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skeptiker
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.08.2006
Beiträge: 7
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 11:18    Titel: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

bin neu hier und merke, obwohl ich viel gelesen habe über die Krankheit, dass ich mich wohl mehr mit Gleichgesinnten beschäftigen muss oder sollte, um meine Situation besser zu verstehen und zu bewältigen.

Kurz zu mir ...

Ich bin 30 Jahre alt und seit ich denken kann, etwas sehr melancholisch. Früh musste ich beruflich bedingt in eine Großstadt umziehen und seitdem trinke ich. Seit ca. 5 Jahren. Mein Alkoholproblem habe ich erst nicht wahrgenommen, weil es "nur" Wein war. Als ich mich aber dabei "ertappte", die Gläser meines Besuches frühzeitig weil nur halbleer in die Küche zu tragen und sie auf dem Weg in die Küche zu leeren, war mir klar, dass es ein Problem ist, das ich wohl angehen muss. Ich habe es öfter allein versucht und auch einige Monate durchgehalten, nun versuche ich es mit einer ambulanten Therapie.

Eigentlich bereitet mir das Nichttrinken weniger Probleme, als mich selbst zu ertragen. Ich bin nun erst seit ca. drei Wochen trocken und will es auch weiterhin bleiben. Mir bereitet es aber große Probleme allein in meiner Wohnung zu sein. Ich lege mich dann meist einfach nur ins Bett und weine vor mich hin, weil ich diese Einsamkeit nicht aushalte. Es gelingt mir aber auch nicht, etwas daran zu ändern. Alles, was mir von den wenigen Leuten in meinem Umfeld vorgeschlagen wird, erscheint mir sinnlos und ich finde 1.000 Gründe dafür, diese Dinge nicht zu tun. Was dann eben zur Folge hat, dass ich 99 % meiner Freizeit allein in meiner Wohnung bin. Nach außen hin scheint noch alles okay, aber mehr und mehr bröckelt diese Fassade und ich stehe dieser Wand völlig machtlos gegenüber. Jeder Versuch, sich mit mir zu treffen, endet darin, dass ich abblocke und nicht ans Telefon gehe. Ich habe mich selbst in ein Gefängnis gesetzt und finde nicht mehr raus.

Warum mache ich das? Tja, gute Frage, die ich mir jeden Tag stelle und kaum Antworten finde. Ich grüble seit Monaten darüber nach und komme nicht weiter. Sicher leide ich unter großen Komplexen und Minderwertigkeitsgefühlen, aber warum kann ich diese nichts durchbrechen? Von anderen bekomme ich eigentlich sehr gute Signale, aber ich kann niemanden an mich heranlassen. Ich interessiere mich nicht für mich selbst und dadurch auch nur sehr wenig für andere Menschen.

Meine Frage an euch: Inwieweit kennt ihr das und inwieweit hat das alles mit dem Alkohol zu tun?

Liebe Grüße
skeptiker
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skeptiker hat zum Thema: Auch im "Club" ... geschrieben
black-billy2006
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.06.2006
Beiträge: 1050
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 11:32    Titel: Re: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Skeptiker,

herzlich willkommen hier im Forum!

Es ist schon einmal ein sehr guter Schritt,das du eine Ambulante Therapie machst!Hast du denn mal dort von deinem Isolierzustand erzählt?
Weißt du,ich bin kein Arzt,aber ich habe so das Gefühl,das du eine Depression hast,die man aber durch Medikamente und gezielter Therapie behandeln kann!
Bei mir war es nach meinem 1. Entzug genauso und ich bekam Antidepressiva und die haben mir ganz gut geholfen!
Vielleicht sprichst du mal bei deiner ambulanten Therapie das an,die können dir sicherlich dabei weiter helfen.Ansonsten kannst du aber auch deinen Hausarzt davon erzählen,der dir dann weiterhilft!

Ich wünsche dir viel Kraft und Mut!

Liebe Grüße Billy
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black-billy2006 hat zum Thema: Re: Auch im "Club" ... geschrieben
skeptiker
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.08.2006
Beiträge: 7
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 11:59    Titel: Re: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe/r Billy,

danke für Deine rasche Antwort.

