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Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit

 
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brokensoul
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.10.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 25.10.2006, 23:25    Titel: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ihr Leute,
ich bin erst seit ein paar Tagen hier, und habe schon einige Beiträge gelesen. Ich möchte heute über mich schreiben und euch berichten was mich bewegt hat mich hier anzumelden.

Meine Geschichte fängt damit an, dass meine Mutter einen Alkoholiker geheiratet hat, als ca. 2 Jahre alt war.

An diese Zeit habe ich keinen Erinnerungen. Ich kann mich erst erinnern als ich so ca. 6 Jahre war. Da hab ich mitbekommen, dass das Geld fast immer knapp war (er hat es als versoffen). Meine Mutter ging weil das Geld nicht reichte in einer Wirtschaft putzen und half dort auch in der Küche. Sie bekam ihren Lohn nach getaner Arbeit. Oft hat sie gar keinen Lohn für ihre Arbeit erhalten, weil mein Stiefvater das Geld zwischenzeitlich während meine Mutter in der Küche half vorne im Gastraum alles versoffen hat. Entschuldigt bitte die derbe Ausdruckweise, aber sie entspricht genau den Umständen.
Montags ging er fast kaum arbeiten, da hatte er einen dicken Kopf vom Wochenende. Der soziale Abstieg lies nicht lange auf sich warten. Wir mussten in ein Armenviertel ziehen, weil wir uns keine andere Wohnung mehr leisten konnten.

Meine Mutter wurde oft von ihm grün und blau geschlagen. Unternommen hat sie nichts dagegen. Auch nicht der Hausarzt der sie wegen ihrer Verletzungen behandelt hat.


Ich als Stieftochter hatte auch nichts zu lachen. ich war nur von ihm geduldet. Wenn ich nicht absoluten Gehorsam leistet, wurde ich verprügelt. Später als ich älter wurde wurde ich von ihm auch gedemütigt. Als er merkte, dass ich ihm intelligenzmäßig überlegen war, ich hatte es als erstes Kind aus dem Viertel auf die Realschule gebracht, hat er mich beschimpft und mir gedroht, wenn ich nicht tue was er sagt, würde er mich ins Heim schicken, wo ich ja schließlich herkomme. Ich war bis zur Hochzeit meiner Mutter in einem Kinderheim. Sie hat mich dann nach der Hochzeit zu sich geholt. Als Kind hatte ich schreckliche Angst dorthin zu müssen.

Also lernte ich schon sehr früh zu kuschen. Ich habe es verinnerlicht, wenn du nicht lieb und nett bist, bist du nichts wert und wirst aus der Gemeinschaft(Familie) ausgeschlossen. Du hast keine eigene Meinung zu haben und du bist für andere der Fußabtreter.

Als ich 17 war lernte ich einen jungen Mann kennen. Ich war verliebt. Erst spät merkte ich, dass auch dieser Mann Alkoholiker war. Er kam aus einer Alkoholiker Familie. Seine Mutter vesteckte als das Bierglas hiter der Küchengardine während sie kochte. Der Vater war ein Saufkumpan meines Stiefvaters. Also passte ich in diese Familie. Der Alkoholkonsum meines Freundes wurde immer mehr und die Vollräusche häuften sich. Sie gingen manchmal bis zur totalen Bewusstlosigkeit. Man fand ihn auch schon mal im Straßengraben liegen. Am nächsten morgen dann die Reue und die Ungläubigkeit, weil er nichts mehr davon wusste. Ich habe das 8 Jahre mit gemacht. Bis ich jemand anderes kennenlernte. Leider war ich für den nur eine kleine Abwechslung zur Ehefrau.

Wieder ein Traum von Liebe geplatzt.

Danach einen Ehe mit einem Spielsüchtigen, was ich zuerst garnicht begriffen hatte. Ich habe nur mein Augenmerk auf den Alkohol gerichitet. Er trank so gut wie nie. Höchstens mal ein Bier, wenn wir in Gesellschaft waren. Auch diese Beziehung ging zwangsläufig in die Brüche, weil ich immer nur kuschte. Er hat mich wegen einer anderen verlassen und mit 2 kleinen Kindern und ohne Unterhalt sitzen gelassen.

Vor 5 Jahren lernte ich nun einen lieben Mann kennen der mich von vorne bis hinten bediente. Endlich wurde ich mal verwöhnt. Nach ca. einem Jahr zog er bei mir ein. Er hat mich weiterhin verwöhnt und auch kontolliert. Erst mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich wieder einen gefunden hatte, der ein Problem mit Alkohol und dieses mal noch eins drauf, auch mit Tabletten hatte. Er nahm tagsüber Schmerztabletten und abends fing er an zu trinken. Und ich fing irgendwann an die Flaschen zu zählen. Er kontrollierte mich und ich kontrollierte seine Anzahl von Flaschen. Es waren meistens so 5 - 6 Flaschen Bier. Nachdem er rausfand, dass ich mich im Internet über Alkoholsucht informiert hatte, meinte er nur ich würde übertreiben. Es wären doch nur ein paar Flaschen, da hätte er schon ganz andere Zeiten mit mehr Bier hinter sich. Er hätte kein Problem mit Alkohol. Inzwischen konnte ich seine Fahne nicht mehr ertragen. Mir wurde richtig schlecht bei dem Geruch. Und es kam viel aus meiner Kindheit wieder hoch. Inzwischen haben wir getrennte Wohnungen, weil ich sonst daran kaputt gegangen wäre.

