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Bin ich Alkoholiker...?

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Deo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 09.09.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 15:39    Titel: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Forum.

Es fällt mir schwer dies hier zu schreiben, da ich nie mit dem Gedanken gespielt habe "Alkohliker" sein zu können. Trotzdem möchte ich hier ein bisschen was über mich erzählen und Euch ein Urteil überlassen.

Angefangen hat alles vor ca. 10 Jahren. Ich hatte damals einen Beruf gelernt, der mir keinen Spass gemacht hat (im Servicebereich, Aussendienst). Ich bin kein sehr robuster Charakter und viel mit Menschen umgehen ist nicht so mein Ding. Trotzdem war ich froh eine Arbeit zu haben. Leider hat es damals mit den Kollegen auch nicht so geklappt, welche einen "harten Kern" bildeten und über Jahre zusammengewachsen waren. Ich war neu und ich teilte nicht mal deren Interessen (Volksmusik, Skifahren etc). Es fing damals an, dass die Kollegen damals abends auf der Arbeit noch ein Bier getrunken haben, vor dem Feierabend. Ich machte mit um "dazuzugehören".

Das Ganze entwickelte sich aber leider nicht so toll. Ich gehörte nie dazu und vermied auch deren Feiern etc, da ich lieber mit meiner Frau den Abend verbrachte. Ich fühlte mich als Aussenseiter.

Dann fing es an, dass ich mal in der Mittagspause eine Flasche Wein öffnete die ich von Kunden geschenkt bekommen habe und in der Mittagspause trank. Erst mal die Hälfte, dann schon mal mehr. Das passierte so alle 2-3 Tage einmal. Auch wenn ich viel Frust erlebt hatte, trank ich vor dem heimgehen noch mal ein, zwei Gläser.

Dann ging meine Frau für ein paar Monate ins Ausland studieren. In dieser Zeit kam ich auch sehr schlecht zurecht mit Arbeit und Privatleben und freute mich Abends auf den entspannenden "Schwips". Ich trank aber nie bis ich einen "Filmriss" hatte. Mein Pensum blieb bei 1-1,5 Flaschen, und auch nur Wein. Wie immer, danach 1-3 Tage Ruhe.

Nun, ich wechselte Arbeit und Wohnort nach ein paar Jahren, aber ich habe immer noch die Angewohnheit, ab und an die "gewohnte" Flasche Wein zu trinken. Auch mal zwei. Danach ist aber wie gesagt Ruhe. Mal 2-3 Tage oder auch mal einen Monat. Danach habe ich "Bedarf" mich zu "entspannen" und freue mich auf einen Rausch. Auch wenn meine Frau mal alleine mit Freunden weggeht, überlege ich mir, mir eine Flasche Wein zu "genehmigen".

Meine Frau sieht mich auch nicht trinken. Ich sage ich hätte Wein getrunken, aber da ich mich eigentlich nie "betrinke", fühlt es sich weder für sie noch mich unnormal an. Auch war ich letztlich beim Arzt und habe Ultraschall meiner inneren Organe machen lassen und Leber, Bauchspeicheldrüse seien 100% top. Ich ernähre mich auch bewusst, fleischarm, viel Vitamine, Obst, Gemüse etc.

Auch kann ich einige Wochen Pause einlegen, ohne trinken zu MÜSSEN. Aber irgendwann habe ich wieder Lust auf den Rausch, nicht den Alkohol an sich.

Kann mir jemand sagen, ob ich Alkoholiker bin oder einfach nur gefährdet? Ich habe nie "harte Sachen" angefasst und auch kein Bedarf dazu. Mein Konsum ist auch nie angestiegen.
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Deo hat zum Thema: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
Micha
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 4416

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 16:30    Titel: Re: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Deo,


Du trinkst zielgerichtet (um dazuzugehören) und auch aus Frust (~Mittagspause). Du freust dich auf Entspannung durch Alkohol und hast Lust auf einen Rausch.


