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Der Alk und die verdichtete Leber   •    1. Tag und Nacht ohne  
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coraly
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.10.2006
Beiträge: 332
Wohnort: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 11:34    Titel: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich habe gestern 4 Stunden in diesem Forum hier gelesen und war hin- und hergeschüttelt zwischen Selbsterkenntnis und Erschütterung. Und irgendwie auch Erleichterung. Hier bin ich richtig.

Meine Angst ist riesengross. Schlaue Tests oder Sich-Selbst-Austrickser-Fragen wie „bin ich oder bin ich nicht“ brauch ich nicht mehr. Ich bin süchtig. Zu denen, die morgens schon zitternd aufwachen, ständig unter Alk stehen, unter Brücken schlafen und stinken gehöre ich nicht – so wie wohl die meisten anderen hier auch nicht. Das macht Mut, zu schreiben – und Hilfe zu suchen.

Ich bin da reingerutscht ohne „den einen“ großen Auslöser. Schon als Jugendliche hab ich gern und viel getrunken, bei uns zuhause wurde oft gefeiert (dass meine Mutter Alkoholikerin ist, habe ich erst als Erwachsene erkannt). In der Clique gehörte es dazu und auch sonst war Sekt und Wein, Bacardi oder Gin, Bier, irgendwie immer Bestandteil meines Lebens.

Zuerst machte ich nach durchzechten Nächten (früher nur am Wochenende) noch ein paar Tage Pause, irgendwann tat ich das nicht mehr. Filmrisse gehören seit ein paar Jahren, wie lang genau, weiss ich nicht, dazu, ich kann mich nicht nur an Einzelheiten sondern an ganze Abende nicht mehr erinnern. Am nächsten Tag quält mich das schlechte Gewissen, in vielen Berichten hier hab ich von dieser mir bekannten Peinlichkeit gelesen, am nächsten Tag die Puzzleteile zusammenzukriegen. Einige Male hab ich in diesen Zuständen schon richtig Mist gebaut, habe Menschen gekränkt und verletzt, meine Kinder haben es auch mitbekommen. Betrunken falle ich oft in tiefste Depressionen, heule stundenlang und schmiede Pläne mich umzubringen.

Am letzten Wochenende kam es zu einem traurigen Höhepunkt. Wir haben mit Freundinnen bei mir zuhause italienisch gegessen und – natürlich – getrunken. Ich war wie immer die schnellste und habe schätzungsweise 2 Flaschen Wein ganz allein getrunken. Als ich voll war (mein Gott, es tut so weh, das so hart zu schreiben) fing ich an zu weinen und konnte nicht mehr aufhören. Die Party war zu Ende. Eine meiner Freundinnen ist bei mir geblieben, natürlich machten alle sich Sorgen. Mehr weiss ich nicht mehr. Den ganzen Samstag sah ich aus wie ein Gespenst und schämte mich entsetzlich, aber abends trank ich schon wieder Sekt. Sonntag nicht anders, zwei Flaschen Rotwein haben mein Freund und ich abends geleert. Mein Anteil daran war größer.

In einigen Berichten hier habe ich dieses Phänomen wieder gefunden: Wenn zwei Menschen trinken, ist es noch lange nicht dasselbe. Mein Freund trinkt auch gern mal ein Glas Wein, aber ist dabei nicht gierig und hastig so wie ich. Er stellt auch nach einem Glas die Flasche weg – ich kann das nicht, ich kann nicht mehr aufhören, wenn ich einmal angefangen habe. Und ich merke schon lange nicht mehr, wann ich genug habe. Es gibt Tage, an denen ich nichts trinke, zu Anfang hab ich mich damit selbst belogen und mir eingeredet „dann kann’s ja nicht so schlimm sein“. Mittlerweile weiss ich, dass ich mich belogen habe. Der Witz ist, ich treibe Leistungssport, und zwar sehr erfolgreich, ich gehe Joggen, bin beruflich (noch) einigermassen gut drauf. Und dennoch, ich schwebe am Abgrund, und ich will da weg. Ich hätte Grund, glücklich zu sein, bin seit 1 ½ Jahren mit einem wunderbaren Mann zusammen, habe zwei Kinder (von denen eines allerdings etwas auf der schiefen Bahn ist, und das macht mir grossen Kummer).

Ich merke, dass meine Nerven völlig am Ende sind, ich schwanke zwischen Aggressivität und völliger Entmutigung. Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt.

Am 11.11. gibt es eine riesige Party mit 80 Leuten und ich bin Mitgastgeberin. Ich will nicht mehr Trinken, aber oh Gott, wie soll das gehen? Heute ist Dienstag, gestern habe ich gar nichts getrunken und mich gut dabei gefühlt. Ich kenne die Regel der AA (meine Mutter war dort vor vielen Jahren), immer nur an die nächsten 24 Stunden zu denken. Aber was kommt danach? Gibt es hier jemanden, der so ein „komischer“ Trinker war wie ich und es geschafft hat?