Mir geht es wieder gut und ich lebe und liebe mein Leben. Wir haben täglich Kontakt, meist telefonisch. Ich kann mir ein gemeinsames Leben im moment nicht mehr vorstellen, vorallem weil ich 2 Kinder habe, die nicht das gleiche durchmachen sollen wie ich.


Meine Frage an euch: Habe ich wirklich übertrieben indem ich mich über dieses Thema zu informieren und auf den Gedanken kam er könnte auch ein Alkoholiker sein?


Über eure Antworten freue ich mich und bin sehr gespannt was ihr dazu meint. Ihr seid ja inzwischen richtige Experten auf diesem Gebiet.

Lieber Gruß
brokensoul


P.S. nun wisst ihr auch wie mein Pseudonym zustande kam
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brokensoul hat zum Thema: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit geschrieben
zeni
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.10.2006
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: 26.10.2006, 00:08    Titel: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo brokensoul!

deine geschichte zu lesen ist wirklich packend und erschütternd.

was mich wundert: du warst in einem kinderheim, bis deine mutter dich nach der hochzeit mit deinem "vater" zu sich holte.
1.) ist deine mutter deine leibliche mutter?
2.) wenn ja wie kam es, dass sie dich abgegeben hat?
worauf ich hinaus will, ist, dass es fürmich unbegreiflich ist, dass das jugendamt da nicht dran geblieben ist, d.h. nach den eltern und vor allem auch nach dir gesehen hat.

auf jedenfall um deine frage zu beantworten ob du überreagiert hast.
meiner meinung nach NEIN. definitiv nicht.
mit deiner vergangenheit ist es mehr als normal, dass du vorsichtig bist und dich informierst.
ich denke es ist immer gut wenn man einen verdacht hat, egal worum es geht, sich erstmal zu informieren bevor man von dingen redet, von denen man keine ahnung hat.
es ist dein gutes recht dich über ALLES was dich interessiert zu informieren egal ob es dich betrifft, jemand anderen oder sonst irgendetwas!!!

alles liebe, zeni
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zeni hat zum Thema: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit geschrieben
brokensoul
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.10.2006
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 26.10.2006, 15:11    Titel: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Zeni,
danke für deine Antwort.

Zu deiner 1. Frage:
ja es ist(war) meine leibliche Mutter.

Zu deiner 2. Frage:
als ich in den 60er Jahren unehelich zur Welt kam, hat sie sich kurz nach meiner Geburt von meinem Vater getrennt und ich bin zuerst bei Pflegeeltern aufgewachsen. Von der Pflegemutter wurde ich misshandelt und das Jugendamt hat mich dann ins Kinderheim eingewiesen. Meine Mutter musste ihren und meinen Lebensunterhalt verdienen. Früher waren die Mütter finanziell noch nicht so gut abgesichert. Man bekam nicht mal Kindergeld für das erste Kind. Natürlich kostete auch das Heim.

Ich denke das hört sich für dich alles unglaublich an. Wie aus einem Roman. Ich könnte noch stundenlang über mich und meine Kindheit erzählen. Das gäbe bestimmt ein spannendes Buch. Das Leben ist manchmal grausamer, als die Fiktion.

Lieber Gruß
brokensoul
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brokensoul hat zum Thema: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit geschrieben
Fabienne
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.09.2006
Beiträge: 43
Alter: 33
Wohnort: Ägypten

BeitragVerfasst am: 27.10.2006, 08:09    Titel: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe brokensoul

Deine Geschichte ist wirklich erschütternd und unglaublich. Wie du sagst, wie aus einem Roman...

Es ist zu bewundern, dass du trotz allem noch sagen kannst, dass du dein Leben liebst und lebst. Ich hoffe für dich, dass es wirklich so ist.

Zu deiner Frage. Nein du hast bestimmt nicht übertrieben, indem du dich informiert hast. So wie du das Problem schilderst, würde ich nämlich auch sagen, dass er zwei Suchtprobleme hat. Täglich Alkohol zu trinken ist nicht mehr normal....

Ich wünsche dir ganz viel Kraft auf deinem weiteren Lebensweg!
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Fabienne hat zum Thema: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit geschrieben
dorothea
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 7472
Alter: 48
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 27.10.2006, 20:00    Titel: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo brokensoul

du hast vollkommen richtig gehandelt.

hast du mal darüber nachgedacht wegen deiner probleme zu einem psychologen zu gehen?? ich habe das gemacht und damit mein selbstbewußtsein wieder gefunden, meine verhaltensmuster geändert und lebe damit jetzt viel freier. ist vielleicht auch eine möglichkeit für dich deine altlasten aufzuarbeiten.
mit den problemen des alkohols bist du aber hier auf jeden fall gut aufgehoben.
würde mich freuen mehr von dir zu lesen

gruß doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Tochter eines Alkoholikers und ihre eigene Abhängigkeit geschrieben

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