Du schreibst:

Zitat:
Aber irgendwann habe ich wieder Lust auf den Rausch, nicht den Alkohol an sich.



Du bist ganz offenbar ein Wirkungstrinker, der den Rausch sucht. Ich habe nicht einmal das Wort Genuss gelesen in deinem Bericht. Das hast du mit jedem Alkoholiker gemeinsam: es soll ballern.
Wenn du noch keine Probleme hast, stehen die Chancen noch welche zu bekommen ziemlich hoch, denn bei so einem Trinkverhalten ist ein Konsumanstieg eher wahrscheinlich(nur meine Meinung).

Sei mal ehrlich mit dir, ob dieser Anstieg nicht doch schon längst da ist, wenn auch nur langsam. Erst ein halbe Flasche Wein, dann eine, auch schonmal 1,5 oder 2 ... das ist doch eine Tendenz.


Ich habe auch 'nur' Bier getrunken und relativ problemlos Trinkpausen eingelegt. Das sagt aber nichts über die Zwanghaftigkeit des Trinkens aus.

Man muss nicht warten bis die Organe kaputt sind. Gut, dass du über dein Verhalten nachdenkst.

Alles Gute wünscht


Micha
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Micha hat zum Thema: Re: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
Deo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 09.09.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 16:54    Titel: Re: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Vielen Dank für die Antwort erst einmal.

Ja, der Anstieg war da. Langsam aber stetig. Anfangs waren es nur die 0,75l Flaschen, die ich als Geschenk erhielt. Dann ging ich gezielt auf die 1l Flaschen, und sogar die Tetrapacks. Es gibt hier Wein-Tetras mit 5l und Zapföffnung. Ich holte diese immer wieder mal unter den Vorwand, dass "wir" ja mal ein Glässchen trinken könnten. Ich war dann aber immer der, der sich nachgeschenkt hatte, auch heimlich und dann einen neuen Tetra geholt hat, wenn der alte halb leer war, dass es nicht auffällt. Den alten heimlich entsorgt. Für meine Frau war es eben immer noch der alte Tetra, der eben sehr lange hält...danach hatte ich 2-3 Tage keine Lust mehr auf Alkohol. Aber dann, wieder gut einen gehoben. Vor allem wenn mir langweilig war, ich alleine war oder gestresst war, trank ich bevorzugt.

Dieses Verhalten habe ich aber die letzten Wochen gebrochen. Ich habe Tage nichts getrunken, dann aber wieder zur Tankstell und Bier geholt. Bier gab mir aber eben nichts, da ich Kopfschmerzen bekam und Müde wurde. Dann wieder Wein und am nächsten Tag aufgewacht, Kopschmerzen, schlecht geschlafen und vorgenommen: AUFHÖREN mit diesem Verhalten.

Ich habe jetzt 2 Wochen gar nichts getrunken, fühle aber den "Drang" mich zu betrinken...einfach aus "Spass". Dann gehe ich wieder hierher und muss mich überzeugen, dass ich vielleicht doch ein Problem habe...

PS: Wenn ich getrunken hatte habe ich in der Nacht immer:

- kurz und schlecht geschlafen
- eine trockene/verstopfte Nase (immer)
- einen Druck unter dem rechten Rippenbogen
- extremen Hunger

Nun da ich seit 2 Wochen nichts mehr trinke schlafe ich 2-3 Stunden, wache auf, schlafe wieder ein etc. Kein Durchschlafen mehr. Extreme Hitzewallungen. Ist das normal?
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Deo hat zum Thema: Re: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
Micha
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 4416

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 17:05    Titel: Re: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Deo,

ich bin erst ein Vierteljahr trocken und bin auch kein Arzt. Das möchte ich mal dazusagen. Ich habe nur meine perönliche Einzelmeinung.

Aber was du erzählst deutet für mich eindeutig auf krankhaften Umgang mit Alkohol hin.

