| Er trinkt wieder... • Schwiegervater sagt: "Ich bin Alkoholiker: Na und?! |
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Andi30 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 01.09.2006 Beiträge: 1
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Verfasst am: 01.09.2006, 04:26 Titel: Co-Abhängig, und nun? |
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Hallo Zusammen!
Mein Lebenspartner ist abhängig von Medikamenten. Wir haben vor ca. einem Jahr über das Problem gesprochen, es hat viel Streit gegeben, nach einigen Monaten war das Problem scheinbar gelöst. Trotzdem hat es schon damals einen Knacks in unserer Beziehung gegeben - viele Lügen, das Gefühl das Vertrauen verloren zu haben ist bis heute nicht vergangen und wird wohl ein Leben lang bestehen bleiben.
Seit etwa einer Woche habe ich wieder Anzeichen für einen neuen beginnenden Medikamentenmissbrauch festgestellt. Zuerst nur an seinem Verhalten, inzwischen habe ich auch div. Medikamente gefunden.
Ich stelle bei mir Verhaltensmuster fest, die auf eine Co-Abhängigkeit hinweisen: Vertuschen von Anzeichen seiner Abhängigkeit gegenüber anderen, Kontrolle von Medikamenten-Verstecken, Versuch der heimlichen Kontrolle der gebrauchten Menge an Medikamenten.
Im Internet findet man zahlreiche Seiten über Sucht und Tips für Angehörige. Man soll die Sucht nicht tolerieren, aber den Partner auch nicht auf Biegen und Brechen ändern wollen. Nicht diskutieren, Lügen akzeptieren. Kontrollen einstellen. Mit ernsten Schritten drohen, und diese schlimmstenfalls auch umsetzen. Aufhören, Co-abhängig zu sein.
Wie soll das gehen? Ich bin mit unserer Beziehung voll und ganz zufrieden - bis auf die Sucht natürlich, die unserem Leben eine bittere Note verpasst. Wenn ich aufhöre, aufmerksam zu sein, auffälliges Verhalten zu bemerken, die Verstecke zu kontrollieren - mache ich dann nicht den Weg frei für die Sucht? Soll ich warten, bis ich nur mit ernsten Schritten, sprich einer Trennung, etwas bewirken kann? Dann mache ich unser Leben kaputt.
Und ausserdem: Selbst, wenn ich mich nur vorübergehend trennen würde, würde seine Abhängigkeit nicht wohlmöglich noch schlimmer dadurch?
Danke,
Andi |
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| Andi30 hat zum Thema: Co-Abhängig, und nun? geschrieben
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Leguan43 Gast
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Verfasst am: 01.09.2006, 05:41 Titel: Re: Co-Abhängig, und nun? |
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Hallo Andi,
die Medikamentensucht war es, die mich über Süchte überhaupt nachdenken lehrte. In unserer Familie betraf es die Oma meines Mannes, die über 30 Jahre medikamentensüchtig ist.
Alle in der Familie duldeten es mehr oder weniger, oder wollten es nicht wahrhaben, denn es ist nicht auffällig aber sehr gefährlich für die Gesundheit. Es verändert das Bewußtsein wie bei einem Alkoholiker, alles dreht sich um die Sucht und die Dosis erhöht oder verstärkt der Medikamentenabhängige ebenso wie der Alkoholiker.
Mein Mann nahm als Jugendlicher einige Drogen. Er war es, der den Anstoß gab und es durchsetzte, daß die Oma in eine Klinik zum Entzug gebracht wurde. Eine ganz liebe Frau, die in der Klinik zum Teufel wurde unter dem Entzug. Aber jetzt, ein Jahr danach hat sich ihre Psyche, ihr allgemeiner Gesundheitszustand unglaublich verbessert.
Tu etwas Andi. Erkundige Dich nach Möglichkeiten der Therapie für Deinen Partner. Sprich mit ihm darüber, was es für Möglichkeiten gibt. Es kann ihm nur helfen, sich selbst kennenzulernen und zu ändern. Medikamentenabhängige sind depressiv, finden keinen Weg mehr allein aus der Abhängigkeit. Gib ihm Halt und sage ihm, daß er Dir wichtig ist. Vielleicht hilft es ihm am Anfang als Motivation, es für eure Partnerschaft zu tun, wenn er noch nicht annehmen will und kann, daß es für ihn selbst so wichtig ist, eine Therapie anzufangen. Denn es wird nicht leicht sein, ihn davon zu überzeugen, da durch die Medikamente keine Eigeninitiative von Deinem Freund zu erwarten ist. Es ist ein Teufelskreislauf.
Anders habt ihr auf lange Sicht keine Chance auf ein glückliches Leben. Ich wünsche Dir, daß Du die Kraft hast, es zu tun. Berate Dich mit Fachärzten, es gibt gute Kliniken, die etwas von Medikamentenabhängigkeit und -entzug verstehen.
Das Schlimmste wäre, nichts zu tun. Ich drücke euch beiden ganz fest die Daumen. LG Leguan |
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| Leguan43 hat zum Thema: Re: Co-Abhängig, und nun? geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 01.09.2006, 09:11 Titel: Re: Co-Abhängig, und nun? |
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Hallo Andi und Willkommen,
Du schreibst, dass Euer Leben soweit in Ordnung ist, nur eben diese Sucht.
Wenn eine Sucht, egal in welcher Form, vorhanden ist, wird sich das Leben immer mehr nur um diese Sucht drehen.
Du hast nun angefangen, ihn in seiner Sucht zu kontrollieren und gleichzeitig nach außen hin seine Sucht zu verschleiern.
Ja, dass sind Anzeichen einer Coabhängigkeit.
Um ihn zu helfen, sollte er wissen, dass Du seinen Rückfall bemerkt hast und auch daraus kein Geheimnis machen.
Gespräche sollten immer in die Richtung laufen, dass Du einen klaren Standpunkt hast und keine Ausreden akzeptierst ( ist ja nicht so schlimm, mal eine Tablette, habe es unter Kontrolle usw. ).
Trennung ist nur der letzte Ausweg.
Du kannst auch andere Möglichkeiten versuchen. Zeige ihm durch Dein Verhalten, dass Du so nicht mit ihm zusammensein möchtest. Mal lieb und mal ignorierend, je nach seinem Zustand.
Dadurch gibst Du ihn zu verstehen, dass Du gerne mit ihm zusammen sein möchtest, wenn er was gegen seine Medikamentenabhängigkeit tut.
Verschleierungen sind eine Unterstützung seiner Sucht.
Die andere Seite, die Du ansprichst, ihn zu biegen, also zu einer Nüchternheit zu zwingen, bringt gar nichts. Das würde nur solange gut gehen, wie der Druck aufrecht erhalten wird und danach wieder von vorne beginnen.
Er muß erkennen, dass es Hilfe gibt, wenn er Hilfe haben möchte. |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Co-Abhängig, und nun? geschrieben
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