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Hartmut
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Beiträge: 17625
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BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 00:18    Titel: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

nun möchten sich hier die Meisten von Ihrer CO Abhängigkeit befreien. Da kann ich sicherlich nur bedingt dazu beitragen aber ich kann jeden in diesem Thread dazu einladen Fragen an einem Alkoholiker zu stellen. Unter dem Motto

Zitat:
"Was ich schon immer mal wissen wollte aber mich nie getraut habe zu fragen"


Ich bin auch ein Freund etwas auf den Punkt zu bringen, somit sollte sich keiner wundern das da manche Antworten direkter sein können.

Gleichzeitig möchte ich auch Alkoholiker dazu einladen sich hier mit zu beteiligen falls es andere Erfahrungen zu den Fragen / Antworten gibt.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Emma2010
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 06.10.2010
Beiträge: 228

BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 17:11    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Servus Hartmut,

hätte da schon mal eine Frage an dich.

Es würde mich interessieren, was ist heute anders zu früher?
Wie erklärt sich am besten, der Unterschied von nassen Gedanken zu
den trockenen?

Denke mir, dass wahrscheinlich jemand, der/die mehr säuft als
gut ist, dem eine Form von autoaggressiven Verhalten zugrunde liegt?

Mir ist klar, eine Sucht ist immer schwer zu erklären, wer nicht drinnen steckt. Bereits der erste Tropfen eine Aufforderung, für den nächsten und den über... über nächsten Schluck, dennoch mit welcher Rechtfertigung wird dies sich selbst über argumentiert?

Freue mich über Antworten, denn das nasse und trockene Denkmodell
kann vlt. auch hilfreich sein, wenn man so wie ich gerne Fasten
würde und andererseits ist jede Umsetzung stets nur blablabla.

Liebe Grüße
Emma
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Emma2010 hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Barthell
sehr aktiver Teilnehmer


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Beiträge: 1072
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BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 17:36    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Erstmal Hartmut: finde ich ne tolle Idee

Emma2010 hat Folgendes geschrieben:
Servus Hartmut,

hätte da schon mal eine Frage an dich.

Es würde mich interessieren, was ist heute anders zu früher?
Wie erklärt sich am besten, der Unterschied von nassen Gedanken zu
den trockenen?
[... ]


Ich bin zwar nicht Hartmut und noch nicht so lange dabei, aber ein ganz großer Unterschied für mich ist:

Statt mich zu fragen was ich MUSS,

frage ich mich was ich WILL und was ich darf.


An sich ist das alles sehr kompley, ein Anderer Punkt war, dass ich mich oft gefragt habe quasi den tag über wann ich wieder trinken kann, wie ich es am besten time und welche Menge damit ich morgen nicht zuuuu kaput bin, was ich mit den leeren Flaschen/Dosen machen soll damit es niemand merkt.

Wenn ds wegfällt hat man plötzlich viel mehr Zeit und quasi eine "Lücke" an Zeit die man Wahrnehmen kann... statt sich weg saufen zu "müssen" um damit X Stunden "weg" zu sein, habe ich zeit mich mit mir selbst zu beschäftigen und habe überhaupt die Möglichkeit mich zu fragen was will ich eigentlich... Und habe auch die Sicht, dass ich eben auch eine Entscheidung wieder in Frage stellen kann weil ich eben nichtmehr "MUSS".

Ich habe viel mehr als eine Wahl... nur im "nassen" Denken gab es eben nur die Einbahnstraße mit vielleicht ganz kleinen Blicken nach links und rechts aber bloß nicht von der Straße abkommen, das würde ja Veränderung bedeuten.
Veränderung macht Angst, die will betäubt warden, ich kenne da eine schnelle, zuverlässige Lösung -> Zack ist die Pulle offen.

Jetzt macht Veränderung immer noch Angst, aber die will betrachtet werden, untersucht werden, neugierig erfahren werden, und dann finden sich soviele Lösungen die mögen vielleicht "anstrengender" sein und das Ergebnis unsicher, aber dafür ist es MEINE Lösung und nicht die des Alkohols.


Ja es ist mehr geworden und nicht so klar wie ich es gerne beschrieben hätte... aber so fühlt sich das bei mir eben an.

