walf Gast
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Verfasst am: 12.10.2006, 00:16 Titel: Re: Nie mehr Parfüm? |
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Hallo zusammen
Was Felicitas schreibt, drückt einfach das Selbstbewußtsein eines lange trockenen Alkoholikers aus.
Ich selbst bin seit 11 Jahren trocken und empfinde hier ganz ähnlich.
Wenn ich meine Erfahrungen zu solchen Themen teile, dann nicht um Menschen die seit kurzer Zeit trocken sind zu verunsichern, sondern einfach um meine Erfahrung, Kraft und Hoffnung zu teilen. Einfach um zu zeigen, dass hinter dem Berg Mühsal und Arbeit, den das trocken werden bedeutet eine Lebensqualität und ein Selbstbewußtsein warten, das mit nichts was wir aus unserer Saufzeit kennen auch nur annähernd vergleichbar wäre.
Uns erwartet Nüchternheit, Selbstsicherheit, Mut, Kraft und eine unverfälschte Realität die wir in Angriff nehmen dürfen.
DAS habe ich auch gebraucht als neuer in meiner Selbsthilfegruppe.
Die Erwartung von etwas Unvorstellbaren. Die Erwartung von einfach Leben.
Bei deinen Beiträgen Karsten, denk ich manchmal du möchtest alle Schäfchen möglichst gut hüten und vor allen Gefahren schützen.
Das geht aber nicht. Die Realität schont uns nicht, wir müssen uns der Realität stellen und lernen auch die Härten zu ertragen.
Wir brauchen am Anfang ganz klare Regeln und wir müssen uns sehr deutlich abgrenzen von allem was uns schaden könnte. Das unterschreibe ich so.
Wir brauchen aber auch hin und wieder einen Hinweis, dass wir nicht ewig unter der Käseglocke bleiben können. Wir müssen raus unser Leben in die Hand nehmen.
Und wir müssen in der Lage sein unser erlebtes ehrlich und aufrichtig mit anderen Alkoholikern zu teilen um eine Rückversicherung zu haben ob wir noch auf dem Weg der Genesung sind, oder dem Rückfall entgegen schlendern.
gute 24h
Ralf |
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 12.10.2006, 08:44 Titel: Re: Nie mehr Parfüm? |
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Hallo und Guten Morgen Ralf,
das was Du schreibst, sehe ich auch so. Aus heutiger Sicht weiß und lebe ich die Dinge auch so.
Ich versuche mich aber bei meinen Antworten, in die Zeit zurück zu versetzen, als ich andere Menschen um Hilfe gebeten habe.
| Zitat: | | Bei deinen Beiträgen Karsten, denk ich manchmal du möchtest alle Schäfchen möglichst gut hüten und vor allen Gefahren schützen. |
Wenn ich hier Hilfesuchende lese, kommen mir sehr oft meine erste Versuche zur Nüchternheit in den Sinn, wie ich damals war.
Ich habe mir auch auch alle Hoffnungen ausgemalt, dass ich anders bin und ich doch die Kurve irgendwie noch kriegen könnte.
Ich hatte einen sehr langen Weg vor mir, der mir fast das Leben gekostet hat.
In vielen Beiträgen sehe ich diesen Weg wieder. Wenn ich dann schreibe, möchte ich diesen Hilfesuchenden aufzeigen, was sie sich ersparen können, wenn sie etwas Vertrauen könnten.
Ich habe eben keine Gefahr gesehen und bin über jeden Stolperstein gefallen. Wenn ich nun, vielleicht manchmal extrem, auf diese Gefahren hinweise, hoffe ich, dass es sich mancher zu herzen nimmt.
Auch wenn ich heute stabil und glücklich ein nüchternes Leben habe, selbstbewußt mit meiner Krankheit umgehe, weiß ich auch noch, wie es angefangen hat.
Als ich damals von anderen trockenen Alkoholikern von einem schönen Leben ohne Alkohol gehört habe, waren das für mich Phantasiewelten, weil ich keine Wohnung, ein Haufen Schulden, keine Familie und eben nichts hatte, außer Probleme.
Die Anfänge der Nüchternheit sind für mich unvergessen. Was ich damals gemacht habe, um trocken zu bleiben, möchte ich vermitteln.
Wie man nach 7, 11 oder 13 Jahren Trockenheit lebt, ist sicherlich für viele eine Motivation, aber die Probleme sind für die meisten hier lesenden noch ganz andere, als die wir jetzt haben.
Es geht eben noch darum, wie ich mit sehr kleinen Schritten, von einer Stunde zur nächsten das erste Glas stehen lasse. |
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