Ich habe sowohl dem Psychologen, als auch meinem Hausarzt davon erzählt, der Psychologe hält es auch für notwendig, dass ich nach der Alkoholtherapie eine Psychotherapie mache. Sagt aber, und das habe ich auch von anderen Beratungsstellen gesagt bekommen, dass mich derzeit niemand "nimmt", wegen meiner Alkoholsucht. Dafür müsste ich erst die Alkoholtherapie abgeschlossen haben.

Mein Hausarzt scheint einfach nicht gut zu sein. Er spricht immer von Verstimmungen und dass ein so junger und im Beruf erfolgreicher Mensche eigentlich kaum eine wirkliche Depression haben kann. So ein Quatsch.

Über Antidepressiva habe ich auch nachgedacht und mich auch informiert. Allerdings habe ich große Angst vor den evtl. Nebenwirkungen, die mir auch nicht ganz einfach zu akzeptieren sind. Hinzu kommt, dass ich eh schon Epileptiker bin und dass Antipressiva solche Nebenwirkungen mitsich bringen können.

Grüße
skeptiker
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skeptiker hat zum Thema: Re: Auch im "Club" ... geschrieben
black-billy2006
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.06.2006
Beiträge: 1050
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:14    Titel: Re: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Skeptiker,

wenn dein Hausarzt nicht so gut ist,vielleicht könntest du ihn ja wechseln.Das du Epileptiker bist,ist natürlich nicht so schön,aber ich denke auch dir kann man dann evtl. mit anderen Medikamenten helfen!

Eine Depression ist nun mal auch eine Krankheit,die nichts mit jung sein zu tun hat,schade das das dein Arzt nicht weiß!

Das kenne ich auch,das man erst eine Alkoholtheraüpie machen muß und dann die Psychotherapie!Meine ambulante Therapie war beides,wobei die einzel Therapie keine tiefen Psychotherpie war!Versuch dich doch nochmal bitte bei einem anderen Arzt zu erkundigen,vielleicht hast du ja Glück und du kannst doch gleich eine Psychotherapie machen!

Bei den Antidepressiva ist es wirklich so,das sie viele Nebenwirkungen haben,aber in der Regel vergehen die nach 1-2 Wochen.Versuche dich doch mal bitte bei einem Psychatrischen Arzt vorzustellen,der weiß bestimmt eine Menge mehr!

Ich wünsche dir viel Kraft und Mut und paß auf dich auf!

Liebe Grüße DIE Billy Winken
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black-billy2006 hat zum Thema: Re: Auch im "Club" ... geschrieben
hexe
Gast






BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:19    Titel: Re: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Skeptiker,
Ja, warum tun wir uns das an und ziehen uns total in unser Schneckenhaus zurück. Manchmal fühle ich mich lebendig begraben, so auch heute.
Schon 2x haben Freunde angerufen heute morgen- ich bin nicht an das Telefon gegangen. Ich habe keine Lust zu Reden- fühle mich nicht in der Lage über lapidare Dinge zu sprechen-jedenfalls heute und wie schon so oft. Iregendwann wird sich kein Mensch bei uns melden. Bei mir ist es schon so weit, dass ich links ums Haus gehe um nur ja keinem zu begegenen. Dann gibt es wieder Perioden wo ich ungezwungen auf Menschen zugehen kann. und von mir aus zum Telefon greife.
In der nassen Zeit habe ich ständig den Hörer in der Hand gehabt und gelabert!
Im Berufsleben habe ich ein 2.Gesicht. Ich rede mit allen, lache sogar manchmal.

Hat das wirklich was mit Selbstwertgefühl zu tun? Ich müßte einfach nur heute nachmittag rausgehen. Bekannte treffe ich bestimmt. Aber da ist der Haken. Will ich überhaupt Bekannte treffen?

Was ist bloß mit mir/uns los? Depressionen sind das nicht- die äußern sich ganz anders und ich würde Dir aus eigener Erfahrung raten, die Finger
von Antidepressiva weg zu halten. Eine neue Abhängigkeit beginnt.