Alleine die Heimlichtrinkerei ist ein eindeutiges Indiz. Die 5 LiterPacks helfen dir sicher nicht nur deine Frau zu belügen (und nichts anderes machst du und das wegen deines Saufens!) sondern machen es dir auch selbst leichter, dir in die Tasche zu lügen was deine Konsumsteigerung anbelangt.

Du solltest dringend etwas unternehmen. Willst du nicht mal mit deiner Frau darüber reden ? das könnte dich weiterbringen ...


Micha
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Micha hat zum Thema: Re: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
helinak
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 05.09.2006
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 19:36    Titel: Re: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Deo!

Irgendwie klingt deine Geschichte sehr ähnlich meiner an. Bei mir wars nur Bier. Am Anfang. Wollte auch dazu gehören. Dann brauchte ich es zur Entspannung. Dann gegen langeweile, dann gegen Streß. Auf Partys gehört es ja sowieso dazu.

Das du heimlich trinkst, finde ich nicht gut. Damit hinauszögerst du nur den Punkt, daß man ein Problem hat (oder auch nicht) und was unternehmen muß. Ich habe es von meinem Mann nicht verheimlicht, aber doch ausgenutzt, daß er die Mengen eh nicht mitzählt.

Ja, und irgendwann ist so weit, daß man in LKH gehen muß. Wie bei mir.

Ich würde dir sehr herzlich raten entweder deiner Frau anvertrauen oder es zumindest nicht mehr verheimlichen. Am besten beides machen. Ich habe es auch geschafft (mit Hilfe dieses Forums, wofür ich sehr dankbar bin).

lg helinak
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helinak hat zum Thema: Re: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
Deo
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 09.09.2006
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 20:01    Titel: Re: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke für die netten Worte.

Dass ich noch nicht mit meiner Partnerin geredet habe, liegt wahrscheinlich daran, dass ich selbst denke es ist nicht übermässig wie ich trinke. Da ich wie schon erwähnt vom Charakter eher zurückhaltend bin, kam es mir recht 2-3 Gläser Wein zu trinken, bevor ich mit Leuten zusammen sein musste, die ich überhaupt nicht leiden kann (soziale Anlässe etc). Das war dann immer eine willkommene Ausrede und Leute haben auch sehr positiv auf mich reagiert, da ich dann aus mich herauskam.

Immer wenn ich 2-3 Wochen nichts trank habe ich mir gedacht: "guck, du hast doch gar kein Verlangen nach Alkohol, also war es auch kein problem für dich...". Dann habe ich wieder mein Verhaltensmuster angenommen.

Ach, es tut doch gut mal zu reden...
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Deo hat zum Thema: Re: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
Micha
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 4416

BeitragVerfasst am: 09.09.2006, 20:30    Titel: Re: Bin ich Alkoholiker...? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Deo,

Das du nicht denkst übermäßig viel zu trinken stimmt wohl nicht ganz, denn sonst wärst du ja nicht hier, stimmts ?

Ich bin auch auf "sozialen Anlässen" wie du es so schön nennst, immer mehr schüchtern. Ich habe mir wie du Mut angetrunken. Und mir auch die Gesellschaft schöngetrunken, denn oft hatte ich gar keine Lust.

Es war immer das gleiche: Zuerst wollte ich gar nicht hingehen, dann bin ich doch hingegangen, trank und bin dann oft als Letzter bis zum Schluss dageblieben.
Entweder ich erschien nicht oder ich gehörte zum harten Kern.

Zur zeit erscheine ich nirgens wo ich früher trank. Ich habe auch nicht vor, mich durch gezieltes Trinken an eine etwaige Gesellschaft anzupassen. Das macht mich krank.
Auf Anlässen die mich und die ich nicht nüchtern gerne besuche bin ich nicht mehr zu sehen. Und ich bin froh drüber, weil ich die auch nicht vermisse.

Heute ist hier bei uns im Haus eine Geburtstagsfeier, wo ich eingeladen bin. Ich habe nicht eine Sekunde darüber nachgedacht dorthin zu gehen. Da wird gesoffen und gekifft bis die Schwarte kracht.