Es ist eine andere Qualität von Glücklichkeit die sich einstellt, eben auch weil der Körper wieder lernt selbst Glückshorme zu produzieren als eben durch stumpfen Anreiz aus zu schütten.
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Barthell hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 17625
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 17:57    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Emma,

dann rolle ich das Feld mal von hinten auf.
Zitat:
Denke mir, dass wahrscheinlich jemand, der/die mehr säuft als
gut ist, dem eine Form von autoaggressiven Verhalten zugrunde liegt?
Alkoholismus hat ja eine wesensveränderte Wirkung und ich würde sogar behaupten das auto aggressiven Verhalten ein Bestandteil der Krankheit ist.
Es war ja nicht so (zumindest am Anfang) das es mir während dem Saufen schlecht ging oder ich mir Gedanken machte welche zerstörende Wirkung er auf mich hat. Komischerweise dachte ich selbst noch im Suff das er mir eh nichts anhaben kann und als "Problemlöser " mit wirkt. Erst mit den Jahren und dem ständigen Saufen zu müssen wurde mir es bewusst, das der Alkohol nur ein Problem löst. Die Sucht zu befriedigen. Selbst da war dann noch die zerstörerischen Wirkung "beschönigt".

Zitat:
Wie erklärt sich am besten, der Unterschied von nassen Gedanken zu
den trockenen?
Nasse Gedanken sind schwer zu beschreiben, da sie meist im Unterbewusstsein ablaufen und dazu dienen, alles aus dem Weg zu räumen (Denken) was mich abhält an Alkohol zu kommen. " Beispiele " Feste, Feiern , Veranstaltungen an denen es kein Alkohol gab es als schlecht zu empfinden. Menschen die kein Alkohol tranken als schwach zu sehen.Da musste ich schon mal vorglühen oder ich verließ aus irgendwelche vorgeschobene Gründen die Feier um in Ruhe oder mit Saufkumpanen wieder ungestört saufen zu können. Vorräte anschaffen falls mal eine Feier ist. Schauen das der Suff auch ausreicht.

Trocken Gedanken gibt es eigentlich nicht. Sie sind ja bewusst. Es sind Gedanken die jeder hat der eben kein Alkoholproblem mit sich rum schleppt.

Leider dauerten es noch Jahren um die nassen Gedanken zu erkennen.

Zitat:
Mir ist klar, eine Sucht ist immer schwer zu erklären, wer nicht drinnen steckt. Bereits der erste Tropfen eine Aufforderung, für den nächsten und den über... über nächsten Schluck, dennoch mit welcher Rechtfertigung wird dies sich selbst über argumentiert?
Wenn es eine Rechtfertigung für Krankheiten gibt, dann ist das Verhalten im Suff sich selbst und anderen gegenüber die Auswirkung der Krankheit.

Was anderes ist,ob ich mir selbst oder andere mir verzeihen können,was im Suff passiert ist. Das ist mal die Sicht von mir.

Ich weiß auch das ich mir hier im CO Bereich befinde und der CO sich von seinem Suchtmittel ( im diesen Fall Alkoholiker) lösen soll. Da sollte er auch aufpassen das ein Verstehen der Komplexität des Alkoholikers nicht dazu führt das er in seiner CO Abhängigkeit verharrt.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Emma2010
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 06.10.2010
Beiträge: 228

BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 19:11    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Es heißt ja, die Sucht, ist irgendwie, irgendwo eine Suche.

Demzufolge müsste es mal eine Lebensphase gegeben haben, wo
ein Mangel uns belastet hat.

Um von mir zu sprechen, eine die immer mit massiven emotionalen
Hunger zu kämpfen hatte.
Ich habe in meiner Kindheit wahrgenommen, dass ich wenig Aufmerksamkeit bekommen habe, es keine Anerkennung gab, sondern
stets nur Kritik, Sorgen und Streit, zusammengefasst um nicht zu sehr abzuschweifen,
war es eine relativ lieblose Erziehung.

Meine damals kindliche Schlussfolgerung war, dass ich nicht liebenswert
bin, nichts zustande bringe, nur eine Belastung bin für die Eltern.

Viele, sehr viele Jahre habe ich damit zugebracht, jemanden zu finden, der
mir all das gibt an Bestätigung, die ich bis dato nie bekommen habe, mit
Ausnahme einer Beziehung, die mit einem alkoholabhängigen Mann.

Mittlerweile, nach langer Bewusstseinsarbeit, weiß ich, dass
der K i k im Kopf gar nicht die Befriedigung ist, welche uns jemand zugesteht, oder ersatzweise, das Suchtmittel.

Entscheidend ist, wie denken wir eigentlich über uns selbst. Bin ich es
mir wert, mich gut zu behandeln, habe ich für mich Wertschätzung, gehe
ich mit mir liebenswert um?