Ich glaube an die Gesprächstherapie-die allein hilft so wie mir auch das Forum hilft.

Morgen ist wieder ein Arbeitstag und ich bin froh wenn das Wochenende vorüber ist. Wenn andere Dir ein schönes Wochenende am Freitag wünschen, beginnt für mich eine einsame Zeit. Ich kann mich genau wie Du auch nicht mehr leiden.

Wie kriegen wir das wieder in den Griff- wer kann mir/uns helfen ?

LG
Claudi
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hexe hat zum Thema: Re: Auch im "Club" ... geschrieben
dorothea
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 7472
Alter: 48
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:30    Titel: selbstmitleid Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo skeptiker

ich bin zwar auch kein arzt sondern "nur" krankenschwester aber in meinen augen bist du depressiv das kann gut möglich mit dem alk zusammenhängen denn der verträgt sich auch nicht mit epilepsiemedikamenten.

suche dir mal nen anderen arzt, auserdem gibt es private psychologen die auch depressionen paralel zur alktherapie behandeln, ich würde an deiner stelle noch etwa 2 monate abwarten wie sich dein gemütszustand während der therapie entwickelt, wenn sich dann nichts tut solltest du dich um eine paraleltherapie kümmern. ich bin aber ganz sicher das sich mit fortschreitender therapie auch deine laune bessert.
dieses gefühl "keiner mag mich, ich bin ja so allein, mir gehts ja so schlecht" kenne ich aus meinen sauftagen selbst, glaube es einfach das geht vorbei.

lg dorothea
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dorothea hat zum Thema: selbstmitleid geschrieben
skeptiker
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.08.2006
Beiträge: 7
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:34    Titel: Re: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Claudia,

was Du schreibst, kenne ich sooooo gut! Genauso gehts mir auch. Ich fühle mich einsam, obwohl es durchaus Menschen gibt, die sich sehr für mich interessieren.

Auch ich habe ein 2. Gesicht, denn sobald ich im Büro bin, scheint alles in Ordnung, dort lache ich, scherze ich und wirke völlig normal.
Und so gehts mir auch oft, wenn ich mit einem Arzt spreche. Ich bin munter, aufgeschlossen und zugänglich und der letzte Satz des Arztes ist dann: "Ich weiß gar nicht, wo ihr Problem liegt, sie wirken auf mich so normal, ruhig und zufrieden". Aber er weiß nicht, was passiert, wenn ich in meiner Wohnung bin.

Ich habe mir einfach antrainiert in der "Öffentlichkeit" so zu sein. Die Gesellschaft fordert es so und ich habe mir viel Disziplin und eben mein 2. Gesicht angeeignet.

Und Du meinst nicht, dass es eine Depression ist? Es gibt ja versch. Arten von Depressionen. Natürlich gibt es Symptome, mit denen ich auch nichts anfangen kann, aber vieles spricht schon dafür, wie ich finde:

Meine Interessenlosigkeit und die mangelnde Lebensfreude.

Was tust Du, wenn es Dir so geht? Kämpfst Du, überredest Dich zu Unternehmungen oder nimmst Du das einfach nur so hin?

Grüße
skeptiker
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skeptiker hat zum Thema: Re: Auch im "Club" ... geschrieben
skeptiker
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 27.08.2006
Beiträge: 7
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:40    Titel: Re: Auch im "Club" ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke, dorothea, für Deinen Beitrag. Er macht mir etwas Mut! Die zwei Monate bekomme ich rum und ich hoffe nichts sehnlicher, als das sich neben meinem Alkoholproblem auch ein normales Leben einstellt.

Meine bisherigen Beziehungen sind alle in die Brüche gegangen, weil mich meine Partner nicht ertragen konnten, weil ich nie zu etwas Lust hatte und die meiste Zeit aus dem Fenster starrte. Ich hatte gehofft, dass, wenn ich nicht mehr trinke, sich dieser Zustand ändern würde, aber dafür muss ich wohl mehr Geduld haben.

Liebe Grüße
skeptiker
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skeptiker hat zum Thema: Re: Auch im "Club" ... geschrieben

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