde ich seine Arbeitslosigkeit und seine Alkoholkrankheit aufs Licht bringen, sind wir mit der Tochter total "deskriminiert". Der Rückzug der Menschen wäre für micht nicht so gravierend, aber was hat meine Tochter damit zu tun! Unsere nährersten Verwandte kennen sein Problem, seine Eltern leugnen es ab. Mit einer Ausnahme: einmal musste ich zu einer Tagung und rief von dort nach Hause an. Er war betrunken, obwohl ich Ihm das Kind anvertraut habe! Was für ein Mistkerl, habe ich gedacht. Von da aus rief ich seinem Vater an und er hatte Ihn anscheinend zur Rede gestellt. Für lange Zeit hat es nicht gereicht.
Eine Bekanntin von uns, wenn sie uns besucht, lobt sie meinen Mann ständig und "beneidet" mich immer um so einen selbständigen und hilfsreichen Ehemann. Ich habe Ihr schon vorgeschlagen, machen wir doch einen Männertausch, wenn Sie so begeistert ist.
Mich stellt es unzurieden, dass ich zum Teil in einer Illusion lebe und um jeden Preis versuche, sie aufrechtzuerhalten. Obwohl Wut in mir kocht!
Weil ich mich nicht ernst genommen fülle! Und seine Ohnmacht gegenüber dem Alkohol stößt bei mir auf kein Verständnis! Ich dachte immer, die Familie gibt Ihm Stärke. Die ist anscheindend den Alkoholbetroffenen nicht so wichtig.

ContraSucht
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ContraSucht hat zum Thema: Der Realität ausgeliefert geschrieben
Ayki79
Gast






BeitragVerfasst am: 03.11.2006, 11:47    Titel: Re: "Schlag ins Gesicht" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe auch früher immer einen riesen Aufstand gemacht, wenn er mal wieder eine Nacht nicht nach Hause kam oder morgens völlig betrunken im Bett lag und nicht aufgestanden ist. Das hat sich mit der Zeit gelegt, und am Ende ist mir einfach der Kragen geplatzt. Nicht, indem ich drauf rumgehackt habe, sondern, indem ich einfach meine Konsequenzen gezogen habe - so, wie ich es in den letzten Jahren nur angedroht und es nicht geschafft habe, es komplett durchzuziehen! Ich kann dir nur sagen, ich bin froh über diesen Schritt, obwohl es mir zur Zeit nicht gut geht! Trotzdem möchte ich mein altes Leben nicht mehr zurück!

Zitat:
Würde ich seine Arbeitslosigkeit und seine Alkoholkrankheit aufs Licht bringen, sind wir mit der Tochter total "deskriminiert".


Da würde ich dann völlig drüberstehen - denn es gibt eine Menge Leute mit Problemen, die nach Außen hin immer heile Welt spielen. Und gerade die, die so etwas nicht verstehen und einen sozusagen dann ausschließen, haben meistens die größten Probleme und kommen mit sich selbst nicht zurecht...

Überleg es dir einfach und tu das, was du für richtig hältst!
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Ayki79 hat zum Thema: Re: "Schlag ins Gesicht" geschrieben

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