Bitte sagt mir nicht, ich soll zu den AA gehen, das kann ich nicht. Und ich will es allein schaffen oder mit diesem Selbsthilfeforum hier.

Bitte, helft mir.
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coraly hat zum Thema: Süchtig! geschrieben
chiara
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.03.2006
Beiträge: 362
Wohnort: UK

BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 12:05    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Coraly!

Wie schön, dass Du Deinen Weg zu uns ins Forum gefunden hast. Was für ein mutiger erster Schritt.
Also erst einmal Herzlich Willkommen!
Ich war auch lange Zeit so eine "komische" Trinkerin wie Du. Sehr Vieles, was Du berichtest, trifft voll und ganz auf mich zu.
Eine Jugend und frühe Erwachsenenzeit, wo Alkohol schon "so richtig dazugehörte", viele fröhliche Feiern, ein frühes Umfeld wo Alkohol irgendwie fest in den Alltag integriert war.
Auch ich habe zuerst nach Saufgelagen am Wochenende immer wieder gut Pause machen können und ich war damals auch in der Sportbranche unterwegs und fit wie ein Turnschuh, obwohl ich fast 3 mal in der Woche einen bösen Filmriss hatte. Was habe ich die Menschen gequält, beleidigt, betrogen, belogen...ich konnte mich am nächsten Tag, wenn überhaupt, dann nur an Bruchteile erinnern. "Richtig Mist gebaut!", wie Du es ausdrückst.
Auch die Heulerei und das Schmieden von Selbstmordplänen mit steigendem Alkoholkonsum, wie gut ich das kenne. Das sind die traurigen Begleiter der Sucht und sie wurden immer eindringlicher, je länger ich trank um so depressiver wurde ich..über Jahre hinweg, bis ich dann anfing im Vollrausch meine Selbstmordpläne auch durchzuführen zu versuchen.
Immer wieder auf der Intensivstation aufgewacht, denn im Vollrausch
war ich sogar dazu nicht zu gebrauchen...es hat nie richtig geklappt.
Ich habe im März dieses Jahres endlich aufhören dürfen zu trinken und danke Gott jeden Tag mehrmals dafür. Dieses Forum hat mich durch dick und dünn begleitet, mein Weg war genau so schwer wie der eines jeden Alkoholikers, aber es hat sich sooooo sehr gelohnt. Ich bin ein anderer Mensch. Ich habe soviel inneren Frieden und innere Freude in der Trockenheit gefunden.
Das Leben wird nicht einfacher und Probleme bleiben Probleme, Schmerzen bleiben Schmerzen...aber die Trockenheit umgibt mich wie ein wärmendes Schutzschild. Unter Ihrem Schutz kann ich es heute mit dem Alltag und Allem was dazugehört aufnehmen.
Ich persönlich werde Dir nicht sagen, geh doch zu den AA. Jeder sieht das anders, jeder findet seinen eigenen Weg. Hier ist auch eine Selbsthilfegruppe und mir hat sie in Zeiten, wo ich gar nicht aus dem Haus konnte, mehrmals das Leben gerettet. Vor dem Rückfall hat mich das Forum schon so oft bewart, dass ich es nicht mehr zählen kann.
Also, Du bist hier richtig!
Über den 11.11. würde ich mir JETZT noch keine Gedanken machen. Für mich gibt es bis heute noch keine Feste mit Alkohol, dazu bin ich mir noch zu unsicher; aber das handhabt jeder anders.
Für mich war der einzige Weg eine völlige Distanzierung vom Alkohol. Ein immer zu 100% alkoholfreies Zuhause, ein alkoholfreier Freundeskreis, keine Partys, keine Kneipenbesuche. Das war MEIN Weg, wie gesagt...
Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut.
Gute 24
chiara
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chiara hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben
maria44
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.03.2006
Beiträge: 2106
Alter: 48

BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 12:05    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo coraly,

und herzlich Willkommen, so außergewöhnlich sind Deine Trinkgewohnheiten gar nicht. Man muss nicht unbedingt zur den AA gehen, aber ganz alleine das geht auf Dauer gesehen nicht gut so denke ich , mit Hilfe mit unserer online SHG oder auch realen SHG die Entscheidung trifft jeder für sich, hat man bestimmt gute Schanzen auf dauerhafte Nüchternheit, wenn man die Hilfe annehmen kann. Wenn Du den starken Willen hast und bereit bist jeden Tag an Dir zu arbeiten dann kannst auch Du es schaffen. Ich nehme an Du hast hier schon über Entzugssymptomen und dem Kaltentzug gelesen wie gefährlich es sein kann und dass der nächste Schritt für Dich, der Arzt wäre.