Ich bin ehrlich froh hier alleine zu sein und mich mit mir und meinem neuen Leben auseinanderzusetzen, z. Z. hier im Forum.

Ich empfinde das Reden hier auch als wohltuend. Ich weiß nicht, was du nun tun möchtest. Aber ich möchte dir einen einzigen Rat geben: Behalte den Gedanken ans Trockenwerden bei dir. Lauf nicht davon vor ihm. Er holt dich immer wieder ein. Je früher man sich auseinadersetzt desto besser. Einfacher wird es nicht mehr.

Mach' dir keinen Druck, aber halt den Gedanken fest, denke ihn weiter, bleib' hier und rede, lese, frage, erzähle und sprich mit deiner Frau. Alleine die Ehrlichkeit dieser Geste ihr gegenüber wird eine Erfrischung für eure Partnerschaft sein und dir einen andere Sicht auf dein Trinkverhalten erlauben.

Ich wünsch' dir einen guten Weg

Micha
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Micha hat zum Thema: Re: Bin ich Alkoholiker...? geschrieben
Wolfgang1965
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 08.09.2006
Beiträge: 7
Wohnort: Maxdorf

BeitragVerfasst am: 10.09.2006, 14:26    Titel: Bin ich Alkoholiker? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Deo,

schön, daß du dich mit diesem Gedanken befasst und hierher gefunden hast!

Auch ich hatte vor etwa 8 Jahren damit angefangen, mir Gedanken über mein Trinkverhalten zu machen. Es hat dann noch etwa ein Jahr gedauert, bis ich mir klipp und klar sagen konnte, daß ich Alkoholiker bin. Den Anstoß zum Nachdenken gab mir damals meine Frau.

Ich habe mich auch nie mit extremen Mengen Alkohol vollgeschüttet (ich hab nicht so viel vertragen), aber auch relativ geringe Mengen reichen, um in die Abhängigkeit zu gelangen. Ich hatte in dieser ganzen Zeit ein riesiges Glück (keine Probleme auf der Arbeit, Führerschein nicht verloren, Leber und Blutwerte absolut im Normbereich...). Ich habe mich zum Trinken immer in meine Werkstatt zurückgezogen und mein beschissenes Seelenleben ertränkt (das waren dann immer so vier, fünf Bier oder ein, zwei Liter Wein über den Abend weg). Harte Sachen habe ich auch selten angerührt.

Ich habe es dann irgendwann aus eigener Kraft geschafft, von heute auf Morgen aufzuhören (ich hatte keine Ahnung von einem kalten Entzug - das kann wohl auch gefährlich sein!).

Mein allmorgendlicher Gedanke war damals immer: "Heute keinen Alkohol und morgen auch nicht!". Ich glaube, das hat mir unheimlich gut geholfen. Jetzt bin ich schon über sieben Jahre alkoholfrei und bereue keinen einzigen Tag.

Natürlich ist nicht alles toll dadurch in meinem Leben (es gibt Höhen und Tiefen, wie vorher auch - ich erlebe sie auch intensiver), aber dieses Kreuz Alkohol mit seinen ganzen möglichen Folgen brauche ich nicht mehr zu tragen.

Zu Nebenwirkungen des Absetzens von Alkohol habe ich selbst folgende Erfahrungen gemacht: Kopfschmerzen, Gefühlsschwankungen (die habe ich aber heute auch noch), trockener Mund, unregelmässiger Herzschlag (vom Gefühl her) - das wars aber wert!
Ich an deiner Stelle würde mich aber trotzdem an einen Arzt oder eine Suchtberatungsstelle wenden, um die Risiken abzuschätzen und auch psychischen Beistand zu bekommen.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg - der Anfang ist gemacht, also geh weiter, es lohnt sich!!!

Schönen Gruß
Wolfgang
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Wolfgang1965 hat zum Thema: Bin ich Alkoholiker? geschrieben

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