Skye Gast
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Verfasst am: 03.11.2006, 14:36 Titel: Re: Überreaktion bei einem Glas Schnaps?? |
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Hallo Fred,
wenn Alkohol als Katalysator oder Mittel zum Zweck eingesetzt wird schrillen bei mir alle Alarmglocken. Für mich bedeutet das Verhalten Deiner Frau Alarmstufe Dunkelrot.
Dabei halte ich es für wenig nutzbringend ihr das Beispiel ihres Vaters zu nennen, um ihr die Gefahr ihres Verhaltens vor Augen zu führen. Er hat die Kontrolle bereits verloren, sie wird glauben, da sie das ja kennt und weis wohin das führt, wird ihr das schon nicht passieren. Sie wird denken, dass sie das im Griff hat. Es ist doch „nur“ ein Schnaps….. Sinnvoller wäre es auch in meine Augen sie mal auf dieses Forum aufmerksam zu machen. Hier gibt es genug Geschichten die genauso begonnen und im Absturz geendet haben. Wenn sie eine Hemmschwelle gegenüber dem PC hat, kannst Du ihr ja dabei helfen. Andernfalls, falls sie gar nicht an den PC möchte, weil sie davon zur Zeit genug hat, gibt es auch reale Selbsthilfegruppen, wo es mit Sicherheit ähnliche Geschichten geben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand hier wie da Deine Ängste und Sorgen als lächerlich abtut. Schließlich haben alle mal „klein“ angefangen.
So wie Du es beschreibst hat Deine Frau ein großes Problem mit ihrem Selbstwertgefühl. Sie scheint eine vollkommen falsche Wahrnehmung ihrer selbst zu haben. Sie stemmt jeden Tag Enormes mit Ihrer Lehrertätigkeit, arbeitet sich vollkommen neu ein, lernt jede Menge neue Dinge. So ganz nebenbei sind da noch die Kinder und der Haushalt, auch wenn Du im Moment viel tust. Alles in allem eine Leistung, auf die sie zu Recht stolz sein kann. Nur habe ich bei Deinen Zeilen das Gefühl, dass sie selbst es nicht so sehen wird. Sie sieht nicht das, was sie geleistet hat und ist stolz darauf, sondern nur das, was sie „mal wieder“ nicht geschafft hat. Ich denke das ist auch ein Grund warum sie immer mehr und mehr tut, anstatt eine Grenze beim Machbaren zu ziehen.
Für Dich ist alles eine Sache der Organisation, womit Du sicher Recht hast. Nur scheint Deine Frau überfordert, weil sie alles auf einmal und auch noch jedem Recht machen möchte. So werte ich zumindest das verzetteln und geistig schon bei nächsten Aufgabe sein. Das schafft kein Mensch. Sie muß für sich lernen Ihre Leistung anzuerkennen, dann schafft sie es auch Prioritäten zu setzen. Das Du ihr dann zeigst, dass Du neben dem Job dann noch „ihre Aufgaben“ übernimmst und die Zeit hast sich mit der Organisation ihrer Arbeit zu beschäftigen, denke ich, gibt ihrem angeknacksten Selbstwertgefühl zusätzlich noch einen mit. Versteh mich nicht falsch, ich finde gut, das Du ihr hilfst und sie unterstützt, ich versuche jedoch Dir mal einen anderen Blickwinkel zu zeigen, der möglich wäre. Auch wenn er logisch angegangen falsch ist.
Ich habe selbst lange so verquer gedacht, ich weiß, wie schrecklich das ist, in diesem Kreislauf gefangen zu sein und Angst zu haben den Ausweg nicht zu finden. Mit gesundem Menschenverstand ist es da nicht mehr weit her. Jeder sieht die Lösung, nur man selbst nicht, man selbst sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Selbst fertige Lösungen sind schlicht und ergreifend nicht umsetzbar. Da kannst Du mit noch soviel Logik konfrontiert werden, auf mich allein gestellt, bin ich oftmals an der einfachsten Aufgabe gescheitert. Beruflich ein Organisationstalent, zu Hause eine Null. Ich habe mir andere Katalysatoren gesucht, die mir auch nicht gut getan haben. Alkohol war unter anderem deshalb kein Mittel meiner Wahl, weil ich bei meinen Eltern gesehen habe, dass alles mit dem ersten Schluck beginnt. Es ist sicherlich einer genaueren Überlegung wert, dass Deine Frau sich in psychologische Behandlung begibt.
Kennt Deine Frau Deine Gefühle? Hast Du mir Ihr über Deine Ängste um sie geredet? Wenn nicht solltest Du das mal tun, ihr habt eine Partnerschaft. Zumal sie dann sieht, das auch Du kein Übermensch bist. Siehst Du sie im Moment eigentlich als Deine Frau? Oder siehst Du sie im Moment mehr als weiteres Kind und behandelst sie vielleicht auch so? Sie ist eine erwachsene Frau, Deine Frau und so sollte sie auch geachtet und behandelt werden.
Ein Schubser ist egal wie man es bezeichnet, ein Ausdruck von Gewalt. Es ist zudem auch ziemlich demütigend, so vor seinem Ehemann auf dem Boden zu liegen. Wenn ich auch nachvollziehen kann, dass man wütend wird, kann ich es nicht nachvollziehen und noch weniger verstehen, dass man derart die Kontrolle über sich verliert und körperlich wird. Vielleicht solltest Du es weniger persönlich nehmen und nicht als Dein Versagen ansehen, dass Deine Frau den Alkohol und nicht Dich bei Ihrem Problemen in Anspruch nimmt. Vielleicht verschafft Dir das die nötige Ruhe, um nicht noch mal auszurasten.
Skye |
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