Liebe Grüße
Maria
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maria44 hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben
Peter.Pan
Gast






BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 12:36    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo coraly,
auch ein herzliches willkommen von meiner Seite.Du hast einen wichtigen Schritt gemacht und hier in unserem Forum geschrieben.
Wie Maria schon schreibt ist es gefährlich einen kalten Entzug durchzuführen.Er kann fatale Folgen für Dich haben.
Du sagst,Du willst aufhören.Ein alkoholfreies zuhause wäre schon mal der 1.Schritt.
Über unser Forum (ist eine Selbsthilfegruppe) hast Du genug Beistand und es werden noch sichere Beiträge für Dich folgen.
Um den 11.11. würde ich mir momentual mal keine so grossen Gedanken machen.
Du musst Schritt für Schritt an Dir weiterarbeiten.

Liebe Grüsse

Peter Pan
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Peter.Pan hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben
coraly
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.10.2006
Beiträge: 332
Wohnort: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 12:36    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Chiara, liebe Maria,
bin noch nicht mit der Technik hier vertraut, hoffentlich klappt es.
Ich danke Euch so sehr für Eure schnellen Nachrichten, beim Lesen schiessen mir echt die Tränen in die Augen. Es ist seit ich weiss nicht wieviel Jahren das erste Mal, dass ich ein bisschen von meinen Schuldgefühlen zur Seite schieben kann. Vielleicht gibt es doch Hoffnung. Manchmal hatte ich die schon aufgegeben.

Und verwundert stelle ich fest, dass ich alle Zeichen richtig gedeutet habe. Ich dachte immer, die Depressionen waren das, was mich fertig macht. Erst in letzter Zeit, als ich mich intensiver mit der "Theorie" beschäftigte, keimte die Ahnung auf, dass es umgekehrt ist. Die Depressionen kommen, wenn ich saufe.

Wisst Ihr, ich habe dieses betäubte Gefühl so sehr genossen. Das, was vor der Verzweiflung kommt (ich spreche schon in der Vergangenheit, als wäre ich über den Berg.). Dieses LmaA Gefühl, das einen so vermeintlich stark macht. Oft habe ich mich ganz absichtlich in diesen Zustand hineingetrunken. In diesen Stunden, wo ich mich sozusagen hier "bekenne", fallen mir aber auch hunderte Situationen ein, wo es ganz furchtbar geendet ist.

Bitte erklärt mir, warum ein "kalter" Entzug so gefährlich ist. Ich hab doch gar keine körperlichen Entzugserscheinungen. Und was würde ein Arzt jetzt für mich tun können ausser eine Therapie empfehlen?
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coraly hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben
peterle1
Gast






BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 12:43    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo coraly,
wenn Du einen kalten Entzug durchführst,besteht für Dich absolute Lebensgefahr.
Du könntest einen Krampfanfall bekommen,der tödlich kann oder Du kannst dabei schwere Schäden bekommen.
Ein Arzt kann Dir Medikamente geben,die den Entzug erleichtern.
Hoffe ich konnte Dir etwas damit hefenb
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peterle1 hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben
coraly
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.10.2006
Beiträge: 332
Wohnort: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 12:47    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Peter Pan,

danke für Deine Nachricht.

es ist doch aber so: Ich trinke nicht jeden Tag. Wenn ich mich anstrenge, schaff ich drei oder 5 Tage ohne. Dabei hab ich weder Zittern noch sonst was, die Lust auf Alkohol tobt in meinem Kopf. Es gibt ein Glas Sekt bei einem Empfang, und dann fahr ich schnell nach Hause, um mich gemütlich vor dem Fernseher vollaufen zu lassen. Die Symptome sind eher psychischer Art.
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coraly hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben
Röschen
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 25.09.2006
Beiträge: 40

BeitragVerfasst am: 17.10.2006, 13:45    Titel: Re: Süchtig! Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Coraly,

Schön dass du dich auch entschlossen hast, nicht mehr zu trinken. Deine Geschichte, wie so viele andere hier, kommen mir bekannt vor und ich finde mich darin wieder.
Du wirst den Entschluss keinen Alkohol mehr zu trinken nie bereuen. Du gibst absolut nichts auf, aber gewinnst so viel. Endlich ein selbstbestimmtes Leben führen, nicht mehr vom Alkohol abhängig sein, nicht mehr trinken müssen!

Ich wünsch dir noch viele trockene Tage.
LG
Röschen
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Röschen hat zum Thema: Re: Süchtig! geschrieben

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