Ich glaube, dass es bei der Alkoholabhängigkeit auch diesen Schwenk braucht, dahingehend jemand zu sein, sich selbst wichtig zu nehmen, sich um sich zu kümmern, so wie es in der Trockenarbeit antrainiert wird.
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Emma2010 hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 17625
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 19:32    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Emma,

Zitat:
Es heißt ja, die Sucht, ist irgendwie, irgendwo eine Suche.
Demzufolge müsste es mal eine Lebensphase gegeben haben, wo
ein Mangel uns belastet hat.
nun gehöre ich nicht zu dem Menschen die die Vergangenheit dazu verwenden, das ich irgendwann durch einen Mangel es mit Alkohol kompensiert hatte. Jeder Mensch hat irgendwelche Mängel in der Kindheit gehabt und es auf heutigen Verhalten zu implizieren wäre für mich eine Suche die nie endet.

In den Jahren verschwimmen die ganzen Erinnerungen und welche die irgendwann hervorgerufen werden geben nicht das wieder was wirklich war. Ich denke viel mehr das das Leben ein Entwicklungsprozess ist was die Evolution bestimmt und sich das Leben immer nach einen Perfektionismus entwickeln will.

Natürlich gab es Umstände die dazu führten das ich gesoffen habe. Aber Alkoholiker wurde ich um nichts zu kompensieren, sondern weil ich eben den Absprung nicht mehr schaffte.

Nun mag es den einen oder Anderen helfen, irgendwo etwas finden zu müssen, um seinen Alkoholismus zu entschuldigen oder ihn zu rechtfertigen, vielleicht auch für sich zu verstehen. Ich habe mich von Anfang an nur darauf konzentriert ihn zu stoppen.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Emma2010
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 06.10.2010
Beiträge: 228

BeitragVerfasst am: 16.01.2018, 21:02    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Sorry, bin auch jemand, die kurz und bündig das Thema auf
den Punkt bringen will.

Fühle mich noch nicht ganz verstanden.
Möchte dezidiert keine Entschuldigung finden, die irgendeine
Form von Alkoholismus entschuldigen will.

Ich habe auch schon hin und wieder zu viel gesoffen. Gott sei Dank
vertrage ich das Gesöff nicht wirklich und bekomme davon
Migräne.
Klar, als erwachsene Person bin ich immer für mein Handeln verantwortlich,
egal welche Form von Missbrauch es vielleicht auch gegeben hat. Ich kann vlt. meine Sorgen kurzfristig ersäufen, aber muss man sich deshalb gleich
kontinuierlich mit Alkohol das Leben ruinieren?

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, wird irgendwann süchtig, sobald der
Gewöhnungseffekt da ist. Vlt. empfindet man mit 2/4 noch einen Genuss, doch bei Shit happens hat man kein Gefühl mehr fürs Limit.

Ehrlich gesagt, hasse ich das Gefühl der Betrunkenheit, möchte keine
Marionette sein in einer irrealen Welt. Nur in einem gesunden und klarem
Verstand bietet uns das Leben, des was man braucht.

Was fühlt und denkt man im Rausch? Das kann es doch auf Dauer nicht sein.
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Emma2010 hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 13.02.2007
Beiträge: 17625
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 17.01.2018, 09:31    Titel: Re: Fragen an einen Alkoholiker Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Emma

ich habe dich schon richtig verstanden.

Zitat:
Wer regelmäßig Alkohol trinkt, wird irgendwann süchtig, sobald der
Gewöhnungseffekt da ist. Vlt. empfindet man mit 2/4 noch einen Genuss, doch bei Shit happens hat man kein Gefühl mehr fürs Limit.

Ehrlich gesagt, hasse ich das Gefühl der Betrunkenheit, möchte keine
Marionette sein in einer irrealen Welt. Nur in einem gesunden und klarem
Verstand bietet uns das Leben, des was man braucht.

Was fühlt und denkt man im Rausch? Das kann es doch auf Dauer nicht sein.
In welcher Unterteilung das nun war oder ist werde ich im nachhinein auch nicht mehr ergründen. Mein erster Schluck hat mich mit den Jahren in die Abhängigkeit geführt. Das reicht zu wissen. Würde ich heute noch mit damit auseinandersetzen wäre das der erste Schritt für eine Hintertür. Es gibt sicherlich viele Alkoholiker die sich an die Zeiten erinnern wollen "Wie schön, gesellig oder wie ausgelassen das manchmal war." Da kann dann schon mal der Gedanke aufkommen "es wieder zu können" Diese Tür habe ich für mich geschlossen.

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: Fragen an einen Alkoholiker geschrieben

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